Ruhe unsanft

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Ruhe unsanft (Originaltitel Sleeping Murder: Miss Marple's Last Case) ist der 66. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien im Oktober 1976 im Vereinigten Königreich im Collins Crime Club [1] und in den USA bei Dodd, Mead and Company später im selben Jahr. [2] [3] Die deutsche Erstausgabe wurde 1977 vom Scherz Verlag (Bern, München) mit der bis heute verwendeten Übersetzung von Eva Schönfeld [4] veröffentlicht.

Es ermittelt Miss Marple in ihrem zwölften und letzten Fall.

Der Roman wurde posthum veröffentlicht und obwohl er der letzte Roman ist, der von Agatha Christie veröffentlicht wurde, entstand er doch 1940 während des Zweiten Weltkrieges in einer Zeit, die man in London The Blitz nennt.

Agatha Christie hatte ihn gemeinsam mit Hercule Poirots letztem Fall (Vorhang) in den Tresor einer Bank gelegt, um für schlechte Zeiten vorzusorgen. Als sich 1975 andeutete, dass sie keine weiteren Romane mehr schreiben konnte (Christie war inzwischen 85 Jahre alt), gab sie Vorhang zur Veröffentlichung frei. Für das kommende Jahr bereitete sie die Veröffentlichung von Ruhe unsanft vor, starb aber am 10. Januar 1976.

Während Poirot in Vorhang alt und krank ist und am Ende sogar stirbt, deutet hier nichts darauf hin, dass es Miss Marples letzter Fall ist.

Handlung[Bearbeiten]

Gwenda Reed (geborene Halliday), eine junge Frau Anfang zwanzig, kehrt aus Übersee nach England zurück. Als sie zwei war, wurde sie von ihrem Vater nach dem Tod ihrer Mutter von Indien nach Neuseeland gebracht, wo sie bei Verwandten aufwuchs.

Nun ist sie frisch mit Giles Reed verheiratet, der ihr bald nach England folgen wird, und sucht ein Haus. In Dillmouth findet sie ein altes Haus, das ihr sehr gut gefällt und sie kauft es. Sie zieht ein und glaubt doch bald, dass irgendetwas mit dem Haus nicht stimmt. So läuft sie immer an eine Wand, weil sie denkt, dort müsste eine Tür sein. Auch fehlt ihrer Meinung nach eine Treppe von der Terrasse in den Garten. Stattdessen befindet sich an einer anderen Stelle eine Treppe.

Um sich davon zu erholen, nimmt sie eine Einladung zu Raymond West, dem Neffen von Miss Marple, nach London an. Miss Marples Interesse wird geweckt, als bei einem gemeinsamen Theaterbesuch Gwenda so sehr über eine Mordszene erschreckt, dass sie die Aufführung verlassen muss. Es stellt sich heraus, dass Gwenda als Kind bereits in dem Haus gelebt hatte. Ihre Mutter war in Indien ums Leben gekommen und ihr Vater kam daraufhin mit ihr nach England, wo sie in demselben Haus wohnten, das Gwenda und Giles nun bewohnen. Daher konnte sie sich an einige Dinge in ihrem Haus erinnern. Dort hatte sie außerdem einen Mord an einer Frau namens Helen mitangesehen, ohne dass der Mörder sie bemerkte. Zunächst kann sie sich aber an keine Frau namens Helen erinnern.

Gwenda und Giles versuchen, mit Unterstützung von Miss Marple, mehr über Helen herauszubekommen. Es stellt sich heraus, dass Helen die zweite Frau ihres Vaters war, die er auf der Reise von Neuseeland nach England kennengelernt hatte. Das Ehepaar schaltet eine Anzeige in einer Zeitung, woraufhin sich der Halbbruder Helens, Dr. Kennedy, der früher ein ortsansässiger Arzt war, bei ihnen meldet. Er erzählte von Helens vermeintlichem Verschwinden und dass Gwendas Vater glaubte, seine Frau umgebracht zu haben, woraufhin er sich das Leben nahm.

Gwenda und Giles untersuchen mit Miss Marples Hilfe die Hintergründe Helens und erhalten so Kontakt mit Helens ehemaligen Freundschaften und Liebhabern.

Unterdessen ist eine weitere Zeugin aufgetaucht, die früher bei Familie Hallidays Haushalt arbeitete. Sie will sich zuerst mit Dr. Kennedy treffen, steigt jedoch in einen früheren Zug und steigt an der falschen Station aus. In der Nähe wird sie ermordet aufgefunden.

Das Ehepaar Reed realisiert zunehmend die ihnen drohende Gefahr, als ihre Hausangestellte an vergiftetem Brandy beinahe stirbt. Unterdessen wird Helens Leiche auf einen Tipp von Miss Marple bei der versetzten Treppe gefunden.

Als Dr. Kennedy später im Haus auftaucht, in dem Gwenda allein ist, erkennt sie ihn als Helens Mörder. Dr. Kennedy will Gwenda umbringen, von der eintreffenden Miss Marple wird dieser Versuch aber vereitelt.

Die Auflösung ist wie folgt: In Wahrheit hat Dr. Kennedy mehrere falsche Spuren ausgelegt, unter anderem angebliche Briefe Helens nach ihrer Abreise. Er wollte keinen anderen Mann in Helens Leben dulden. Helen durchschaut die Machenschaften von Dr. Kennedy und will aus Dillmouth wegziehen. Indem er Helens Mann unter Drogen setzt und ihn als sein Hausarzt beeinflusst, suggeriert er ihm, er hätte Helen umgebracht. In Wirklichkeit hatte er Helen getötet und ihre Leiche im Garten vergraben. Die Treppe hatte er umgesetzt, damit die Leiche noch weniger wahrscheinlich entdeckt wird. Nun konnte er ihr Verschwinden so darstellen, als ob sie mit einem Liebhaber durchgebrannt sei. Die Hausangestellte der Hallidays schickte er ein Schreiben mit einer früheren Uhrzeit und einer falschen Wegbeschreibung und schrieb, dass sie den Brief unbedingt mitbringen solle. Nach dem Mord tauschte er die Briefe aus.

Personen[Bearbeiten]

  • Miss Jane Marple, die Amateurdetektivin
  • Gwenda Reed Halliday, eine junge Frau auf der Suche nach einem Haus
  • Giles Reed, ihr Ehemann
  • James Kennedy, ein pensionierter Arzt
  • Walter Fane, ein Anwalt
  • Jackie Afflick, ein Händler
  • Richard Erskine, ein Offizier
  • Janet Erskine, seine Frau
  • Edith Pagett, Köchin im Hause Halliday
  • Lily Kimble, Zimmermädchen im Hause Halliday
  • Inspektor Primer

Bezüge zu anderen Werken[Bearbeiten]

Im zehnten Kapitel ereignet sich eine Szene in einem Sanatorium, die so ähnlich auch in dem Roman Lauter reizende alte Damen vorkommt. Dort trägt sie jedoch maßgeblich zur Entwicklung der Handlung bei.

In beiden Romanen trinkt eine ältere Dame in dieser Szene im Aufenthaltsraum des Sanatoriums ein Glas Milch und erzählt dabei etwas verworren von einem 'armen Kind hinter dem Kamin'.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Miss Marple (1987)[Bearbeiten]

1987 wurde der Roman für die Fernsehserie der BBC Miss Marple verfilmt. Die Hauptrolle spielt Joan Hickson als Miss Marple.

Agatha Christie’s Marple (2006)[Bearbeiten]

2006 wurde der Roman für die zweite Staffel der Fernsehserie Agatha Christie’s Marple verfilmt mit Geraldine McEwan als Miss Marple.

Wichtige Ausgaben[Bearbeiten]

  • 1976 Collins Crime Club (London), Oktober 1976
  • 1976 Dodd Mead and Company (New York)
  • 1977 deutsche Erstausgabe Scherz Verlag (Bern, München) mit der Übersetzung von Eva Schönfeld [4]

Hörbücher[Bearbeiten]

  • 2004 Ruhe unsanft (5 CDs): Hörbuch, einzige ungekürzte Lesung. Sprecherin: Gabriele Blum. Regie: Hans Eckardt. Übersetzung von Eva Schönfeld. Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen (Marburg/Lahn)[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Collins Crime Club – A checklist of First Editions Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 16)
  2. Cooper and Pyke. Detective Fiction - the collector's guide: Second Edition (Pages 82 and 87) Scholar Press. 1994. ISBN 0-85967-991-8
  3. American Tribute to Agatha Christie
  4. a b Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  5. Hörbuch (vollst.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek