Haushaltswissenschaft

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Die Haushaltswissenschaft ist die interdisziplinäre Wissenschaft vom Wirtschaften des Privathaushalts und des Groß- bzw. Anstaltshaushalts. Hauswirtschaft als ein Studienfach wird den Humanwissenschaften zugeordnet und umfasst eine Bandbreite an Disziplinen, um einen optimalen und nachhaltigen Lebensstandard für Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften zu erreichen. Die historischen Ursprünge stellen die Hauswirtschaft in den engen Zusammenhang von Haus und Haushalt, welcher im 21. Jahrhundert mit einem breiteren Verständnis zum Lebensumfeld weiterentwickelt werden sollte. Es sind die Kapazitäten, Möglichkeiten und Prioritäten von Einzelpersonen und Familien auf allen Ebenen zu berücksichtigen, sei es in den Privathaushalten oder bei lokalen oder auch global agierenden Gemeinschaften. Hauswirtschaft kümmert sich um das Wohlergehen von Einzelpersonen, Familien und Personengemeinschaften und um die Förderung der Entwicklung von Fähigkeiten für lebenslanges Lernen über bezahlte, unbezahlte und freiwillige Arbeit, in unterschiedlichen Lebensphasen und Situationen. Professionelle Hauswirtschaftler sind Verfechter der Daseinsvorsorge für Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften.

Haushaltswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haushaltswissenschaften sind die Wissenschaften der Versorgungsdienstleistungen. Sie betrachten aus ganzheitlicher und interdisziplinärer Perspektive die vielfältigen Austauschbeziehungen zwischen privaten Haushalten, Versorgungsbetrieben und anderen Anbietern von Dienstleistungen. Je nach Forschungsrichtung und Studienort kann der Schwerpunkt variieren. Das Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen forscht beispielsweise schwerpunktmäßig zum Thema Dienstleistungen, die mit Familie, Gesundheit und Ernährung zu tun haben. Sie werden in Form von Beratungs-, Bildungs- und Pflegeangeboten erbracht. Wichtige Stichworte sind dabei z. B. Gesundheitsförderung, Haushaltsführung, Service Design, Verpflegungsmanagement, Versorgungsverbund, Work Life Balance und Lebensqualität. Absolventen der Haushaltswissenschaften werden dort als angehende Fachleute für die Versorgung von Personen entlang des Lebensverlaufs, d.h. als Versorgungsmanager gesehen.

Haushälterisches Handeln unter Beachtung sozialer, ökonomischer und ethischer Einflussfaktoren werden analysiert und Schlussfolgerungen für optimale Gestaltungsmöglichkeiten für private Haushalte oder hauswirtschaftliche Großbetriebe gezogen.

Die Interdisziplinarität manifestiert sich in drei Teilbereichen:

Haushaltsökonomik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haushaltsökonomik versucht einen Beitrag zum vernünftigen Gestalten, also ein Lösen wirtschaftlicher Probleme von Haushalten, zu leisten. Haushalte werden als Systeme erfasst die eigenständige und grundlegende bzw. ergänzende Institutionen der Güterversorgung darstellen. Sie stellen einen Versorgungsverbund mit anderen Institutionen zum Zweck der unmittelbaren Bedarfsdeckung und Bedürfnisbefriedigung. Die Haushaltsmitglieder müssen mit Gütern versorgt werden und Entscheidungen treffen. Das heißt die Haushaltsmitglieder müssen wirtschaften. Nach formulierten Lebenszielen müssen Entscheidungen getroffen werden über Beschaffung und Verwendung von Gütern also über Arbeitsangebot, Konsumgüternachfrage, Haushaltsproduktion und Vermögensbildung.

Haushaltssoziologie / sozialwissenschaftliche Haushaltswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haushaltssoziologie ist – in Abkehr der individuenzentrierten Soziologie – eine Soziologie des privaten Haushalts. Als die Lehre Privathaushalt nimmt sie primär die Rahmenbedingungen des haushälterischen Handelns in den Blick, ebenso, wie das soziale Verhalten und die sozialen Strukturen.

Haushaltstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung einer Haushaltstechnik steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von energiebetriebenen Geräten zur Vorratshaltung, Nahrungszubereitung, Wäschepflege, Geschirr- und Bodenreinigung sowie zur Warmwasserbereitung. So werden unter Haushaltstechnik die mobilen technischen Geräte im Haushalt zusammengefasst, die zur Erledigung der Hausarbeit herangezogen werden können; sie werden als weiße Ware bezeichnet. Ebenso betrachtet die Haushaltstechnik die stationären technischen Einrichtungen im Haus oder Haushalt.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haushaltswissenschaft ist an wenigen deutschsprachigen Hochschulen (z. B. Bonn, Gießen, Kiel, Hohenheim) etabliert, das Studium ist meist im Rahmen der Haushalts- und Ernährungswissenschaften (Ökotrophologie) möglich. Durch die Umstellung auf gestufte Bachelor- und Masterabschlüsse ist eine spezifische Qualifizierung im Bereich der Haushaltswissenschaften möglich. Absolventen mit haushaltswissenschaftlichem Schwerpunkt steht ein Arbeitsmarkt mit großem Wachstumspotenzial offen. Die Nachfrage nach Humandienstleistungen steigt aufgrund demografischer Veränderungen und des Wandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Persönliche Dienstleistungen werden zunehmend von allen Altersgruppen und sozialen Gruppen nachgefragt – ein Grund für die Nachfrage nach mehr gut ausgebildeten Professionellen. Absolventen sind zum Beispiel in Forschung und Wissenschaft, in Beratungs- und Bildungsberufen, in Versorgungsbetrieben, bei Krankenkassen, in der kommunalen Sozialplanung und bei freien Trägern tätig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze
  • Uta Meier: Haushaltswissenschaften. In: Birgit Jansen u.a. (Hrsg.): Soziale Gerontologie. Ein Handbuch für Lehre und Praxis. Beltz Verlag, Weinheim 1999, ISBN 3-407-55825-2, S. 155–170.
  • Uta Meier: Private Haushalte als Wohlfahrtsproduzenten. In: Wilhelm Korff (Hrsg.): Ethik wirtschaftlichen Handelns (Handbuch der Wirtschaftsethik; Bd. 3). University Press, Berlin 2009, ISBN 978-3-940432-72-8, S. 486–508.
  • Michael-Burkhard Piorkowsky: Erweiterung des Spektrums der Haushaltswissenschaft in der Postmoderne. Chancen und Probleme bei der Entwicklung eines Paradigmas. In: Irmintraut Richarz (Hrsg.): Der Haushalt. Neubewertung in der Postmoderne. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-13234-4, S. 175–186.
  • Rosemarie von Schweitzer: Der Haushalt als Gegenstand der Forschung. In: Ulrich Oltersdorf, Thomas Preuß (Hrsg.): Haushalte an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend. Aspekte haushaltswissenschaftlicher Forschung; gestern, heute, morgen. Campus-Verlag, Frankfurt/M. 1996, ISBN 3-593-35543-4, S. 12–31.
Bücher
  • Lore Blosser-Reisen (Hrsg.): Grundlagen der Haushaltsführung. Eine Einführung in die Wirtschaftslehre des Privathaushalts. 3. Aufl. Burgbücherei Schneider, Baltmannsweiler 1980, ISBN 3-87116-208-6.
  • Thomas Kutsch, Michael-Burkhardt Piorkowsky, Manfred Schätzke: Einführung in die Haushaltswissenschaft. Haushaltsökonomie, Haushaltssoziologie, Haushaltstechnik. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-2704-0 (UTB; Bd. 1978).
  • Rosemarie von Schweitzer: Einführung in die Wirtschaftslehre des privaten Haushalts. Ulmer Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-8001-2623-0 (UTB; Bd. 1595).
  • Berndt Tschammer-Osten: Haushaltswissenschaft. Einführung in die Betriebswirtschaftslehre des privaten Haushalts. Verlag Gustav Fischer, Stuttgart 1979, ISBN 3-437-40075-4 (UTB; Bd. 869).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]