Albrecht VI. (Österreich)

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Universitätsgründer Albrecht VI. Im Hintergrund das alte Hauptgebäude der Albertina auf dem Franziskanerplatz (heute Neues Rathaus)
Miniaturporträt Albrechts (1455/63)

Albrecht VI., genannt der Freigebige oder der Verschwender (* 18. Dezember 1418 in Wien; † 2. Dezember 1463 ebenda) war Herzog von Österreich aus dem Geschlecht der Habsburger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der jüngere der zwei Söhne von Herzog Ernst, dem Eisernen und Cymburgis von Masowien. Sein Vater war Herzog der Steiermark und starb 1424. Sein älterer Bruder Friedrich war der spätere Kaiser Friedrich III.

Die Habsburger Stammlande waren zur Zeit seiner Geburt in drei voneinander unabhängige Herzogtümer aufgeteilt. Cousin Albrecht V. (II. als Deutscher König) (1397–1439) aus der Albertinischen Linie herrschte über Niederösterreich (ob und nieder der Enns), sein Vater Ernst (1377–1424) in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain u. a.) und sein Onkel Friedrich IV. mit der leeren Tasche (1383–1439) in Oberösterreich (Tirol und die Vorlande) – sie gehörten zur Leopoldinischen Sekundogenitur.

Der Tiroler Friedrich übernahm nach dem Tod seines Bruders Ernst die Vormundschaft über dessen Söhne Friedrich und Albrecht. Im Jahre 1436 wurden sie aus der Vormundschaft entlassen. In einem Vertrag wurde festgelegt, dass sie gemeinsam über Innerösterreich herrschen sollten. Dazu aber kam es nicht. Friedrich übernahm als Herzog Friedrich V. allein die Herrschaft.

Familienoberhaupt der Habsburger war bis 1439 Herzog Albrecht V., der im Jahre 1438 zum König im Heiligen Römischen Reich gewählt worden war. Er starb im Jahre 1439 auf einem Kriegszug gegen die Türken an Dysenterie und hinterließ einen postumen Sohn, namens Ladislaus. Im selben Jahr starb auch der Tiroler Friedrich. Sein Sohn war Siegmund der Münzreiche (1427–1496).

Bruder Friedrich war nun Oberhaupt des Hauses Habsburg, und übernahm die Vormundschaft für Ladislaus, den Erben von Österreich ob und nieder der Enns. Er war auch Vormund für Siegmund, dem Erben Tirols und der Vorlande. Am 2. Februar 1440 wurde Friedrich in Frankfurt zum deutschen König gewählt. Im Jahre 1446 erzwangen die Tiroler Stände von Friedrich die Entlassung Siegmunds aus der Vormundschaft. Siegmund wurde zum Herzog in Tirol ernannt, bekam aber die Vorlande nicht zurück. Diese erhielt Friedrichs Bruder Albrecht zur alleinigen Herrschaft. Damit besaß Albrecht nun ein eigenes Territorium.

1451/52 begleitete er Friedrich III. zur Kaiserkrönung, wobei er neben Enea Silvio de Piccolomini wesentlich für die Organisation des Romzugs zuständig war.[1]

1452 heiratete er die zwei Jahre zuvor zur Witwe gewordene Mechthild von der Pfalz. 1454 ließ der Fürst die Herdstellen der Vorlande in Matrikeln erfassen, um sie steuerlich erfassen zu können.[2] Albrecht gründete 1457 die Universität von Freiburg, um den Zuzug in die hochverschuldete Stadt Freiburg zu fördern und damit deren fiskalische Möglichkeiten zu verbessern.[3] Er ließ außerdem den Ingeram Codex für sich anfertigen, der eine reiche Quelle für Heraldiker darstellt.

Nach dem Tod des Ladislaus Postumus in Prag kam es 1457 zum offenen Konflikt zwischen den Brüdern Friedrich und Albrecht um die Regentschaft in Österreich ob und nieder der Enns. Albrecht forderte die Nachfolge von Ladislaus Postumus, und nannte sich nun Albrecht VI. von Österreich ob und unter der Enns. Friedrich, als Kaiser, verweigerte die Anerkennung, aber 1458 setzte sich Albrecht in Österreich ob der Enns (etwa heutiges Oberösterreich) durch.[4] (Friedensschluss 21. August 1458).[5] Nach einer erfolgreichen Belagerung seines Bruders Friedrich und dessen Familie in der Wiener Burg 26. Dezember 1462[6] wurde Albrecht auch Herrscher von Österreich unter der Enns (heutiges Niederösterreich) mit Wien.

Die Gegnerschaft zu seinem Bruder zeigte sich auch im Badisch-Pfälzischen Krieg. Albrecht befand sich auf der Seite der Gegner des Kaisers. Der Krieg endete mit der Gefangennahme Ulrichs V. von Württemberg durch Hans von Gemmingen in der Schlacht bei Seckenheim und ging für die Kaisertreuen verloren.

Auswirkungen seines Todes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht VI. starb am 2. Dezember 1463. Über seinen Tod ist ein ausführlicher Zeugenbericht des Türstehers Hanns Hierszmann erhalten, der zu den bedeutendsten seiner Art zählt.[7] Sein überraschender Tod half Kaiser Friedrich III. im Kampf um die Vorherrschaft in den Habsburgischen Stammlanden nur vorübergehend. Dieser war zwar nun Herzog von Österreich ob und nieder der Enns, aber der neue ungarische König Matthias Corvinus eroberte in den nächsten Jahrzehnten die Steiermark und Niederösterreich. Er besetzte am 1. Juni 1485 Wien und machte die Stadt zu seiner Hauptresidenz. Wien war damit fünf Jahre lang ungarische Hauptstadt.

Beurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht VI. gehört zu jenen Habsburgern, die bis heute relativ unbekannt sind, was insofern überrascht, da es zu seiner Person relativ viel Quellenmaterial gibt. Sein negatives "Image" als "Familienschädling" und "Habsburger-Schurke"[8] war die Folge seines lebenslangen Konflikts mit Friedrich III., der zusammen mit Maximilian I. wesentlich die Wahrnehmung der Dynastie bis ins 19. Jahrhundert bestimmte.[9] Nach der Durchsetzung der Primogenitur bei den Habsburgern (wie auch bei anderen Fürstenfamilien im Heiligen Römischen Reich) war für die spätere Geschichtsschreibung zudem die eigentliche Ursache dieses Konfliktes nicht mehr nachvollziehbar, worauf dieser auf eine unnötige, interne Auseinandersetzung innerhalb der Familie reduziert wurde, die für das Familienoberhaupt (in diesem Fall Friedrich III.) bzw. die Familie eine schwere Gefährdung bedeutete (Schlagwort: "der erste Bruderzwist"). In dieser Sicht war Albrecht VI. auf den Typus des jüngeren, machthungrigen Bruders reduziert, der aus zweifelhaften, da ausschließlich egoistischen Motiven (Machthunger, Ehrgeiz) nicht bereit ist, sich mit dem ihm im Familienverband zustehenden Platz zu begnügen, was für die Habsburger letztlich nur Unglück und beinahe den Ruin zur Folge hat. Dass Albrechts Anspruch auf die Mitherrschaft in den "österreichischen Erblanden" bzw. sein Kampf um ein eigenes Herrschaftsgebiet im Kontext des Mittelalters und der damaligen Erbregelungen nicht unberechtigt war, wurde nicht berücksichtigt. Erst in einigen neueren Forschungsarbeiten wird diese Sicht korrigiert, und hier wird auch gezeigt, dass Albrecht VI. klare politische Ziele hatte, die er lebenslang konsequent verfolgte und zum Teil umsetzte. Er war keineswegs der planlose, maßlose und fahrige Verschwender und sprunghafte Politiker, als dern ihn die Forschung meistens dargestellt.[10]

Bei der Beurteilung von Albrecht VI. kommt noch hinzu, dass der Erzherzog seine wesentlichen Erfolge in den Vorderen Landen hatte, die den Habsburgern zum Teil nach den Dreißigjährigen Krieg und endgültig 1815 verloren gingen und die daher in der Forschung bis in die 1980er Jahre gewöhnlich gar nicht berücksichtigt wurden. Der wesentliche Impuls zu einer differenzierteren Beurteilung Albrechts, die sich seit 1990er Jahren beobachten lässt, ist sicher nicht zufällig eine Folge der zunehmenden Erforschung der Geschichte der Habsburger in der Ostschweiz, in Schwaben und im Elsaß.

In den zeitgenössischen Quellen kommt Albrecht VI. relativ gut weg. In den "Denkwürdigkeiten" der Helene Kottannerin z. B. erfährt Albrecht VI., der Elisabeth von Luxemburg im Kampf um die Nachfolge von Ladislaus Postumus unterstützt, eine sehr positive Darstellung. Georg von Ehingen, der sich einige Jahre am Hof des Erzherzogs aufgehalten hat, berichtet in seinen "Reisen nach der Ritterschaft" von einer Beförderung, die er sich vom Herzog erbittet, und dabei lässt er diesen als recht humorvoll rüberkommen. Wesentlich kritischer ist da der Bericht von Hanns Hierszmann, doch auch hier entsteht der Eindruck, dass Albrecht VI. bei seinen Gefolgsleuten nicht unbeliebt war. In zeitgenössischen Berichten über den Romzug seines Bruders kommt Albrecht VI. ebenfalls relativ gut weg.

Was Taten betrifft, die vor allem im 19. Jahrhundert als Beispiele für die Grausamkeit und Brutalität Albrechts angeführt werden, wie z. B. die Hinrichtung des Wiener Bürgermeisters Wolfgang Holzer, ergibt ein Vergleich mit anderen Reichsfürsten, dass der Erzherzog zumindest nicht wesentlich brutaler oder grausamer war als diese.

Zeitgenössische Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Ehrmann (Hrsg.): Georg von Ehingen. Reisen nach der Ritterschaft, Göppingen. 1979.
  • Hanns Hierszmann’s Thürhüthers Herzog Albrecht’s VI. von Oesterreich, Bericht über Krankheit und Tod seines Herrn. In: Theodor Georg von Karajan (Hrsg.): Kleinere Quellen zur Geschichte Österreichs, Wien: 1859. S. 31-51.
  • Karl Mollay (Hrsg.): Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin (1439–1440). Wien. 1971.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 38). Böhlau, Köln u.a. 2015, ISBN 978-3-412-50139-6 (Teilweise zugleich: München, Ludwig-Maximilians-Universität, Dissertation, 2013).
  • Wilhelm Baum: Die Habsburger in den Vorlanden 1386 - 1486. Krise und Höhepunkt der habsburgischen Machtstellung in Schwaben am Ausgang des Mittelalters. Wien [u.a.]: Böhlau 1993.
  • Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493). Hof, Regierung, Politik (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 17). 3 Bände, Böhlau, Köln 1997, ISBN 3-412-15595-0 (Zugleich: Gießen, Universität, Habilitations-Schrift, 1993). Bd. 1, S. 314 - 317
  • Germana Maria Maier: Ein Rechnungsbuch Albrecht VI. von Österreich aus den Jahren 1443-1445. Staatsprüfungsarbeit (ungedruckt), Institut für österreichische Geschichtsforschung, Wien, 1989
  • Dieter Speck: Landesherrschaft und Universität - Zum Aufbau einer vorderösterreichischen Landesuniversität in Freiburg. In: Franz Quarthal und Gerhard Faix (Hrsg.): Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart: 2000, S. 217 - 271 (Aufsatz zur Gründung der Universität Freiburg, der sich vor allem mit der Rolle von Albrecht VI. befasst)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Albrecht VI. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Albrecht VI. (Österreich) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Achim Thomas Hack: Ein anonymer Romzugsbericht von 1452 (Ps-Enenkel) mit den dazugehörigen Personenlisten (Teilnehmerlisten, Ritterschlagslisten, Römische Einzugsordnung) (= Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. Beihefte. Hrsg. v. Joachim Heinzle, Beiheft 7), Stuttgart: S. Hirtzel 2007, Vorwort und S. 64ff.
  2. Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u.a. 2015, S. 361ff.
  3. Langmaier, S. 424ff.
  4. Georg Wacha: Linz unter Albrecht VI. und Friedrich III. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1986. S. 11–21
  5. Regg.F.III. H. 18 n. 37 In: Sonja Dünnebeil, Paul Herold, Kornelia Holzner-Tobisch (Bearb.): Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493). Nach Archiven und Bibliotheken geordnet. H. 18: Die Urkunden und Briefe des Österreichischen Staatsarchivs in Wien, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunden und Abschriftensammlungen (1458–1463). Wien [u.a.], 2004 (regesten.regesta-imperii.de)
  6. 26. Dezember 1462 Erzherzog Albrecht VI. übernimmt die Regierung in Österreich unter der Enns. NÖ Landesmuseum.
  7. Vgl. H. Herkommer: Das allzumenschliche Ende Herzog Albrechts. Ein Sterbeprotokoll aus dem 15. Jahrhundert. Unipress. Forschung und Wissenschaft an der Universität Bern, 118, 2003.
  8. BLKÖ
  9. Dieter Speck: Landesherrschaft und Universität - Zum Aufbau einer vorderösterreichischen Landesuniversität in Freiburg. In: Franz Quarthal und Gerhard Faix (Hrsg.): Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart: 2000, S. 223
  10. Dieter Speck: Landesherrschaft und Universität - Zum Aufbau einer vorderösterreichischen Landesuniversität in Freiburg. In: Franz Quarthal und Gerhard Faix (Hrsg.): Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart: 2000, S. 222f., vgl. dazu auch Franz Theuer: Der Raub der Stephanskrone. Eisenstadt 1994 (Kurzbiographie im Anhang). Anregungen diesbezüglich auch bei Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich V. Erzherzog von Österreich ob der Enns
1458–1463
Friedrich V.
Friedrich V. Erzherzog von Österreich unter der Enns
1462–1463
Friedrich V.