Hel (Stadt)

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Hel
Wappen von Hel
Hel (Polen)
Hel
Hel
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Puck
Fläche: 21,27 km²
Geographische Lage: 54° 36′ N, 18° 48′ OKoordinaten: 54° 36′ 17″ N, 18° 48′ 13″ O
Einwohner: 3584
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 84-150
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GPU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 216: Hel–Władysławowo-Reda
Schienenweg: Reda–Hel
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 3584
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2211011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Klemens Kohnke[2]
Adresse: ul. Wiejska 50
84-150 Hel
Webpräsenz: www.hel-miasto.pl



Hel [ˈxɛl] (deutsch Hela, kaschubisch Hél) ist eine Hafenstadt an der Ostsee im Powiat Pucki (Putziger Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, an der Spitze der Halbinsel Hela (Hel), auch Putziger Nehrung genannt, die 36 Kilometer lang vom Festland südöstlich in die Danziger Bucht hineinragt und dabei die Putziger Wiek bildet. Die Halbinsel Hela ist nicht über drei Kilometer und an der schmalsten Stelle nur 400 Meter breit und wird meerwärts durch eine dreifache, bis 25 Meter hohe Dünenkette vor den Wellen der Ostsee geschützt. Der Ort Hela befindet sich auf einer inselförmigen Verbreiterung an der Spitze der Halbinsel und ist auf dem Seeweg etwa 25 Kilometer nordöstlich von Danzig entfernt.

Strandpartie der Stadt

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großes Ratssiegel der Stadt Hela von 1414. Dargestellt ist darauf der Apostel Petrus, mit der Rechten den Himmelsschlüssel hochhaltend, und in der Linken eine Märtyrerkrone, mit der Umschrift S CONSVLIS TERRA HELENSIS (das Kürzel S steht für lat. sigillum = Siegel).[3] [4]
Hafenstadt Hela an der Spitze der Halbinsel Hela an der Westseite der Danziger Bucht, nordöstlich von Danzig, auf einer Landkarte von 1910.
Sandstrand

Die Ortschaft ist älter als 700 Jahre. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert existierten in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander die beiden Orte Alt-Hela und Neu-Hela. Alt-Hela befand sich etwa zwei Kilometer nord-westlich der heutigen Stadt. Die heutige Stadt geht auf die mittelalterliche Ortschaft Neu-Hela zurück, die vermutlich im 13. Jahrhundert von Lübecker Kaufleuten als Kaufmannssiedlung gegründet worden ist.[5] 1309 kam die Stadt Hela zusammen mit Pommerellen durch den Vertrag von Soldin an den Deutschordensstaat Preußen.

Im Jahr 1351 stifteten wohlhabende Bürger der Stadt die Katharinenbruderschaft, eine Kaufmannsgilde, deren Zielsetzung das Seelenheil und die Sozialfürsorge waren. Die dreizehn Gründungsmitglieder waren der Vogt und folgende zwölf Bürger:[6]

  1. Hans von Rudyn
  2. Jacob Czudener
  3. Hannß von der Wedeme
  4. Lutke Wolter
  5. Tydeke Hagemeister
  6. Hannß Obetyn
  7. Lodewig von dem Brincke
  8. Tydemann Striperog
  9. Peter von Koningisberk
  10. Claus Eyst
  11. Johannes Witte
  12. Kunke Molde

Die Katharinengilde existierte möglicherweise noch im 19. Jahrhundert.[6]

Mit einer Urkunde vom 17. August 1378 bestätigte Winrich von Kniprode, damals Hochmeister des Deutschen Ordens auf der Marienburg, Heyle Stadtrecht, und zwar zu lübischem Recht.[7][8] Der Name Hela, dessen Bedeutung nie eindeutig geklärt werden konnte, ist skandinavischen Ursprungs.[9] 1440 unterzeichnete der Magistrat den Bundesbrief des Preußischen Bunds.[3] Aus einem 1430 angelegten Ratsbuch geht hervor, dass die Stadt um 1470 über ein Hospital verfügte.[6]

Als 1453 Hela in den Besitz der Stadt Danzig überging, wurde der bis dahin freie Handel der Helenser unterbunden. 1525 schloss sich der Magistrat der Reformation an.[8]

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Hela durch den Ersten Nordischen Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. 1572 brannte Alt-Hela vermutlich ganz ab und wurde nicht mehr aufgebaut.[10] Die Ruinen von Alt-Hela lagen zwei Kilometer nordwestlich vom Ort, sind heute aber nicht mehr auffindbar.[11] Im März 1577 wurde Hela vom polnischen Oberst Ernst von Weiher überfallen und gezwungen, dem polnischen König Stephan zu huldigen.[8] Auch im 17. Jahrhundert geriet Hela verschiedentlich in Bedrängnis. So erschien im September 1626 der schwedische Admiral Carl Carlsson Gyllenhielm mit einer Kriegsflotte vor Hela und verlangte vom Magistrat, den Untertaneneid für Gustav Adolf zu leistem.[8]

Auch im Jahr 1789 gehörte das Städtchen Hela noch der Stadt Danzig.[12] Im Rahmen der Zweiten Teilung Polen-Litauens 1793, mit der die Wiedervereinigung westlicher Teile Preußens mit Ostpreußen einherging, kam Hela an das Königreich Preußen und wurde dessen kleinste Stadtgemeinde.

Im Jahr 1872 verlor die Ortschaft ihre Stadtrechte.[13] Das Gebäude, in dem sich heute das Fischereimuseum befindet, ist die ehemalige Sankt Peter und Paul Kirche, ein im Stil der Backsteingotik errichteter mittelalterlicher Kirchenbau.

Im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts kaufte das Danziger Unternehmen  »Weichsel AG« an der Südspitze der Halbinsel Bauplätze auf und eröffnete 1899 ein Kurhaus.[11] Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstand außerdem ein neuer Fischereihafen, ein Projekt des Oberbaudirektors der preußischen Wasserbauverwaltung in Berlin Prof. Ernst Nathaniel Kummer (1847–1923). Der Hafen hatte auch eine Anlegestelle für größere Schiffe.[11]

Bis 1920 gehörte Hela zum Landkreis Putzig im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde die Halbinsel Hela nach dem Ersten Weltkrieg an Polen abgetreten und wurde Teil des so genannten Polnischen Korridors.

Nachdem Polen den Minderheitenschutzvertrag 1934 gekündigt hatte, wurden im Dezember 1937 auch 160 seit vielen Generationen hier lebende Fischerfamilien (insgesamt über 600 Personen), die überwiegend deutsch sprachen und protestantisch waren, mit einer 24-Stundenfrist aus dem Polnischen Staatsgebiet ausgewiesen. Die rechtliche Grundlage für die Ausweisung bildete eine Verordnung des polnischen Staatspräsidenten Ignacy Mościcki vom 23. Dezember 1927, welche am 22. Januar 1937 veröffentlicht wurde, das sogenannte Grenzzonengesetz.

Im Anschluss an den Polenfeldzug 1939 wurde Hela Teil des Landkreises Putzig im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs. 1940 konnten die Helenser – mundartlich auch Helschen genannt – wieder in ihre Häuser zurückkehren, flüchteten jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 vor der heranrückenden Sowjetarmee.[14]

Bekannt wurde der Ort während der Flüchtlingsströme am Endes des Zweiten Weltkriegs. Als wichtiger Anlaufhafen für Transportschiffe bis zuletzt hart umkämpft, kapitulierten die letzten Reste der Wehrmacht hier schließlich am 14. Mai 1945 vor den Truppen der Roten Armee. Bald nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde die Ortschaft der polnischen Verwaltung übergeben. Soweit die Helaer nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Als Ferienort erlebt Hel seit 1990 eine erneute Blüte. 2002 schloss der Ort eine Städtepartnerschaft mit Hermeskeil in Deutschland.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 364 in 74 Wohnhäusern[15]
1831 382 [10]
1864 372 [16]
1871 495 davon 425 in der Stadt und 70 im Gutsbezirk [17]
1900 462 [18]
1905 604 [19]
1910 603 davon 484 in der Landgemeinde und 119 im Gutsbezirk[20]
1921 550 [21]

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das grosse Ratssiegel, dessen Abdruck auf einem Dokument von 1414 erhalten ist, zeigt Apostel Petrus, wie er in seiner rechten den Schlüssel zum Himmelstor und in seiner Linken eine Märtyrerkrone hochhält. Das heutige Stadtwappen ging aus einem zweiten Ratssiegel, dem so genannten Sekretsiegel hervor und zeigt den Himmelsschlüssel und zwei sechsstrahlige Sterne.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz seiner exponierten Lage ist die Stadt über die Bahnstrecke Reda–Hel an das polnische Eisenbahnnetz angeschlossen. Personenzugverbindungen nach Gdynia gibt es stündlich, wobei auch alle anderen Züge von und nach Hel in Gdynia halten. In der Sommersaison gibt es darüber hinaus Verbindungen in andere polnische Großstädte, darunter Warschau, Łódź und Krakau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemalige St.-Peter-und-Paul-Kirche, heute Fischereimuseum
  • Leuchtturm
  • Robbenstation der Universität Danzig
  • Hafen

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 189–192.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, S. 413, Nr. 29.
  • Friedrich Carl Gottlieb von Duisburg: Versuch einer historisch-topographischen Beschreibung der Königl. Preuß. See- und Handelsstadt Danzig. Zweite Auflage, G. Adolph Krause, Danzig 1816, S. 426–454.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hel, Poland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt (BIP), Urząd Miasta Helu - Burmistrz Helu, abgerufen am 6. April 2015
  3. a b Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von frühester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 49.
  4. Siegel und Wappen der Stadt Hela Stand: 15. Mai 2015.
  5. Hela - Eine mittelalterliche Kaufmannssiedlung? Stand: 20. September 2015.
  6. a b c Friedrich Carl Gottlieb von Duisburg: Versuch einer historisch-topographischen Beschreibung der Königl. Preuß. See- und Handelsstadt Danzig. Zweite Auflage, G. Adolph Krause, Danzig 1816, S. 426–454.
  7. Johannes Voigt: Uebersichtliche Darstellung der Rechtsverfassung Preussens während der Zeit der Ordensherrschaft. Marienwerder 1834, S. 64.
  8. a b c d Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 189–192.
  9. Siegfried Rühle: Die Stadt Hela im Mittelalter. Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins. Heft 69. Kommissionsverlag Danziger Verlags-Gesellschaft m. b. H. Danzig 1929. Seite 116.
  10. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, S. 413, Nr. 29.
  11. a b c Ostseebäder und Städte der Ostseeküste. Meyers Reisebücher. 4. Auflage, Bibliographisches Institut, Berli/Wien 1910, S. 180–181.
  12. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 58, Absatz 3.2.
  13. Seeger: Hela – Geschichtliches und Kulturgeschichtliches. In: Mitteilungen des deutschen Seefischerei-Vereins, Nr. 4, Moeser. Berlin 1910.
  14. Hugo Rasmus: Pommerellen Westpreußen 1919-1939. F. A. Herbig. München, Berlin 1989.
  15. Johann Daniel Friedrich Rumpf und Heinrich Friedrich Rumpf: Vollständiges topographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 1, Berlin 1820, S. 481.
  16. Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig (7. Kreis Neustadt). Berlin 1867, S. 10–11, Nr. 61.
  17. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 218–219, Nr. 64.
  18. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 9, Leipzig/Wien 1908, S. 181.
  19. http://www.agoff.de/?p=26037
  20. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900///gem1900.htm?westpreussen/rb_danzig.htm
  21. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 8, Leipzig 1931, S. 357.