Demokratische Kräfte Syriens

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Demokratische Kräfte Syriens
قوات سوريا الديمقراطية
Hêzên Sûriya Demokratîk
Flag of Syrian Democratic Forces.svg
Banner der Demokratischen Kräfte Syriens
Aufstellung 2015
Land Syrien
Unterstellte
Truppenteile
Schlachten Bürgerkrieg in Syrien
Kommandeur
Wichtige
Kommandeure

Rojda Felat

Website qsdmedia.org
SDF Kämpfer nördlich von Raqqa im Dezember 2016
Der Frontverlauf im Bereich der syrisch-irakischen Grenze am 12. November 2015
Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens in Manbidsch im August 2016
In mehreren Phasen konnte sich die SDF an die IS-Hochburg Raqqa nähern

Die Demokratischen Kräfte Syriens oder kurz DKS (arabisch قوات سوريا الديمقراطية, DMG Qūwāt Sūriyā ad-dīmuqrāṭīya; kurdisch Hêzên Sûriya Demokratîk; englisch Syrian Democratic Forces, abgekürzt SDF bzw. QSD) sind ein am 10. Oktober 2015[1] gebildetes Militärbündnis im Bürgerkrieg in Syrien.

Hintergrund und Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Militärbündnis SDF besteht derzeit aus

Die Schätzungen zur zahlenmäßigen Stärke der SDF variieren sehr, eine mittlere Schätzung aus dem August 2015 für die in der SDF vereinten Milizen betrug 55.000 Kämpfer.[2]

Komplementär zu dem militärischen Dach-Bündnis der Demokratischen Kräfte Syriens wurde am 10. Dezember 2015 das politische Dach-Bündnis des Demokratischen Rates Syriens gegründet und gewählt.[3][4] Beide sind dem Ziel eines säkularen, demokratischen und föderal gegliederten Syrien verpflichtet.

Wesentlicher militärischer Gegner der SDF ist die Organisation Islamischer Staat (IS).

Unterstützung durch die Internationale Anti-ISIS-Koalition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SDF werden vom Zusammenschluss westlicher und sunnitisch-arabischer Staaten unterstützt, der unter Führung der USA seit 2014 Ziele in Syrien aus der Luft angreift (Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve). Ziel sei es, die nordsyrische Stadt Rakka und Ramadi im benachbarten Irak in gemeinsamen Kommandoaktionen aus den Händen der dschihadistisch-salafistischen Organisation Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) zu befreien, so US-Verteidigungsminister Ashton Carter.[5] Der SDF war das Ergebnis einer neuen Syrienpolitik der USA, zuvor war ein Programm der US-Regierung zum Aufbau einer arabischen Streitmacht gegen die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad gescheitert und Russland hatte in den Krieg eingegriffen.

Wie US-Medien berichteten, sollte der SDF auch mit Waffen ausgerüstet werden und eine Truppe von mehr als 20.000 Kurden und bis zu 5.000 Arabern sollte im Nordosten Syriens gefördert werden.[6] Dabei wurde offen geschrieben, dass es in erster Linie um die YPG geht, die arabischen Beteiligten des SDF seien militärisch schwach, politisch unzuverlässig, und dienten nur als Feigenblätter. Für die US-Administration sind die YPG ein wichtiger Partner, obwohl sie der PKK nahestehen, die in den USA immer noch als Terrororganisation gilt.[5]

US-Präsident Barack Obama genehmigte am 30. Oktober 2015 die Entsendung einer „kleinen Einheit von US-Spezialkräften“, höchstens 50 Soldaten, in den Norden Syriens. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats: »Die Änderungen, die wir vollziehen, kann man mit dem beschreiben, was ich die ›drei Rs‹ nenne – Rakka, Ramadi und Raids.«[7]

Die ideologisch islamistisch ausgerichteten Syrischen Oppositionsgruppen in der Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte opponieren, unterstützt von der Türkei, gegen die internationale Unterstützung der säkularen SDF.[8][9]

Militärische Offensiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem 30. Oktober und dem 13. November eroberten die SDF im Osten des Gouvernements al-Hasaka über 1300 km² vom IS zurück. Der Schwerpunkt lag auf der Befreiung der Städte al-Haul und al-Chatuniya, wodurch auch wichtige Nachschubwege der IS gekappt wurden.[10] Gleichzeitig mit dieser Eroberung wurde im Irak die Stadt Sindschar durch kurdische Einheiten befreit.

Am 19. Februar 2016 wurde die Stadt asch-Schaddadi durch die SDF eingenommen und so der IS aus der letzten großen Stadt des Gouvernements al-Hasaka verdrängt.

Am 24. Mai starteten die SDF die Offensive zur „Befreiung von Nord-Raqqa“.[11][12] Dabei werden sie durch Spezialkräfte der US-Armee unterstützt.[13] Am 01. Juni starteten die SDF zusätzlich eine groß angelegte Offensive in Richtung der Stadt Manbidsch westlich des Euphrats.[14] Manbidsch wurde nach etwa zweimonatigen Kämpfen am 13. August erobert.[15]

Türkische Truppen und mit ihnen verbündete Rebellen griffen am 24. August 2016 von Karkamış aus Dscharabulus an, um zu verhindern, dass SDF-Kämpfer den Ort einnehmen. Gleichzeitig erreichten türkische Diplomaten, dass die USA dem SDF die Unterstützung entziehen, sollten SDF-Kämpfer weiter vorrücken oder sich weigern, sich auf die östliche Seite der Euphrat zurückzuziehen und das zuvor eroberte Manbidsch den Türken zu überlassen.[16]

Seit dem 6. November 2016 begann die SDF eine großangelegte Offensive, um Raqqa einzukreisen und zu belagern. In mehreren Phasen konnte die SDF bis Mai 2017 mehrere hundert Dörfer einnehmen und sich entlang des Assadsees der Stadt Raqqa nähern. Mitte März 2017 setzten einige SDF-Truppen westlich von ath-Thaura über den Euphrat und griffen den IS in ath-Thaura an. Am 10. Mai 2017 erklärte der SDF die vollständige Kontrolle über die Stadt ath-Thaura und die wichtige Tabqa-Talsperre.[17] Raqqa, das nördlich des Euphrats liegt, ist nun von drei Seiten eingeschlossen. Alle Brücken über den Fluss sind ebenfalls zerstört worden.

Siehe Schlacht um ar-Raqqa

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Declaration of Establishment by Democratic Syria Forces. 15. Oktober 2015, abgerufen am 4. November 2015.
  2. Syrian Kurds now say they now control territory the size of Qatar and Kuwait combined. Business Insider (Reuters), 14. August 2015, abgerufen am 26. Mai 2016.
  3. SKurdish-Arab coalition fighting Islamic State in Syria creates political wing. GlobalPost (AFP), 10. Dezember 2015, abgerufen am 26. Mai 2016.
  4. Executive Board of Democratic Syria Assembly elected. ANF, 13. Dezember 2015, abgerufen am 26. Mai 2016.
  5. a b Knut Mellenthin: 04.11.2015: Obama schickt Soldaten. US-Regierung will militärische Intervention in Syrien und im Irak verstärken. Zumindest offiziell geht es gegen den »Islamischen Staat«. In: junge Welt. 4. November 2015, abgerufen am 4. November 2015.
  6. Kampf gegen Terrormiliz: Syrische Kurden und Araber verbünden sich gegen IS. In: Die Welt. 12. Oktober 2015, abgerufen am 4. November 2015.
  7. Syrien-Krieg: USA schicken Spezialeinheit nach Syrien. In: Die Zeit. 30. Oktober 2015, abgerufen am 4. November 2015.
  8. Leader of U.S. Supported Syrian Rebel Group Backs Al-Qaida. Modern Tokyo Times, 2. Juni 2016, abgerufen am 3. Juni 2016.
  9. Ignoring Turkey, U.S. backs Kurds in drive against ISIS in Syria. Washington Post, 1. Juni 2016, abgerufen am 3. Juni 2016.
  10. SDF releases balance sheet of the operation in south Hesekê Artikel auf ANF News vom 16. November 2015
  11. SDF haben mit US-Unterstützung die Offensive auf Raqqa begonnen. Telepolis, 26. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2016.
  12. Geheimnisvolle Kurden-Kommandantin jagt den IS. T-Online, 26. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2016.
  13. US commandos aid Kurdish-led push on Islamic State's Syrian stronghold. MiddleEastEye, 26. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2016.
  14. Ignoring Turkey, U.S. backs Kurds in drive against ISIS in Syria. Washington Post, 1. Juni 2016, abgerufen am 3. Juni 2016.
  15. Philip Issa, AP : "Blast at Turkish border crossing kills 10 Syrian rebels" Washington Post vom 14. August 2016
  16. Erin Cunningham, Karen DeYoung und Liz Sly: "Syrian rebels backed by Turkish tanks capture key border stronghold from ISIS" Washington Post vom 24. August 2016
  17. Rebellen erobern Thaura-Staudamm vom IS zurück, Meldung der Zeit vom 11. Mai 2017