Andreas Schäfer (Regisseur)

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Andreas Schäfer (* 29. Juni 1957 in Solingen) ist ein deutscher Regisseur, Autor und Künstlerischer Leiter.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur am Solinger Gymnasium Schwertstraße im Jahr 1977 arbeitete er als Buchhändler und von 1981 bis 1983 als Korrektor beim Bundesanzeiger-Verlag. Von 1985 bis 1990 war er Berater des nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten Ernst Martin Walsken. Nebenher betrieb Andreas Schäfer an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ein Luststudium der Philosophie. Ab 1990 arbeitete er als Künstlerischer Leiter, zunächst bis 1994 bei der Volksbühne Solingen und anschließend bis 1996 beim Solinger Kulturzentrum Cobra, bei dem er zu den Gründern und Initiatoren zählt. Er besuchte die Master Class von Actors Studio-Mitbegründer Robert Lewis im Jahr 1991.

Seitdem ist Schäfer als freiberuflicher Autor, Regisseur und Künstlerischer Leiter tätig. Bis 2013 leitete er zusammen mit seiner Partnerin, der Schauspielerin Claudia Gahrke, das Künstlerkollektiv Artcore, danach den Nachfolger Astronautenkost, dessen Schirmherr der Schauspieler Günter Lamprecht war und ist.[1] Er inszenierte zwei Federico Fellini-Filme erstmals für das Theater. Für seine Theaterprojekte wählt er häufig ausgefallene Orte wie eine ehemalige Müllhalde, Gärten oder Diskotheken. 2014 initiierte und kuratierte er die Ausstellung Socks for Life mit Werken von Robert Wilson, Elfriede Jelinek, Ruprecht von Kaufmann und René Böll im Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel, wofür er unter anderem den European Best Event Award in Silber erhielt.[2]

Andreas Schäfer veröffentlicht regelmäßig Essays über Kunst und Theater[3] und war Gastdozent an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef-Bonn. Seit 1998 schreibt er für die Zeitschrift Event Partner. Er betreut hierfür eine langjährige Interviewreihe, die auch die Grundlage zu seinem ersten Buch als Autor bildet. Seit 2009 ist er Chefredakteur des Künstlermagazins showcases, für das er Prominente wie Richard Rogler, WestBam oder Sarah Wiener als Gastautoren gewinnen konnte.

Schäfers künstlerischer Schwerpunkt sind Stoffe von den Nazis verfolgter Künstler wie Else Lasker-Schüler, Henriette Hardenberg, Lili Grün oder wie Charlotte Salomon mit dem Hörbuchpreisträger 2006 Bodo Primus. 2011 inszenierte er im Solinger Theater ein Live-Hörspiel über Shalom Sechvi, einen Überlebenden des Holocaust und Bürger der Solinger Partnerstadt in Israel, Ness Ziona.[4] 2017 startete in Stockholm das Projekt Transitraum Else. Beteiligt waren dort die Schauspielerinnen Claudia Gahrke und Inger Nilsson. Weitere Stationen folgten in Dublin, Zürich, New York und Pacific Palisades. In der Feuchtwanger-Villa, Villa Aurora, trat Lainie Kazan an der Seite von Claudia Gahrke auf. In London war es John Nettles.

2018 realisierte er für den Solinger Kunstverein das Projekt (UN)SICHTBAR, bei dem Studenten und eine Dozentin der Kunsthochschule für Medien die Solinger Synagoge auf einem Hochbunker wieder sichtbar machten, der an der Stelle erbaut wurde, wo die Synagoge 1938 von SA-Leuten und einem Solinger Mob in der Pogromnacht zerstört wurde[5].

2020 ist Schäfer einer von landesweit fünf Förderpreisträgern des Wettbewerbs Open Call Digitiale Dramaturgie des NRW KULTURsekretariats[6].

Regie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Audioproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die kreisende Weltfabrik : Claudia Gahrke liest Else Lasker-Schüler. Solingen: Valve Records 2011. ISBN 978-3-00-034993-5

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doppelband: Warten auf die Freiheit & Gemälde • Grafik • Zeichnungen. Duisburg: swws verlag 2009. ISBN 978-3-9812100-0-2 (als Hrsg.)
  • Durch den menschlichen Kosmos. Berlin: Uni-Edition 2011. ISBN 978-3-942171519

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handwerk und Magie in der vierten Dimension – Über die Grundlagen der Dramaturgie und Inszenierung, in: Event & Marketing 2, Frankfurt am Main: Deutscher Fachverlag 2004. ISBN 3-87150-859-4, S. 107–118.
  • Auf die Haltung kommt es an. Vermischte Bemerkungen zu Inszenierungen im Feld von Kommunikation, Bedeutung und Sinn, in: Handbuch Erlebnis-Kommunikation, Berlin: Erich Schmidt Verlag 2016. ISBN 978-3 503 16641 1, S. 197–204.
  • Events des Bösen?, in: Atmosphären des Populären II, Berlin: Uni-Edition 2016. ISBN 978-3-944072-78-4, S. 317–323.
  • Transitraum Else, mit Claudia Gahrke, in Meinwärts – das Herz der Avantgarde, Wuppertal: Peter Hammer Verlag. ISBN 978-3-7795-0657-7, S. 98–101.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Projektwebseite www.salle-de-transit.com. Astronautenkost, abgerufen am 23. Januar 2015.
  2. Kampagne: Silberner Elefant für kreative Solinger. (Nicht mehr online verfügbar.) Rheinische Post, 30. Oktober 2014, ehemals im Original; abgerufen am 8. November 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rp-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Memo-Media-Blog. Memo Media Verlag, abgerufen am 8. November 2014.
  4. Annemarie Kister-Preuss: Shalom Sechvi hat verziehen. Rheinische Post, 15. Oktober 2011, abgerufen am 1. Juni 2014.
  5. Pogromnacht ist Mahnung für heute. (Nicht mehr online verfügbar.) Solinger Tageblatt, 10. November 2018, ehemals im Original; abgerufen am 19. November 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.solinger-tageblatt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  6. Fünf Förderpreisträger*innen Open Call Digitale Dramaturgie. Abgerufen am 21. Juli 2020.