Abteikirche Ottmarsheim

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Ansicht der Abteikirche von Südosten
Fassade mit Kirchturm

Die Abteikirche Ottmarsheim ist ein Kirchengebäude in der elsässischen Kleinstadt Ottmarsheim. Die größtenteils aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammende einstige Klosterkirche des Klosters Ottmarsheim (Benediktinerinnen) gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Romanik. Ihr Zentralbau in Form eines Oktogons hat sein Vorbild in der karolingischen Aachener Pfalzkapelle. Das Patrozinium der Kirche ist Peter und Paul (29. Juni).

Touristisch wird der Bau als Teil der Romanischen Straße vermarktet.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottmarsheim liegt an der alten Fernstraße (Italien-) Basel-Straßburg-Mainz (-Niederlande) und war schon vor den Römern besiedelt. Der Name stammt vom Hl. Otmar, der im 8. Jh. Abt des Klosters St. Gallen war, zu dem Teile der Gegend damals gehörten.

Im Jahre 1030 stiftete Rudolf von Altenburg, ein Sohn des Lanzelin, das Benediktinerinnenkloster in Ottmarsheim, das seine Grablege werden sollte. Papst Leo IX. (aus Eguisheim) weihte die neue Kirche 1049. Die Neuenburger verwüsteten das Kloster 1273, die Basler 1445 und 1446, die Berner 1468. Dadurch und durch die Unterbringungspflicht königlicher Reisender auf der Heerstraße verarmte das Kloster. Die Kirche und vor allem die Klosterbauten wurden immer wieder umgebaut. 1790 wurde das Kloster säkularisiert und abgebrochen. Die Kirche wurde von der Gemeinde aufgekauft und ist bis heute in deren Besitz.

Baugeschichte der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde 1020-30 nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen (heute Teil des Aachener Doms) errichtet und wie dieser der Jungfrau Maria geweiht. Anfang des 13. Jh wurde die westliche Vorhalle zum Turm aufgestockt und Teile der Außenwände restauriert. Die Kirche war im 14/15. Jh. komplett mit Fresken ausgestattet und stand nun unter dem Patrozinium des Hl. Petrus. 1445 gingen fast alle Fresken beim Brand verloren, Wiederherstellungen blieben fragmentarisch. Um 1495 wurde die Heilig-Kreuz-Kapelle im Südosten neu angebaut, 1582 schließlich der Liebfrauenchor im Nordosten als Stiftsdamenkirche, während die Empore im Zentralraum den Benediktinerinnen vorbehalten blieb.

1695 folgte eine Neuaufmauerung der Kuppel, die wohl im Dreißigjährigen Krieg beschädigt wurde. Das Chorgestühl von 1780 befindet sich heute in Bantzenheim. 1833–1837 und 1850 folgten Restaurierungsarbeiten. Die Fenster des Oktogons und das Kranzgesims stammen aus dieser Zeit, 1875 wurden die Reste der Fresken freigelegt, 1903 der Putz entfernt. Ein verheerender Brand vernichtete 1991 Dachgestühl und Orgel des 18. Jh. In den folgenden Jahren von 1992 bis 1998 wurde die Kirche saniert und 1999 mit einer neuen Orgel ausgestattet.

Kirchengräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem im Frühjahr 1981 Teile des Fußbodens eingesunken waren, fanden anschließend Notgrabungen im Mittelgang des Oktogons statt. Sie förderten u.a. zehn Gräber zu Tage. Vier der Gräber stammen wohl aus der Erbauungszeit der Kirche bzw. aus der Zeit, bevor die jetzige Kirche errichtet worden war. Diese älteren Gräber stammen daher wahrscheinlich aus einem Vorgängerbau der bestehenden Kirche. Ein Grab fiel weiterhin dadurch auf, dass es genau in der Mitte des Oktogons lag und aus einem gemauerten Stein-Sarkophag bestand. Dieser enthielt lediglich Schädelteile und Kleidungsreste, doch seine Lage im Oktogon sowie die Grabart in Form eines Stein-Sarkophages machten deutlich, dass hierin das Grab des Klostergründers Rudolf von Altenburg zu sehen ist.[1]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht der Abteikirche
Altarraum

Baustruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinter dem Turm mit Satteldach ragt das Zeltdach des Tambours über die Pultdächer des achteckigen Unterbaus empor, der einen ringförmigen Umgang und darüber die Empore besitzt. Als Gegenstück zum Turm erhebt sich im Osten ein rechteckiger Chor mit angegliederten Kapellen, von denen die nördliche aus der Zeit der Renaissance in spätgotischen Formen die geräumigere ist.

Wesentliche Teile des Kernbaus sind nicht originale Bausubstanz, romanisch ist im Wesentlichen die achteckige Trommel, Fenster und Gesimse sind aber neuromanische Zutaten. Das älteste Mauerwerk aus dem 11. Jh. zeigt kleine, gut behauene Bruchsteine mit regelmäßigen Gerüstlöchern. Andere Mauerwerksarten deuten an, dass es sich um Restaurierungen, nicht um Umbauten handelt. Nur die Hälfte der Mauern sind romanisch. Die gotischen Anbauten haben jedoch den Bau statisch gesichert. Am Turm sind Überreste von einer Arkadengliederung der Glockengeschosse sichtbar.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der dunklen Vorhalle unter dem Turm folgt das kuppelüberwölbte Oktogon. Der Raum ist von einer Schlichtheit der Bauzier, der interessanten Lichtführung und der Ausgewogenheit der Massen geprägt. Zweigeschossige Umgänge öffnen sich zur Raummitte, unten durch niedrige Arkaden, oben durch hohe Bogenöffnungen mit doppelter Säulenordnung. Das Licht fällt über die Emporen ein, der Raum weitet sich dadurch. Die Fenster unter der Kuppel beleuchten lediglich den oberen Teil des Raumes.

Nach Osten ist das äußere Oktogon zu einem rechteckigen Altarraum erweitert. Die dicken Mauern des Erdgeschosses erscheinen durch ihre Masse als Sockel. Das Obergeschoss wirkt durch die viel größeren und mit vergitternden Arkaden gezierten Öffnungen transparenter. Kapitelle und Basen der Säulen sind einzige Schmuckelemente des Raumes, sie entstammen in ihrer Schlichtheit der Romanik. Die Seitenschiffe sind mit Gewölben (Kreuzgrat/dreieckig) überdeckt. Der Chor besitzt ein Kreuzgratgewölbe.

Der Aufgang zur Empore geschieht über schmale Treppen im Turm. Auch aus statischen Gründen finden sich hier Tonnengewölbe, die den Kuppelschub in die Außenmauern einleiten, außer im Turm und Chorkapellenbereich.

Die Anbauten entstammen späteren Zeiten, die kleine Kapelle im SO aus der 2. Hälfte des 15. Jh. Die große Kapelle im Nordosten wurde 1582 errichtet. Sie besitzt Rippengewölbe mit Schlusssteinen, davon einer mit dem Klosterwappen. Eine Treppe vor dem 3/8 Chor erlaubte den Stiftsdamen den direkten Zugang zur Empore.

Verbindung zur Aachener Pfalzkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ottmarsheimer Oktogon ist eine Wiederholung des Oktogons der Aachener Pfalzkapelle, errichtet unter Karl dem Großen im 9. Jahrhundert. Der Kern entspricht eher dem Vorbild als der Umgang, welcher in Aachen 16 Ecken besitzt. Die Säulenzier der Empore ist so unverwechselbar, dass andere Vorbilder ausscheiden. Allerdings ist nicht nur der Grundriss vereinfacht wiedergegeben. Auch die Gewölbe sind in Ottmarsheim einfacher, die Bauzier besonders schlicht und nicht mehr antikisierend (in Aachen wurden Kapitelle und Säulen aus Italien wiederverwendet). Auch ist die Kirche von Ottmarsheim erheblich kleiner.

Der Rückgriff verweist auf die im 11. Jahrhundert verbreitete Karlsverehrung. Das Oktogon verweist aber auch auf die Bedeutung als Grabeskirche für den Klosterstifter, dessen Grab in der Mitte des Baus liegt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde in den Jahren 1999–2000 von dem Orgelbauer Richard Dott erbaut. 1991 war bei einem Brand das Vorgängerinstrument, das 1726–1728 von den Orgelbauern Joseph Waltrin und Johann Georg Rohrer erbaut worden war, vollständig zerstört worden. Das neue Instrument hat 27 Register auf zwei Manualen und Pedal.[2]

Orgel
I Grand Orgue C–d3
1. Bourdon 16′
2. Montre 8′
3. Flûte à cheminée 8′
4. Prestant 4′
5. Flûte 4′
6. Quinte 223
7. Doublette 2′
8. Tierce 135
9. Cornet V (D)
10. Fourniture III
11. Cymbale II
12. Trompette 8′
13. Voix humaine 8′
Tremblant doux
II Positif C–g3
14. Bourdon 8′
15. Prestant 4′
16. Flûte 4′
17. Nasard 223
18. Quarte de Nasard 2′
19. Tierce 135
20. Larigot 113
21. Fourniture III
22. Cromorne 8′
Tremblant doux
Pédale C–d1
23. Soubasse 16′
24. Flûte 8′
25. Flûte 4′
26. Trompette 8′
27. Clairon 4′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Jakob Wörner/Judith Ottilie Wörner-Hasler: Abteikirche Ottmarsheim. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abteikirche Ottmarsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Jakob Wörner/Judith Ottilie Wörner-Hasler: Abteikirche Ottmarsheim. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2002. S. 29 - 30.
  2. Nähere Informationen zur Geschichte und Beschreibung der Orgel

Koordinaten: 47° 47′ 13″ N, 7° 30′ 25″ O