Abtei Neuburg

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Die Abtei Neuburg (Abtei vom heiligen Bartholomäus) bei Heidelberg, auch als Stift Neuburg und Kloster Neuburg bekannt, ist ein Benediktinerkloster und gehört der Beuroner Kongregation an.

Abtei Neuburg (2013)

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abtei Neuburg liegt im Westen des Heidelberger Stadtteils Ziegelhausen in Richtung des Stadtteils Neuenheim und oberhalb des nördlichen Neckarufers am Südhang des Berges Köpfl.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster bis 1773[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stift Neuburg von Matthaeus Merian 1645, von Schlierbach aus gesehen
Stift Neuburg und das Neckartal, Öl auf Leinwand, um 1830, von Ernst Fries im Kurpfälzischen Museum
Abtei Neuburg um 1840,
Blick von der Schlierbacher Landstraße aus gesehen

Um 1130 wurde „Niwenburg“ als Filialgründung des Klosters Lorsch zunächst als Männerkloster des Benediktinerordens errichtet. 1195 wurde auf Initiative Konrad von Staufens, des ersten Pfalzgrafen bei Rhein, die Abtei in ein Kloster der Benediktinerinnen umgewandelt. Mit der Auflösung des Lorscher Mutterklosters 1232 gingen dessen Rechte zunächst auf das Bistum Mainz und später auf das Bistum Worms über. Da man dort den Reformbestrebungen aus Cîteaux anhing, erfolgte unter Mitarbeit des nahegelegenen Klosters von Schönau die Umwandlung in eine Zisterzienserinnenabtei, welche erstmals für das Jahr 1303 urkundlich belegt ist.

Um 1460 kehrte das Kloster unter dem Einfluss des Kurfürsten Friedrich I. zur benediktinischen Observanz zurück. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die Nonnen der Reformation an und verließen das Kloster. Nach dem Tod der Äbtissin Brigitta von Pfalz-Simmern wurde es 1562 offiziell aufgelöst und in ein adeliges Fräuleinstift umgewandelt.

1706 wurde das Kloster vom Kurfürsten Johann Wilhelm den Jesuiten übertragen, in deren Händen es bis zum Verbot des Ordens durch den Papst im Jahre 1773 verblieb. Es wurde daraufhin erneut säkularisiert und ging 1804 in Privatbesitz über.

Privatbesitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser (1780–1851) mit seiner Ehefrau Sophie Charlotte du Fay, beide aus angesehenen Frankfurter Familien, das Anwesen als Sommersitz. Der Onkel des Käufers war Johann Georg Schlosser (1739–1799), der Ehemann von Johann Wolfgang Goethes Schwester Cornelia Schlosser geb. Goethe (1750–1777). Der Käufer selbst war Schriftsteller und sog. Privatgelehrter und Freund Goethes. Daher entstand in der ehemaligen Klosteranlage ein regelrechter Goethe-Kult. Hier sammelte man Briefe, Manuskripte, Erstausgaben und alles, was sonst noch mit Goethes Leben zusammenhing. Marianne von Willemer war z. B. oft und lange dort Gast. So wurde das ehemalige Kloster zum Zentrum der Heidelberger Romantik. Nur Goethe selbst war nie hier. Nach dem Tod Johann Friedrich Heinrich Schlossers 1851 bzw. nach dem Tod seiner Ehefrau Sophie Charlotte erbte die verwandte Familie von Bernus die Anlage, zunächst Friedrich Alexander von Bernus (1838–1908) und dann sein Adoptivsohn Alexander von Bernus (1880–1965). Alle führten die Tradition fort und bewahrten und mehrten u. a. den Bestand der Sammlungen. Bis 1926 blieb die Anlage im Besitz der Familie von Bernus. Namhafte Persönlichkeiten waren in den bürgerlichen Salons der jeweiligen Besitzer zu Gast, darunter Carl Maria von Weber, Joseph Görres, der Freiherr vom Stein, Johannes Brahms, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano, Rudolf Steiner, Hermann Hesse, Stefan George, Rainer Maria Rilke und Klaus Mann.

Klosterneugründung 1926[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1926 gehört das Anwesen wieder dem Benediktinerorden. Neuburg wurde von der Familie Alexander Freiherr von Bernus, die seit 1886 Eigentümer war, an die Benediktiner der Erzabtei Beuron verkauft. Die Beuroner mit Erzabt Raphael Walzer führten das Stift wieder klösterlichen Zwecken zu. Erster Abt von 1929 bis 1934 war Adalbert von Neipperg, der 1948 in Werschetz (Jugoslawien, heute Serbien) zu Tode gefoltert wurde, nachdem er sich dort im Lager um verwundete Kriegsgefangene gekümmert hatte.

Der Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, feierte am 15. August 1937 hier sein goldenes Priesterjubiläum, als die NSDAP ca. 40.000 SA-Männer mobilisiert hatte, um in Speyer einen krawallartigen Protest-Aufmarsch zu inszenieren. Bischof Sebastian war jedoch in aller Stille heimlich abgereist und feierte seinen Ehrentag beschaulich im Stift Neuburg. Die SA-Männer waren umsonst erschienen.

Abt Winfried Schwab OSB am Tag seiner Wahl im Stift Neuburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage umfassend renoviert. 1964 bis 1966 lebte Raphael Walzer wieder in Neuburg, wo er auch starb.

Am 14. Juli 2011 wurde die Neugestaltung der Klosterkirche nach den Plänen des Architekten Christian Taufenbach mit der Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 des Landesverbandes Baden-Württemberg im Bund Deutscher Architekten prämiert.[1] Der Architekt konzipierte die Kirche als „zurückhaltende(n) Träger“ für das Geschehen, als ein Haus, das erst „mit dem Geschehen vollständig“ sei.[2]

2015 lebten 15 Mönche in der Abtei Neuburg. Mit Stand August 2017 waren es 11 Mönche. Neben ihren liturgischen und seelsorgerischen Aufgaben konzentrieren sie sich auf die Betreuung von Gästen. Mit Vorträgen und Einkehrtagen wird diese Aufgabe der Benediktinermönche verstärkt hervorgehoben. Beliebt sind auch die Klosterführungen durch Burganlage und Teile des Klausurbereiches. Das Kloster beabsichtigt einen Ausbau des Klosters zu einem Treffpunkt von Wissenschaft und Kunst.

Rechtlicher Träger des Klosters ist der Verein der Benediktiner Abtei Neuburg e.V. Dieser Verein ist gemeinnützig und Eigentümer der Liegenschaften, die das Kloster und die umliegenden Wiesen und Wälder umfassen. Die Brauerei zum Klosterhof GmbH ist eine weitere eigenständige Gesellschaft und gesondert verpachtet.

Die Klosterhof Neuburg GmbH & Co. KG ist zusammen mit der Gasthaus zum Klosterhof GmbH und der Klosterhof Verwaltung GmbH seit 2007 Pächter der klösterlichen Betriebe und steht in keinem weiteren Rechtsverhältnis zum Verein der Benediktiner Abtei Neuburg e. V. Ziel der Verpachtung ist eine „Bewirtschaftung im Sinne eines nachhaltigen, ökologisch geprägten Gesamtkonzepts, ergänzt um fortwirtschaftliche, gastronomische und fortbildungsaktive Elemente“, und umfasst die Landwirtschaft samt Inventar, den gastronomischen und Fortbildungsbereich, den Klosterladen, die Ladenflächen und sonstigen Flächen der Gärtnerei. Um die Auflösung der Verpachtung wird ein Rechtsstreit geführt.[3]

Die Brauerei zum Klosterhof GmbH ist eine weitere eigenständige Gesellschaft und gesondert verpachtet.

Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fenster im Kirchenschiff

Die Kirche ist schlicht gestaltet, um möglichst wenig abzulenken von dem, was in der Kirche geschieht. Sie ist ein durchgehend offener Raum ohne getrennte Bereiche für Priester, Mönche und die anderen Gläubigen. Das wird deutlich durch einen durchgehenden Fußboden aus Douglasienholz aus dem Heidelberger Stadtwald. Die Fenster im Chorraum wurden von Valentin Peter Feuerstein in den 1960er Jahren gestaltet. Das Christusfenster in der Mitte wird flankiert vom Marienfenster links und vom Benediktusfenster rechts. Die durch ihre großflächigen Farbfelder auffälligen Fenster im Kirchenschiff entwarf die Künstlerin Maria Theresia von Fürstenberg. Sie verschaffen einen ganz besonderen Lichteindruck im Kirchenraum. Die Ummantelung des Altars und der Ambo sind aus Cortenstahl gefertigt.

Links befindet sich die neu gestaltete Sakramentskapelle, durch die man in die ehemalige Johanneskapelle blickt; diese ist der älteste Bauteil des Klosters und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Dort stehen eine Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert und eine Figur des Papstes Gregor des Großen aus dem 13. Jahrhundert. In einem historischen Buntglasfenster ist der heilige Bartholomäus dargestellt, der Patron von Kirche und Kloster ist.[4]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel auf der Empore über dem Eingangsbereich wurde 1962 von dem Orgelbauer Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hat 34 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[5] Das Gehäuse ist mit einer Stahlkonstruktion im Dachstuhl aufgehängt.

Orgel Klosterkirche
I Rückpositiv C–g3
1. Holzgedackt 8′
2. Principal 4′
3. Rohrflöte 4′
4. Nasard 223
5. Waldflöte 2′
6. Terz 135
7. Flageolett 1′
8. Acuta IV 23
9. Dulcian 16′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
10. Quintade 16′
11. Principal 8′
12. Gemshorn 8′
13. Octav 4′
14. Spillflöte 4′
15. Quinte 223
16. Superoctav 2′
17. Mixtur IV 113
18. Cymbel III 12
19. Trompete 8′
III Oberwerk C–g3
20. Salicet 8′
21. Rohrgedackt 8′
22. Blockflöte 4′
23. Principal 2′
24. Larigot 113
25. Cornett IV 4′
26. Scharff III-IV 1′
27. Hautbois 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
28. Principal 16′
29. Subbass 16′
30. Octav 8′
31. Bartpfeife 8′
32. Choralflöte 4′
33. Hintersatz IV 223
34. Posaune 16′
  • Koppeln: I/II, III/II (auch als Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P

Gärtnerei und Efeusammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Terrasse oberhalb des Klosters befindet sich die historische Klostergärtnerei, die bis 2005 vom Kloster als Gartenbaubetrieb geführt wurde. Das große, aus rotem Sandstein erbaute Gewächshaus stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besaß eine geneigte Glasfassade mit einem sogenannten Sonnenfang. Es wurde 1947–50 zum Gästehaus der Abtei umgebaut. Seit 1963 leitete Gärtnermeister Bruder Ingobert Heieck OSB (1936–1993) die Gärtnerei. Von 1960 bis 1990 lag der Betriebsschwerpunkt auf der Produktion von Efeujungpflanzen. Bruder Ingobert wurde ein führender Efeuspezialist und baute eine Sammlung von ca. 530 Efeusorten auf. Er selektierte auch neue Sorten und publizierte Fachliteratur über Efeu. Die Mutterpflanzen wurden in einem beheizbaren Glashaus kultiviert. Die Deutsche Efeugesellschaft e. V. wurde am 12. Juni 1993 auf sein Betreiben unter Mitwirkung von Gärtnermeister Robert Krebs in der Abtei gegründet.[6] Die Gesellschaft kümmerte sich nach dem Tod von Bruder Ingobert um die Sammlung[7], musste sie jedoch schließlich aufgeben. 300 Sorten wurden 2016 durch die Vermittlung des Gartenbauunternehmens Dehner in den Garten von Kloster Roggenburg umgesiedelt und als Labyrinth angeordnet.[8]

Äbte (nach 1926)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Bosslet: Benediktinerabtei Stift Neuburg. Schnell & Steiner, Regensburg 2000. ISBN 3-7954-6247-9
  • Benedikt Pahl: Abt Adalbert Graf von Neipperg (1890–1948) und die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Neuburg bei Heidelberg bis 1949. Aschendorff, Münster 1997. ISBN 3-402-03980-X
  • Otmar A. Geiger: Stift Neuburg. In: Romantisches Neckartal. S. 68f. Schimper, Schwetzingen 1998. ISBN 3-87742-133-4
  • Ambrosius Leidinger OSB, Peter Stadler: Die nach Gott Ausschau halten. Benediktinerabtei Stift Neuburg. Heidelberg 2013. ISBN 978-3-00-043072-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stift Neuburg (Heidelberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Architekturpreis für Christian Taufenbach (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.is). Website der Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen. Abgerufen am 16. Juli 2011.
  2. Konzeption und Bilder zur Neugestaltung. Website der competitionline Verlagsgesellschaft mbH. Abgerufen am 16. Juli 2011.
  3. „Unsere Sicht“, Webseite der Benediktinerabtei Stift Neuburg, abgerufen am 22. August 2017
  4. Faltblatt „Die Klosterkirche der Benediktinerabtei Neuburg“
  5. Nähere Informationen zur Orgel
  6. Artikel über die Vereinsgründung der Deutschen Efeugesellschaft e.V. Website der Gesellschaft. Abgerufen am 15. September 2012
  7. Die Sammlung auf der Homepage der Efeugesellschaft, abgerufen am 23. September 2016
  8. Augsburger Allgemeine vom 21. Juli 2016 zur Umsiedlung der Efeu-Sammlung, abgerufen am 23. September 2016
  9. a b „Winfried Schwab wird neuer Abt von Stift Neuburg“, Rhein-Neckar-Zeitung, 6. Oktober 2015

Koordinaten: 49° 25′ 8″ N, 8° 44′ 27″ O