Armenier in Deutschland

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Armenier in Deutschland sind ethnische Armenier, die in der Bundesrepublik Deutschland leben. Insgesamt leben Schätzungen zufolge 50.000 bis 80.000 Armenier in Deutschland,[1][2] vor allem in Nordrhein-Westfalen zwischen den Städten Köln und Düsseldorf, in Hessen (hauptsächlich in Frankfurt am Main) und Hamburg. Eine starke armenische Gemeinde gibt es in Berlin (etwa 2.000 Personen) und München.[3] Die größte armenische Gemeinde Deutschlands befindet sich mit über 5.000 Mitgliedern in Köln.[4] Die Armenier beherrschen neben ihrer Muttersprache Armenisch die deutsche Sprache zumeist sehr gut.[5]

Diaspora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der größte Teil der Armenier in der Diaspora wanderten die meisten Armenier nach dem Völkermord an den Armeniern 1915/16 nach Deutschland ein. Andere kamen später, als sie vor Konflikten in Iran (Islamische Revolution), Aserbaidschan (Bergkarabachkonflikt) und dem Libanon (Libanesischer Bürgerkrieg) flohen. Einen zusätzlichen Migrationsschub bereitete die nationalistische Verfolgung von Armeniern in der Türkei. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchteten viele sowjetische Armenier, speziell ehemalige Kriegsgefangene, in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands. Während einige nur zeitweise dort verblieben, siedelten sich andere an und bildeten eine Basis für spätere Asylsuchende, etwa aus der Türkei.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste armenische Organisation war die Armenische Kolonie von Berlin, gegründet um 1923.[6] Bis zum Jahre 1975 wurden armenische Vereinigungen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und München etabliert. In den 1980er Jahren wurden andere Vereinigungen in Bremen, Braunschweig, Bielefeld, Duisburg, Neuwied, Bonn, Hanau, Eppingen, Nürnberg, Kehl und an anderen Orten deutschlandweit gegründet.[6]

Zurzeit leben über 25.000 eingebürgerte Armenier und 15.000 asylsuchende Armenier in der Bundesrepublik Deutschland. Sie konzentrieren sich auf Mecklenburg-Vorpommern, von denen viele armenische Asylbewerber sind, die direkt aus Armenien kommen und für welche die armenisch-apostolische Kirche Gottesdienste, Taufen, Bibellesungen und Gemeinschaftshilfe leistet. Die Diözese von Deutschland trägt die Kosten für die Unterstützung der Armenier aus dem postsowjetischen[7] Armenien und betrachtet diese Dienste als Teil ihrer Mission.[6]

Deutschland und der Völkermord an den Armeniern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juni 2016 beschloss der Deutsche Bundestag mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung fraktionsübergreifend die Resolution „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916“.[8] Der Bundestag bedauerte ebenfalls die „unrühmliche Rolle“ des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen über den Völkermord an den Armeniern „nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.“[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine Informationen Botschaft der Republik Armenien in Deutschland. Abgerufen am 18. April 2015.
  2. Armenier in Deutschland: Endlich raus aus der Opferrolle. Die Zeit. 24. April 2015. Abgerufen am 19. Juli 2016
  3. Hofmann T., Armenier und Berlin – Berlin und Armenien. – Berlin, 2005. S. 4.
  4. Die Armenische Gemeinde Köln e.V.. Abgerufen am 19. Juli 2016
  5. Armenian diaspora in Germany. „Noravank“ Scientific-Research Foundation, 2006, abgerufen am 28. April 2013 (PDF).
  6. a b c d Armenian Reporter Online
  7. kann man diesen Begriff nach 25 Jahren noch als Grund für Auswanderung nehmen??
  8. Völkermord-Resolution fast einstimmig verabschiedet. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Juni 2016. Abgerufen am 19. Juni 2016.
  9. "Der Bundestag verneigt sich vor den Opfern der Massaker". Der Tagesspiegel. 2. Juni 2016. Abgerufen am 19. Juni 2016.