501.V2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

501.V2 alias N501Y.V2 oder B.1.351 ist eine mutierte Variante des Corona-Virus SARS-CoV-2. Die Variante wurde in Südafrika entdeckt und am 18. Dezember 2020 vom Gesundheitsministerium des Landes gemeldet.[1][2]

Die Variante treibt möglicherweise die zweite Welle der COVID-19-Pandemie in Südafrika an und könnte sich schneller verbreiten als andere bisher grassierende Stämme des Virus.[3][4][5] Diese Variante enthält die Mutation N501Y, die auch in Australien und insbesondere in der Linie VOC-202012/01 (alias B.1.1.7, VUI-202012/01 oder N501Y.V1) im Vereinigten Königreich (ausgehend von der Grafschaft Kent) nachgewiesen wurde. Außerdem wurden in 501.V2 zwei weitere Mutationen gefunden, die in der Variante VOC-202012/01 fehlen: E484K und K417N; umgekehrt fehlt in 501.V2 die in VOC-202012/01 festgestellte Mutation (Deletion) 69-70del.[6][7] Diese südafrikanische Variante scheint daher kein Abkömmling der englischen zu sein, offenbar gab es stattdessen weltweit mehrere unabhängige gleichartige Mutationsereignisse N501Y.[1][8][9]

Ausbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Dezember 2020 wurde bekannt, dass auch in Nigeria eine neue Variante von SARS-CoV-2 aufgetaucht ist. Diese unterscheidet sich offenbar sowohl von der südafrikanischen 501.V2 als auch von der englischen VOC-202012/01,[10][11] obwohl die Mutation N501Y ebenfalls vorhanden ist.[12]

In Deutschland wurde die Variante erstmals Anfang Januar 2021 nachgewiesen. Nach Informationen vom 12. Januar war die Mutation von einer Person, die am 13. Dezember 2020 aus Südafrika zurückkehrte, in den Zollernalbkreis eingeschleppt worden.[13]

Am 16. Januar 2021 wurde die Variante erstmals in Dänemark nachgewiesen.[14]

Impfstoff-Umgehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Januar 2021 berichtete die britische Zeitung "The Telegraph", dass der Oxford-Immunologe Sir John Bell ein "großes Fragezeichen" hinter der möglichen Resistenz der neuen südafrikanischen Variante gegen COVID-19-Impfstoffe sieht, was die Befürchtung aufkommen lässt, dass die Impfstoffe bei diesem Variantenstamm nicht so effektiv wirken könnten. Am selben Tag kommentierte der Professor für Vakzinologie, Shabir Madhi, gegenüber CBS News, "dass es nicht selbstverständlich sei, dass die neue 501.V2-Variante in der Lage sei, sich den Impfstoffen zu entziehen, sondern dass man in Betracht ziehen müsse, dass diese möglicherweise nicht die volle Wirksamkeit haben". Die zusätzlichen Mutationen des Spike-Proteins in der Variante 501.V2 wurden von Simon Clarke, einem Professor für zelluläre Mikrobiologie an der Universität Reading, als besorgniserregender Faktor hervorgehoben, da sie "das Virus weniger anfällig für die durch die Impfstoffe ausgelöste Immunantwort machen könnten". Lawrence Young, Virologe an der Universität Warwick, merkte ebenfalls an, dass die multiplen Spike-Mutationen der Variante "zu einer gewissen Flucht vor dem Immunschutz führen könnten".[15][16][17]

Am 7. Januar 2021 wurde berichtet, dass Forscher von Pfizer und BioNTech in Tests mit 20 Bluttests festgestellt hatten, dass der Impfstoff COVID-19 in der Lage ist, Schutz gegen eine der Mutationen der Variante 501.V2 (N501Y, gemeinsam mit der Variante B1.1.7) zu bieten. Weitere Untersuchungen sollten durchgeführt werden, um das Ausmaß des Schutzes zu ermitteln.[18]

E484K-Mutation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die E484K-Aminosäureveränderung, eine RBD-Mutation (receptor-binding-domain), wurde als "assoziiert mit der Flucht vor neutralisierenden Antikörpern" bezeichnet, was die Wirksamkeit von COVID-Impfstoffen, die auf Spike-Proteinen basieren, beeinträchtigen könnte. Die E484K-Spike-Mutation wurde mit einem Fall von Reinfektion mit der 501.V2-Variante von SARS-CoV-2 in Brasilien in Verbindung gebracht, von dem die Forscher glauben, dass es der erste derartige Fall von Reinfektion mit dieser Mutation ist. Die Möglichkeit einer Veränderung der Antigenität wurde als "Escape-Mutation" von einem monoklonalen Antikörper mit der Fähigkeit zur Neutralisierung der Spike-Protein-Varianten von SARS-CoV-2 bezeichnet.[19][20][21]

Variante[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forscher und Beamte berichteten, dass die Prävalenz der Variante bei jungen Menschen ohne zugrunde liegende Gesundheitszustände höher war und in solchen Fällen häufiger schwere Erkrankungen verursacht als andere Varianten. Die südafrikanische Gesundheitsbehörde wies auch darauf hin, dass die Variante möglicherweise die zweite Welle der COVID-19-Pandemie im Lande antreibt, da sich die Variante schneller ausbreitet als andere frühere Varianten des Virus.[22][23][24]

Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Variante aufgrund von drei Mutationen in der rezeptorbindenden Domäne (RBD) im Spike-Glykoprotein des Virus leichter an menschliche Zellen anheften kann: N501Y (ein Wechsel von Asparagin (N) zu Tyrosin (Y) in der Aminosäureposition 501), K417N und E484K. Zwei dieser Mutationen, E484K und N501Y, befinden sich innerhalb des rezeptorbindenden Motivs (RBM) der rezeptorbindenden Domäne (RBD).[22][25][26][27][28]

Die N501Y-Mutation wurde auch im Vereinigten Königreich nachgewiesen. Zwei in 501.V2 gefundene Mutationen, E484K und K417N, sind in der Variante 202012/01 nicht zu finden. Außerdem hat 501.V2 nicht die 69-70del-Mutation, die in der anderen Variante gefunden wurde.[29][30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sheri Fink: South Africa announces a new coronavirus variant, auf: nytimes.com vom 18. Dezember 2020
  2. COVID-19 Coronavirus UK and World News Update and UK Briefing 21st December 2020, auf: The Brick Castle vom 21. Dezember 2020
  3. Lesley Wroughton, Max Bearak: South Africa coronavirus: Second wave fueled by new strain, teen ‘rage festivals‘, auf: washingtonpost.com vom 18. Dezember 2020
  4. Update on Covid-19 (18th December 2020), auf sacoronavirus.co.za vom 18. Dezember 2020. Zitat: Our clinicians have also warned us that things have changed and that younger, previously healthy people are now becoming very sick.
  5. Neue Virus-Variante in Großbritannien entdeckt. In: zeit.de. 23. Dezember 2020, abgerufen am 23. Dezember 2020.
  6. Expert reaction to South African variant of SARS-CoV-2, as mentioned by Matt Hancock at the Downing Street press briefing. Science Media Centre. 23. Dezember 2020. Abgerufen am 24. Dezember 2020: „The South African variant ‘501.V2’ is characterised by N501Y, E484K and K417N mutations in the S protein – so it shares the N501Y mutation with the UK variant, but the other two mutations are not found in the UK variant. Similarly, the South African variant does not contain the 69-70del mutation that is found in the UK variant.“
  7. Salim Abdool Karim: The 2nd Covid-19 wave in South Africa: Transmissibility & a 501.V2 variant. CAPRISA. 19. Dezember 2020. Abgerufen am 24. Dezember 2020.
  8. Kai Kupferschmidt: U.K. variant puts spotlight on immunocompromised patients’ role in the COVID-19 pandemic, in: Science vom 23. Dezember 2020, doi:10.1126/science.abg2911, dazu:
  9. Wie gefährlich sind die neuen Mutationen des Coronavirus? In: Deutschlandradio. 23. Dezember 2020, abgerufen am 24. Dezember 2020.
  10. Cara Anna: Separate new strain of coronavirus detected in Nigeria: African CDC, auf: cp24.com vom 24. Dezember 2020. Quelle: The Associated Press
  11. Auch Nigeria meldet neue Corona-Variante, auf: n-tv.de vom 24. Dezember 2020
  12. African CDC finds another new coronavirus strain in Nigeria, auf: freemalaysiatoday.com (FMT) vom 24. Dezember 2020. Quelle: Reuters
  13. Rüdiger Soldt: "Südafrika-Variante des Coronavirus erstmals in Deutschland entdeckt" zollernalbkreis.de vom 12. Januar 2021
  14. Så kom den berygtede sydafrikanske coronavariant til Danmark: Men den kræver næppe nye restriktioner. 16. Januar 2021, abgerufen am 16. Januar 2021 (dänisch).
  15. Sarah Knapton: South African variant may evade vaccines and testing, warn scientists. In: The Telegraph. 4. Januar 2021, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 17. Januar 2021]).
  16. COVID vaccines "might not" work as well on South African strain, scientists warn. Abgerufen am 17. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  17. Reuters Staff: UK scientists worry vaccines may not protect against S.African coronavirus variant. In: Reuters. 8. Januar 2021 (reuters.com [abgerufen am 17. Januar 2021]).
  18. Linda Geddes: Pfizer vaccine protects against new Covid variants, study suggests. In: The Guardian. 8. Januar 2021, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 17. Januar 2021]).
  19. New virus mutation raises vaccine questions. 13. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021 (englisch).
  20. New virus mutation raises vaccine questions. 13. Januar 2021, abgerufen am 17. Januar 2021 (englisch).
  21. Yiska Weisblum, Fabian Schmidt, Fengwen Zhang, Justin DaSilva, Daniel Poston: Escape from neutralizing antibodies by SARS-CoV-2 spike protein variants. In: eLife. Band 9, 28. Oktober 2020, ISSN 2050-084X, S. e61312, doi:10.7554/eLife.61312 (doi.org [abgerufen am 17. Januar 2021]).
  22. a b Sheri Fink: South Africa announces a new coronavirus variant. In: The New York Times. 18. Dezember 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 17. Januar 2021]).
  23. - The Washington Post. Abgerufen am 17. Januar 2021 (englisch).
  24. Update On Covid-19 (18th December 2020) - SA Corona Virus Online Portal. In: SA Corona Virus Online Portal. Abgerufen am 17. Januar 2021 (en-ZA).
  25. Full Presentation by SSAK - 18 Dec | Virus | Mutation. Abgerufen am 17. Januar 2021.
  26. 3AA-1 and 3AA-2. 9. Oktober 2008, abgerufen am 17. Januar 2021.
  27. Derek Lowe 22 December, 2020: The New Mutations. 22. Dezember 2020, abgerufen am 17. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  28. expert reaction to South African variant of SARS-CoV-2, as mentioned by Matt Hancock at the Downing Street press briefing | Science Media Centre. Abgerufen am 17. Januar 2021 (britisches Englisch).
  29. GISAID - Novel variant combination in spike receptor binding site. Abgerufen am 17. Januar 2021.
  30. expert reaction to South African variant of SARS-CoV-2, as mentioned by Matt Hancock at the Downing Street press briefing | Science Media Centre. Abgerufen am 17. Januar 2021 (britisches Englisch).