Alexander von Bernus

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Alexander Freiherr von Bernus (* 6. Februar 1880 in Aeschach bei Lindau; † 6. März 1965 auf Schloss Donaumünster in Donaumünster) war ein deutscher Schriftsteller und Alchemist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburt, Kindheit, Dienen und Lernen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stift Neuburg

Alexander wurde als zweites Kind des bayerischen Majors August Grashey und seiner Frau Johanna, geborene Freiin von Bernus, geboren. Der Bruder seiner Mutter, Friedrich Alexander Freiherr von Bernus (1838–1908) und dessen Frau Helene geb. du Fay, waren kinderlos geblieben und adoptierten den Neffen bereits als Säugling.

Kurz nach der Geburt und Adoption des Neffen Alexander zog die Familie von Bernus für vier Jahre nach Manchester, um anschließend von 1884 bis 1886 Wohnsitz in Ziegelhausen zu nehmen. Der 1886 erfolgte Wechsel in das durch Erbschaft in den Besitz der Familie Friedrich Alexander Freiherr von Bernus gelangte Stift Neuburg begann für den Buben mit hauseigenem Unterricht. Ein achtjähriger Gymnasiumsbesuch in Heidelberg und Speyer schloss sich an, bis er von 1898 bis 1902 als Fahnenjunker und später als Leutnant im badischen Leibdragonerregiment in Karlsruhe seinen Militärdienst absolvierte. Im März 1902 heiratete er seine erste Ehefrau, die Schriftstellerin Adelheid von Sybel. Zwischen 1902 und 1907 betrieb Alexander von Bernus in München ein Studium der Literaturgeschichte und Philosophie, von 1912 bis 1916 ergänzte er es durch ein Studium der Medizin und Chemie.

Weitere Stationen des Weges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gedichte veröffentlichte Bernus 1902 gemeinsam mit Stefan Zweig, 1903 folgte bei Schuster und Löffler in Berlin sein erster Gedichtband Aus Rauch und Raum. Von 1902 bis 1907 fungierte er als Herausgeber der Vierteljahresschrift Die Freistatt. Bei Ricarda Huch lernte Bernus, der von 1903 bis 1909 im Haus Nr. 31 der Ainmillerstraße wohnte, 1905 Karl Wolfskehl kennen, mit dem er bis zu dessen Exil und Tod in Neuseeland eng verbunden blieb: „Meine erste Begegnung mit Karl Wolfskehl war im Sommer 1905 bei Ricarda Huch in ihrem Landhause in Grünwald im Isartal. Wolfskehl war damals 36-jährig. Eine hohe Gestalt mit ausladenden Bewegungen, – das schöne Haupt mit den dunkeln Haaren erinnerte an den Bacchus barbatus. Sein Wissen auf allen Gebieten war erstaunlich. Viele junge werdende Menschen haben von ihm empfangen; auch ich, der damals Fünfundzwanzigjährige. Unser erstes Gespräch ging über Bücher. Wolfskehls Bibliothek, vor allem der deutschen Literatur des siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts war ungemein reichhaltig; von Jahr zu Jahr mit großen bibliophilen Kenntnissen ergänzte und erweiterte er sie. Ich selbst hatte mit dem Ausbau meiner eigenen Bücherei gerade um jene Zeit begonnen und verdanke Wolfskehl, vor allem in den ersten Jahren meines Büchersammelns, mancherlei Anregungen. Bald nach dieser Begegnung bei Ricarda Huch besuchte ich Wolfskehl in seiner Münchener Wohnung in der Leopoldstraße unweit der meinigen in der Ainmillerstraße.“[1]

Von 1907 bis 1912 unterhielt Bernus im Haus Nr. 32 der Ainmillerstraße ein eigenes kleines Theater, die Schwabinger Schattenspiele. Zwischen 1916 und 1920 gab er die philosophisch-anthroposophische Zeitschrift Das Reich heraus.

1908 erbte er das Stift Neuburg durch Tod seines Adoptivvaters Friedrich Alexander Freiherr von Bernus (1838–1908), wo er große Teile seiner Kindheit verbracht hatte. Die von ihm 1907 in München gegründeten „Schwabinger Schattenspiele“ wurden nach dem Umzug ins Stift Neuburg dort noch zwei Jahre weiterbetrieben.

1911 verunglückte sein Sohn Alexander Walter „Alwar“ von Bernus (* 21. November 1903) beim Spiel in der Schlosskapelle von Kloster Neuburg. Im gleichen Jahr ließ er sich von seiner Ehefrau scheiden.

Bernus heiratete 1912 seine zweite Ehefrau, die baltische Künstlerin Imogen von Glasenapp.

1913 wurde seine Tochter Ursula Pia von Bernus geboren, die später als „Schwarzmagierin“ Medienruhm erlangte und postum auch als unmittelbare Nachbarin von Armin Meiwes, dem „Kannibalen von Rotenburg“, bekannt wurde.

Sieben Jahre arbeitete er darauf mit Conrad Johann Glückselig an der Entwicklung einer Reihe spagyrischer Arzneimittel. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1921 die Gründung des alchymistich-spagyrischen Laboratoriums Stift Neuburg. Am 1. September 1926 gab er das Stift an die Benediktiner zurück.

1929 trennte er sich von seiner zweiten Ehefrau und lernte seine dritte Ehefrau, die Schauspielerin Isolde Oberländer, genannt Isa, (* 21. Januar 1898 in Berlin) kennen. Bereits 1921 hatte er das Schloss Donaumünster erworben, das er bis 1943 in den Sommermonaten bewohnte. Nachdem seine beiden Häuser in Stuttgart (Wohnung und Labor) 1943 beim ersten Bombenangriff auf die Stadt vollkommen zerstört worden waren, zog er sich mit seiner Muse und Gattin Isa und seiner 1933 geborenen Tochter Marina von Bernus auf das kleine Barockschloss Donaumünster bei Donauwörth zurück.

Grabstätte Städtischer Friedhof Donauwörth

Marina von Bernus war verheiratet mit Peter Fuld (1921–1962), Sohn und Erbe von Harry Fuld (1879–1932), dem Gründer der heutigen Tenovis. Die Ehe wurde am 27. Juli 1961 geschieden. Marina von Bernus zog nach Kanada.

1954 trat Bernus dem PEN-Club bei. Seit 1950 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Da Bernus in England aufgewachsen war, übertrug er viel englische Lyrik ins Deutsche; sein eigenes lyrisches Gesamtwerk umfasst etwa 1.000 Gedichte. Des Weiteren schuf er Versspiele und auch Kurzprosa. Seine Lebenserinnerungen Wachsen am Wunder blieben unvollendet.

Sein Dokumentennachlass und der Teil seiner umfangreichen Bibliothek, der die Alchemie betrifft, befinden sich heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe.

Einschneidendes und Prägendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernus entdeckte als Gymnasiast die Romantiker, die ihn stark inspirierten. Die wichtigsten ihrer Werke waren für ihn Brentanos Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter, Arnims Isabella von Ägypten, Arnims und Brentanos Des Knaben Wunderhorn und besonders Eichendorffs Dichter und ihre Gesellen.

Besonders liebte er die Sommer bei der Großmutter, da diese in ihm die Liebe zur Natur immer größer werden ließ.

Bedeutend war für ihn in erster Linie aber, als Sechzehnjähriger mitzubekommen, dass „sein Onkel“ August Grashey und seine Tante Johanna, geborene Freiin von Bernus, seine leiblichen Eltern sind. Hierdurch erfuhr er, dass er mit Goethe verwandt war.

Dass er schon früh in einen erlauchten literarischen Zirkel aufgenommen wurde, förderte seine Entwicklung als Dichter ebenso wie Freundschaften u.a. mit Karl Wolfskehl, Stefan Zweig, Frank Wedekind, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Hermann Hesse, Joachim Lutz, dem Verleger Erich Lichtenstein und Stefan George, der mehrfach auf Stift Neuburg zu Gast weilte, wo er auch an spiritistischen Sitzungen teilnahm.[2]

Der Grundstein für die meisten derartigen Kontakte wurde während Bernus’ Studium in München gelegt.

Von 1908 bis 1926 besuchte ihn sein Freundeskreis regelmäßig im Sommer im Stift Neuburg. Er beschreibt diese Zeit als das Geschenk einer wunderbaren geistigen Geselligkeit.

Nach dem Tod seines Sohnes im Jahre 1912 widmete er sich okkulten und alchemistischen Studien.

Bernus war um 1911 der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, einem Ableger der Adyar-TG beigetreten und folgte nach 1913 der Anthroposophischen Gesellschaft, d. h., er wollte die übersinnliche Welt erforschen. In seiner Zeitschrift Das Reich schrieben u.a. Alfred Kubin, Rudolf Steiner und Else Lasker-Schüler. Steiner war im Hause Bernus gern zu Gast. Der Kulturwissenschaftler Günther Däss war ein Schüler von Bernus, der von diesem unter anderem zur Auseinandersetzung mit Rilke angeregt wurde.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernus hat 450 Werke verfasst, unter ihnen Dramen, Novellen, Schattenspiele, Mysterienspiele, 20 Gedichtbände, weitere Prosatexte sowie das alchemistische Werk Alchymie und Heilkunst. In seinem Laboratorium entwickelte er 30 spagyrische Heilmittel aus Pflanzen, Metallen und Mineralien. Mit ihnen und seinen Forschungsergebnissen versuchte er, im 20. Jahrhundert zu beweisen, dass Alchemie mehr ist als mittelalterlicher Aberglaube.

  • Das schwarze Bilderbuch. Reprint der Ausgabe 1911, bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Monika Schlösser. Agora, Darmstadt 1978, ISBN 3-87008-081-7
  • Stift Neuburg, Gedichtfolge mit zehn Holzschnitten von Joachim Lutz, Gengenbach & Hahn - Verlag Mannheim
  • Novellen. Schlosslegende und andere ungewöhnliche Begebenheiten. Hans Carl, Nürnberg 1949/1984
  • Wachsen am Wunder. Heidelberger Kindheit und Jugend. HVA, Heidelberg 1984
  • Alchymie und Heilkunst. Erweiterte Neuausgabe, hg. von Marino Lazzeroni und Irmhild Mäurer. Verlag am Goetheanum, Dornach 1994, ISBN 3-7235-0757-3
  • Aus Welt und Überwelt. Gedichte, hg. von Isa von Bernus und Irmhild Mäurer. Verlag am Goetheanum, Dornach 1995, ISBN 3-7235-0899-5
  • Die Blumen des Magiers. Nachtstücke und Phantasien. Urachhaus (Rosen-Bibliothek 13), Stuttgart 2002, ISBN 3-8251-7711-4
  • Das Geheimnis der Adepten. Aufschlüsse über das Magisterium der Alchymie, die Bereitung der großen Arkana und den Weg zum Lapis Philosophorum. Wolfgang Roller, Langen 2003, ISBN 3-923620-15-2
  • Alt-Kräuterbüchlein. Von der Kraft und Wirkung der Kräuter. Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1935
  • Allerseelen. Erzählung. Vorwort von Sebastian Paquet. Kessler-Verlag, Mannheim 1952
  • Goldmachen, "Wahre alchymistische Begebenheiten", Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1936

William Blake "Gedichte" Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1958 (deutsch und englisch - übertragen von Alexander von Bernus und Walter Schmiele)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Worte der Freundschaft für Alexander von Bernus. Hans Carl, Nürnberg 1949
  • Franz Anselm Schmitt: Alexander von Bernus. Dichter und Alchymist. Leben und Werk in Dokumenten. Hans Carl, Nürnberg 1971
  • Mirko Sladek, Maria Schütze: Alexander von Bernus. Hans Carl, Nürnberg 1981
  • Gerhard J. Bellinger, Brigitte Regler-Bellinger: Schwabings Ainmillerstrasse und ihre bedeutendsten Anwohner. Ein repräsentatives Beispiel der Münchner Stadtgeschichte von 1888 bis heute. Books on Demand, Norderstedt 2003, S. 255-258 und 280. - ISBN 3-8330-0747-8; 2. Aufl. 2012, ISBN 978-3-8482-2883-6; E-Book 2013, ISBN 978-3-8482-6264-9.
  • Christoph Proeller: Eine geistige Reise durch den Kosmos. Alchemie und Spagyrik nach Alexander von Bernus. Hohenfurch 2007, ISBN 978-3-925967-32-0
  • Hannes Proeller: Das Therapiehandbuch der SOLUNATE. Alchemie und Spagyrik nach Alexander von Bernus. 2. Auflage, Hohenfurch 2008, ISBN 978-3-925967-33-7
  • Annelies Stöckinger, Joachim Telle: Die Alchemiebibliothek Alexander von Bernus in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe : Katalog der Drucke und Handschriften, Wiesbaden : Harrassowitz 1977, ISBN 3-447-03872-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander von Bernus: Meine Begegnung mit Karl Wolfskehl. In: Die Wandlung. Eine Monatsschrift, 3. Jg. 1948, S. 416
  2. Alexander von Bernus, Wachsen am Wunder. Heidelberger Kindheit und Jugend, Heidelberg 1984, S. 236-238; S. 242-245.