Arbeitsverdichtung

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Unter Arbeitsverdichtung versteht man in der Betriebswirtschaft und im Personalwesen eine Zunahme der pro Zeiteinheit geleisteten Menge an Arbeit.

Nach einer Studie des WSI sind in denjenigen Betrieben, die eine rendite- oder kennziffer­norientierte Leistungssteuerung durchführen, wie es beispielsweise durch Zielvereinbarungen, Profit-Center oder Benchmarks erreicht werden kann, die Arbeitsverdichtung und der Termindruck überdurchschnittlich hoch.[1]

Umstrukturierungen, Umorganisation und Stellenabbau (bzw. Unterbesetzung) führen häufig zu einer Arbeitsverdichtung. Dies wurde beispielsweise 2008 über den Umbau der Deutschen Bundesbahn aus Sicht der Beschäftigten berichtet[2] und 2014 für in Krankenhäusern beschäftigtes medizinisches Personal und Pflegepersonal.[3] Unter Umständen kann einer Arbeitsverdichtung durch eine entsprechende Arbeitsgestaltung, Infrastruktur und Unterstützungsprozesse entgegengewirkt werden.[4]

Der Stressreport 2012 zeigte insgesamt für die vorangehenden Jahre eine erhöhte Arbeitsverdichtung auf.[5]

Laut Aussage der deutschen Bundesregierung bewirkt eine Arbeitsverdichtung eine Erhöhung der Arbeitsintensität, die wiederum Ursache oder auch Folge eines höheren Zeit- und Leistungsdrucks am Arbeitsplatz sein kann.[6] Die Arbeitsintensität wird allerdings in der Literatur nicht einheitlich definiert: In die Definition kann beispielsweise eine Beziehung zwischen Arbeitsmenge, -qualität und -zeit eingehen;[6] teils wird auch die individuelle Leistungsfähigkeit in die Definition miteinbezogen.[5]

Die für den DAK-Gesundheitsreport 2013 befragten Ärzten äußerten die Auffassung, dass Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und lange Arbeitszeiten zu mehr Krankschreibungen mit psychischer Diagnose führten.[7] Ähnliches war auch im DAK Gesundheitsreport 2012 festgestellt worden.[8]

Betriebsbedingte Kündigungen zur Arbeitsverdichtung werden durch Arbeitsgerichte besonders sorgfältig auf ihre tatsächliche Umsetzbarkeit hin geprüft.[9] Auch gesetzliche Regelungen zum Arbeitsschutz setzen der Arbeitsverdichtung gewisse Grenzen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elke Ahlers: Ran an die Ursachen von Stress. Abgerufen am 1. April 2015.
  2. Neue Untersuchung: Flexibilität, Arbeitsverdichtung und Verunsicherung - der Umbau der Deutschen Bahn aus der Sicht der Beschäftigten. Hans-Böckler-Stiftung, 1. Oktober 2008, abgerufen am 1. April 2015.
  3. Aktuelle Studie: Neue Arbeitsteilung im Krankenhaus – oft kein Fortschritt für Beschäftigte und Patienten. Hans-Böckler-Stiftung, 28. August 2014, abgerufen am 1. April 2015.
  4. Jürgen Klauber, Bernt P. Robra, Henner Schellschmidt: Krankenhaus-Report 2006, Schattauer Verlag, 2006, ISBN 978-3-7945-2490-7. S. 14.
  5. a b Stressreport 2012. Zitiert nach: Ina Riechert: Psychische Störungen bei Mitarbeitern: Ein Leitfaden für Führungskräfte und Personalverantwortliche - von der Prävention bis zur Wiedereingliederung, Springer-Verlag, 2014, ISBN 978-3-662-43522-9. S. 33.
  6. a b Antwort auf Frage 19.: „Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Prozess der Arbeitsverdichtung und die daraus resultierenden psychischen Belastungen vor?“ In: Deutscher Bundestag Drucksache 17/9478, 17. Wahlperiode 30. April 2012, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jutta Krellmann, Sabine Zimmermann, Dr. Martina Bunge, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 17/9287 – Psychische Belastungen in der Arbeitswelt.
  7. DAK-Gesundheitsreport 2013: DAK-Gesundheit fordert sachliche Debatte über psychische Krankheiten. Burnout-Verbreitung wird deutlich überschätzt. In: Pressemitteilung. DAK, abgerufen am 1. April 2015.
  8. DAK Gesundheitsreport 2012. Zitiert nach: Jens Hollmann, Angela Geissler: Leistungsbalance für Leitende Ärzte: Selbstmanagement, Stress-Kontrolle, Resilienz im Krankenhaus, Springer, 2012, ISBN 978-3-642-29334-4. S. 92.
  9. Sascha Herms, Die Kündigung - Rechtssicher vorbereiten und umsetzen, Haufe Lexware, 2013, ISBN 978-3-648-03726-3. 18–19.