Abgabenquote

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Die Abgabenquote ist eine Kennzahl,

  • die den Anteil von Steuern und Sozialabgaben an der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt BIP) eines Landes in Prozent angibt,
  • die einen Vergleich der Abgabenbelastung zwischen Ländern ermöglicht,
  • die einen Anhaltspunkt gibt über den Umfang der Staatstätigkeit in einer Volkswirtschaft.

Berechnung der Abgabenquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entscheidend für die Höhe der Abgabenquote ist der Umfang der Leistungen, die durch den Staat erbracht werden, und inwieweit diese Leistungen durch die Erhebung von Steuern und Abgaben finanziert werden. Einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der Kennzahl hat auch die Berechnungsmethode. So wiesen das Bundesministerium der Finanzen ebenso wie das Statistische Bundesamt im Jahr 2001 eine Quote von 40,8 % aus, während die OECD eine Quote von 36,8 % berechnete, wohingegen die Deutsche Bundesbank auf eine Quote von 42,3 % kam.[1]

Wichtige Unterschiede ergeben sich aus der Zuordnung des Kindergeldes, der Eigenheimzulage und der Investitionszulage, die von der OECD aus Gründen der internationalen Vergleichbarkeit mit der Steuerschuld saldiert werden. Andererseits setzt die deutsche Regierung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung fiktive Beiträge zur Sozialversicherung für Beamte ein, die die Abgabenquote erhöhen. Die Bundesbank rechnet noch Einnahmen aus Staatsunternehmen und den Bundesbankgewinn hinzu.

Für die Zusammensetzung der Abgabenquote nennt die OECD für das Jahr 2005 folgende Werte:[2]

Art der öffentlichen Einnahme Deutschland Österreich Schweiz OECD-Mittel
Sozialbeiträge 13,9 % 14,5 % 7,0 % 9,1 %
Lohnsummensteuer 2,7 %
Steuern auf Einkommen, Kapital und Gewinne 9,8 % 11,9 % 13,0 % 12,8 %
Steuern auf Vermögen 0,9 % 0,6 % 2,3 % 1,9 %
Steuern auf Güter und Dienstleistungen 10,1 % 12,0 % 6,9 % 11,3 %
Abgabenquote 2005 34,7 % 41,7 % 29,2 % 35,4 %

Internationaler Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abgabenquote eignet sich besser für internationale Belastungsvergleiche als die Steuerquote, weil manche Länder wie Dänemark verstärkt Sozialleistungen aus dem Steueraufkommen erbringen, während in anderen Ländern die Finanzierung entsprechender Leistungen vorrangig aus der Sozialversicherung erfolgt. Ein weiteres Problem in internationalen Vergleichen ist, dass in Ländern wie USA oder Japan ein wesentlicher Teil der Sozialversicherungen privat organisiert ist.

Der OECD-Ländervergleich weist in der Zeitreihe folgende Werte aus:[2]

Land 1975 1985 1990 1995 2000 2005 2006
Mexiko 17,9 17,3 16,7 18,5 19,9 20,6
Türkei 11,9 11,5 14,9 16,8 24,2 24,3 24,5
Japan 20,9 27,4 29,1 26,8 27,0 27,4 27,9
USA 25,6 25,6 27,3 27,9 29,9 27,3 28,0
Südkorea 15,1 16,4 18,9 19,4 23,6 25,5 26,8
Schweiz 23,9 25,5 25,8 27,7 30,0 29,2 29,6
Slowakische Republik 33,8 31,8 29,8
Australien 25,8 28,3 28,5 28,8 31,1 30,8 30,6
Griechenland 19,4 25,5 26,2 28,9 34,1 31,3 31,3
Irland 28,7 34,6 33,1 32.5 31,7 30,6 31,9
Kanada 32,0 32,5 35,9 35,6 35,6 33,4 33,3
Polen 36,2 31,6 33,9 32,5
Neuseeland 28,5 31,1 37,4 36,6 33,6 37,5 36,8
Bundesrepublik Deutschland 34,3 36,1 34,8 37,2 37,2 34,8 35,6
Tschechische Republik 37,5 35,3 37,5 36,9
Portugal 19,7 25,2 27,7 31,7 34,1 34,7 35,7
Vereinigtes Königreich 35,2 37,6 36,1 34,5 37,1 36,3 37,1
Luxemburg 32,8 39,5 35,7 37,1 39,1 37,8 35,9
Spanien 18,4 27,6 32,5 32,1 34,2 35,8 36,6
Niederlande 40,7 42,4 42,9 41,5 39,7 38,8 39,3
Ungarn 41,3 38,0 37,2 37,1
Island 30,0 28,2 30,9 31,2 37,2 40,7 41,5
Österreich 36,7 40,9 39,6 41,2 42,6 42,1 41,7
Finnland 36,5 39,7 43,5 45,7 47,2 43,9 43,5
Italien 25,4 33,6 37,8 40,1 42,3 40,9 42,1
Norwegen 39,2 42,6 41,0 40,9 42,6 43,5 43,6
Frankreich 35,4 42,8 42,0 42,9 44,4 43,9 44,2
Belgien 39,5 44,4 42,0 43,6 44,8 44,8 44,5
Schweden 41,3 47,2 52,2 47,5 51,8 49,5 49,1
Dänemark 38,4 46,1 46,5 48,8 49,4 50,7 49,1
OECD-Mittel 29,4 32,7 33,8 34,8 36,1 35,8 35,9

Wirtschaftspolitische Bewertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine hohe Abgabenquote wird in der neoklassischen Wirtschaftstheorie gleichgesetzt mit umfangreicher staatlicher Umverteilung, geringeren ökonomischen Anreizeffekten und geringer Attraktivität des Produktionsstandorts aufgrund hoher Produktionsnebenkosten. Tatsächlich gehören ein Großteil der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten zu Staaten mit vergleichsweise hoher Abgabenquote.

Eine hohe Abgabenquote kann z. B. Folge eines atypischen Altersaufbaus (umgekehrte Alterspyramide) einer Bevölkerung sein. Jede Abgabenquote löst (positive oder negative) ökonomische Anreizeffekte bei den Wirtschaftssubjekten aus, die zu Vergleichen fähig sind. Je nach Ausgestaltung des Abgabenrechts kann eine hohe Abgabenquote Vermeidungs-, Überwälzungs- und Abwanderungseffekte auslösen. Werden beispielsweise negative Umweltemissionen durch hohe Abgaben erfasst und führen diese zu Investitionen, die auf die Vermeidung der Umweltemissionen abzielen, so haben sie positive Anreizeffekte. Zur Vermeidung einer Abgabe, wie beispielsweise der LKW-Maut, müssen alle zur Verfügung stehenden Alternativen, wie Transport per Bahn, Schiff, Pipeline etc. in Betracht gezogen werden. Werden nur einzelne Alternativen selektiv mit einer Abgabe belegt, so besagt die Abgabe über die Abgabenquote noch wenig aus.

Wird der Produktionsfaktor Arbeit durch eine hohe Abgabenquote belastet, bewirkt dies einen negativen Anreizeffekt zur Vermeidung oder Abwanderung von Beschäftigung. Da eine hohe Abgabenquote auch von einer geringen Steuerlastquote begleitet sein kann, besagt die Abgabenquote allein nur wenig über die relative Belastung eines Wirtschaftssubjekts.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred G. Schmidt, Reimut Zohlnhöfer: Regieren in der Bundesrepublik Deutschland: Innen- und Außenpolitik seit 1949. VS-Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14344-1, 58 FN 2.
  2. a b OECD-Statistik abgerufen am 28. Mai 2009