Windisch-Graetz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen derer von Windisch-Graetz
Wappen der Fürsten Windisch-Graetz (1804)

Windisch-Graetz ist der Name eines hochadeligen österreichischen Adelsgeschlechts, das urkundlich schon um 1220 erwähnt wurde. Ihre Stammburg Windischgrätz liegt in Slovenj Gradec (Windischgrätz), Slowenien. Sie wurden 1804 Reichsfürsten und erhielten 1822 den österreichischen Fürstentitel. Sitz der Familie war zu dieser Zeit die Stadt Tachov (Tachau) in Böhmen. Die Besitzungen in Slowenien und Böhmen ging 1918 zu einem großen Teil und 1945 schließlich ganz verloren.

Der Grundbesitz des ehemaligen Fürstentums Windisch-Graetz, Siggen und Eglofs im Allgäu, befindet sich im Eigentum des derzeitigen Familienchefs Anton Fürst zu Windisch-Graetz. Weiterer bedeutender Grundbesitz der weitverzweigten Familie liegt heute in Österreich und Italien.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Das Geschlecht ist vermutlich eines Stammes mit den von Diengen aus der bayerischen Grafschaft Wolfrathshausen, die als Ministeriale der Grafen von Andechs in deren Österreichischen Besitz Windischgraz kamen.[1] Es erscheint dort erstmals urkundlich in den Jahren 1218 bis 1222 mit dem Ritter (miles) Wernhardus de Graeze.[2] Die ununterbrochene Stammreihe des Geschlechts beginnt mit Conrad von Windischgracz, der ab 1299 urkundlich erscheint und vor dem 25. September 1339 verstarb. Conrad war 1323 Landesverweser der Steiermark.[1]

Im Jahre 1251 fiel Windischgraz cum omnibus ministerialibus als Schenkung an das Patriarchat von Aquileja, deren Ministerialität die Familie nun angehörte. Bereits 1270 nahm Ottokar II. von Böhmen, Herzog von Steiermark, Windischgraz in Besitz. Die Herren von Windisch-Graetz waren seit dem Dienstmannen der Herzöge von Steiermark.[1]

Die Windisch-Graetz in Böhmen[Bearbeiten]

Tachov – ehemaliges Schloss Windisch-Graetz

1574 erhielt die Familie das Inkolat in Böhmen. Damit verbunden war die Befähigung zum Erwerb landtäflicher Güter, das Recht zur Teilnahme an den Landtagen und zur Bewerbung um Ämter, die den Mitgliedern der Landstände vorbehalten waren. Familiensitz wurde später Tachau, u. a. mit den Gütern Kladrau, Steken und Mladejovice. Reichsgraf Joseph-Niklas zu Windisch-Graetz (1744 bis 1802) – vollständig: Joseph Ludwig Nikolaus Anton de Paula Johannes Nepomuk Adam Raymund, Graf von Windischgraetz, Freiherr von Waldstein und Thal – hatte am 12. Mai 1781 die Herrschaft Tachau gekauft. In die Zeit der Herrschaft der Familie Windisch-Graetz fällt unter anderem der völlige Umbau des Tachauer Schlosses in den heutigen klassizistischen Baustil, womit bereits 1787 begonnen wurde.

Alfred Fürst zu Windisch-Grätz, Feldmarschall, Lithographie von Joseph Kriehuber 1848

Sohn Alfred I. Candidus Ferdinand zu Windisch-Graetz, Erbe von Tachau und österreichischer Feldmarschall, plante im nahegelegenen Stadtteil Heiligen (tschechisch: Světce) anstelle der dortigen Klosterkirche ein großes Schloss, wobei diese Planung niemals zu Ende geführt wurde. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war anstelle der barocken Klosterkirche ein nur in den Ausmaßen beeindruckendes Bauwerk mit neuromanischer Fassade und Türmen entstanden. Bis heute erhalten geblieben ist aber die benachbarte monumentale Reithalle. Die 1859 fertiggestellte zweitgrößte Reithalle Europas wurde inzwischen restauriert und dient heute als Aufführungsort der bayerisch-böhmischen Festspiele im Rahmen des Kultursommers Bärnau-Tachov/Tachau auf tschechischer Seite.

Alfred I. zu Windisch-Graetz wurde 1804 in den Reichsfürstenstand erhoben und nahm ab 1805 am Feldzug gegen Napoleon (Dritter, Fünfter und Sechster Koalitionskrieg) teil.

Im südböhmischen Frauenberg heiratete er am 15. Juni 1817 Eleonore Prinzessin zu Schwarzenberg, mit der er sieben Kinder hatte, darunter Alfred Nikolaus Guntram Fürst zu Windisch-Graetz, geb. am 28. März 1819 in Wien, gestorben am 28. April 1876 in Tachau (Tachov).

Als Stadtkommandant von Prag leitete er im Juni 1848 die Niederschlagung des tschechischen Pfingstaufstands. Während der Kampfhandlungen in Prag wurde seine Ehefrau von einer verirrten Kugel tödlich getroffen. Friedrich Engels berichtete in der Neuen Rheinischen Zeitung Nr. 18 vom 18. Juni 1848 von den Geschehnissen in Böhmen und fügte hinzu: „Die österreichische Soldateska hat die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenbleibens von Böhmen und Deutschland im tschechischen Blute erstickt.“

Während des Wiener Oktoberaufstands wurde Alfred I. zu Windisch-Graetz vom österreichischen Kaiser das Oberkommando übertragen. Am 31. Oktober 1848 drang das Militär unter seiner Führung in Wien ein und verhalf der Gegenrevolution zum Sieg. Etwa 2000 Tote und erhebliche Verwüstungen waren das Ergebnis. Die standrechtliche Erschießung des Politikers und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum rief dabei große Empörung hervor.

Seine Rolle während des ungarischen Unabhängigkeitsaufstands im März 1849 ist umstritten. Um den Aufstand niederzuschlagen, marschierte eine kaiserliche Armee unter Alfred Fürst zu Windisch-Grätz in Ungarn ein. Diese musste sich jedoch am 10. April 1849 vor dem mit Freischaren und polnischen Emigranten verstärkten Revolutionsheer zunächst zurückziehen. Am 12. April 1849 wurde er von Kaiser Franz Joseph I. als Oberbefehlshaber abberufen und durch den Grafen Haynau ersetzt, worauf er sich auf seine Güter in Böhmen zurückzog.

1859 wurde er als Kommandant der Bundesfestung Gouverneur in Mainz und 1861 Mitglied des österreichischen Herrenhauses.

Er starb am 21. März 1862 in Wien und wurde – wie schon 1848 seine Frau Eleonore – in der Tachauer Familiengruft in der Wenzelskirche beigesetzt. 1886 wurde auch sein Sarg in die neue Familiengruft in der Marienkirche Kladrau überführt. Die Klosterkirche zählt zu den schönsten Bauten Böhmens und entstand als romanische Basilika während des 12. Jahrhunderts. Das heutige Aussehen im Stil der sogenannten “barocken Gotik” gestaltete in den Jahren 1712 und 1726 der böhmische Architekt Jan Blazej Santini-Aichel.

Das Kladrau bei der Ortschaft Kladrau in Böhmen samt dem Großgrundbesitz hatte Fürst Alfred von Windisch-Graetz 1825 für 275.500 Goldstücke gekauft, wobei ein Großteil des Kaufpreises wegen seiner Verdienste um die österreichische Monarchie nicht bezahlt werden musste. Hauptsitz der Familie blieb aber zunächst das nahegelegene Städtchen Tachau (Tachov).

Sohn Alfred II. Nikolaus Guntram Carl Fürst zu Windisch-Graetz, geboren am 28. März 1819 in Wien, übernahm die Herrschaft Tachau nach seinem Vater. In die Zeit bis zu seinem frühen Tod mit 57 Jahren fällt 1864 die Inbetriebnahme einer Brauerei in Kladrau im ehemaligen klösterlichen Konvent sowie einiger Betriebe in Tachau und Umgebung, aber auch die Aufwertung der Waldwirtschaft. Die Arbeiten am Schloss in Světce führte er nicht weiter fort, so dass das Gebäude in den nächsten Jahrzehnten zunehmend verfiel. Alfred II. starb am 28. April 1876 in Tachau (Tachov).

Der Sohn von Alfred II. und seiner Frau Hedwig Prinzessin von Lobkowicz war Alfred III. August Karl Maria Wolfgang Erwin zu Windisch-Graetz, geboren am 31. Oktober 1851 in Prag. Als konservativer und der Monarchie verbundener Politiker erfuhr er häufige Kritik aus fortschrittlichen böhmischen Kreisen. Er war Mitglied des Parlaments im Königreich Böhmen und Mitglied des Herrenhauses im österreichischen Reichsrat, 1893 bis 1895 war er Ministerpräsident Österreichs in einer Koalitionsregierung. 1897 wurde er zum Präsidenten des Herrenhauses gewählt und behielt diese Position bis zum Ende des Kaiserreichs 1918. Dr. Alfred zu Windisch-Graetz übernahm die Verwaltung der Herrschaft Tachau im Jahre 1896. Seit 1877 war er mit Gabriele Prinzessin von Auersperg verheiratet; zu den Kindern des Paares zählten u. a. der 1913 in Rom auf tragische Weise ums Leben gekommene Erbprinz Vincenz zu Windisch-Graetz.

Als Folge des 1. Weltkriegs und der anschließenden Bodenreform in der ersten Tschechischen Republik verlor die Familie einen beträchtlichen Teil ihres Grundbesitzes. Nach dem Tod von Alfred III. zu Windisch-Graetz am 23. November 1927 in Tachau ging ein Großteil des verbliebenen Besitzes im Wege der männlichen Erbfolge an seinen Neffen Ludwig Aladar aus dem ungarischen Zweig der Familie, das restliche Vermögen wurde auf seine Töchter aufgeteilt.

Ludwig Aladar zog nach Kladruby um und errichtete hier eine umfangreiche Bibliothek sowie das Familienarchiv. 1945 erfolgte dann die staatliche Beschlagnahme aller Güter, auch der Besitz in Kladruby ging in Staatsbesitz über.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Fürsten von Windisch-Graetz im Wappenbuch der Österreichischen Monarchie von 1831

Das Stammwappen zeigt in Rot Kopf und Hals eines gold-bezungten silbernen Wolfs. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild.[3]

Gräfliches Wappen[Bearbeiten]

Das reichsgräfliche Wappen, verliehen 1557, ist geviert und belegt mit einem gevierten Mittelschild (Teil des Wappens der Familie Gradner) samt roten Herzschild, darin schrägrechts eine goldene Fischgräte (auch heute noch Wappen der Familie Gradner), a und d in Rot eine dreilatzige silberne Kirchenfahne mit drei silbernen Ringen (Pfannstetten), b und c in Silber ein schwarzer Schräglinksbalken (Schallegg). 1 und 4 das Stammwappen, 2 in Schwarz drei (2, 1) goldene Ringe (Waldstein), 3 unter silbernen Feldeshaupt in Schwarz ein silberner Sparren (Wolfsthal). Das Wappen hat drei Helme, rechts der Stammhelm, auf dem mittleren mit rot-silbernen Decken drei rote Straußenfedern, belegt mit der hier querliegenden Fischgräte (Helm der Gardner), auf dem linken mit schwarz-goldenen Decken ein rundes schwarzes Schirmbrett, kreisförmig belegt mit sechs (1, 2, 2, 1) goldenen Ringen (Waldstein).[1]

Fürstliche Wappen[Bearbeiten]

Die fürstlichen Wappen von 1804 und 1822 zeigen das reichsgräfliche Wappen von 1557 mit Fürstenhut und Fürstenmantel. Als Schildhalter zwei wiedersehende silberne Wölfe.[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Prinz Ernst Weriand Windisch-Graetz nach erfolgreicher Hirschjagd

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Windisch-Graetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen der Windisch-Graetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XVI, Band 137 der Gesamtreihe, Seite 246-249
  2. Steiermärkisches Urkundenbuch 2, Seite 291, Nr 201
  3. Otto Hupp: Münchener Kalender 1901. Seite 30.