Schlacht um Mossul

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Schlacht um Mossul
Map of Iraq - Battle of Mosul.png
Datum seit 17. Oktober 2016
Ort IrakIrak Mossul
Ausgang offen
Konfliktparteien

Flag of Iraq.svg Irak

Flag of Kurdistan.png Autonome Region Kurdistan

Unterstützt durch:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
FrankreichFrankreich Frankreich[1]
TurkeiTürkei Türkei[2]

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg Islamischer Staat

Befehlshaber

Flag of Iraq.svg Haider al-Abadi
Flag of Iraq.svg Nadschim al-Dschuburi
Autonome Region Kurdistan Masud Barzani
Flag of Kurdistan.png Omer Huseyin
Flag of the United States.svg Barack Obama
(bis Januar 2017)
Flag of the United States.svg Donald Trump
(seit Januar 2017)
Flag of the United States.svg Stephen J. Townsend
Flag of France.svg François Hollande
Flag of Turkey.svg Recep Tayyip Erdoğan

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg Abu Bakr al-Baghdadi

Truppenstärke
100.000 Soldaten und Milizionäre[3]

dutzende Panzer, Fahrzeuge und Geschütze

ca. 5000–7500 Kämpfer
Verluste
Flag of Iraq.svg 2000 Tote (UN-Angaben), weit mehr Verwundete[4]

Flag of Kurdistan.png 30 Tote, 70–100 Verwundete[5]

Flag of the United States.svg min. 1 Toter[6], nach russischen Angaben wurden 16 Soldaten getötet und 27 verletzt[7]

1388–2023 Tote, 23 Kriegsgefangene[8]

Die Schlacht um Mossul (auch Kampf um Mossul genannt; arabisch معركة الموصل, DMG Maʿrakat al-Mauṣil) ist eine seit dem 17. Oktober 2016 stattfindende Großoffensive der irakischen Streitkräfte zur Rückeroberung der nordirakischen Stadt Mossul aus den Händen der terroristisch agierenden sunnitischen Miliz Islamischer Staat (IS). Unterstützt werden die Streitkräfte von kurdischen Peschmergaeinheiten, assyrisch-christlichen, sunnitischen und schiitischen Milizionären sowie US-amerikanischen Einheiten und Kampfflugzeugen der Anti-IS-Koalition.

Mossul ist als größte Stadt im Nordirak eine strategisch bedeutende Stadt. Im Januar 2017 eroberten die irakischen Streitkräfte und ihre Verbündeten den östlichen Teil der Stadt vom IS zurück.

Die Stadt ist auch für den IS von besonderer Bedeutung, da der IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi von ihr aus am 29. Juni 2014 sein Kalifat als selbst ernannter „Kalif Ibrahim“ in einer Moschee öffentlich und damit medienwirksam begründete.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. März 2016 startete die irakische Armee ihren Vormarsch in Richtung Mossul. Unterstützt wurden die Regierungstruppen von verbündeten paramilitärischen Freiwilligeneinheiten und von kurdischen Peschmerga-Verbänden. Außerdem führte die von den USA angeführte internationale Anti-IS-Koalition Luftschläge gegen IS-Stellungen und -Einrichtungen in und um Mossul durch. Nach Angaben der Armee konnten gleich zu Beginn der Offensive einige Dörfer im Osten der Stadt zurückerobert werden.[9] Aufgrund der Kampfhandlungen flohen tausende Zivilisten aus den umkämpften Gebieten in die angrenzende Autonome Region Kurdistan.[10] Nach heftigen Kämpfen konnte am 24. August 2016 die Kleinstadt Qayyarah am Tigris eingenommen werden.[11] Mit seinem Luftwaffenstützpunkt sollte es als Ausgangsbasis für den Großangriff auf Mossul dienen.[12] Ende August begann die Wiederherstellung des Flughafens, der vom IS weitgehend zerstört worden war, die Lagerung von Nachschubgütern und der Aufmarsch von Truppen für den geplanten Angriff. Während dieser Zeit bereitete sich auch der IS auf die Verteidigung von Mossul vor. Während die IS-Kämpfer südlich von Qayyarah Gegenangriffe führten, legten sie um Mossul selbst einen breiten Graben an, den sie mit Öl füllten. Dieses sollte in Brand gesetzt werden, damit die starke Rauchentwicklung Luftangriffe der Koalition erschwere.[13] Zusätzlich wurde die Stadt mit Sprengfallen und Tunnel-Systemen versehen.[14]

Peschmergasoldaten erhalten am Vortag eines Manövers am 12. Oktober 2016 bei Erbil Instruktionen von einem Ausbilder des italienischen Heeres.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte vor der Rückeroberung der vom IS besetzten Stadt durch Koalitionstruppen im Oktober 2016, dass in Mossul künftig nur sunnitische Araber, Turkmenen und sunnitische Kurden leben dürften.[15] Während des Aufmarsches der irakischen Verbände wurden heftige Auseinandersetzungen darüber geführt, welche Verbände sich am Angriff auf das Stadtgebiet von Mossul beteiligen sollte. Der Einsatz von schiitischen Milizen al-Haschd asch-Schaʿbī (ausgebildet vom Iran) wird von sunnitischen Sprechern abgelehnt. Man befürchtet Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, wie sie von Amnesty International auch für die Schlacht um Falludscha im Juni 2016 dokumentiert wurden.[16] Andererseits lehnte die irakische Zentralregierung eine zu starke Beteiligung der kurdischen Peschmerga ab. Bereits die faktische Angliederung der ölreichen Stadt Kirkuk an die Kurdische Autonome Region führte zu starken Verstimmungen zwischen den Regierungen in Bagdad und Erbil. Die Zentralregierung fürchtete daher eine Ausdehnung der kurdischen Kontrolle auf Mossul. Auch die Türkei hat Interessen in Mossul, die sie überwiegend auch historisch begründet. Präsident Erdogan forderte daher eine Beteiligung türkischer Truppen an der Offensive und drohte damit, auch einseitige Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Die Türkei unterhält in Baschiqa im Nordirak einen Stützpunkt und trainiert dort sunnitische Freiwillige. Die irakische Zentralregierung lehnte dies jedoch ab und forderte die Türkei zur Räumung des irakischen Staatsgebietes auf. Auch die kurdische PKK hat Verbände im näheren Umfeld. Ihr Eingreifen in die Kämpfe war zu erwarten, wenn sich die türkischen Truppen ebenfalls dem Vormarsch anschließen. Zuletzt sind auch britische und US-amerikanische Verbände zur Unterstützung im Einsatz. Deren Hauptaufgabe besteht in der Luftunterstützung für die Koalitionsstreitkräfte.[17]

Noch am 16. Oktober warfen Luftstreitkräfte zehntausende Flugblätter über der Stadt ab in denen sie die Zivilbevölkerung zur Kooperation mit dem Militär aufforderten.[18] Kurz darauf gab Premierminister Haider Al-Abadi im Fernsehen den Beginn des Großangriffs bekannt, an dem sich neben dem Militär, Polizeikräften und Peschmerga auch schiitische Milizen beteiligten. Kurden und Schiiten sollten jedoch nicht in die Stadt selbst eindringen.

Es befinden sich auch 560 Soldaten der 101st Airborne Division im Kampfgebiet.[19]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oktober 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontverlauf vor Schlachtbeginn, August 2016
Gesamte Situation des IS, in mehrtägigen Abständen aktualisiert
US-Panzerhaubitze M109A6 Paladin bei Qayyarah am 17. Oktober 2016 im Einsatz
Französische Dassault Rafale bei der Betankung in der Luft beim Einsatz während der Schlacht

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi verkündete am 16. Oktober 2016 um 23:31 Uhr Ortszeit den Beginn der Offensive auf die Stadt auf Twitter mit den Worten: „Die Stunde hat geschlagen. Die Kampagne zur Befreiung Mossuls hat begonnen. Geliebte Menschen Mossuls, die irakische Nation wird geeint den Sieg feiern.“[20]

Der Angriff auf die Stadt begann kurz vor zwei Uhr nachts am 17. Oktober 2016 mit Artilleriebeschuss und dem Vorrücken gepanzerter Fahrzeuge zur Frontlinie. Peschmergaeinheiten griffen von Osten her an, irakische Spezialkräfte rückten von Süden vor. Am Mittag wurde berichtet, Peschmergaeinheiten, deren Stärke mit 4000 Kämpfern angegeben wurde, hätten östlich von Mossul zehn Dörfer erobert.

Am 18. Oktober 2016 war die Zahl der eroberten Dörfer durch irakische Streitkräfte und kurdische Peschmerga auf 20 angestiegen. Zudem rückten die irakischen Soldaten vom Süden und Südosten sowie die Peschmerga vom Osten her auf Mossul vor, um die Stadt einzukesseln. Im Norden und Nordosten nahmen kurdische Kämpfer einen Teil der 80 Kilometer langen Verbindungsroute zwischen Mossul und Erbil ein und zerstörten dabei vier Autobomben. Eliteeinheiten und kurdische Kämpfer starteten nördlich und östlich von Mossul neue Angriffe, um weitere Dörfer einzunehmen. Dabei kamen auch Artillerie und Hubschrauber sowie von den Vereinigten Staaten ausgebildete Anti-Terror-Einheiten zum Einsatz.

In irakischen Medien wurde später bekannt, dass der Anführer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, sich zum Zeitpunkt der Offensive in der Stadt befand. Er soll sie zusammen mit mehreren Begleitern und deren Familien zügig verlassen haben, nachdem ein Coup der Islamischen Polizei gegen ihn fehlgeschlagen sei.[21] Auch die Funktionäre, die für die Rekrutierung von Selbstmordattentätern verantwortlich waren, darunter eine Frau, verschwanden offenbar nach Beginn der Kämpfe aus der Stadt.[22]

Die irakischen Regierungstruppen befreiten die Stadt Karakosch am 19. Oktober 2016 vom IS, dessen Kämpfer schon vor Beginn der Großoffensive geflohen waren. Die Stadt war einst die größte christliche Stadt des Irak. Sie liegt einige Kilometer südöstlich von Mossul.[23]

Am 20. Oktober 2016 gab der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi in Paris bei der internationalen Irak-Konferenz bekannt: „Die am Montag gestartete Militäroperation der irakischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten kommt gut voran – sogar schneller als geplant.“

Die Truppen rückten auf die Ortschaft Bartella vor, die vor der Übernahme durch den IS von Christen bewohnt war. Die Ortschaft liegt circa 21 Kilometer östlich von Mossul. Die IS-Kämpfer leisteten mit Autobomben, Sprengsätzen an Straßen, Scharfschützen und Artillerie Widerstand. Die Stadt war am 21. Oktober 2016 vom IS befreit.[24] Bei einem Angriff des IS bei Kirkuk am 21. Oktober 2016 kamen 80 Menschen um, doch wurde der Angriff zurückgeschlagen.[25] Der Journalist Ahmet Haceroğlu von Türkmeneli TV starb durch einen Schuss in die Brust von einem Scharfschützen des IS während des Angriffs auf Kirkuk.

Am 22. Oktober 2016 rückte die irakische Armee auf etwa 5 km an Mossul vor.[25] Berichtet wurde über die brennende Schwefelfabrik Al-Mishraq 45 km südlich von Mossul sowie über brennende Ölquellen, deren Rauch zu Atembeschwerden bei den Anwohnern führte.[25] Der Kameramann Ali Risan von Al Sumaria starb durch einen Schuss in die Brust von einem Scharfschützen des IS in der Gegend von Al Shura.

Die Peshmerga eroberten laut Meldung vom 23. Oktober 2016 die Stadt Bashiqa mit Unterstützung türkischer Militäreinheiten sowie weitere Ortschaften im Nordosten von Mossul.[26][27]

Mit dem Vormarsch der Anti-IS-Koalition wurden zahlreiche Verteidigungsanlagen des IS entdeckt. Sie bestanden aus weit verzweigten Tunnelsystemen und Stellungen. Das nährte Befürchtungen bezüglich eines zu erwartenden langen Häuserkampfes in Mossul selbst.[28] Nach etwas mehr als einer Woche kündigte Al-Baghdadi an, das sogenannte „Sham-Bataillon“ von Rakka nach Mossul zu verlegen, um die Moral der Kämpfer zu stärken.[29] Nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte soll der IS allein bis zum 26. Oktober mehr als 800 Kämpfer verloren und 54 wegen Feigheit selbst exekutiert haben.[30]

Am 29. Oktober 2016 begannen irakische und kurdische Einheiten (9. Brigade der irakischen Armee) weiter westlich der Stadt Mossul einen Angriff zur Rückeroberung der Stadt Tal Afar, um die Versorgungswege des IS zu kappen.[31] Westlich der Stadt kam es danach zu Kämpfen um den IS-Stützpunkt al-Shallalat. Dort soll auch der Leiter der IS-Operationen Abu Yakoub getötet worden sein.[32] Am 31. Oktober wurde mit Baswaja das letzte Dorf vor der östlichen Stadtgrenze Mossuls von den Regierungstruppen erobert.[33]

In einem Presse-Statement teilte die irakische Armee mit: „Joint security forces in the southern axis of Mosul managed to kill 778 members of the ISIS, while Iraqi Army Aviation killed 375 members of ISIS. [...] The international coalition air force managed to kill 149 ISIS members so far. [...] Joint security forces in the southern axis also managed to arrest 94 ISIS members as well as destroy 166 booby-trapped vehicles, seize 26 vehicles, dismantle 1,126 improvised explosive devices and destroy 37 hideouts and 16 explosives plants.“[34]

November 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

T-72 der irakischen Armee am 3. November innerhalb Mossuls
Frontverlauf, 22. November 2016

Nach Angaben der Vereinten Nationen versuchte der so genannte „Islamische Staat“, 25.000 Menschen in die Stadt zu bringen, um sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen.[35]

Am 1. November 2016 drangen irakische Einheiten in den Stadtteil Gogdschali von Mossul ein.[36] Von Osten her wurde die Stadtgrenze erreicht und das Gebäude des staatlichen Fernsehens von CTS-Elitesoldaten der irakischen Armee eingenommen.[37]

Am 3. November 2016 wurde erstmals seit Dezember 2015 eine Audiobotschaft Abu Bakr al-Baghdadis veröffentlicht. Obwohl der Name Mossul kein einziges Mal erwähnt wurde, stuften Medien die Botschaft als Reaktion auf die Schlacht um Mossul ein. Er forderte, erbitterten Widerstand zu leisten und warnte sie davor, vom Schlachtfeld zu flüchten. Die Kämpfer sollten den Befehlen ihrer Kommandeure Folge leisten.[38]

Die irakische Armee teilte am 4. November 2016 mit, die östlichen Stadtteile al-Malayin, as-Samah, al-Chadraʿ, al-Karkukli, al-Quds und al-Karama mithilfe von kurdischen Peschmerga und schiitischen Milizen befreit zu haben.

Beobachter zählten im Zeitraum vom Beginn der Offensive am 17. Oktober bis zum 5. November 2016 102 Angriffe von Selbstmordattentätern des IS bei der Schlacht um Mossul. Die Zahl von Leuten, die sich dabei selbst umbringen, sei beispiellos, schrieb ein Analyst des ICSR.[39]

Am 4. November 2016 sollen die irakischen Truppen laut Militärangaben sechs Orte im Osten der Stadt erobert haben, dabei soll der IS schwere Verluste zu verzeichnen gehabt haben. Ein Offizier sagte, dass die IS-Kämpfer in Mossul beinahe eingekesselt seien.[40] Laut russischen Medien, die sich auf eine „diplomatische Quelle in Moskau“ bezogen, wurden innerhalb der ersten zwei Wochen 16 US-Soldaten getötet und 27 verletzt, die meisten sollen wegen Minen und Artillerie- und Mörserbeschuss getötet worden sein, zwei Soldaten sollen durch mangelhafte Koordination in einem Vorort von Mossul durch einen B-52H-Bomber getötet worden sein.[41] Am 15. November 2016 haben die irakischen Streitkräfte mitgeteilt, dass der IS bärtige Schaufensterpuppen und Panzer aus Holz benutzt hat, um die Luftstreitkräfte der Anti-IS-Koalition abzulenken.[42]

Der IS startete am 16. November 2016 eine Gegenoffensive im Morgengrauen gegen die in den Osten vorrückenden irakischen Streitkräfte. Diese konnten die Angriffe, bei denen auch Selbstmordattentäter eingesetzt wurden, zurückschlagen. Dabei seien mindestens 23 IS-Kämpfer und 10 irakische Soldaten getötet worden.[43]

Am 17. November 2016 haben Einheiten der Miliz al-Haschd asch-Schaʿbī den strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt Tal Afar, der 6 Kilometer Luftlinie südlich der Stadt Tal Afar liegt, zurückerobert und haben somit die letzte Versorgungslinie des IS nach Mossul unterbrochen.[44] Am 23. November 2016 wurde ebenso die Verbindungsstraße zwischen Mossul und Tal Afar teilweise eingenommen, so dass es für IS-Kämpfer nicht mehr möglich ist, Mossul mit Pkw/Lkws in Richtung Syrien zu verlassen.[45] Am 24. November 2016 wurde durch Luftschläge die letzte der fünf Brücken in Mossul zerstört, so dass Mossul in zwei Kampfgebiete geteilt wurde, die durch den Tigris getrennt sind.[46]

Dezember 2016 bis Januar 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Dezemberwochen und Anfang Januar 2017 wurden bei weiteren Kämpfen weite städtische Gebiete im Osten von Mossul von den irakischen Streitkräften erobert. Seit Ende Dezember läuft in der Stadt Mossul im Nordirak Teil zwei der Offensive.[47] Die irakischen Streitkräfte erreichten innerhalb des Stadtgebietes am 8. Januar 2017 erstmals das Ostufer des Tigris.[48] Die Zivilbevölkerung leidet.[49] Am 14. Januar 2017 gelang es den irakischen Streitkräften, das Gelände der Universität Mossul im nordöstlichen Stadtgebiet von Mossul für sich zu gewinnen.[50] Bis zum 19. Januar 2017 gelang es den irakischen Streitkräften, die weiteren östlich gelegenen Stadtteile einzunehmen und unter anderem das im östlichen Stadtteil von Mossul befindliche Gelände der Ruinen von Ninive zurückzuerobern.[51] Am 23. Januar 2017 verkündete das irakische Verteidigungsministerium, die Armee habe den Osten Mossuls komplett erobert.[52]

Februar 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Februar 2017 verkündete die irakische Regierung den Beginn der Offensive zur Rückeroberung des Westteils von Mossul. Premierminister Haider al-Abadi sagte in einer kurzen Fernsehansprache: „Unsere Truppen beginnen mit der Befreiung der Bürger vom Terror des IS.“[53] Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, hatte die Luftwaffe über West-Mossul Flugblätter abgeworfen, um die Einwohner vor dem bevorstehenden Kampf zu warnen. Darin wurden die Bewohner zur Kooperation aufgerufen, um die Zahl der Verluste klein zu halten. In anderen Flugblättern wurde der IS zur Kapitulation aufgefordert. Berichten von Anwohnern zufolge haben sich die IS-Kämpfer ein Netzwerk von Durchgängen und Tunneln geschaffen, um schnell untertauchen zu können. General Stephen J. Townsend, Befehlshaber der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition und der Operation Inherent Resolve, warnte vor einem Kampf, „der für jede Armee der Welt hart wäre“. Al-Abadi appellierte zugleich an seine Streitkräfte, während der Schlacht um Mossul die Menschenrechte zu respektieren. Die UN-Koordinatorin für den Irak, Lise Grande, warnte davor, dass jeder zweite Bewohner im Westen der Stadt im Zuge des Angriffs aus seinem Haus fliehen könnte. Schon im Vorfeld des Kampfes sei die Lebensmittel- und Wasserversorgung knapp. Hilfsorganisationen und die Regierung bereiteten südlich der Stadt Notfall-Lager vor. Das Militär teilte mit, erstes Ziel der von Süden vorrückenden Soldaten sei der Flughafen der Stadt. In den ersten Stunden der Offensive nahm das Militär nach eigenen Angaben mehrere Dörfer ein und tötete Heckenschützen.[54] Am 23. Februar 2017 wurde der Flughafen von den irakischen Streitkräften eingenommen.[55]

März 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang März 2017 verkündete der IS-Anführer, Abu Bakr al-Baghdadi, in einer Abschiedsrede die Niederlage des IS im Nordwesten des Iraks.[56] Er forderte in dieser Rede seine Kämpfer auf, sich in die syrischen und die irakischen Berge zurückzuziehen und zu verschanzen.[57] Dabei habe al-Baghdadi auch von den Niederlagen des IS in der Provinz Ninive und anderen irakischen Gebieten gesprochen. Er selber bezeichnete seine Botschaft als Abschiedsrede.[58] Am 7. März drangen irakische Truppen ins westliche Stadtzentrum vor und erlangten dabei die Kontrolle über wichtige Regierungsgebäude aber auch über das Mosul Museum zurück.[59] Am 9./10. März 2017 wurde das Gefängnis Badusch, das nordwestlich vom Stadtzentrum Mossul liegt, im Zuge der Schlacht um Mossul von den irakischen Streitkräften befreit. Dabei wurde unter anderem auf dem Gelände ein Massengrab mit 500 Toten entdeckt.[60] Am 14. März 2017 wurde der Bahnhof sowie der nahegelegene Busbahnhof im Westen von Mossul von den irakischen Streitkräften befreit.[61]

Nach Angaben von Einheimischen wurden bei Luftangriffen der Koalition zwischen dem 17. und 23. März im Stadtteil Mosul Al-Jadida angeblich mindestens 137 Zivilisten getötet. Die Menschen seien vom IS als menschliche Schutzschilde in den Gebäuden zusammengetrieben worden, in denen auch IS-Kämpfer stationiert waren.[62]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humanitäre Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinten Nationen befürchten infolge der Kämpfe um Mossul eine Flüchtlingswelle von etwa einer Million Menschen.[63] In dem Flüchtlingslager Dibaga, etwa 40 Kilometer von Erbil entfernt, kommen täglich Hunderte Flüchtlinge aus den umkämpften südlich gelegenen Dörfern um Mossul an. Die Kapazitäten des Lagers sind mit bereits 34.000 Flüchtlingen völlig ausgelastet. Zudem naht der Winter und es müssen Unterkünfte mit Strom- und Wasserversorgung errichtet werden, was eine logistische Herausforderung für die Helfer darstellt.[64]

Am 21. Oktober 2016 gab das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf bekannt, dass der IS aus Vergeltung in Mossul und im Umland schwere Verbrechen verübt. Er habe 40 Personen erschossen. Zudem verwende der IS Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“, weshalb er 550 Familien aus umliegenden Dörfern nach Mossul verschleppt habe.[65] Generell mehrten sich die Meldungen über die Hinrichtung von Zivilisten durch den IS. So sollen bis zum 22. Oktober bereits 280 Männer und Jugendliche erschossen worden sein.[66] Allein im Dorf Tulul Naser habe man am 20. Oktober 70 Leichen entdeckt. Am 23. Oktober habe der IS zudem 50 ehemalige Polizisten, die sich in seiner Gewalt befanden, exekutiert.[67]

Eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte teilte am 28. Oktober in Genf mit, dass am 27. Oktober „Berichten zufolge 232 Zivilisten erschossen“ worden seien. Unter den Opfern seien demnach 190 ehemalige Angehörige irakischer Sicherheitskräfte gewesen, die sich geweigert hätten, dem IS beizutreten. „Einige wurden auch erschossen, obwohl sie den Anweisungen des IS Folge leisteten“, sagte die Sprecherin. Diese Berichte seien so weit wie möglich überprüft worden. Die IS-Terrormiliz missbrauche Zehntausende Iraker als menschliche Schutzschilde auf ihren Militärstützpunkten. „Dies ist eine feige Strategie, Orte vor militärischen Angriffen zu schützen“, sagte die UN-Sprecherin weiter. Es seien mehr als 5600 Familien entführt worden.[68] Mit der Annäherung der Regierungstruppen an das Stadtgebiet habe der IS nach UN-Berichten versucht tausende Familien in die Stadt zu bringen. Dies sei jedoch von Luftstreitkräften verhindert worden. Andererseits seien vom IS etwa 40 bereits früher gefangene Soldaten und Polizisten erschossen und in den Tigris geworfen worden.[69]

Der IS soll seit dem Beginn der Schlacht insgesamt 1198 Menschen exekutiert haben, davon 214 IS-Kämpfer (Stand: November 2016).

Politische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Außenminister Saudi-Arabiens, Adel al-Dschubeir, warnt vor einem Blutbad unter schiitischer Vorherrschaft, wenn nach einer Rückeroberung nicht für ein Gleichgewicht zwischen Sunniten und Schiiten gesorgt werde.[70]

Sicherheitsaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Falle der Rückeroberung von Mossul warnte EU-Sicherheitskommissar Julian King vor einer erhöhten Terrorgefahr in Europa, da etwa 2.500 IS-Kämpfer aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union stammen und zurückkehren könnten. Dazu sagte King: „Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen. Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen.“[71]

Berichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Videos der Schlacht werden live unter anderem auf Facebook und Al Jazeera übertragen, deren Embedded Journalists aus den Reihen der Militärkoalition berichten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlacht um Mossul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wer kämpft in Mossul gegen den IS?, tagesschau.de, 17. Oktober 2016, aufgerufen am 23. Oktober 2016.
  2. Gegen den Willen des Irak: Türkei greift mit Artillerie in Mossul-Offensive ein. Spiegel Online, 24. Oktober 2016.
  3. IS-Hochburg: 100.000 Soldaten im Kampf um Mossul. In: Tagesschau (ARD), 29. Dezember 2016. Abgerufen am 29. Dezember 2016.
  4. [1]
  5. [2]
  6. Brendan McGarry, Richard Sisk: First US Service Member Killed In Mosul Offensive. Military.com, 20. Oktober 2016.
  7. Mossul-Einsatz kostet USA schon über Dutzend Soldaten. In: Sputnik (Nachrichtenportal), 8. November 2016. Abgerufen am 19. Januar 2017.
  8. Kampf um Mossul: „Schier unendlicher Vorrat an Selbstmordattentätern“. In: Spiegel Online, 28. Oktober 2016. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  9. Mossul: Irakische Armee startet Angriff auf IS-Metropole. In: ZEIT ONLINE. 24. März 2016, abgerufen am 3. April 2016.
  10. Schlacht um Mossul: Tausende Iraker fliehen vor Offensive gegen IS-Miliz. In: SPIEGEL ONLINE. 27. März 2016, abgerufen am 3. April 2016.
  11. Qayyarah fully liberated from ISIS control
  12. Destruction of Qayyarah airbase by ISIS could hinder Mosul operation
  13. ISIS builds 'hell on earth' around itself in Mosul, US military says
  14. Isis ‘rigs Mosul with bombs’ ahead of US-backed Iraqi offensive
  15. dpa/nzz: "Türkei und Irak bestellen Botschafter ein" NZZ vom 3. Oktober 2016
  16. Menschenrechtsverletzungen im Irak angeprangert
  17. Alle gegen den "Islamischen Staat"
  18. Irakisches Militär kündigt Offensive per Flugblatt an
  19. 101st Soldiers Deploying to Bolster Fight Against ISIS in Iraq (en). In: Military.com, 8. August 2016. Abgerufen am 21. Oktober 2016. 
  20. „Operationen zur Befreiung von Mosul haben begonnen“ (Memento vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive). In: WirtschaftsBlatt, 17. Oktober 2016. Abgerufen am 21. Oktober 2016.
  21. Baghdadi survives coup attempt by ISIS Islamic Police in Mosul, auf: Iraqinews.com (18. Oktober 2016)
  22. ISIS finance and recruitment officials disappear with millions of dollars, auf: Iraqinews.com (26. Oktober 2016)
  23. Militäroffensive: Irakischer Regierungschef sieht schnelles Vorrücken auf Mossul. In: Spiegel Online, 20. Oktober 2016. Abgerufen am 20. Oktober 2016.
  24. http://news.sky.com/story/battle-for-mosul-iraqi-troops-take-bartella-after-is-suicide-attacks-10625135
  25. a b c https://www.tagesschau.de/ausland/kampf-um-mossul-und-kirkuk-105.html
  26. Kurds seize IS town in dawn raid, News Corp Australia. 23. Oktober 2016. 
  27. http://www.bbc.com/news/world-middle-east-37744702
  28. Die Höhlenmenschen vom "Islamischen Staat", auf: spiegel.de (24. Oktober 2016)
  29. Baghdadi announces arrival of Sham Battalion to raise his fighters’ morale,auf: iraginews.com (27. Oktober 2016)
  30. Results of Mosul offensive after 11 days of battle, auf: Iraqinews.com (27. Oktober 2016)
  31. http://www.focus.de/politik/ausland/islamischer-staat/isis-terror-im-news-ticker-un-terrormiliz-is-toetet-ueber-230-zivilisten-in-mossul_id_6132228.html
  32. Senior ISIS official killed in al-Shallalat district of Mosul, auf: iraqinews.com (1. November 2016)
  33. Irakische Armee nähert sich der Stadtgrenze, auf: spiegel.de (31. Oktober 2016)
  34. Joint forces liberate 1,440 km of Nineveh and kill 1,300 ISIS fighters, auf: iraqinews.com (2. November 2016)
  35. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Schlacht um Mossul: Irakische Armee meldet Eindringen in Stadtgebiet. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 11. November 2016.
  36. http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/9361424/sondereinheiten-bombardieren-randbezirk-von-is-hochburg.html
  37. IS-Kämpfer sollen Dutzende Leichen in den Tigris geworfen haben , auf: spiegel.de (1. November 2016)
  38. Rede von IS-Chef Baghdadi- Alles läuft nach Plan, und wir verlieren übrigens Spiegel Online vom 3. November 2016, abgerufen am 4. November 2016
  39. Raf Sanchez, Gareth Browne:"Islamic State launches 'unprecedented' wave of suicide bombers to try to defend Mosul" The Daily Telegraph vom 5. November 2016
  40. tagesschau.de: Kampf um Mossul: Erbitterte Gegenwehr des IS. In: tagesschau.de. Abgerufen am 15. November 2016 (de-de).
  41. Sputnik: Mossul-Einsatz kostet USA schon über Dutzend Soldaten. In: de.sputniknews.com. Abgerufen am 15. November 2016.
  42. IS hat bärtige Schaufensterpuppen und Holzpanzer bei Schlacht um Mossul benutzt. In: RT Deutsch. (.rt..com [abgerufen am 15. November 2016]).
  43. Schlacht um Mossul: Irakische Armee schlägt Gegenoffensive des IS zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. November 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. November 2016]).
  44. Kessel um Mossul geschlossen: Islamischer Staat verliert strategisch wichtigen Flughafen - N24.de. In: N24.de. (n24.de [abgerufen am 17. November 2016]).
  45. BBC.com: Mosul battle: Iraq militias 'cut off IS access to city', 23. November 2016
  46. Iraginews:Airstrikes destroy last bridge linking Mosul’s west, east
  47. deutschlandfunk.de: Kampf um Mossul (Memento vom 11. Januar 2017 im Internet Archive)
  48. derstandard.at: Irakische Truppen erreichen Tigris-Ufer in Mossul
  49. de.euronews.com: Das Leid der Zivilisten (Memento vom 11. Januar 2017 im Internet Archive)
  50. Deutsche Welle:Iraqi forces retake Mosul's university from 'Islamic State'
  51. Reuters.com: Iraq special forces chief says mission accomplished in east Mosul, 19. Januar 2017
  52. Irakische Armee nimmt Osten von Mossul komplett ein. Rheinische Post, 23. Januar 2017.
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