Hochmut

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Kraftmeier ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Film von 1915 siehe Der Kraftmeier.
Eine der sieben ‚Todsünden‘: Hochmut

Der Hochmut (altgriechisch ὕβρις, hybris; lateinisch arrogantia oder superbia) – auch Anmaßung, Überheblichkeit, Arroganz, Einbildung, Blasiertheit, Prätention, veraltet Hoffart oder Dünkel – ist eine Haltung, die Wert und Rang (Standesdünkel) oder Fähigkeiten der eigenen Person besonders hoch veranschlagt. Der Gegensatz zum Hochmut ist die Demut.

Meint man mit Selbstüberschätzung eine Überbewertung eigenen Könnens, so zielen Hochmut und Arroganz auf soziale Distanz. In Haltung und Umgangsform werden sie durch Anstand und Höflichkeit gezügelt. Begünstigt wird der Hochmut von der Eitelkeit und dem Narzissmus.

Dünkel dagegen soll insgeheim gefühlte Leere kompensieren und wird als Anmaßung empfunden. Tölpelhafter Dünkel macht seinen Träger zum Schnösel.

Der Begriff Hochmut schließt wie auch Übermut u. a. die Komponente -mut in der alten Bedeutung von Gemüt ein (zu Etymologie und weiteren Komposita vgl. Mut).

Wortfeld, Bedeutungswandel und Bewertung[Bearbeiten]

Die antike Hybris war im engeren Sinne Übermut als Frevel gegen die Götter, der in antikem Verständnis schwere Folgen (die Nemesis) auf sich zog.

Nicht in allem vergleichbar, entspricht ihr noch stark der christliche Hochmut als Sünde gegen den Nächsten: In der katholischen Morallehre ist die superbia (von lateinisch super „über“) eines der sieben Hauptlaster (umgangssprachlich oft auch theologisch unkorrekt als Todsünden bezeichnet). Der Katechismus der römisch-katholischen Kirche verwendet in der deutschen Übersetzung den Begriff Stolz. Der Terminus superbia geht auf Papst Gregor I. zurück.

Diese Gleichsetzung von Stolz und Hochmut wird eher als fragwürdig und obsolet empfunden. Stolz kann als durchaus berechtigt und keineswegs als sündig empfunden werden. In diesem Sinne wird der Begriff auch mittlerweile meist gebraucht: Die negative Konnotation ist, wo nicht verschwunden, so doch an den Randbereich möglicher Bedeutungsnuancen geraten. Zeitgemäßer sind dementsprechend Ausdrücke wie Arroganz oder Anmaßung, in denen der religiöse Bezug weitgehend verblasst ist. So werden die meisten Zeitgenossen Arroganz leichter definieren können als etwa Hybris oder Hochmut und zu dem Schluss kommen, arrogant seien insbesondere „Leute, die auf Andere herabsehen und sich für etwas Besseres halten“ o. ä. Das oben skizzierte Wortfeld um Hochmut beschreibt somit einen zumindest scheinbar einheitlichen Phänomenbestand im kulturhistorischen Wandel des zu Grunde liegenden Menschenbildes.

So wird Hochmut in der Ständegesellschaft kritisch gegenüber dem Adel und auch dem Klerus benutzt; er heftet sich an Züge der adligen Etikette und deren Benutzung als soziales Werkzeug der Exklusion. Der pejorativen Bedeutung liegt jedoch wortgeschichtlich ein durchaus positiver Begriff zugrunde: Hochmut meint ursprünglich mhd. hohen Mut, also Hochgestimmtheit, und ist Ausdruck der begleitenden Gestimmtheit einer vornehmen Gesinnung.

In der Herausbildung des modernen Individualismus kommt es mit der Abkehr von christlichen Tugenden und dem Wandel des Selbst- und Weltverständnisses des Menschen entsprechend zu einem weiteren Bedeutungswandel. An die Stelle des Hochmuts tritt in modernen Gesellschaften so die Arroganz, hier auch stellvertretend für im Gegensatz zum Hochmut gängigere Bezeichnungen. Diese Arroganz sieht von gesellschaftlichen Strukturen (Stände, Klassen) eher ab, zugunsten der Betonung eines Konfliktes zwischen de iure gleichberechtigten Individuen, die in persönlichem Selbstwertempfinden und sozialem Geltungsanspruch vor dem Hintergrund eines auseinandergehenden Wertpluralismus streitig aneinandergeraten: Die Eindeutigkeit christlicher Wertvorstellung bzgl. des Hochmuts wird von einem ambivalenten Begriff abgelöst, der diesen (in Ermangelung eines allgemeinverbindlich anerkannten Wertekanons) unauflösbaren Konflikt zwischen der grundlegenden Gleichheitsforderung und der mehr oder minder realitätsgerechten oder angemaßten persönlichen Überlegenheit (vgl. Coolness als zeitgemäßes Persönlichkeitsideal) eines Einzelnen allenfalls pathologisieren und ihm als Narzissmus therapeutisch begegnen kann: Der Narzissmus des Einen (war und) ist die Arroganz (der Hochmut) des Anderen.

Verhaltenspsychologen beschreiben insbesondere die Arroganz als Distanz aus Unsicherheit.

Der Volksmund stellt ihn in eine Reihe mit Blasiertheit, Arroganz und Aufgeblasensein.

Redewendungen[Bearbeiten]

Ein Sprichwort besagt: Hochmut kommt vor dem Fall. Die Redensart stammt aus der Bibel Spr 16,18 LUT in der Übersetzung Martin Luthers und hieß in einer ersten Übersetzung Stolzer Mut kommt vor dem Fall.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hochmut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Hochmut – Zitate
 Wikiversity: Die gefährliche Wette – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch
  • Artikel "Hochmut" im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
  • zur Abgrenzung des Begriffs innerhalb des Begriffsumfeldes vgl.: Johann August Eberhards Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache (1910)[1]