AV Palatia Göttingen

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AV Palatia

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Göttingen
Hochschule/n: Georg-August-Universität Göttingen
Gründung: 1. Mai 1883
Korporationsverband: CV
Nummer im Verband: 14
Kürzel: PG!
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Mütze: moosgrünes Hinterhauptcouleur
Religion / Konfession: katholisch
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: Fortiter et constanter!
Mitglieder insgesamt: 303 (Stand: 16.06.2015)
Website: www.palatia-goettingen.de

Die Akademische Verbindung Palatia Göttingen (ehemals K.D.St.V. Palatia Göttingen) ist eine katholische, deutsche, nichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung an den Göttinger Hochschulen. Sie gehört dem Cartellverband (CV) an. Sie ist neben der FAV Rheno-Guestfalia Hann. Münden zu Göttingen und Sugambria (Jena) zu Göttingen eine von drei CV-Verbindungen in Göttingen. Die AV Palatia Göttingen ist nicht nur die größte, sondern auch die älteste CV-Verbindung der Stadt. Wie alle Studentenverbindungen im Cartellverband ist auch die Palatia ein reiner Männerbund und ihre Mitglieder werden Göttinger Palaten oder Göttinger Pfälzer genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anno 1734 wurde die hannoversche Landesuniversität Göttingen, die Georgia Augusta[1], nach Planung des Ministers und ersten Kurators Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen gegründet.

Im Sommersemester 1883 waren an der Georgia Augusta 1104 Studenten immatrikuliert, wovon etwa 150 der katholischen Konfession angehörten. Unter ihnen befanden sich die CV-Studenten Franz Graf Matuschka (Wf), Josef Kellerhoff (Bv Bo), Conrad Hartung (Hr), Joseph Kaiser (Sx), Johann Schoene (Sx) und Theodor Haas (Gu). Zu ihnen gesellten sich Karl Osthaus und etwas später Julius Eissner (Gu).

Am 1. Mai 1883[2] trafen sich die sechs Männer (ohne Haas und Eissner) im Hinterstübchen des Studentenlokals „Gebrüder Taverna“ in der Weender Straße. Kellerhoff beantragte die sofortige Gründung einer CV-Verbindung, was einstimmig angenommen wurde. Im Anschluss legten die Anwesenden den Treueschwur in die Hand Matuschkas ab. Hartong erinnert sich: „Nachdem wir unter dem Kommando Matuschkas einen urkräftigen Salamander auf das Gedeihen unseres Werkes und auf ein ewiges vivat, crescat, floreat gerieben hatten, wurden Kellerhoff und ich mit der Ausarbeitung der vorläufigen Statuten beauftragt.“ Matuschka wurde Senior der neuen Verbindung, Kellerhoff Consenior und Schriftführer. Osthaus bekleidete die Chargen des Fuchsmajores und Kassierers. Am 5. Mai 1883 wurde die Verbindung auf Haas' Antrag Palatia genannt: eine wehrhafte Burg für den CV in Göttingen; auf Vorschlag Kellerhoffs wählte man die Farben Weiß – Rosa – Moosgrün, die Fuchsenfarben Rosa – Moosgrün. Wenige Tage später, am 22. Mai 1883, wurde der erste Fux rezipiert. Am 1. Januar 1884 wurde Palatia als freie Verbindung in den Cartellverband aufgenommen.[3]

Akademischer Kulturkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Akademische Kulturkampf umschreibt den Konflikt zwischen katholischen und liberalen Studentenverbindungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Deutschen Kaiserreich und Österreich. Dieser entstand im Zuge der Streitigkeiten um die Berufung katholischer Gelehrten an der neu gegründeten Universität Straßburg – damalig dem Deutschen Kaiserreich angehörend – im Jahre 1901. Aus katholischer Sicht erschien die Auseinandersetzung als reine Provokation zum Erhalt der protestantischen Dominanz an den Universitäten im Kaiserreich und Österreich. Unter den Folgen des Kulturkampfs litt auch die AV Palatia, da der Studentenausschuss von weiteren Einladungen zu dessen Sitzungen absah. Darüber hinaus war es den Pfälzern nicht mehr gestattet Kandidaten für den Studentenausschuss zu stellen. Die stetig ausweitende Boykottbewegung gegen die Palaten und das durch die Regierung ins Auge gefasste Verbot gegen konfessionelle Bünde erschwerte den Alltag vehement. Die systematische Ausgrenzung gegen konfessionelle – vor allem katholische Studentenverbindungen – führte so weit, dass sogar die ansässigen Gastronomen zum Wohlwollen der Corps Lokalverbote aussprachen. Die negative Stimmung gegen religiös gebundene Verbindungen endete erst knappe zehn Jahre später. 1912/ 1913 wurde erstmals seit den aufkommenden Konflikten ein Palate in den Studentenausschuss berufen.[4][5]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Kriegsbeginn entschieden sich die Palaten das Tragen von Farben einzustellen. Im Mai 1915 entschied man sich das Austragen von Kneipen ebenfalls zu unterlassen. Am Ersten Weltkrieg nahmen insgesamt 168 Palaten teil, von denen 23 gefallen sind.

Zeit während des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Voss

1932 beschloss die Cartellversammlung, dass eine zeitgleiche Mitgliedschaft im CV und der NSDAP unvereinbar sei, solange deutsche Bischöfe den Nationalsozialismus verurteilten. Im Zuge des Reichskonkordats wurde der Beschluss jedoch aufgehoben. 1933 feierte die AV Palatia ihr 50. Stiftungsfest. Ein Jahr später wurde durch die Verbandsführung das Katholizitätsprinzip vom CV abgelegt. Im Zuge dessen wurde sowohl die Palatia als auch der Palaten-Hausverein aufgelöst. Am 3. März 1938 wird der AH-Verband dazu verpflichtet dem NS-Altherrenbund beizutreten. Franz Voss lehnt dies jedoch für die Palatia ab. Aufgrund der politischen Situation feiert die Palatia ihr 55. Stiftungsfest in Bremke. Zum Leidwesen aller Anwesenden erschien die Gestapo und verbat weitere Treffen. Infolge des Zweiten Weltkrieges fielen weitere 20 Palaten.

Wiederbegründung und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde nach Kriegsende die Katholische Studentengemeinschaft (KSG) gegründet. Am 8. November hielt die Gruppe den ersten ordentlichen Convent nach den alten Statuten ab. Dieses Datum gilt als Wiederbegründungsdatum der Akademischen Verbindung Palatia Göttingen. Die anfängliche Mitgliederzahl von sieben Personen stieg in Kürze bereits auf 19 Mitglieder. Der Mittelpunkt der weiß-rosa-moosgrünen Burschen war erneut das Palatenhaus in der Lotzestraße 44. Bereits ein Jahr später kam es zur Wiederbegründung des AH-Verbandes Palatiae unter der Leitung des AH-Seniors Franz Voss. Damit einhergehend wurde der Palatenhausverein neu begründet. Am 16. Juni 1951 übertrug Graf Ballestrems Sohn, Valentin, das Palatenhaus an die Verbindung zurück. Von 1952 bis 1983 benannte sich die AV Palatia zu KDStV Palatia Göttingen um. In der Zwischenzeit wurde der Franz-Voss-Studentenhausverein e.V. gegründet.

Die aktuelle Mitgliederzahl beläuft sich auf 303 Personen.

Couleur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palaten Hinterhauptcouleur

Der Göttinger Palaten-Bursch trägt die Farben weiß-rosa-moosgrün mit silberner Perkussion. Dazu kleidet ihn ein moosgrünes Hinterhauptcouleur mit den Burschenfarben. Füxe der Palatia tragen hingegen die Farben rosa-moosgrün. Das Hinterhauptcouleur der Füxe unterscheidet sich indes nicht von dem der Burschen. Der Wahlspruch lautet "Fortiter et Constanter" (tapfer und beständig).

Wappen und Prinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheres Wappen
Früherer Wappen

Das Wappen der Palatia besteht aus einem Schild, auf dem ein Ritterhelm thront. Das Schild ist viergeteilt, in der Mitte findet sich der Zirkel der Palatia auf den Verbindungsfarben. Die vier Teile stellen folgende Motive dar: links oben die im blauen Rhein stehende Rheinpfalz bei Kaub (Amicitia) die den Verbindungsnamen symbolisiert. Links unten ein silbernes Tatzenkreuz auf grünem Grund (Religio), wohingegen rechts oben ein springendes Pferd auf rotem Grund (Patria) abgebildet ist. Rechts unten sieht man eine auf einem zusammengerollten Schriftstück sitzende Eule (Scientia). Der Ritterhelm ist silberfarben, mit goldenen Beschlägen versehen. Auf dem Deckel sitzt eine Krone, aus der ein Federbusch aus Straußenfedern in den Verbindungsfarben rankt. Das Wappen war unter Verzicht auf die Eule seit den 1920er Jahren bis weit in die 1970er Jahre dreigeteilt.

Verbot und Wiedergestattung der Farben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine tätliche Auseinandersetzung zwischen Corpsstudenten und Palaten, infolge eines Angriffs zweier Studenten des Corps Bremensia auf den Festredner zum Publikationsfest 1887, Franz Driessen, am 26. Juni im Deutschen Garten war Auslöser für ein Farbenverbot (Couleurverbot).[6] Der Rechtspflegeausschuss verurteilte die Bremenser zu vierzehn Tagen, die Palaten zu acht Tagen Karzer. Der Rechtspflegeausschuss, dem der katholikenfeindliche Theologieprofessor und Prorektor Ritschl beisaß, entzog Palatia darüber hinaus die Farben[7] für drei Semester, weil sie mit ihrem Auftreten beim Publikationsfest „Grund zur Provokation“ gegeben hätten. Bei Zuwiderhandlung drohe die Auflösung der Korporation.

Erst am 1. Dezember 1888 hob der neue Prorektor Ehrenberg das Farbenverbot auf. Die Chargierten mussten versprechen, „die Wiederaufnahme der Couleur nicht zu einem festlichen öffentlichen Ereignis zu machen“. So gingen die Palaten am folgenden Sonntag in Couleur zur Kirche. Man beschloss, von nun an durch ein Bundesfest der Wiedererlangung der Farben zu gedenken.

Die damals allgemeine Unbeliebtheit der AV Palatia bei den Göttinger Korporationen zeigte sich sehr deutlich, als diese geschlossen eine Tanzveranstaltung boykottierten, zu der auch Palatia erschienen war.[8]

Göttinger Krawalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge der Göttinger Krawalle, eine Auseinandersetzungen zwischen Göttinger Verbindungsstudenten und Mitgliedern des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB), wurde die Verbindung am 12. Juli 1934 vom Rektor der Universität suspendiert. Die Maßnahme wurde am 18. Juli zum Semesterende aufgehoben.[9]

Besondere Cartellverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Couleurkarte des Cartellverbandes 1905
Couleurkarte des Cartellverbandes 1905

Die AV Palatia Göttingen pflegt besondere Verhältnisse innerhalb des Cartells zu folgenden Verbindungen:

Tochterverbindung:

Enkelverbindung:

Urenkelverbindung:

Patenverbindungen:

Das Verbindungshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Palatenhaus
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Das neue Palatenhaus
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Im Jahre 1922 erwarb der Palate Nikolaus Graf Ballestrem den "Lindenkrug" für 450.000 Mark. Das Gebäude in der Lotzestraße diente der Gartetalbahn als Bahnhof. Im Februar 1923 ging das Haus gegen Erstattung der Selbstkosten in den Besitz des Palatenhausvereins, der 1905 gegründet wurde, über. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Verbindung und der Palatenhausverein aufgelöst. 1936 wurde das Haus wieder an Graf Ballestrem übereignet. Nach dem Krieg wurde am 17. November 1946 der Palatenhausvereins wiederbegründet. Der Sohn des im Krieg gefallenen Nikolaus Graf Ballestrem, Valentin, übertrug das Palatenhaus zurück an die Verbindung.

Im Jahre 1969 wurde der alte Lindenkrug wegen Baufälligkeit abgerissen und durch ein Studentenheim ersetzt.[10] Im Wintersemester 1970/71 war das neue Haus bezugsfähig. Gegenüber dem alten Haus bietet der Neubau 18 statt fünf Studentenzimmer. Die moderne Innenausstattung sowie der große Raumgewinn führten dazu, dass die AV Palatia, neben ihrer stetig steigenden Anzahl an Mitgliedern, von 1970 bis 1982 einige Zimmer an die FAV Rheno-Guestfalia Hann. Münden untervermietete, welche bis dahin ohne eigenes Verbindungshaus existierte.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Doeberl: Das akademische Deutschland. Berlin 1931, Band 2, S. 793; Band 4, Tafel LXI.
  • Sabine Wehking: Ein jeder darf sich gleichen Rechts erfreu'n… – Die Geschichte der Katholischen Kirche in Göttingen 1745–1990. Vandenhoeck + Rupprecht, Göttingen 1992. S. 94–96.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: AV Palatia Göttingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uni-goettingen.de
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 52–53.
  3. Deutscher Universitätskalender. 84. Ausgabe. Winter-Semester 1913/14. Leipzig 1913, I. Teil, S. 115.
  4. Archiv der AV Palatia Göttingen
  5. Universitätsarchiv der Universität Göttingen
  6. Illustrirte Zeitung Nr. 2302 vom 13. August 1887, S. 162 (online).
  7. Franz Stadtmüller: Geschichte des Corps Hannovera Göttingen zu Göttingen 1809–1959, Göttingen 1963, S. 212.
  8. Paul Ssymank: Das deutsche Studententum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. München 1910, S. 388.
  9. Ein Straßburger Radiosender meldete etwas übertrieben: „Blutige Studentenkrawalle in Göttingen! Die Reichswehr ist Herr der Lage!“. In: Paul Wentzcke (Hrsg.): Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Band 1, Heidelberg 1957, S. 215. Wiedergegeben nach: Horst Bernhardi: Frisia Gottingensis. 1931–1956. Göttingen 1956, S. 40.
  10. Göttinger Jahresblätter. Göttingen 1978, S. 23.