al-Haul

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الهول
al-Haul
al-Haul (Syrien)
al-Haul
al-Haul
Koordinaten 36° 23′ N, 41° 9′ OKoordinaten: 36° 23′ N, 41° 9′ O
Basisdaten
Staat Syrien

Gouvernement

al-Hasaka
Höhe 452 m
Einwohner 3409 (2004)

Al-Haul oder al-Hol (arabisch الهول, DMG al-Haul ‚Sumpfland‘, auch bekannt als al-Hool und al-Houl) ist eine Stadt des Gouvernements al-Hasaka im nordöstlichen Syrien. Es ist das Verwaltungszentrum des gleichnamigen Unterdistriktes al-Haul mit 22 Kommunen. Bei einer Volkszählung 2004 lebten 3.409 Menschen in der Stadt.[1]

Während des Bürgerkriegs in Syrien wurde al-Haul durch den Islamischen Staat (IS) erobert. Durch seine strategische Lage und seine fast uniforme Einwohnerschaft aus Arabern wurde die Stadt zu einem wichtigen Ort für den IS. Am 13. November 2015 vertrieben die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) den IS aus al-Haul. Dies war der erste wichtige Sieg der erst vor kurzem gegründeten SDF.[2]

Geographie und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 40 km östlich der Provinzhauptstadt al-Hasaka am südlichen Ufer des Wadis ʿAṭā Allāh. Während das Wadi ausgetrocknet ist, gibt es südlich der Stadt die Quelle ʿAin al-Haul. Um die Stadt herum gibt es einige Armeestützpunkte, die ehemals von den Streitkräften Syriens genutzt wurden.

Nördlich der Stadt verläuft eine Hauptstraße, die al-Hasaka über Tal Hamis mit dem Grenzübergang al-Yaʿrubiyya in den Irak verbindet. Südlich der Stadt liegt eine weitere Straße, die nach 20 km zum Grenzübergang Maʿbar Umm Yaris und weiter nach Dschabal Sindschar im Irak führt.

Flüchtlingslager al-Haul[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Golfkriegs wurde Anfang 1991 durch das UNHCR am südlichen Rand al-Hauls ein Flüchtlingslager errichtet, das in Kooperation mit der syrischen Regierung verwaltet wurde.[3] Zusammen mit einem Lager bei al-Hasaka lebten mindestens 15.000 irakische Flüchtlinge hier.[4] Im Zuge des Irakkrieges 2003 wurde das Lager wieder eröffnet, als die irakische Regierung tausende von Palästinensern des Landes verwies.[5] Das Lager wird immer noch betrieben und beherbergt Binnenflüchtlinge aus Syrien und Iraker, die vor den Kämpfen aus Mossul flohen.[6] Das Lager wurde nach Vertreibung der Terrororganisation IS hauptsächlich zur Unterbringung von Frauen und Kindern benutzt, die zuvor in Gebieten unter Kontrolle des IS gelebt hatten, welche nun unter die Kontrolle des SDF gefallen waren. Mit 72.000 Bewohnern Ende März 2019 war das Al-Haul-Lager um ein Mehrfaches überbelegt.[7]

Auch nach der militärischen Überwindung des IS gibt es im Lager viele Anhänger der Terrormiliz und es kommt regelmäßig zu Gewaltvorfällen. Tuberkulose, Syphilis und Diphtherie sind ein ernstes Problem im Lager. Der Kurdische Rote Halbmond dringt auf mehr Hilfe und auf eine Reduzierung der Flüchtlinge. Neben den Herkunftsländern kritisiert er in diesem Zusammenhang auch Deutschland wegen seiner Weigerung deutsche IS-Anhänger zurückzunehmen.[8]

Bürgerkrieg in Syrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Offensive der Volksverteidigungseinheiten (YPG) zwischen Februar und März 2015 wurde der IS aus großen Teilen des östlichen Gouvernements al-Hasaka inklusive Tal Hamis und Tell Brak vertrieben. Die südöstliche Ecke um asch-Schaddadi und al-Haul blieb aber in der Hand des IS. Im Oktober 2015 gründeten die YPG und ihre Partner wie die arabischen Quwat as-Sanadid die SDF. Der Führer der Quwat as-Sanadid Bandar al-Humaydi sah die Befreiung al-Hauls und asch-Schaddadis als oberste Priorität der SDF.[9]

Ende Oktober 2015 begann dann auch die Offensive ausgehend von Tal Hamis. Am 11. November wurde Chatuniyah nordöstlich von al-Haul erobert. Einen Tag später wurde al-Haul von zwei Seiten her eingeschlossen und am 13. November eingenommen.[2] Bei der weitergehenden Offensive wurde dann am 19. Februar 2016 asch-Schaddadi erobert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.cbssyr.sy/new%20web%20site/General_census/census_2004/NH/TAB08-7-2004.htm
  2. a b Master: The Syrian Democratic Forces seize the town of al- Hol in the eastern countryside of al- Hasakah. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Syrian Observatory For Human Rights. Archiviert vom Original am 17. November 2015; abgerufen am 14. November 2015.
  3. World refugee report 1992, S. 158, publiziert durch das Bureau for Refugee Programs des US Department of State
  4. Third World Institute (Hrsg.): The World Guide: A View from the South 2005/06. Oxfam, 2005, ISBN 978-1-904456-11-7, S. 533.
  5. Mohsen Moh'd Saleh (Hrsg.): The Palestinian Strategic Report 2007. Al-Zaytouna Center, Beirut, ISBN 978-9953-500-67-6, S. 357.
  6. UN responds to Rojavan call for support, delivers aid to IDPs and Iraqi refugees (Memento vom 30. April 2017 im Internet Archive), Meldung von aranews.net vom 6. Dezember 2016
  7. Heather Murdock: "Thousands More Flee Last Islamic State Enclave in Syria " VOA vom 21. März 2019
  8. https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-fluechtlinge-al-hol-101.html
  9. Roy Gutman: New allies in northern Syria don’t seem to share U.S. Goals. (Nicht mehr online verfügbar.) McClatchy DC, 27. Oktober 2015, archiviert vom Original am 14. November 2015; abgerufen am 7. November 2015.