(225088) 2007 OR10

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Asteroid
(225088) 2007 OR10
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 16. Februar 2017 (JD 2.457.800,5)
Orbittyp RKBO (10:3-Resonanz)
oder SDO
Asteroidenfamilie nicht bekannt
Große Halbachse 67,06 AE
Exzentrizität 0,506
Perihel – Aphel 33,10 AE – 101,02 AE
Neigung der Bahnebene 30,9°
Länge des aufsteigenden Knotens 336,8°
Argument der Periapsis 207,0°
Siderische Umlaufzeit 549 a 2 M
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 3,388 [1] km/s
Physikalische Eigenschaften
Mittlerer Durchmesser 1535 +75-225 km [2]
1280 ± 210 km [3]
Masse ≈ 3,79 ⋅ 1021Vorlage:Infobox Asteroid/Wartung/Masse kg
Albedo 0,089 +0,031−0,009 [2]
0,185 +0,076−0,052 [3]
Mittlere Dichte ≈ 2,0 g/cm³
Rotationsperiode 44 h 49 min [2]
Absolute Helligkeit 1,8 mag
Geschichte
Entdecker M. E. Schwamb,
Michael E. Brown,
David L. Rabinowitz
Datum der Entdeckung 17. Juli 2007
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten.

(225088) 2007 OR10 ist eines der größten bekannten transneptunischen Objekte (TNO). Es wird als Scattered Disk Object (SDO) oder als resonantes Kuipergürtel-Objekt (RKBO) eingestuft. Dieser Asteroid und Zwergplaneten-Kandidat ist der größte bekannte noch unbenannte Körper im Sonnensystem.

Entdeckung und Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(225088) 2007 OR10 in einer Precovery-Aufnahme von 1991.

2007 OR10 wurde am 17. Juli 2007 von einem Astronomenteam am California Institute of Technology in Pasadena entdeckt. Die Entdeckung erfolgte im Rahmen einer Suche nach neuen Objekten in der Region von Sedna als Teil der Doktorarbeit von Megan E. Schwamb, die zu dieser Zeit Akademiestudentin bei Mike Brown war. Brown gab dem Asteroiden den Spitznamen „Snow White“ (Schneewittchen) aufgrund seiner hellen Erscheinung, die seiner damaligen Meinung nach nicht aufgrund seiner Größe, sondern aufgrund seiner Weißfärbung zustande komme. Später stellte sich heraus, dass er eine stark rötliche Färbung besitzt, sodass sich der Name als unpassend erwies.[4] 2007 OR10 war die siebte Entdeckung eines großen TNO und wahrscheinlichen Zwergplanetenkandidaten des Astronomenteams um Mike Brown. Browns Team entdeckte Quaoar (2002), Sedna (2003), Haumea und Orcus (2004), sowie Makemake und Eris (2005).

Die Entdeckung wurde am 7. Januar 2009 formell bekannt gegeben. 2007 OR10 ist gegenwärtig (Stand Januar 2017) das größte bekannte Objekt im Sonnensystem ohne einen offiziellen Namen. Im August 2011 postete Brown im Internet,[4] dass er genügend Informationen über den Planetoiden habe, die eine Namensvergabe rechtfertigen würden, da durch die Entdeckung von Wassereis und der Möglichkeit von Methan das Objekt „genügend bemerkenswert“ für weiterführende Studien sei.

Bahneigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn von 2007 OR10 (gelb) im Vergleich zu denen von Eris (grün) und Pluto (magenta) sowie den Riesenplaneten.

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 OR10 umkreist die Sonne auf einer hochgradig elliptischen Umlaufbahn zwischen 33,10 AE und 101,02 AE Abstand zu deren Zentrum. Die Bahnexzentrizität beträgt 0,5064, die Bahn ist 30,904° gegenüber der Ekliptik geneigt.

Die Umlaufzeit beträgt 549,16 Jahre. Dies ist mit der Umlaufzeit des Zwergplaneten Eris (556,41 Jahre) vergleichbar.

Bahnresonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deep Ecliptic Survey zeigt die Umlaufbahn in einer 10:3-Resonanz mit Neptun, die allerdings bisher noch nicht unabhängig bestätigt und gesichert ist; es könnte sich auch um eine Nah-Resonanz handeln. In ersterem Fall wäre 2007 OR10 damit jedenfalls ein Resonantes KBO (RKBO). Das Minor Planet Center klassifiziert das Objekt dagegen als Scattered Disk Object (SDO), weswegen die eindeutige Einordnung bisher ausbleibt.

Entfernung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 OR10 erreichte zuletzt im Jahr 1857 sein Perihel und entfernt sich derzeit von der Sonne; 2013 übertraf er Sedna in der Entfernung. Im Januar 2017 war er 87,70 AE von der Sonne entfernt.[5] Dies macht ihn nach Eris (96,22 AE) zum gegenwärtig zweitweitest entfernten bekannten großen Objekt im Sonnensystem. 2045 wird er Eris überholen und damit das am weitesten entfernte der bisher entdeckten großen Objekte sein. Sein Aphel wird 2007 OR10 im Jahr 2132 erreichen. Gegenwärtig befindet er sich von der Erde aus gesehen etwa in Richtung des Galaktischen Zentrums[6].

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größenvergleich einiger großer TNO

Größe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gruppe ungarischer Astronomen hat 2015 im Rahmen des K2-Programms auch 2007 OR10 untersucht und eine Rotationsperiode von 44,81 h ermittelt. Die Albedo bestimmten sie auf 0,089 +0,031−0,009, woraus sich ein Durchmesser von 1535 + 75-225 km ableiten lässt.[2] Damit wäre das Objekt größer als Haumea und Makemake und definitiv ein Zwergplanet.

2012 war man noch von einem Durchmesser von 1280 km ausgegangen.[3]

Innerer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß dem Entdeckerteam um Mike Brown besteht der Aufbau von 2007 OR10 wahrscheinlich aus einem Gesteinskern, mit einem dicken Mantel aus Wassereis, dessen Berechnung die Beobachtungsdaten und eine angenommene Dichte von 2,0 g/cm³ zugrunde liegt.

Fantasiedarstellung einer möglichen Ansicht der Oberfläche.

Oberfläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spektrale Untersuchungen zeigen hohe Mengen Wassereis auf mindestens der Hälfte der Oberfläche. Weiterhin zeigten sich spektrale Spuren von Methan, die sich in Form einer dünnen Schicht gefrorenen Methans von stark rötlicher Farbe über den Eismantel zieht. Laut Mike Brown besitzt der Asteroid eine der rotesten Oberflächen im Sonnensystem, was einen starken Kontrast zum reichlich vorhandenen Wassereis bildet. In dieser Zusammensetzung weist 2007 OR10 Ähnlichkeit mit der von Quaoar auf. Die rote Farbe könnte durch die Reaktion der dünnen Methaneisschicht auf das Bombardement durch Partikel des Sonnenwinds und kosmischer Strahlung zu erklären sein.

2007 OR10 ist insgesamt das sechsthellste transneptunische Objekt, er ist mit 1,8m etwas dunkler als Sedna (1,5m) und etwas heller als Orcus (2,2m).

Das Entdeckerteam um Mike Brown geht davon aus, dass die Oberfläche nach der Entstehungsphase vor etwa 4 Milliarden Jahren eine kurze Periode von Umgestaltungen durch kryovulkanische Prozesse erlebt hat.

Mögliche Atmosphäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Präsenz einer Schicht aus rotem Methanfrost – vermutlich Überbleibsel einer ehemaligen Atmosphäre – auf der Oberfläche von 2007 OR10 weist auf die Existenz einer schwachen Methanatmosphäre hin, die sich langsam in den umgebenden Raum verflüchtigt. Obwohl 2007 OR10 der Sonne näher kommt als Quaoar und daher warm genug wird, dass eine Methanschicht sublimiert, kann seine größere Masse leichter eine schwache Atmosphäre halten.

Zwergplanet-Kandidat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Masse von 2007 OR10 wird ausgehend von Helligkeit und Albedo auf etwa 3,79 ⋅ 1021 kg geschätzt und es ist davon auszugehen, dass 2007 OR10 anhand der verfügbaren Daten die Kriterien erfüllt und als Zwergplanet eingestuft werden müsste. Nach Mike Brown muss es fast sicher ein Zwergplanet sein, nach Scott Sheppard ist es nur wahrscheinlich einer.

Mond[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Oktober 2016 wurde die Entdeckung eines Mondes um 2007 OR10 bekannt gegeben (→S/2016 (225088) 1). Die Entdeckung beruht auf Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops, die schon im September 2010 erstellt wurden. Der Mond hat einen Durchmesser von grob abgeschätzt 300 Kilometern.[7][8] Seine Entfernung zum Hauptkörper wird mit mindestens 15.000 Kilometern angegeben.[9] Zur Bestimmung genauerer Bahndaten (Umlaufzeit und tatsächlicher Bahnradius) sind weitere Beobachtungen notwendig;[9] aus solchen Daten lässt sich die Masse des Systems genauer bestimmen.

Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Entdeckung ließ sich 2007 OR10 auf Fotos bis ins Jahr 1985 zurückdatieren und so seine Umlaufbahn berechnen. Seither wurde der Planetoid durch verschiedene Teleskope wie das Hubble- und das Kepler-Weltraumteleskop und erdbasierte Teleskope wie das Keck- und das Palomar-Observatorium beobachtet, insgesamt bisher 230 Mal.[10] (Stand Januar 2017)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. v ≈ π*a/periode (1+sqrt(1-e²))
  2. a b c d Róbert Szabó et al. Pushing the Limits of K2: Observing Trans-Neptunian Objects. S3K2: Solar System Studies with K2
  3. a b c P. Santos-Sanz, E. Lellouch, S. Fornasier, C. Kiss, A. Pal, T.G. Müller, E. Vilenius, J. Stansberry, M. Mommert, A. Delsanti, M. Mueller, N. Peixinho, F. Henry, J.L. Ortiz, A. Thirouin, S. Protopapa, R. Duffard, N. Szalai, T. Lim, C. Ejeta, P. Hartogh, A.W. Harris, M. Rengel: “TNOs are Cool”: A Survey of the Transneptunian Region IV. Size/albedo characterization of 15 scattered disk and detached objects observed with Herschel Space Observatory-PACS arxiv:1202.1481v1
  4. a b Michael E. Brown: The redemption of Snow White (Part 1). In: mikebrownsplanets.com. 9. August 2011, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  5. AstDyS. Universita di Pisa, 1. September 2016, abgerufen am 1. September 2016.
  6. Dwarf Planet 2007 OR10 is now Minor Planet 225088
  7. Emily Lakdawalla: DPS/EPSC update: 2007 OR10 has a moon!. The Planetary Society. 19. Oktober 2016. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
  8. Asteroids with Satellites – (225088) 2007 OR10. Abgerufen am 23. Oktober 2016.
  9. a b Kelly Beatty: Big Kuiper Object 2007 OR10 Has a Moon. Sky & Telescope. 21. Oktober 2016. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
  10. 225088 (2007 OR10) beim JPL