Amtsgericht Lorsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Amtsgericht Lorsch (bis 1879 Landgericht Lorsch) war ein hessisches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in der Stadt Lorsch. Es hatte seinen Sitz am Kaiser-Wilhelm-Platz. Das historische Gebäude wird seit September 1979 von der Lorscher Stadtverwaltung genutzt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Lorsch“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Lorsch. In den standesherrlichen Gebieten der Provinz Starkenburg bestanden weiterhin die Justizkanzlei in Michelstadt für Gerichtsfälle zweiter Instanz, die dem Hofgericht nachgeordnet war. Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 führte zu einer einheitlichen Gerichtsorganisation im ganzen Reich. Das „Hofgericht Darmstadt“ wurde nun als „Landgericht Darmstadt“ zur übergeordneten Zweiten Instanz in der Provinz, während die Gerichte erster Instanz in Amtsgericht umbenannt wurden.

Landgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Aufhebung der Administrativ- und Justizämter durch die Großherzoglich Hessische Verordnung vom 14. Juli 1821[2] kam es zur Bildung des Landgerichts Lorsch, dessen Bezirk zunächst deckungsgleich mit dem Landratsbezirk Heppenheim war und demnach folgende Bestandteile aufwies:

Zum 16. Dezember 1839 wurden die Orte Großrohrheim, Biblis, Wattenheim und Nordheim an das neu errichtete Landgericht Gernsheim abgegeben.[3] Am 1. April 1840 wurden die bis dahin zum Landgerichtsbezirk Fürth gehörenden Orte Oberhambach, Unterhambach, Kirschhausen, Erbach, Sonderbach, Walderlenbach und Oberlaudenbach eingegliedert.[4]

Amtsgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 erfolgte aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes die Umbenennung in Amtsgericht Lorsch und die Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt.[5] Der Bezirk des nunmehrigen Amtsgerichts bestand aus den Gemarkungen Biedensand (Feldgemarkung), Bobstadt, Boxheimer Hof, Bürstadt, Erbach, Groß-Hausen, Heppenheim, Hofheim, Kirschhausen, Klein-Hausen, Lampertheim mit Hüttenfeld und Neuschloß, Lorsch, Lorscher Wald, Ober-Hambach, Ober-Laudenbach, See-Hof (Feldgemarkung), Sonderbach, Unter-Hambach, Viernheim, Wald-Erlenbach und Wildbahn (Waldgemarkung). Dem am 1. Mai 1902 neu errichteten Amtsgericht Bensheim wurden aus dem Amtsgerichtsbezirk Lorsch die Gemeinden Ober- und Unter-Hambach zugelegt.[6] Des Weiteren wurde aus den Gemarkungen Biedensand (Feldgemarkung), Lampertheim mit Hüttenfeld und Neuschloß, See-Hof (Feldgemarkung), Viernheim und Wildbahn (Waldgemarkung) der Bezirk des am 1. Juni 1905 eröffneten Amtsgericht Lampertheim gebildet.[7]

Am 1. Oktober 1934 wurde das Amtsgericht Lorsch aufgelöst und aus dem Bezirk des Amtsgerichts der Ort Hofheim dem Amtsgericht Worms, der Ort Bobstadt und die Stadt Bürstadt dem Amtsgericht Lampertheim und die restlichen Orte dem Amtsgericht Bensheim zugeteilt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Ein Arbeitsplatz für Richter. S. 96, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014; abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  2. Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 14. Juli 1821 (Hess. Reg.Bl. S. 403–415)
  3. Bekanntmachung, die Errichtung eines Landgerichts zu Gernsheim betreffend vom 16. November 1839 (Hess. Reg.Bl. S. 375–376)
  4. Bekanntmachung, Bezirksveränderungen hinsichtlich der Landgerichtsbezirke Fürth und Lorsch, sowie der Physicatsbezirke Fürth, Heppenheim und Waldmichelbach betr. vom 9. Februar 1840 (Hess. Reg.Bl. S. 56)
  5. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  6. Großherzogliches Ministerium der Justiz: Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Bensheim betreffend vom 26. März 1902. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1902 Nr. 19, S. 154 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 29,1 MB]).
  7. Großherzogliches Ministerium der Justiz: Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Lampertheim betreffend vom 1. April 1905. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1905 Nr. 13, S. 132 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 23,1 MB]).
  8. Der Hessische Staatsminister: Verordnung über die Umbildung von Amtsgerichtsbezirken vom 11. April 1934. In: Hessisches Regierungsblatt. 1934 Nr. 10, S. 63 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 13,6 MB]).

Koordinaten: 49° 39′ 7,2″ N, 8° 33′ 58,8″ O