Der Todeswirbel

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Dieser Artikel behandelt den Kriminalroman von Agatha Christie. Zur Verfilmung siehe Der Todeswirbel (2006).

Der Todeswirbel (Originaltitel Taken at the Flood) ist der 38. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien zuerst in den USA bei Dodd, Mead and Company unter dem Titel There is a Tide [1] im März 1948 und im Vereinigten Königreich im November 1948 unter seinem Originaltitel.[2]. Der Scherz Verlag (Bern) veröffentlichte 1950 die deutsche Erstausgabe [3] in der bis heute verwendeten Übersetzung von Renate Hertenstein [4].

Es ermittelt Hercule Poirot in seinem 23. Roman.

Literarische Bezüge[Bearbeiten]

Die Handlung um den heimgekehrten Ehemann lehnt sich an Alfred Tennysons bekanntes Versepos Enoch Arden an.

Sowohl der Originaltitel, als auch der amerikanische Titel gehen auf einen Vers aus Shakespeares Drama Julius Caesar zurück:

There is a tide in the affairs of men,
Which, taken at the flood, leads on to fortune,
Omitted, all the voyage of their life
Is bound in shallows and in miseries.
On such a full sea are we now afloat,
And we must take the current when it serves,
Or lose our ventures.[5]

Der Strom der menschlichen Geschäfte wechselt;
Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück;
Versäumt man sie, so muß die ganze Reise
Des Lebens sich durch Not und Klippen winden.
Wir sind nun flott auf solcher hohen See
Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen;
Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren.

Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel[5]


Handlung[Bearbeiten]

Nach dem Vorspiel in einem Londoner Klub geht der Roman vom späten Frühling zurück zum Frühlingsanfang, als Lynn Marchmont frisch von der Royal Navy demobilisiert Schwierigkeiten hat, sich mit dem dörflichen Leben in Warmsley Vale wieder anzufreunden. Sie ist mit ihrem Cousin Rowley Cloade verlobt, einem der vielen Familienmitglieder der Cloades die im Dorf leben. Alle Familienmitglieder sind von den regelmäßigen Zahlungen Gordon Cloades, einem alten Junggesellen abhängig. Sie erwarten seinen baldigen Tod und sein umfangreiches Erbe. Plötzlich heiratet er auf einer Amerikareise Rosaleen Underhay, die junge und schöne Witwe von Robert Underhay. Beide kehren nach London zurück und werden Opfer eines Bombenangriffs. Gordon Cloades stirbt, seine Frau überlebt leicht verletzt. Durch die Heirat ist das Testament Cloades ungültig geworden, ein neues hat er nicht aufgesetzt. Rosaleen ist seine Alleinerbin. Das Ausbleiben der Zahlungen Cloades und die Wirtschaftskrise am Ende des Krieges stürzen sämtliche Familienmitglieder in eine tiefe Finanzkrise. Rosaleen und ihr Vermögen werden von Ihrem Bruder David eifersüchtig bewacht. Trotzdem gelingt es fast allen Familienmitgliedern (einschließlich Lynn‘s Mutter Adela) kleinere Geldbeträge bei Rosaleen zu erschleichen. David weigert sich aber, Frances zu helfen, deren Ehemann Jeremy große Summen veruntreut hat und vor dem völligen Ruin steht.

Die Ankunft eines Mannes im Dorf, der sich selbst Enoch Arden nennt, verändert die Lage schlagartig. Enoch Arden erpresst David mit der Behauptung, dass Rosaleens erster Mann noch lebt und er weiß wo er sich aufhält. Dies würde bedeuten, dass die Ehe von Rosaleen mit Cloade ungültig war und das Erbe an die Familie fallen würde. Nur wird dieses Gespräch von der Wirtin des Gasthofes Beatrice Lippincot belauscht, die sofort Rowley darüber informiert. Später wird Enoch Arden ermordet in seinem Zimmer aufgefunden.

Rowley bittet Hercule Poirot herauszufinden, ob Enoch Arden der erste Mann von Rosaleen war. Poirot erinnert sich an seinen Besuch in einem Londoner Klub und bittet Major Porter, der behauptete Underhay zu kennen, den Toten zu identifizieren. Obwohl Rosaleen anderes behauptet, besteht Porter darauf, dass es sich bei dem Toten um Underhay handelt. Das Erbe fällt zurück an die Cloades.

Rosaleen hat ein offensichtlich starkes Alibi für die Zeit des Mordes, weil sie an diesem Abend in ihrer Londoner Wohnung war. David dagegen hat nur ein schwaches Alibi: Für einen Tag aus London gekommen trifft er Lynn, als er versucht den letzten Zug nach London um 21.20 Uhr zu erreichen und er ruft sie aus der Londoner Wohnung kurz nach 23 Uhr an. Weil bekannt ist, dass der Mord kurz vor 21 Uhr stattfand, hatte er genug Gelegenheit und Motiv, um als Mörder verhaftet zu werden.

Sein Alibi verbessert sich jedoch, als entdeckt wird, dass eine stark geschminkte Frau mit einem orangen Kopftuch Enoch Ardens Zimmer um 22 Uhr verlassen hat. Die Ermittlungen erstrecken sich nun wieder auf die weiblichen Mitglieder der Cloade-Familie. Poirot entdeckt dann aber, dass die unmittelbare Todesursache ein Sturz gegen die marmorne Kamineifassung war, also auch ein Unfall in Frage kommt.

Das Verhalten der Verdächtigen wird dann unberechenbar. Lynn, mit Rowley verlobt, scheint sich in David verliebt zu haben. Es gibt Hinweise, dass sich Rowley zu Rosaleen hingezogen fühlt, die jedoch von Schuldgefühlen zerfressen wird. Major Porter begeht scheinbar Selbstmord, hinterlässt aber keinen Abschiedsbrief. Nach Porters Tod kommt ans Licht, dass Arden in Wirklichkeit Charles Trenton war, ein Großcousin von Frances Cloade. Diese hatte die Idee, Rosaleen zu erpressen, nachdem sie von ihrem Mann die Geschichten des Majors Porter gehört hatte. Damit ist die Identität Enoch Ardens zwar geklärt, es ist aber immer noch nicht klar, wer ihn ermordete und wer Major Porter dazu brachte, eine falsche Identifikation der Leiche vorzunehmen.

Rosaleen wird vergiftet aufgefunden. Superintendent Spence (der ermittelnde Beamte) behauptet, dass sie möglicherweise die Mörderin war; die Polizei war so auf David fokussiert, dass sie nie wirklich verdächtigt wurde. Lynn geht zu Rowley um ihm zu sagen, dass sie die Verlobung lösen will und David heiraten wird. Rowley reagiert heftig und versucht Lynn zu erwürgen. Poirot kann ihn stoppen. David kommt dazu und Poirot klärt den Fall auf.

Rowley hatte Enoch Arden in seinem Zimmer aufgesucht und sofort die große Ähnlichkeit mit Frances bemerkt. Er reagierte verärgert über das Spiel, das hier gespielt wurde. Arden, von Rowley geschubst, stolperte und fiel gegen die Kamineinfassung. Sofort sah er die Möglichkeit, David zu beschuldigen. Er positionierte den Schürhaken und hinterließ Davids Feuerzeug. Später überredete er Porter, die falsche Identifikation vorzunehmen. Porter wurde von seinen Schuldgefühlen übermannt und beging Selbstmord, einen Abschiedsbrief hinterlassend, den Rowley jedoch vernichtet.

David entdeckte kurze Zeit später den toten Körper von Enoch Arden. Er rannte, um den Zug 21.20 Uhr zu erreichen, verpasste ihn jedoch. Lynn sah zwar den Rauch des abfahrenden Zuges, er redete ihr aber ein, dass er noch Zeit habe. Dann, zum Hirschen zurückkehrend, verkleidete er sich als Frau und spielte die Szene, die dazu führte, dass man annahm, der Mord hätte später stattgefunden. Er kehrte zum Bahnhof zurück und beauftragte Rosaleen, bei Lynn anzurufen. Sie rief an, legte aber sofort wieder auf. David rief vom Bahnhof aus an, sagte, er sei unterbrochen worden und tat, als ob er in London sei. Er fuhr erst mit dem Morgenzug nach London zurück.

Rowley war also in zwei Morde verwickelt: einen Unfalltod und einen echten Selbstmord. Der einzige echte Mord war der Tod von Rosaleen. David hatte kein offensichtliches Motiv, seine eigene Schwester zu töten, besonders weil er sich durch ihren Tod das Erbe der Cloades entzieht.

Doch die Frau, die wir als Rosaleen kennengelernt haben, war gar nicht seine Schwester. Seine Schwester wurde gemeinsam mit ihrem Mann bei dem Bombenangriff getötet. „Rosaleen“ war ein irisches Hausmädchen von Gordon Cloade, wurde die Geliebte von David und dann seine Komplizin bei der Jagd nach dem Erbe. Nun konnte er seine Komplizin töten und Lynn heiraten, die ihn ja liebte und auch ihren Anteil am Erbe hatte.

Im Roman gibt es also nicht weniger als drei Verschwörungen: David/Hausmädchen, Frances/Charles und Rowley/Porter. David wird vor Gericht gestellt. Poirot gelingt es mit einer seiner gelegentlichen juristischen Finessen, die Verurteilung von Rowley zu verhindern. Stattdessen wird dieser Lynn heiraten, die ihn immer geliebt hatte, ohne es zu wissen.

Die Hauptpersonen[Bearbeiten]

  • Hercule Poirot, der Belgische Detektiv
  • Superintendent Spence, der ermittelnde Kriminalbeamte
  • Sergeant Graves, Spence's Assistent
  • George, Poirot's Diener
  • Rosaleen Cloade, frühere Mrs. Robert Underhay, eine vermögende junge Witwe
  • David Hunter, Rosaleen's Bruder
  • Jeremy Cloade, ein Rechtsanwalt
  • Frances Cloade, Jeremy's Frau
  • Lionel Cloade, ein Arzt
  • Katherine Cloade, Lionel's Frau
  • Rowley Cloade, ein Landwirt
  • Lynn Marchmont, ein ehemaliges Mitglied der Royal Navy und Braut von Rowley
  • Adela Marchmont, Lynn's Mutter
  • Beatrice Lippincott, die Wirtin des Gasthofes "Zum Hirschen"
  • Major Porter, eine Nervensäge aus einem Londoner Klub
  • “Enoch Arden”, ein Erpresser
  • Mrs. Leadbetter, eine Bewohnerin des Gasthofes "Zum Hirschen"

Verfilmungen[Bearbeiten]

2006 wurde der Roman in der Reihe Agatha Christie’s Poirot mit David Suchet als Poirot verfilmt.

Hauptartikel: Der Todeswirbel (2006)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. American Tribute to Agatha Christie
  2. Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15)
  3. Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  4. Nachweis der Übersetzerin im Katalog der Schweizerischen Nationalbibliothek
  5. a b Shakespeares Julius Cäsar im Gutenbergprojekt Original Deutsche Übersetzung