Andreas Nohl

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Andreas Nohl (2016)

Andreas Nohl (* 26. August 1954 in Mülheim an der Ruhr) ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Kritiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Nohl verbrachte seine Kindheit in Mülheim an der Ruhr. Er studierte Philosophie in West-Berlin und Frankfurt am Main u. a. bei Jacob Taubes und Alfred Schmidt. Nach einjährigem Studienaufenthalt in San Francisco (Kontakt u. a. zu Reinhard Lettau und Henry Roth) war er als Antiquar in Köln und München berufstätig. Seit 1989 arbeitet er als freier Schriftsteller, seit 1994 lebt er mit seiner Frau, der Sängerin Liat Himmelheber, in Augsburg. Sie haben drei Kinder. Von 1990 bis 2003 veröffentlichte er Literaturkritiken u. a. für Die Zeit und die Neue Zürcher Zeitung. Seit 2005 ist er Herausgeber der Literaturzeitung Augsburger Satyr.

Andreas Nohl auf dem Erlanger Poetenfest (2012)
Andreas Nohl auf dem Erlanger Poetenfest (2012)

Sein erstes Erzählungsbuch Verfolgung des Bartholomé (1978), für das er den unter der Ägide von Golo Mann erstmals vergebenen Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung erhielt, wurde stilistisch mit Robert Musil verglichen. Sowohl in diesem ersten als auch in dem nachfolgenden Band Amazone und Sattelmacher (1985) geht es um seelische Grenzsituationen, die zu einer mythisch-unheimlichen Verzerrung der Wirklichkeit führen. Sein drittes Buch Hieronymus (1993) nimmt sich des vergessenen Mitstreiters von Jan Hus an: Hieronymus von Prag. Die Verbindung von historischen Fakten und Fiktion erinnert teilweise an die journalistische Erzähltechnik von Truman Capote. Als Essayist und Herausgeber hat sich Nohl vor allem für die amerikanische Literatur eingesetzt (Edgar Allan Poe, Mark Twain, William Faulkner, Henry Roth, Lisel Mueller, Keith Abbott etc.).

Mit seiner Neuübersetzung von Mark Twains Tom Sawyers Abenteuer und Huckleberry Finns Abenteuer (beide 2010) und der Erstübersetzung von Robert Louis Stevensons St. Ives (2011) hat sich Andreas Nohl auch als Übersetzer der klassisch-modernen englischen und amerikanischen Literatur hervorgetan.

Gemeinsam mit dem Theatermacher Sebastian Seidel besuchte er 2012 chinesische Schriftsteller in Jinan, Provinz Shandong, und gab die deutsch-chinesische Anthologie Tales of Two Cities (2014) heraus, die zugleich in Deutschland und in China erschien. Es ist die erste internationale literarische Zusammenarbeit dieser Art weltweit.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl):

  • Lisel Mueller: Brief vom Ende der Welt. Ausgewählte Gedichte. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Maro, Augsburg 2006, ISBN 3-87512-281-X.
  • Mark Twain: Die Tagebücher von Adam und Eva. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. dtv, München 2006, ISBN 3-423-09457-5.
  • Samuel Bak: In Worte gemalt. Bildnis einer verlorenen Zeit. Beltz, Weinheim 2007, ISBN 978-3-407-85766-8.
  • Mark Twain: Tom Sawyers Abenteuer und Huckleberry Finns Abenteuer. Neu übersetzt und hrsg. von Andreas Nohl. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23503-8.
  • Robert Louis Stevenson: St. Ives. Deutsche Erstausgabe, hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23647-9.
  • Bram Stoker: Dracula. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Steidl, Göttingen 2012, ISBN 978-3-86930-462-5.
  • Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-24346-0.
  • Rudyard Kipling: Kim. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-24731-4.
  • Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch 1 & 2. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. Steidl, Göttingen 2015, ISBN 978-3-95829-049-5.
  • Rudyard Kipling: Der Schmetterling, der mit dem Fuß aufstampfte. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl, mit Illustrationen von Kathrin Schärer. Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-25299-8.
  • Jack London: Das Haus von Mapuhi. Südseegeschichten. Hrsg. und übersetzt von Andreas Nohl. C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69859-0.
  • Edgar Allan Poe: Unheimliche Geschichten. Hrsg. von Charles Baudelaire. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-28118-8. (Auswahl basiert auf der Ausgabe bei Michel Lévy, Paris 1856; Grundlage der Neuübersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Nohl ist James A. Harrison (Hrsg.): The Complete Works of Edgar Allan Poe. New York 1902)

Wissenschaft (Auswahl):

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Classical Detective Stories – Klassische Detektivgeschichten. Hrsg. von Andreas Nohl. dtv, München 1993, (10. Aufl. 2011, ISBN 978-3-423-09310-1)
  • A Big Book of Ghost and Mystery Stories – Großes Grusel-Lesebuch. Hrsg. von Andreas Nohl. dtv, München 1995, ISBN 3-423-09328-5.
  • Sailors – Seefahrer. Hrsg. von Andreas Nohl. dtv, München 1996, ISBN 3-423-09352-8.
  • Das falsche Haus. 13 Kriminalerzählungen von E. A. Poe bis Henry Cecil. Hrsg. von Andreas Nohl. Reclam, Leipzig 2001, ISBN 3-379-01732-9.
  • Das eiserne Leichentuch. Horrorgeschichten von E. A. Poe bis Perceval Landon. Hrsg. von Andreas Nohl. Reclam, Leipzig 2003, ISBN 3-379-20047-6.
  • Rudolf Diesel: Solidarismus. Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen. Neu hrsg. von Andreas Nohl. Maro, Augsburg 2007 (2. Aufl. 2013), ISBN 978-3-87512-416-3.
  • Tales of Two Cities. Augsburg–Jinan. Hrsg. von Andreas Nohl und Sebastian Seidel. Maro, Augsburg 2014, ISBN 978-3-87512-463-7.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung 2016 (Download-Link). In: ledig-rowohlt-stiftung.de (PDF; 62 kB).
  2. Zuger Übersetzer-Stipendium / Zuger Übersetzer-Gespräche. Abgerufen am 10. Februar 2017 (deutsch).