AgustaWestland AW159

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Westland Lynx Wildcat
Wildcat Helicopter MOD 45154291.jpg
Typ: Militärischer Mehrzweckhubschrauber
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: Leonardo S.p.A.
(früher AgustaWestland)
Erstflug: 12. November 2009
Indienststellung: 2014
Produktionszeit: seit 2010
Stückzahl: 62 (Stand: Januar 2017)

Die AgustaWestland AW159 Lynx Wildcat (früher als Future Lynx bezeichnet) ist ein Militärhubschrauber, der eine Weiterentwicklung der Westland WG13 in ihrer letzten Version Super Lynx military helicopter darstellt. Die AW159 soll als Luftnahunterstützungs-, SAR- und U-Jagd-Helikopter eingesetzt werden. Das British Army Air Corps (AAC) erhält voraussichtlich 2014 und die Royal Navy 2015 die ersten Maschinen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Juni 2006 erteilte das britische Verteidigungsministerium der Firma AgustaWestland zunächst einen Auftrag in Höhe von 1 Milliarde GBP für 70 Future-Lynx-Hubschrauber. Das Programm sah vor, der British Army 40 Battlefield Reconnaissance Helicopter (BRH) und der Royal Navy 30 Surface Combatant Maritime Rotorcraft (SCMR) zur Verfügung zu stellen, mit einer Option für je fünf weitere Exemplare für beide Teilstreitkräfte. Bereits im Dezember 2008 wurde die Stückzahl jedoch auf 62 Exemplare reduziert (34 für AAC und 28 für FAA).

Aus der Future Lynx wurde am 24. April 2009 die AW159, die in den britischen Streitkräften den Namen Lynx Wildcat tragen wird. Die erste Maschine (BRH-Ausführung) absolvierte am 12. November 2009 in Yeovil ihren Erstflug, die zweite (BRH/SCMR) im Oktober und die dritte (SCMR) und letzte im November 2010. Die bestellten 66 Exemplare – 2011 wurde die Bestellung um vier erhöht – sollen den Streitkräften des Vereinigten Königreiches zwischen 2011 und 2017 zulaufen.

Im Januar und Februar 2012 absolvierte der Prototyp an der Südwestküste von England, in der Irischen See und vor der Nordküste von Schottland an Bord der britischen Lenkwaffenfregatte HMS Iron Duke (F 234) 390 Landungen, darunter 148 bei Nacht. Auslieferungen gehen zunächst zu Ausbildungszwecken an die 700(W) Naval Air Squadron auf der Royal Naval Air Station Yeovilton.

Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben eines BRH der Landstreitkräfte beinhalten C2 (engl. für Command & Control), Truppen- und Materialtransport sowie Luftnahunterstützung und Aufklärung. Die SCMR Wildcat ist als Bordhubschrauber insbesondere für den schiffsgestüzten Einsatz ab Fregatten und Zerstörern konzipiert. Die Primäraufgabe ist die Bekämpfung von Über- und Unterwasserzielen mit Torpedos, Wasserbomben und zukünftig der Future Anti-Surface Guided Weapon. Die Marineausrüstung beinhaltet ein aktives 360°-Überwachungsradar vom Typ Selex Galileo Seaspray 7400E, einen optronischen Turm mit dem Infrarot-System L-3 Wescam MX-20 mit Laserbeleuchter, elektronische Unterstützungsmaßnahmen, Datenübermittlung via Link 16 und ein integriertes HIDAS-Abwehrsystem Selex Galileo.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitenansicht

Die Wildcat ist eine Monocoque-Konstruktion, wobei für tragende Teile Aluminiumlegierungen und im Heck GFK verbaut werden. Die Heeres- und Marinehubschrauber sind zu 98 % baugleich, wodurch sie leicht für die jeweilige Rolle umgerüstet werden können. Das kantige Design (besonders des Hecks) wie beim NH90 reduziert wie auch die neuartige Form der Hauptrotorblätter die Radarsignatur. Die Konstruktion ist jedoch nicht primär auf Tarnkappentechnik aufgebaut. Ob radarabsorbierende Materialien (RAM) eingesetzt werden, ist nicht bekannt, doch strahlen Kunststoffe ebenso keine Radarstrahlen zurück. Aufgrund der aktuellen Kriegserfahrungen im Irak und in Afghanistan wurde die Reduktion der Wärmeabstrahlung bei den Triebwerkauslässen höher gewichtet.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AH Mk.1
Die erste Baureihe ist ein Mehrzweckhubschrauber für die Heeresflieger. Ausgelegt ist er für die oben beschriebenen Aufgaben Luftnahunterstützung und Einsatz von Spezialeinheiten. Es ist der Neubau von 38 Stück geplant, 8 davon für die Spezialeinsatzkommandos, Erstflug 2012.
HMA Mk.2
Die zweite Variante ist ein Bordhubschrauber für die Marineflieger der Royal Navy. Ihr Einsatz ist ab Zerstörern und Fregatte vorgesehen. Dabei umfassen die Aufgaben die Bekämpfung von Überwasserschiffen, die U-Jagd und Such- und Rettungsaufgaben (SAR)-Aufgaben. Es ist der Neubau von 28 Hubschraubern geplant. Der Erstflug der ersten Serienmaschine erfolgte 2013.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daten Wildcat AH Mk.1
Rumpflänge 15,24 m
Rotordurchmesser 12,80 m
Höhe 3,73 m
Antrieb 2 × LHTEC CTS800 (je 1281 WPS)
Höchstgeschwindigkeit 291 km/h
Einsatzgeschwindigkeit k.A.
Reichweite 777 km
Steigrate k.A.
Maximalmasse 5790 kg

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Wildcat auf der Lynx basiert, wurden nicht alle bisherigen Waffen integriert. Die geplanten Waffensysteme müssen zuerst noch in der Wildcat erprobt und ins System integriert werden.

Army Wildcat

Intern auf Drehkugellafetten in beiden geöffneten Seitentüren lafettiert

Navy Wildcat

Intern auf Drehkugellafetten in beiden geöffneten Seitentüren lafettiert

  • 2 × 7,62-mm-Maschinengewehre FN L7A2 GPMG mit mehreren Gurtkästen zu je 200 Schuss Munition
  • 2 × schwere 12,7-mm-Maschinengewehre FN Herstal M3M mit mehreren Gurtkästen zu je 110 Schuss Munition
geplante Bewaffnung[1]

Waffenzuladung von 550 kg an zwei Waffenträgern

Seezielflugkörper

  • 4 × Future Anti-Surface Guided Weapon light (FASGW-L)
  • 4 × Future Anti-Surface Guided Weapon heavy (FASGW-H)
  • 4 × Thales Lightweight Multirole Missile (LMM)-Lenkflugkörper-Startbehälter mit je 7 gelenkten LMM-Luft-Boden-LFK

Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Die britischen Streitkräfte haben die Maschinen alle an einem Ort, der RNAS Yeovilton, stationiert.
Heer, Army Air Corps: 34 AH Mk.1[2]
1. Regiment mit der 652. und 661. Squadron
Marine, Fleet Air Arm: 28 HMA Mk.2[3]
825. und 847. Naval Air Squadron (Royal Marines)
Korea SudSüdkorea Südkorea
Marine: 8 Stück (Auslieferung 2016[4])
PhilippinenPhilippinen Philippinen
Marine: 2 Stück (Auslieferung 2018[5])

Vergleichbare Marinehubschrauber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: AgustaWestland AW159 Wildcat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Air Forces Monthly Nr. 301, April 2013, Seite 47/48, Key Publishing Ltd
  2. Leonardo Helicopters betreut Wildcats. Flug Revue, 10. Januar 2017, abgerufen am 10. Januar 2017.
  3. Letzte Wildcat an die Royal Navy geliefert. Flug Revue, 28. Oktober 2016, abgerufen am 10. Januar 2017.
  4. Südkorea wird erster Exportkunde für AW159 Wildcat. Flug Revue, 15. Januar 2013, abgerufen am 10. Januar 2017.
  5. AW159 für die Philippinen. Flug Revue, 1. April 2016, abgerufen am 10. Januar 2017.