Andisleben

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Andisleben
Andisleben
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Andisleben hervorgehoben
Koordinaten: 51° 5′ N, 10° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs­gemeinschaft: Gera-Aue
Höhe: 155 m ü. NHN
Fläche: 6,81 km²
Einwohner: 601 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99189
Vorwahl: 036201
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 002
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 13
99189 Gebesee
Webpräsenz: www.andisleben.de
Bürgermeister: Hans Vollrath (SPD)
Lage der Gemeinde Andisleben im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Andisleben ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Die Gemeinde gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue.

Ein kurzes Videoporträt
Bachort Andisleben - Kirche
Bachort Andisleben - Mühlstein neben Kirche

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Gera im westlichen Teil des Landkreises Sömmerda.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ersterwähnung war 815 in einer Urkunde der Abtei Hersfeld. 1309 zerstörten die Erfurter die Burg Andisleben.[2]

Andisleben gehörte ab dem 15. Jahrhundert zur Vogtei Walschleben im Gebiet der Stadt Erfurt. Seit der Verwaltungsreform von 1706 gehörte der Ort zum Amt Gispersleben. 1802 kam er mit dem Erfurter Gebiet zu Preußen und zwischen 1807 und 1813 zum französischen Fürstentum Erfurt. Mit dem Wiener Kongress kam der Ort 1815 wieder zu Preußen und wurde 1816 dem Landkreis Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen angegliedert.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten Frauen und Männer aus Polen und der Ukraine (28 Personen) Zwangsarbeit verrichten in der Landwirtschaft.[3]

Am 10. April 1945 bezogen deutsche Soldaten Stellung am Hinteranger in der Nähe des Andislebener Kreuzes. Mittags begann der Beschuss des Ortes durch amerikanische Artillerie. Dabei wurden der Westgiebel der Kirche und 28 Häuser getroffen. Eins erhielt einen Volltreffer, die Kellerdecke erschlug 5 Bewohner. Vier Wehrmachtssoldaten wurden in ihrer Stellung bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt, die anderen verließen den Ort in Richtung Walschleben. Nachmittags hisste der Bürgermeister Paul Schütz eine weiße Fahne auf dem Kirchturm. Danach rückten Amerikaner in Andisleben ein. Die deutschen Soldaten wurden in einem Gemeinschaftsgrab beerdigt.

Auf dem Friedhof erinnert ein schwarzer Gedenkstein: "Den unbekannten Wehrmachtssoldaten und den Opfern des Granatenbeschusses vom 10. April 1945". Am Denkmal in Ortsmitte "Zum Gedenken der Opfer beider Weltkriege", mit Namenstafeln für die Gefallenen aus der Gemeinde, befindet sich auch eine zusätzliche kleine Tafel mit dem Text: "Paul Schütz 1888-1978. Er rettete Andisleben vor der Zerstörung am 10. April 1945".

Anfang Juli 1945 wurde der Ort, wie ganz Thüringen, von den Amerikanern an die Rote Armee übergeben. So kam Andisleben zur SBZ und 1949 zur DDR. Es machte alle entsprechenden gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen mit, von denen die zwangsweise Kollektivierung der Landwirtschaft in den 1950er Jahren bis 1960 zunächst die einschneidendste war.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: 583
  • 1995: 603
  • 1996: 637
  • 1997: 644
  • 1998: 653
  • 1999: 645
  • 2000: 647
  • 2001: 651
  • 2002: 632
  • 2003: 620
  • 2004: 631
  • 2005: 622
  • 2006: 636
  • 2007: 634
  • 2008: 609
  • 2009: 608
  • 2010: 611
  • 2011: 584
  • 2012: 576
  • 2013: 584
  • 2014: 574

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 12. Juli 1994 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.

Blasonierung: „Durch Zinnenschnitt von Rot und Silber geteilt; oben drei silberne nebeneinander stehende Pflugscharen; unten drei aufeinandergelegte blaue Wellenbalken.“

Die Pflugscharen stehen für die Landwirtschaft als den lange Zeit die Ansiedlung prägenden Haupterwerbszweig der Bevölkerung. Der Zinnenschnitt symbolisiert die ehemalige Wasserburg, die schon 1308 urkundlich in der Erfurter Chronik erwähnt wird. Der dreigeteilte Wellenbalken schließlich symbolisiert die den Ort durchfließenden drei Arme der Gera.[4]

Das Wappen wurde von dem Heraldiker Frank Jung gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigster Wirtschaftszweig ist aufgrund der guten Böden die Landwirtschaft.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andisleben liegt am Rande der Bundesstraße 4 NordhausenErfurt, die in diesem Abschnitt kreuzungsfrei ausgebaut ist. Die Buslinie 111 der Erfurter Verkehrsbetriebe verbindet den Ort mit der Landeshauptstadt.

Die Bahnstrecke Nordhausen–Erfurt verläuft etwa zwei Kilometer östlich von Andisleben. Die nächsten Bahnhöfe an dieser Strecke sind Ringleben-Gebesee und Walschleben, jeweils etwa drei Kilometer entfernt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grit Trautwein: Chronik der Gemeinde Andisleben 815-2000. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2000, S. 198. ISBN 3-934748-18-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andisleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Ferdinand Wachter: Geschichte Sachsens bis auf die neuesten Zeiten B. 3, 1830, S. 187
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 266, ISBN 3-88864-343-0
  4. Neues Thüringer Wappenbuch Band 3 Seite 57; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e. V. 1998 ISBN 3-9804487-3-8