Andreas von Bechtolsheim

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Andreas von Bechtolsheim 2012

Andreas von Bechtolsheim (eigentlich: Andreas Maria Maximilian Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim) (* 30. September 1955 in Hängeberg am Ammersee) ist ein deutscher, im Silicon Valley (USA) lebender, Informatiker und Unternehmer. Er war 1982 einer von vier Gründern von Sun Microsystems und 1998 einer der ersten Investoren bei Google. Mit einem geschätzten Vermögen von 1,9 Milliarden US-Dollar wurde er 2007 auf Platz 40 der Liste der reichsten Deutschen des Manager-Magazins geführt; auf der Forbes-Milliardärs-Liste belegte er im März 2012 Platz 546.[1]

Leben[Bearbeiten]

Familie und Kindheit[Bearbeiten]

Andreas von Bechtolsheim ist das zweite von vier Kindern eines Volksschullehrers und lebte zunächst auf einem einsamen Bauernhof nahe dem Ammersee in Bayern. Von 1961 bis 1963 besuchte er die Dorfschule, danach zog die Familie nach Rom, wo er die private deutsche Schule besuchte und unter anderem von seinem Vater unterrichtet wurde. 1968 zog die Familie nach Nonnenhorn am Bodensee, wo er 1973 mit 17 Jahren am Bodensee-Gymnasium Lindau sein Abitur ablegte.

Mit 17 Jahren entwickelte er einen Mikrocomputer auf Basis des Intel-8008-Prozessors, der zur Steuerung von Blechstanzmaschinen diente, für einen mit der Familie befreundeten Unternehmer. Daraus erhielt er Lizenzgebühren von 100 DM je Gerät. Mit 18 Jahren gewann er 1974 bei seiner dritten Teilnahme den Bundeswettbewerb Jugend forscht im Fachgebiet Physik mit einer Arbeit über die „genaue Strömungsmessung durch Ultraschall“.

Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Abitur begann Bechtolsheim mit Unterstützung der Studienstiftung des deutschen Volkes ein Studium der Elektrotechnik mit Schwerpunkt Datenverarbeitung an der Technischen Universität München. 1975 wechselte er mit Hilfe eines Fulbright-Stipendiums an die Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA, und erwarb 1976 seinen Abschluss als Master in Informatik.

1977 zog er ins Silicon Valley und nahm einen studentischen Sommerjob an der Stanford University als Programmierer bei einem CAD-Projekt an. Später wurde er dort als Doktorand angenommen und erhielt Zugang zum Xerox PARC.

1980 oder 1981 begann er auf Anregung von Forest Basket mit der Entwicklung eines Computers, der als Arbeitsplatzrechner im universitären Computernetzwerk dienen sollte. Als Basis verwendete er den leistungsfähigen Motorola-68000-Prozessor, der als 32-Bit-Prozessor einen großen linearen Adressraum besaß und daher einen großen Arbeitsspeicher unterstützte. Mit Hilfe eines CAD-Systems entwarf er die Hauptprozessorplatine, die Grafikkarte und die Ethernetkarte. Während dieser Zeit wurde er unter anderem von der US-Militärforschungsbehörde unterstützt.

Der Unternehmer[Bearbeiten]

Bechtolsheim war überzeugt, dass das neue Konzept eines leistungsfähigen und vernetzten Arbeitsplatzrechners vielversprechend und mit den aufkommenden 32-Bit-Prozessoren auch preisgünstig realisierbar war. Die Anwender wurden von der Rechenzeit des Zentralrechners unabhängig, ohne den Vorteil der Vernetzung zu verlieren, die durch die Verwendung von Unix als Betriebssystem gegeben war.

Mehrere Versuche der Universität, den Entwurf in Lizenz bauen zu lassen, scheiterten jedoch. Daraufhin gab Bechtolsheim 1982 seine Doktorandenstelle auf und gründete gemeinsam mit seinen Studienkollegen Scott McNealy und Vinod Khosla sowie Bill Joy von der Universität Berkeley ein eigenes Unternehmen. Kapitalgeber waren schnell gefunden. Ihre Firma nannten sie SUN als Akronym für „Stanford University Network“. Die Sun-1 genannte Workstation wurde zu einem Preis von weniger als 10.000 US-Dollar angeboten, war vielen Großrechnern überlegen und bildete den Grundstein des weiteren Unternehmenserfolges.

Bechtolsheim fungierte bei Sun ab 1985 als Vice President Technology. Sun ging 1986 an die Börse, das Geschäft entwickelte sich sehr gut. 1988 wurde die Umsatzschwelle von 1 Mrd. US-$ überschritten; zehn Jahre später waren es fast zehn Milliarden Dollar. 2003 betrug der Aktienwert von Sun 11,5 Mrd. US-$.

1995 suchte Bechtolsheim neue Herausforderungen. Er verließ SUN und gründete mit Granite Systems ein neues Unternehmen, um Hochgeschwindigkeits-Komponenten für Internetanwendungen (Netzwerk-Switches) zu entwickeln. 1996 wurde Granite für 220 Mio. US-$ von Cisco Systems übernommen. Zu diesem Zeitpunkt besaß Bechtolsheim 65 % der Firmenanteile. Er wurde Vice President of Engineering bei Cisco und arbeitete in verschiedenen Positionen an der Entwicklung neuer Netzwerktechniken, zuletzt als General Manager der Gigabit-Switching-Abteilung. Im Dezember 2003 verließ er das Unternehmen, um sich einem weiteren Startup, dem bereits 2001 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner bei Granite, David Cheriton, gegründeten Unternehmen Kealia zu widmen.

Im Februar 2004 wurde Kealia von Sun Microsystems per Aktientausch übernommen. Mit Bechtolsheim kehrte der „Mitarbeiter Nr. 1“ zu Sun zurück, wo er fortan als Senior Vice President und Chiefarchitect tätig war. Im September 2005 stellte Sun die so genannte „Bechtolsheim-Maschine“ vor: die neue Galaxy-Baureihe basiert auf Opteron-Prozessoren mit zwei zentralen, parallelen Recheneinheiten von AMD. Dabei werden zehn Betriebssysteme unterstützt, neben verschiedenen Unix-Derivaten und Linux-Varianten auch Microsoft Windows. 2010 verließ er Sun Microsystems erneut und wechselte als Chief Development Officer und Chairman zu der von ihm finanzierten Firma Arista Networks.

Der Investor[Bearbeiten]

Neben den eigenen Unternehmensgründungen ist Bechtolsheim auch als Investor sehr erfolgreich und hat bereits bei mehr als 20 Neugründungen durch eine Anschubfinanzierung und die Vermittlung von Risikokapital Starthilfe gegeben. Er widmet sich dabei vor allem dem Bereich der Electronic Design Automation (EDA), der Software zum Entwurf von Mikroprozessoren, da solchen Anwendungen bereits während seiner Zeit in Stanford sein Interesse gegolten hat.

Die wohl einzige größere Investition in Deutschland war 1992 seine Beteiligung am Hamburger Softwarehaus Star Division, das 1999 komplett von Sun übernommen wurde. Dessen Office-Paket StarOffice stellte eine der Hauptalternativen zu den Büroanwendungen von Microsoft dar.

Seine wohl beste Investition tätigte Bechtolsheim 1998. Über seinen Geschäftspartner David Cheriton lernte er die Stanford-Studenten Larry Page und Sergei Brin kennen, die das Konzept einer neuen Internet-Suchtechnologie vorstellten. Er gehörte mit 100.000 US-$ zu den ersten Investoren von Google und vermittelte außerdem den Kontakt zum Risikokapitalgeber John Doerr. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche im September 2005 bezeichnete er Google als „die tollste Idee, die mir je untergekommen ist“. Nach dem Börsengang von Google wurde der Wert seiner Beteiligung Anfang 2005 auf 500 Millionen US-$ geschätzt.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

  • Gründungsmitglied des kalifornischen West Coast Campus der Carnegie-Mellon-Universität
  • Smithsonian Leadership Award for Innovation
  • Mitglied in der National Academy of Engineering

Weblinks[Bearbeiten]

Weitere Quellen[Bearbeiten]

  • Radiointerview (60 Min.) des Norddeutschen Rundfunks mit Andreas von Bechtolsheim, Juli 1987

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.forbes.com/billionaires/#p_58_s_a0_All%20industries_All%20countries_All%20states_