Arabische Christen

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Arabische Christen sind Christen, die entweder ethnische Araber oder kulturell und sprachlich arabisiert sind. Die Bezeichnung entstand in Reaktion auf den arabischen Nationalismus (und regional auch auf den Zionismus) und definiert sowohl Abgrenzung als auch Zugehörigkeit. Zu den arabischen Christen zählen Angehörige der orientalischen christlichen Kirchen, der römisch-katholischen Kirche, hier vor allem der katholisch-unierten Kirchen, der griechisch-orthodoxen Kirchen und in geringerem Maße auch verschiedener protestantischer Denominationen.

Die Mehrheit der arabischen Christen lebt im Nahen Osten, wo der sunnitische Islam die vorherrschende Religion ist. Ein Großteil der emigrierten arabischen Christen lebt auf dem ganzen amerikanischen Kontinent von Kanada/USA im Norden bis Argentinien und Brasilien im Süden verteilt und bildet dort die libanesische Diaspora. In Lateinamerika bildet die libanesische Bevölkerungsgruppe einen bedeutenden Teil der gesellschaftlichen Elite. Trotz unterschiedlicher Herkunftsgebiete bezeichnen sie sich meist selbst als Libanesen oder wurden, wegen ihrer Einreise aus dem zerfallenden Osmanischen Reich, als Turcos[1] bezeichnet. Auch unter den Griechen in Australien befinden sich zahlreiche Menschen, deren Vorfahren einst in arabischen Ländern lebten. Wenige arabische Christen sind nach Europa ausgewandert.

Siedlungsgebiete christlicher Araber

Schätzungen nach Ländern 2006:

Weitere islamische Länder:

Schätzungen nach Kirchen:

Armenier

  • Armenisch-orthodoxe: 6 Mio.[2] (davon 3 Mio.[2] in der Diaspora, davon 800.000[2] in Nordamerika)
  • Armenisch-katholische: 600.000 (davon 220.000[2] in der Diaspora)

Chaldäer

Kopten

  • Koptisch-orthodoxe: 6 Mio.[2]
  • Koptisch-katholische: 250.000[2] (davon 225.000[2] in der Diaspora)

Maroniten

  • Maronitisch-katholische: 5,5 Mio.[2] (davon 1 Mio.[2] in der Diaspora, davon 55.000[2] in Frankreich)

Melkiten

  • Melkitisch-katholische: 2 Mio.[2] (davon 800.000[2] in der Diaspora)
  • Melkitisch-orthodoxe: 250.000

Syriaken (Syrische Christen)

  • Syriakisch-orthodoxe: 250.000[2]
  • Syriakisch-katholische: 160.000 (davon 107.000[2] in der Diaspora)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit haben Christen in arabischen Ländern neben Angehörigen polytheistischer Religionen und des Judentums gelebt. Auch nach der Expansion des Islam ab dem 7. Jahrhundert blieben viele Christen ihrem Glauben treu.

Es gab seit dem 1. Jahrhundert mehrere arabische christliche Stämme, beispielsweise die Ghassaniden, die an der südöstlichen Grenze des Byzantinischen Reiches in Nordarabien lebten.

Seit dem 18. Jahrhundert gibt es auch zunehmend Katholiken unter den arabischen Christen, die fast immer aus den traditionellen orientalischen Kirchen zum Katholizismus übergetreten sind, oftmals ausgehend von den Bildungseinrichtungen der katholischen Kirche (Schulen, später auch Universitäten), die seit diesem Zeitpunkt im Orient entstanden. Seit dem 19. Jahrhundert haben vor allem US-amerikanische protestantische Missionare unter den arabische Christen gewirkt und einige Erfolge erzielt.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in absoluten Zahlen größte Bevölkerung Arabisch sprechender Christen lebt in Ägypten. Die meisten der bis zu 11 Mio. ägyptischen Christen sind Kopten. Die inzwischen weitgehend Arabisch sprechenden Kopten betrachten sich nicht als ethnische Araber, sondern als Nachfahren der christlichen Bevölkerung des vorislamischen Ägypten. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Ägyptens ist nicht sicher, bewegt sich aber wahrscheinlich um die 10 Prozent. Sie führen ihre Tradition auf das alte pharaonische Ägypten zurück und haben seit den 1970er Jahren vor allem durch die Gründung neuer Klöster eine Renaissance erfahren.[4]

Der Libanon weist den höchsten christlichen Bevölkerungsanteil auf: etwa 45 Prozent vor dem Bürgerkrieg. Die größte christliche Kirche ist die maronitische, gefolgt von der griechisch-orthodoxen, genauer rum-orthodoxen, griechisch-katholischen (Melkiten) sowie syrisch-orthodoxen und den armenischen Kirchen. Der Libanon ist auch Zufluchtsort anderer Christen aus den Nachbarländern. Der Staatspräsident ist immer ein Maronit, der stellvertretende Ministerpräsident immer ein rum-orthodoxer Christ. Die Ministerposten werden zur Hälfte an Muslime und Christen vergeben.

In Syrien sind etwa 10 Prozent der Bevölkerung Christen, in Palästina etwa 1,6 Prozent; eine vierfache größere Zahl palästinensischer Christen lebt im Ausland.

Im Irak wanderten Christen, die als Nasrany[3] (Nazarener) bezeichnet werden, seit dem Ende der Herrschaft Saddam Husseins und der damit verbundenen verschlechterten Sicherheitslage aus. Ihre Zahl ist von 1,5 Millionen im Jahr 2003,[3] auf heute rund 500.000[3] gesunken. Zeitweise war die Zahl sogar steigend, lebten doch 1987 noch 1,4[3] Millionen Christen im Irak. Christen sind heute zahlreichen Benachteiligungen durch die staatliche Verwaltung und einer systematischen Verfolgung durch islamistische Gruppen ausgesetzt.[3]

In Jordanien gibt es noch eine relativ große Gemeinschaft von etwa 400.000 Christen.

In maghrebinischen Staaten ist der christliche Bevölkerungsanteil wesentlich geringer.

Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht alle Christen im Nahen Osten bezeichnen sich als ethnische Araber, obwohl sie arabische Muttersprachler sind. Aramäisch ist unter den Christen weitgehend zurückgegangen und wird nur noch von einer Minderheit gesprochen.

So bezeichnen sich beispielsweise Maroniten als Nachkommen der Phönizier und Chaldäer als Aramäer, um sich von Arabern (zum Beispiel aus Saudi-Arabien) zu unterscheiden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Loeffer: Arabische Christen im Nahostkonflikt. Christen im politischen Spannungsfeld. Frankfurt am Main, Lembeck 1976, 98 S.
  • Arabische Christen – Christen in Arabien, Hrsg. Detlev Kreikenbom, Frankfurt am Main u. a., Lang, 2007, VI, 191 S. (Nordostafrikanisch-westasiatische Studien, 6).
  • Samir Khalil Samir, Michaela Koller: Muslime und Christen. Geschichte und Perspektiven einer Nachbarschaft. Augsburg, Sankt Ulrich Verlag 2011, 176 S.
  • Andreas Knapp: Die Letzten Christen. Flucht und Vertreibung aus dem Nahen Osten. Adeo Verlag, Asslar 2016, ISBN 978-3-863341-18-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean-Pierre Filiu: Les Arabes, leur destin et le nôtre – Histoire d'une libération. Éditions La Découverte, Paris 2015, ISBN 978-2-7071-8661-4, S. 33 f.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y Charles Thépaut: Le monde arabe en morceaux – Des printemps arabes au recul américain. Armand Colin, Malakoff 2020, ISBN 978-2-200-62801-7, S. 42 (dort zitiert nach Zahlen von Le Monde vom 18. September 2012).
  3. a b c d e f Khaled Suleiman: Le calvaire des chrétiens d'Irak – Depuis 2003, tous les groupes islamistes qui ont sévi dans le pays ont discriminé les chrétiens, tout comme les lois irakiennes, affirmait ce site Internet à la veille de la visite du pape François, en mars dernier. In: Courrier international Hors-série : Moyen-orient – Les nouveaux maîtres du jeu. Juli 2021, ISSN 1169-114X, S. 31 (Ersterscheinung dieses Artikels in ganzer Länge in der libanesischen Zeitung Daraj, Beirut 4. März 2021).
  4. Siegfried G. Richter: Das koptische Ägypten. Schätze im Schatten der Pharaonen. (mit Fotos von Jo Bischof). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-8053-5211-6, S. 120–127.