Zoll- und Binnenhafen Mainz

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Luftbild: Der historische Zollhafen im Wandel zum modernen Container- und Binnenhafen; 2008
Das Weinlagergebäude im Hafen
Landkarte aus dem 19. Jahrhundert

Der Zoll- und Binnenhafen der Stadt Mainz war einer der vier Mainzer Häfen, die sich unterteilen in drei Hafenbetriebe: Zoll- und Binnenhafen (Ingelheimer Aue), Rheinreede (Mainz-Weisenau) und Industriehafen (Mombach), sowie dem Freizeitgebiet Winterhafen. Das kommerzielle Hafengebiet erstreckte sich von Rheinkilometer 499,100 bis 503,701.

Geschichte[Bearbeiten]

Römische Zeit[Bearbeiten]

An der Stelle befand sich der römische Kriegshafen und ein Zentrum für Kaufleute mit Lagerhallen und Speichern. Das Gebiet ist als „Dimesser Ort“ (nach St. Theonest) bekannt. Man vermutet, dass sich hier die ersten Christen im römischen Mogontiacum aufhielten.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Entladung von Schiffen Mitte des 19. Jahrhunderts.
Einweihung des Zollhafens am 6. Juni 1887

Der Mainzer Weinkaufmann Heinrich von Mappes setzte sich persönlich gegenüber Napoléon Bonaparte für die Wiederherstellung des Mainzer Freihafens und die Errichtung eines Zolllagers am Kurfürstlichen Schloss ein.[1] Der Mainzer Stadtplaner Eustache de Saint-Far ließ daher 1809 die Martinsburg zugunsten des Brücken- und Hafenbaus abtragen. Dies gehörte zu den Infrastrukturmassnahmen für den Kanton Mainz. Aus den beim Abbruch gewonnenen Steinen wurde die Schiffswinterung direkt beim Zollamt am ehemaligen Kurfürstlichen Schloss errichtet.

1804 begann mit der Rheinschiffahrtskonvention die Regulierung der wichtigsten Wasserverkehrsstraße Europas. Man einigte sich auf eine durchgängige Breite des Flusses von 500 Metern. 1815 forderte die Schlussakte des Wiener Kongress die Schifffahrtsfreiheit für internationale Gewässer und für den Rhein die Einrichtung einer Kommission. Diese Zentralkommission für die Rheinschifffahrt tagte erstmals 1816 in Mainz. Am 31. März 1831 vereinbarte man die Mainzer Akte. 1861 wurde die Kommission nach Mannheim verlegt. Am 17. Oktober 1868 wurde die Mannheimer Akte von Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, Niederlande und Preußen unterzeichnet, die in ihren Grundsätzen bis heute gültig ist.

Drehbrücke im Zollhafen um 1900

Der Zoll- und Binnenhafen entstand im Zuge dieser Rheinregulierung mit umfangreichen Uferaufschüttungen nach den Plänen von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig zwischen 1880 und 1887. Diese lösten das Kurfürstliche Schloss, welches bis 1886 zum Teil als Lagerhaus des angrenzenden Freihafens dienen musste ab. Die Gleisanlagen gewährleisteten die Verbindung zum Eisenbahnnetz. Die Hafenbauten und Niederlagsräume im Norden der Stadt wurden mit einem Kostenaufwand von 5 Millionen Mark hergestellt und 1887 dem Verkehr übergeben.

Der heutige Industriehafen wurde 1882 bis 1887 als Floßhafen angelegt, indem der Rheinarm zur Ingelheimer Aue teilweise zugeschüttet wurde, um stromaufwärts das Becken für den Mainzer Zoll- und Binnenhafen zu schaffen. Im Jahr 1885 kamen in Mainz 7887 Schiffe (darunter 3930 Dampfschiffe) und 1032 Flöße mit 181.276 Tonnen Ladung an. Die Holzflößerei war zu jener Zeit ein bedeutender Wirtschaftszweig.

Ein weiterer Hafen, damals der Hessischen Ludwigsbahn gehörig, ist gegenüber von Mainz, an der Mainmündung bei Gustavsburg, erbaut worden.

Der Handel in der Gründerzeit war besonders lebhaft bezogen auf Bücher und Musikalien, Getreide, Mehl, Öl, Wein und Industrie-Erzeugnisse.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Blick auf die Rheinreede,Containerbrücken 2007

Nach dem Zweiten Weltkrieg verkleinerte man das nördliche Hafenbecken des Industriehafens, indem es mit Kriegsschutt aufgefüllt wurde.

Mitte der 80er Jahre verlor der Stückgut- und Massengutumschlag an Bedeutung gegenüber dem Container-Umschlag, der hauptsächlich rheinseitig abgewickelt wird.

Die noch teilweise erkennbaren Kaimauern aus Basaltlava und die am südlichen Rand des Hafenbeckens befindlichen Treppenanlagen haben sich aus der Erbauungszeit erhalten. Ebenso sind heute noch das ehemalige Maschinen- und Kesselhaus (heutige Kunsthalle Mainz) sowie das Weinlagergebäude auf der Südmole vorhanden.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 hatten die Hafenbetriebe eine Fläche von 30 ha. 2006 hatte der Zoll- und Binnenhafen einen Umschlag von 1,43 Mio t. Er wurde von 1.381 Schiffen angefahren. Im Ranking des Containerumschlags der zehn wichtigsten Häfen der Binnenschifffahrt stand Mainz mit 112.964 TEU auf Platz fünf der umschlagsstärksten Binnenhäfen in Deutschland.

Der Containerumschlag wurde rheinabwärts auf die Ingelheimer Aue verlegt. Der Umzug der letzten Container fand 2011 statt. Das attraktive Hafengelände soll zum Wohngebiet ausgebaut werden. In das Maschinen- und Kesselhaus am Hafen - erbaut 1887 - ist 2008 die städtische Kunsthalle eingezogen. Das historische Weinlager auf der Südmole wurde zwischenzeitlich kernsaniert und in modernen Büroraum umgewandelt. Die Bebauung weiterer Abschnitte des Zollhafens soll 2013 beginnen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Häfen auf einem Satellitenbild
Ladekran im Zollhafen (Baujahr 1961)

In den Mainzer Häfen werden schwerpunktmäßig Container, Sand, Kies und Getreide umgeschlagen. Hierzu kommt der Umschlag von Produkten der Mineralölindustrie.

Die Steuer- und Zollbestimmungen erforderten damals die Trennung des Hafengeländes mittels eines Eisengitterzaunes vom übrigen Stadtgebiet. Nur so ließ sich der Warenan- und -abtransport kontrollieren.

Gebäude[Bearbeiten]

Als imposantes Hafengebäude entstand 1894 auf der der im Süden gelegenen Landzunge zwischen den beiden Treppenanlagen das fünfgeschossige Lagerhaus des Steueramtes. Es wurde 1968 abgebrochen. Zurzeit ist das höchste Gebäude das denkmalgeschützten Weinlager am Hafengarten das nach Entkernung 2011 umgebaut wurde und seit Mai 2012 unter anderem der Sitz der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter ist.

Ausrüstungen und Umschlaganlagen[Bearbeiten]

  • Containerbrücken mit einer Hubkraft bis zu 40 t (5x)
  • Löscheinrichtungen für Mineralölprodukte (2x)
  • pneumatische Anlagen für Getreide und Ölsaaten (2x)

Infrastruktur[Bearbeiten]

Überflutete Bahngleise im Zoll- und Binnenhafen Mainz während des Hochwassers in Mitteleuropa 2013. Im Hintergrund ist die Theodor-Heuss-Brücke zu sehen.
Aufschüttung einer Uferbefestigung an der Kaimauer zum Rhein hin

Mit der Hafenbahn und über die Rheinallee, mit Anbindung über Mombach zu den Autobahnen über die A 643, sind die Hafenbetriebe gut und kostengünstig mit den wichtigsten Absatz- und Beschaffungsmärkten im In- und Ausland verbunden und leisten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Straßen im Güterfernverkehr.

Im bundesweiten Vergleich liegt der Mainzer Containerhafen gemessen am Gesamtumschlagsvolumen unter den ersten 10 von insgesamt 100 Binnenhäfen in Deutschland. Der Betreiber des Hafens ist die Stadtwerke Mainz AG, Unternehmensbereich Hafen.

Mit der Verlängerung der Hafenbahn ist eine Abtrennung der Radstrecke zur Kaiserbrücke einhergegangen. Radfahrer aus Richtung Mombach müssen zunächst das Gleisdreieck unterqueren und ein über das Ende der Ingelheimer Aue bis zur Querung der Rheinallee durch die Hafenbahn herausfahren, um dann wieder über die Reste der Gassneralle zur Brücke zu gelangen.

Neues Container-Terminal[Bearbeiten]

Aufgrund des wirtschaftlichen Strukturwandels standen die Flächen des Mainzer Zoll- und Binnenhafens zur Disposition. Das alte Hafengebiet ist für eine städtebauliche Entwicklung als neuer Teil der Mainzer-Neustadt vorgesehen. An seiner Stelle wird ein neues Stadtquartier mit Kulturspange Kunsthalle Mainz am alten Kesselhaus als Eventstätte und Marina entstehen.

Mit der Fertigstellung des neuen, leistungsfähigeren Containerterminals in der Höhe von Rheinkilometer 501 auf der Ingelheimer Aue nördlich der Kaiserbrücke im Frühjahr 2011 wurde der innenstadtnahe Zollhafen aufgegeben. Die Schaffung eines ausreichenden Flächenpotenzials für das neue Container-Terminal wurde zwischen der Betreiberfirma Frankenbach und der Stadtwerke Mainz AG als Grundstückseigentümer vereinbart, um eine Anlage zu schaffen, deren Areal langfristig Erweiterungsoptionen besitzt. Auf einer Länge von ca. 522 m an der Uferzone entstand eine neue Rheinreede. Diese ist durch die parallel verlaufende Hafenbahn hervorragend für eine neue Kaianlage geeignet und bietet somit optimale Voraussetzungen für eine trimodale Umschlagsanlage für kombinierten Ladungsverkehr.

Die Nutzfläche des heutigen Areals beträgt etwa 80.000 m² die für eine Lagerung von 10300 TEU geeignet sind. Vier flussseitige Containerbrücken und eine landseitige Containerbrücke ermöglichen den Umschlag von 454.400 TEU p. a. Neben den Zugbewegungen sind etwa 700 LKW-Bewegungen pro Tag vorgesehen. Für den Umschlag von Kühlcontainern stehen nach der Inbetriebnahme 36 feste Kühlanschlüsse zur Verfügung, deren Kapazität verdoppelt werden kann.

Den neuen Anschluss über die Hafenbahn hat das Land Rheinland-Pfalz mit 9 Millionen € subventioniert. Die übrigen Kosten von 21 Millionen € teilen sich der Betreiber Frankenbach (75 %) in Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe Stadtwerke Mainz AG (25 %) als Grundbesitzer.[2]

Die Hafen-zu-Hafen Transportzeiten zum Hafen Rotterdam betragen 24 h talwärts und 60 h bergwärts ab Rotterdam.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zoll- und Binnenhafen Mainz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Mathy: Kurmainzer Weinbau und Weinhandelspolitik vom 17. bis 19. Jahrhundert in: Weinbau, Weinhandel und Weinkultur. Stuttgart 1993. (Geschichtliche Landeskunde. Bd. 40.), S. 187–222.
  2. Dagmar Staab: Mainz: Neuer Container-Terminal auf Ingelheimer Aue eingeweiht - "Imponierend". Mainzer Allgemeine Zeitung. 2011. Abgerufen am 28. Mai 2011.

50.0152777777788.2591666666667Koordinaten: 50° 0′ 55″ N, 8° 15′ 33″ O