Adolf-Hitler-Geburtshaus

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Geburtshaus Adolf Hitlers, Braunau am Inn, mit Gedenkstein davor (2015)

Das Geburtshaus Adolf Hitlers befindet sich in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn und hat die Adresse Salzburger Vorstadt 15. Als Bürgerhaus steht es per Bescheid wegen seiner Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert und seiner Bedeutung als „Biedermeierhaus im Kontext der Braunauer Altstadt“[1] unter Denkmalschutz (Listeneintrag).[2][3]

Das ehemalige Braugasthaus mit Nebengebäuden und Mietwohnungen, unter Adolf Hitler ein Kulturzentrum seiner Partei, wird vom Eigentümer, der Republik ÖsterreichBundesministerium für Inneres – nicht genutzt. Im November 2019 kündigte Innenminister Wolfgang Peschorn an, dass das Haus umgestaltet und durch die Polizei genutzt werden solle.[4]

Unklar ist, ob Adolf Hitler im bestehenden Vorderhaus oder im schon lange demolierten Hinterhaus geboren wurde.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus um 1934, mit Hakenkreuzflagge

Die Anschrift des Hauses mit sechsachsiger Front wurde 1826 mit Vorstadt 219 bestimmt und seit 1890 mit Salzburger Vorstadt 15. Nach der Braunauer Häuserchronik (Salzburg, 1943) von Franz Martin bestand das Braugasthaus ursprünglich aus zwei Gebäuden. Die Nutzung des Anwesens ist ab dem 17. Jahrhundert als Gasthaus nachweisbar, zu dem später auch ein Stall, ein Stadel, ein Sudhaus und Mietwohnungen gehörten. Ab 1888 wurde das Braugasthaus von den Eheleuten Dafner betrieben.[6]

Zu den Bewohnern des Hauses gehörten Ende des 19. Jahrhunderts auch der Zollbeamte Alois Hitler und dessen dritte Frau Klara (geb. Pölzl), die damals mit ihren Kindern bis 1892 in einer der Mietwohnungen lebten. Dort wurde als drittes von deren sechs Kindern (frühere Quellen, die anscheinend auf den Erinnerungen von Hitlers Schwester Paula beruhen, berichten irrtümlich von drei älteren Geschwistern[7]) am 20. April 1889 Adolf Hitler geboren. Ob der spätere deutsche Reichskanzler und Diktator im bestehenden Vorderhaus oder im schon lange demolierten Hinterhaus geboren wurde, ist unter Historikern umstritten.[5]

1891 verstarb der Hauseigentümer und Gastwirt Franz Dafner. Seine Witwe Helene Dafner, später verheiratet mit Jakob Bachleitner, führte das Gasthaus noch bis 1911 und verkaufte es dann. Der neue Besitzer, Josef Pommer, betrieb das Gasthaus von 1912 bis 1938.[6]

NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des „Anschlusses von Österreich“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich erwarb Martin Bormann am 25. Mai 1938 das Geburtshaus des „Führers“ Adolf Hitler für die NSDAP zum vierfachen Verkehrswert. Bereits am 20. Juli 1938 (4 Monate nach dem Anschluss Österreichs) wurde es von der „Zentralstelle für Denkmalschutz“ des „Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten“ in Wien durch Staatssekretär Kajetan Mühlmann gegenüber den damaligen Miteigentümern Josef und Maria Pommer als denkmalgeschützt, weil „Geburtsstätte des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler“ deklariert.[8]

Das Gebäude wurde saniert und der Nutzung als Kulturzentrum mit einer Galerie und einer Volksbücherei zugeführt. Von 1943 bis 1944 wurden in der Braunauer Galerie im Führer-Geburtshaus Bilder und Plastiken von Künstlern der Region ausgestellt, unter anderem von Anton Filzmoser, Hermann Mayrhofer (Passau), Josef Karl Nerud (Simbach am Inn), Hugo von Preen, Martin Stachl und Franz Xaver Weidinger (Ried im Innkreis).[6]

Da das Haus in der Salzburger Vorstadt 15 in der NS-Zeit kein Ort der Planung und Organisation politischer Gewaltverbrechen war, ist es auch nicht als Täterort zu bezeichnen.[9][10][11]

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Mai 1945, unmittelbar nachdem Braunau von US-amerikanischen Truppen besetzt worden war, versuchte ein deutscher Stoßtrupp, Hitlers Geburtshaus in die Luft zu sprengen. Die US-Soldaten verhinderten dieses Vorhaben. Am 1. November 1945 wurde „an der Stätte, von der aus einst Hitler in die Welt trat“, eine Gedenk- und Mahn-Ausstellung über die Konzentrationslager eröffnet.

1952 wurde das Haus im Rahmen eines Rückstellungsvergleichs von der Republik Österreich den ehemaligen Eigentümern zurückgegeben und zugleich von der Republik angemietet, wobei es bis 1965 als Stadtbücherei genutzt wurde. Danach stand das Gebäude kurz in der Nutzung eines Bankinstitutes. Dem folgte von 1970 bis 1976 die Nutzung als Schule im Zuge der Gründung der HTL Braunau. Eigentümerin war bis 2016 Gerlinde Pommer.[12]

Von 1977 bis September 2011 wurde das Haus als Tagesheimstätte und Werkstätte für Menschen mit Behinderung von der Lebenshilfe Oberösterreich genutzt.[6][13][14][15]

Öffentliche Diskussion um die Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2012 trat die jahrelange Diskussion über die Nutzung des Hauses stärker an die Öffentlichkeit. Debattiert werden die Verwendung als Wohnhaus oder die Einrichtung eines „Haus des Friedens“ für soziale Projekte und Ausstellungen.[16][17]

Seit dem Jahr 2000 gab es Bestrebungen des örtlichen Vereins für Zeitgeschichte, der unter anderem die Braunauer Zeitgeschichte-Tage veranstaltet, das Gebäude von der öffentlichen Hand ankaufen zu lassen und dem Holocaustgedenken zuzuführen.[6] Der russische Duma-Abgeordnete Franz Adamowitsch Klinzewitsch hatte 2012 andere Pläne: Er wollte rund zwei Millionen Euro sammeln, um das Haus zu kaufen und abzureißen.[18]

Im April 2016 erklärte das Innenministerium zum nunmehr bald fünf Jahre leerstehenden Haus, die Enteignung des Hauses prüfen zu lassen, eventuell dafür ein Gesetz zu schaffen, mit der Absicht dauerhaft eine Nutzung des Hauses im Sinne nationalsozialistischer Wiederbetätigung auszuschließen.[19] 2015 hätte der Verfassungsrechtler Heinz Mayer auf die Notwendigkeit eines Gesetzes hingewiesen. Die Eigentümerin würde dabei eine Entschädigung erhalten.[20] Die Eigentümerin vermietete seit 1972 das Haus an das Innenministerium für etwa 5000 Euro Monatsmiete, erschwert jedoch insofern die Nutzung, als sie den behindertengerechten Umbau ablehnte, weshalb 2011 der Sozialverein Lebenshilfe (der mit Behinderten arbeitet) als Untermieter auszog.[21]

Im Juni 2016 plädierte der österreichische Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) für den Abriss des Hauses: „Für mich wäre ein Schleifen, so wie beim Fritzl-Haus in Amstetten, die sauberste Lösung.“[22] Am 12. Juli 2016 entschied die österreichische Regierungskoalition, die Eigentümerin aufgrund des öffentlichen Interesses zu enteignen und zu entschädigen, da man sich nicht auf eine Nutzung des Gebäudes hatte einigen können. Eine vom Innenministerium eingesetzte Kommission sollte Vorschläge für die Zukunft des denkmalgeschützten Hauses machen. Möglich wäre die Umnutzung des leerstehenden Gebäudes oder auch dessen Abriss.[23][24]

Am 17. Oktober 2016 bestätigte Wolfgang Sobotka, dass das Haus abgerissen werde und berief sich dabei auf eine Empfehlung der Kommission. An der Stelle des Hauses solle ein von einer sozialen Einrichtung oder von Behörden genutzter Neubau errichtet werden. Der Braunauer Bürgermeister Hannes Waidbacher, der der Kommission angehörte, widersprach jedoch dem Minister: „In der Empfehlung steht nichts von einem Abriss.“ Stattdessen rate die Kommission zu einer tiefgreifenden architektonischen Veränderung, die den „Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden“ solle.[25][26][27]

Der aus Braunau am Inn stammende Redakteur der Salzburger Nachrichten Peter Gnaiger will dort ein nach dem 1941 im KZ Dachau verstorbenen Kabarettisten Fritz Grünbaum benanntes Kaffeehaus einrichten. Unterstützt wird er dabei u. a. von Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann und Josef Sigl von der Trumer Privatbrauerei.[28]

Enteignung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Dezember 2016 wurde vom österreichischen Parlament ein Gesetz zur Enteignung der bisherigen Besitzerin verabschiedet, sodass das Gebäude in den Besitz der Republik Österreich überging.[29] Ein Arbeitsgespräch zwischen dem österreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka, dem oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer und dem Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher am darauffolgenden Tag ergab, dass das Gebäude saniert und der Lebenshilfe Oberösterreich zur Nutzung angeboten werden soll.[30][31] Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Bundesministeriums für Inneres, des Landes Oberösterreich und der Stadt Braunau am Inn, soll[veraltet] im ersten Halbjahr 2017 die offenen rechtlichen und organisatorischen Fragen klären.[32]

Die enteignete Besitzerin bekämpfte die Enteignung mit einer Klage gegen das eigens geschaffene Gesetz vor dem Verfassungsgerichtshof, der am 30. Juni 2017 die Enteignung als rechtmäßig erkannte. Daraufhin brachte die Klägerin eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein und klagte zugleich vor dem Landesgericht Ried eine höhere Entschädigung als die zugesprochenen 310.000 Euro ein. Im Jänner 2018 wurden zwei Gutachter bestellt, von denen einer im Juni den Wert mit zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Euro bezifferte.[33] Nachdem das Landesgericht den höheren der beiden Werte festgesetzt hatte, hob das Oberlandesgericht Linz im April 2019 diesen Beschluss auf und legte die Entschädigung auf 812.000 Euro fest. Diese wurden von der Republik auch gezahlt, ein Rekurs wurde vom Obersten Gerichtshof als letzter Instanz im August 2019 abgewiesen.[34]

Nutzung durch die Polizei und Umbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2019 gab das Innenministerium bekannt, dass das Gebäude nach einem Umbau Sitz des Bezirkspolizeikommandos und der Polizeiinspektion Braunau werde.[35]

Am 2. Juni 2020 wurde verlautbart, dass das Vorarlberger Architektenbüro Marte.Marte, als Gewinner des EU-weiten Architekturwettbewerbes, die Umgestaltung des Hitler-Geburtshauses in Braunau vornehmen wird.[36][37] Zum Architekturwettbewerb und zum Projekt des Architekturbüros gibt es aber auch sehr kritische Stimmen.[38][39] Gerhard Matzig kritisierte in einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Juni 2020 insbesondere den Wortlaut der Wettbewerbsauslobung: „Durch die äußerliche Umgestaltung des Bestandsgebäudes soll die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus beseitigt (…) werden.“ Dies schließe „das reflektierende Nachdenken über den Ort“ aus und „Fragen des Umgangs mit NS-Geschichte werden versimpelt“.[39] Matzig nennt den Entwurf von Marte.Marte, der mit der „Kraft des Einfachen“ so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen will, das „Defizit einer Architektur, die nicht nur zeitgemäß zeitlos, sondern auch vergessend geraten ist“[39]. Denn das Haus sei weiterhin der Ort, an dem Hitler geboren wurde und „jeder Versuch, diese Tatsache zu ignorieren, muss eine Architektur hervorbringen, die ignorant ist.“[39] „Bemerkenswert zeichenhaft“[39] findet Matzig hingegen den gemeinsamen Entwurf von Kabe Architekten aus Wien und Springer Architekten aus Berlin, deren Entwurf mit einem Sonderpreis gewürdigt wurde. Und dies obwohl Kabe/Springers Entwurf genau das Gegenteil dessen darstellt, was die Ausschreibungsunterlagen vorgaben.[38] Der Entwurf sah vor, die Fenster des Gebäudes zuzubetonieren, das „historische Gemäuer mit Erde aufzufüllen und Hitlers Geburtshaus für alle Zeit in ein nicht zugängliches Wäldchen zu verwandeln“.[38] Die Polizeistation wäre dabei in einem schlichten Holzneubau auf dem hinteren Teil des Grundstücks untergebracht worden. Für Florian Kotanko, den Vorsitzenden des örtlichen Vereins für Zeitgeschichte, wäre dies „genau […] der richtige Zugang gewesen“.[38] Sowohl ein Mahnmal als auch eine soziale Einrichtung wie die Lebenshilfe, die bis 2011 im Gebäude untergebracht war, wäre für die Menschen der Gemeinde gut vorstellbar gewesen.[38] Er fügte an, dass alles besser sei als „die oberste Priorität der politischen Instanzen, […] die Fakten der Geschichte auszuradieren“, denn das werde nicht funktionieren.[38] Matzig sieht auch die Unterbringung der Polizei im Gebäude zwiespältig. Dieser Entscheidung ging der Rat einer Kommission voraus, im Geburtshaus Hitlers eine „lebensbejahende Organisation“ unterzubringen. Die Polizei kann eine Demokratie bejahen und verteidigen,[39] Matzig erinnert aber auch daran, dass „die Polizei […] auch in einem Polizeistaat wirken“[39] kann. Auch Bürger aus Braunau kritisieren das Projekt. Diese führen an, dass ihnen nicht nur ein Gedenkort genommen wird, sondern dass „die Regierung dem Ort seine Geschichte nehmen will“.[38]

Protest gegen Coronamaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Januar 2021 fand neben dem Mahnstein eine Kundgebung der Initiative Österreich ist frei statt. Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien berichtete am nächsten Tag über eine „gespenstische Szene vor dem Geburtshaus von Adolf Hitler, wo AktivistInnen gegen die [Coronamaßnahmen] [...] beim dort aufgestellten Gedenkstein in offensichtlich belustigender Manier posieren“.[40] Durch die Antisemitismus-Meldestelle aufmerksam gemacht, begann das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Oberösterreich zu ermitteln.[40] Harald Grünn, Vorsitzender des Landesverbands Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus, KZ-Verband/VdA OÖ, hat auf die Verbindungen zwischen der Corona-Leugner-Szene und dem organisierten Rechtsextremismus hingewiesen.[41] Auch international wurde über der Vorfall berichtet.[42] Organisiert wurden die Protestaktionen von Edith Brötzner aus Linz.[43]

Aufarbeitung und Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnstein von 1989 (Vorderseite)

Im Jahre 1989 wurde von der Stadt Braunau am Inn unter Bürgermeister Gerhard Skiba[44] anlässlich des 100. Geburtstags von Adolf Hitler auf dem Gehsteig vor dem Haus ein Mahnstein gegen Krieg und Faschismus als Steinmetzarbeit aus Mauthausner Granit[45] aufgestellt. Die rautenähnliche Ansichtsfläche des freistehenden Blocks ist etwa 160 cm breit und 115 cm hoch. Auf der Vorder- und Rückseite befinden sich die Inschriften „Für Frieden Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen“ und „Stein aus dem Konzentrationslager Mauthausen“. Die Stadt distanzierte sich damit erstmals eindeutig von dem „Hitlertourismus“, der Auswüchse bis hin zum ortsüblichen Verkauf von Souvenirs mit der Aufschrift „Hitler“ angenommen hatte.[46] Den nächsten großen Schritt setzte der Braunauer Journalist und PR-Berater Reinhold Klika[47] im Februar 2000 durch seine Initiative „Braunau setzt ein Zeichen“.[48] SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne traten gemeinsam für die von Andreas Maislinger vorgeschlagene Idee „Haus der Verantwortung“ ein.[49]

Haus der Verantwortung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscarpreisträger Branko Lustig[50]

Das Haus der Verantwortung (HRB) schlägt die Schaffung eines Symbols vor, mit der entgegengesetzten Bedeutung dessen, was die Geburt von Adolf Hitler bedeutet. Es sieht vor, das Symbol der Geburt des Holocaust in ein Symbol der Verantwortung, des Lernens, des Friedens und der Kreativität zu verwandeln und gleichzeitig die durch die Geburt Adolf Hitlers stigmatisierte Stadt Braunau am Inn in eine Stadt zu verwandeln, welche die gleichen Werte repräsentiert.[51]

Das Haus der Verantwortung schlägt vor, das Geburtshaus Adolf Hitlers zu einer internationalen Begegnungsstätte zu machen, in der Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenkommen, um über Verantwortung zu lernen. Im Mittelpunkt stehen dabei junge Menschen, die jeweils drei Monate nach Braunau am Inn kommen und sich mit ihrer Verantwortung in Bezug auf die Geschichte ihres Landes auseinandersetzen, um über Fehler in der Vergangenheit des eigenen Landes nachzudenken und die Sichtweise des anderen kennen zu lernen.[52] Sie würden an verschiedenen Bildungsaktivitäten teilnehmen und zu diesen einen Beitrag leisten, wie zum Beispiel Literaturclubs, Diskussionsrunden, Debatten, Studienreisen und Treffen mit angesehenen Persönlichkeiten. Jeder Teilnehmer könnte so seine eigene Perspektive in den Diskurs einbringen.[53]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rückfront zeigt in der Dachform, dass es ursprünglich zwei Häuser waren. Der Arkadentrakt rechts aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts ist ein Zubau.

Ursprünglich bestanden zwei in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaute Einzelgebäude. Der hofseitige Arkadentrakt entstand wohl in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1758 entstand die gemeinsame Besitzung und die bauliche Verbindung der beiden Häuser. Die vereinheitlichende Fassadengestaltung und Innenumbauten erfolgten im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das hofseitige Wirtschaftsgebäude abgebrochen. 1940 wurden Umbauten im Erdgeschoß durchgeführt.

Das stattliche breit gelagerte Eckhaus hat drei freie Gebäudeseiten. Die Hauptfront hat ein geböschtes Erdgeschoß mit einem Rundbogentor seitlich links. Die biedermeierliche Fassade ist aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, die Fenster im ersten Obergeschoß haben einen rundbogigen Blendrahmen mit Muscheldekor, die Fenster im obersten Geschoß sind Rundbogenfenster. An der Rückfront sind die ehemaligen Einzelgebäude durch die Doppelgiebelfassade erkennbar. Der nordöstliche vorgebaute dreigeschoßige einachsige Gangtrakt grenzt an das Nachbargebäude, in den Obergeschoßen zeigen sich Arkadengänge mit gedrungenen Segmentbögen auf polygonen bzw. abgefasten Pfeilern, die Gänge sind mit Stichkappentonnen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewölbt.

Das Gebäudeinnere hat in allen Geschoßen tonnengewölbte Gänge, die abgewendelte Treppe wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitert. Im Erdgeschoß haben die Räume Tonnen- bzw. Stichkappentonnengewölbe, die Räume in den Obergeschoßen haben zahlreiche Flachdecken mit Hohlkehlen und Stuckleistenprofilen aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die weitläufigen Kelleranlagen aus dem 16. Jahrhundert haben Längstonnengewölbe auf Tuffstein- und Ziegelmauerwerk und Flusssteinböden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julia Bevanda: Adolf Hitler und sein Geburtshaus. Diplomarbeit, Universität Wien 2018. (Volltext)
  • Braunau am Inn, Ortsverbauung, Salzburger Vorstadt Nr. 15/Schmiedgasse Nr. 1. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Innviertel 2020. S. 166–167.

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Zinggl: Schweres Erbe. Das Hitler-Haus in Braunau. Journal-Panorama, Ö1, 14. April 2014.
  • Lothar Bodingbauer: Braunau. Eine Kleinstadt auf der Suche nach der Normalität. Journal-Panorama, Ö1, 9. Mai 1995, Link zum Manuskript

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Adolf-Hitler-Geburtshaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. apa: Abriss von Hitler-Geburtshaus in Schwebe. In: Unsertirol24, 12. Juli 2016, abgerufen am 21. September 2016.
  2. Oberösterreich – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz. (Memento vom 29. Dezember 2017 im Internet Archive) (PDF), (CSV). Bundesdenkmalamt, Stand: 8. Juni 2017.
  3. Unter Denkmalschutz: Braunau streitet um Hitlers Geburtshaus Tagesspiegel, abgerufen am 14. Juni 2016
  4. Hitlergeburtshaus in Braunau am Inn: Innenminister Peschorn hat über die Umgestaltung und Nutzung entschieden. Abgerufen am 21. November 2019.
  5. a b Hitlers Geburtshaus – Abriss oder pädagogische Nutzung? — ERINNERN: NATIONALSOZIALISMUS UND HOLOCAUST. Abgerufen am 21. November 2019.
  6. a b c d e Florian Kotanko: Das Haus, in dem Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, hat eine lange Geschichte. Hrsg.: Verein für Zeitgeschichte, Braunau am Inn. (Online; abgerufen am 3. Februar 2011, 9. April 2016 Seite nicht mehr aufrufbar. – House of Responsibility, hrb.at; Österreichischer Auslandsdienst / Austrian Service Abroad, Innsbruck, www.auslandsdienst.at; abgerufen am 9. April 2016.)
  7. Der Fehler in Adolf Hitlers Biografie in Oberösterreichische Nachrichten (nachrichten.at) am 30. Mai 2016 mit Originalbelegen aus dem Geburtsregister und der Sterbemeldung der „Neuen Warte am Inn“ vom 2. Juli 1892
  8. Olga Kronsteiner: Denkmalschützer wollen Hitler-Haus erhalten standard.at, 20. September 2016, abgerufen am 24. September 2016. – Aktenzahl: Z.2178/Dsch/1938.
  9. Christina Feist: „Der Vergangenheit stellen, auf die Zukunft blicken“. In: Profil. 23. Oktober 2016, abgerufen am 19. Juni 2022.
  10. Peter Maxwill: Geburtshaus von Adolf Hitler: Streit in Braunau. In: Der Spiegel. 9. April 2016, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. Juni 2022]).
  11. Julien Reitzenstein: Rechter Raum in Braunau. In: Jüdische Allgemeine. 17. Dezember 2020, abgerufen am 19. Juni 2022.
  12. Vgl. [1]
  13. Vorerst keine neue Nutzung für Hitlers Geburtshaus. In: Der Standard vom 12. Mai 2010. (Online; abgerufen am 3. Februar 2011.)
  14. Georg Markus: Neue Mieter in Hitlers Geburtshaus Kurier, 10. September 2011
  15. Georg Markus: Was wird aus dem „Hitler-Haus“? Kurier, 23. Oktober 2016
  16. ORF: Hitler-Geburtshaus als Wohngebäude? vom 20. September 2012
  17. SPÖ gegen Hitler-Wohngebäude, orf.at, 21. September 2012
  18. Russe will Geburtshaus von Hitler abreißen. sueddeutsche.de, 8. November 2012, abgerufen am 8. November 2012
  19. Geburtshaus – Braunau History. braunau-history.at. 28. Mai 2016. Abgerufen am 16. Juni 2016.
  20. Hitlers Geburtshaus: Innenministerium für Enteignung, orf.at, 9. April 2016, abgerufen am 9. April 2016.
  21. Streit um Nutzung: Österreich plant Enteignung von Hitlers Geburtshaus, spiegel.de, 9. April 2016, abgerufen am 9. April 2016.
  22. Abriss von Hitlers Geburtshaus möglich, ORF, 12. Juni 2016
  23. Braunau: Österreich enteignet Eigentümerin von Hitlers Geburtshaus. Spiegel Online. 12. Juli 2016. Abgerufen am 12. Juli 2016.
  24. Enteignung im Kampf gegen Ewiggestrige, Tagesschau.de, 12. Juni 2016
  25. Innenminister: Hitler-Geburtshaus wird abgerissen. Innenminister Wolfgang Sobotka will den jahrelangen Diskussionen um das umstrittene Gebäude ein Ende setzen. Doch dafür ist der Beschluss eines Bundesgesetzes notwendig. Salzburger Nachrichten, 17. Oktober 2016
  26. Hitlers Geburtshaus wird abgerissen, Spiegel Online, 17. Oktober 2016
  27. Hitler-Geburtshaus: Kommission empfiehlt keinen Abriss, ORF, 18. Oktober 2016
  28. Peter Gnaiger: Der Traum vom Café Grünbaum in Hitlers Geburtshaus. Salzburger Nachrichten, 21. April 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.
  29. Republik Österreich: Bundesgesetzblatt I Nr. 4/2017 (NR: GP XXV RV 1250 AB 1389 S. 157. BR: AB 9713 S. 863.) – Bundesgesetz über die Enteignung der Liegenschaft Salzburger Vorstadt Nr. 15, Braunau am Inn. 13. Januar 2017, abgerufen am 19. Februar 2021.
  30. Meret Baumann: Vergangenheitsbewältigung in Österreich: Hitlers Geburtshaus soll wieder ein Behindertenheim werden. In: nzz.ch, 16. Dezember 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  31. Hitler-Geburtshaus wird einer sozialen Verwendung zugeführt. Presseaussendung vom 15. Dezember 2016. Homepage des Landes Oberösterreich. Abgerufen am 23. Dezember 2016.
  32. Marianne Karner: Hitlers Geburtshaus und die Lebenshilfe Oberösterreich – Widerstand oder Ergebung? In: bizeps.or.at. 10. Januar 2017, abgerufen am 13. März 2017.
  33. Hitler-Haus: Enteignung könnte teurer werden, ORF online am 21. Juni 2018
  34. Ex-Eigentümerin von Hitlers Geburtshaus verliert Prozess vor OGH. Der Standard, 5. August 2019, abgerufen am 20. November 2019.
  35. Polizei wird in Hitlers Geburtshaus einziehen. Der Standard, 19. November 2019, abgerufen am selben Tage.
  36. Vorarlberger Architekten gestalten Hitler-Geburtshaus um (2. Juni 2020)
  37. Architekturwettbewerb. Umgestaltung des Gebäudes Salzburger Vorstadt 15. In: architekturwettbewerb.at. Abgerufen am 2. Juni 2020.
  38. a b c d e f g Wojciech Czaja: Pläne für Hitlers Geburtshaus: Weil Hitler nie geboren wurde auf derstandard.de, abgerufen am 9. Juni 2020
  39. a b c d e f g Gerhard Matzig: Bis zum Vergessen zeitlos – Umbau von Hitlers Geburtshaus: Angst vor dem Eishauch auf sueddeutsche.de, abgerufen am 9. Juni 2020
  40. a b Polizei ermittelt: Corona-Demonstranten posieren vor Hitlers Geburtshaus. In: Kleine Zeitung. 4. Januar 2021, abgerufen am 11. April 2022 (österreichisches Deutsch).
  41. Corona-Leugner verhöhnen Opfer des NS-Faschismus – Opferverbände sind empört. In: Zeitung der Arbeit. 5. Januar 2021, abgerufen am 11. April 2022 (österreichisches Deutsch).
  42. Hasnain Kazim: Das Recht, sich wie ein Idiot zu verhalten. In: Die Zeit. 5. Januar 2021, abgerufen am 11. April 2022.
  43. Kickl tritt mit Szenegröße der Corona-Leugner auf, nennt Nehammer "Freiheitsgefährder". In: DerStandard. 3. Februar 2021, abgerufen am 11. April 2022 (österreichisches Deutsch).
  44. Stellungnahme zum Umgang mit dem Hitler-Geburtshaus in Braunau/Inn – KZ-Verband/VdA OÖ, Landesvorstand, August 2015, hrb.at
  45. Ute Baumhackel: Braunaus Geisterhaus, Kleine Zeitung, Print 17. Juli 2016, Beilage Sonntag, S. 16 f. Auszug aus: Huber Patterer et al.: Narben des Kriegs. Von Braunau bis Jalta. 19 Reisen zu Orten, die der Zweite Weltkrieg gezeichnet hat. Edition Kleine Zeitung. Graz 2015. ISBN 978-3-902819-47-5.
  46. Marion Kraske: Braunaus Vergangenheit. Mit Hitler leben. Auf dem Zeitgeschichte-Portal einestages von Spiegel Online, 4. Oktober 2008. (Online; abgerufen am 3. Februar 2011.)
  47. Wir Braunauer setzten ein Zeichen für die Welt! In: Braunauer Rundschau. 10. Februar 2000, abgerufen am 7. März 2022 (österreichisches Deutsch).
  48. Monika Raschhofer: Mutige Entscheidung am Anfang: Setzt Braunau noch ein Zeichen? Oberösterreichische Nachrichten, 22. Juli 2010, abgerufen am 10. Februar 2022 (österreichisches Deutsch).
  49. Eva Sudholt: Braunau in Österreich: Die „Neutralisierung“ von Hitlers Geburtshaus. In: DIE WELT. 24. Juni 2020 (welt.de [abgerufen am 10. Februar 2022]).
  50. S. Michael Westerholz: Oscar-Preisträger Branko Lustig engagiert sich in Braunau. In: haGalil. 15. September 2011, abgerufen am 10. März 2022 (deutsch).
  51. „Der Vergangenheit stellen, auf die Zukunft blicken“. Andreas Maislinger über seine Pläne für Hitlers Geburtshaus. In: Profil. 22. Oktober 2016, abgerufen am 2. März 2022 (österreichisches Deutsch).
  52. Interview mit Andreas Maislinger zu Hilters Geburtshaus und dem Haus der Verantwortung. In: erinnern.at. 14. Oktober 2016, abgerufen am 2. März 2022 (österreichisches Deutsch).
  53. Die Idee: Home. In: House Of Responsibility. Abgerufen am 2. März 2022 (österreichisches Deutsch).

Koordinaten: 48° 15′ 22,6″ N, 13° 2′ 9,6″ O