Bürgerforum (Bürgerbeteiligung)

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Bürgerbeteiligung (→ Übersichten)
Bürgerforum / Bürgergutachten / Planungszelle
Ziel/Funktion Beratung von Entscheidern, Beeinflussung öffentlicher Diskussionen
typische Themen konkrete lokale oder regionale Probleme und Planungsaufgaben
Kontext Fragen auf lokaler und regionaler Ebene
typische Auftraggeber Kommunalpolitik, Kommunalverwaltungen, Vereine oder ähnliche Akteure
Dauer mind. 4 aufeinander folgende Tage
Teilnehmer (Anzahl und Auswahl) 100 Personen (4 Gruppen à 25 Personen, i. d. R.); zufällige Auswahl
wichtige Akteure, Entwickler, Rechteinhaber Jefferson Center, Minneapolis, Minnesota (USA) / Ned Crosby (USA) / Institute for Public Policy Research (UK) / Peter Dienel, Forschungsstelle Bürgerbeteiligung Universität Wuppertal
geographische Verbreitung USA, auch UK / v. a. Deutschland, auch Europa

Quellen: en.wikipedia (Citizens’ jury); Nanz/Fritsche, 2012, S.86–87 (Bürgergutachten / Planungszelle)[1]

Bürgerforen (Bürgergutachten / Planungszellen, englisch Citizens’ juries) sind Kommissionen, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden um Entscheidungshilfen zu bestimmten Sachfragen zu erarbeiten. Die Bürger erhalten eine Aufwandsentschädigung. Zur Klärung der Fragen erhalten die Teilnehmer von Sachverständigen Sachinformationen. Die Ergebnisse der Beratungsprozesse werden von einem neutralen Durchführungsträger in Bürgergutachten zusammengefasst und der Öffentlichkeit sowie den Auftraggebern vorgelegt. Der reale Einfluss von Bürgergutachten auf politische Entscheidungen ist umstritten.

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptziel von Bürgerforen ist die Einbindung der allgemeinen Öffentlichkeit in Entscheidungsprozesse. Die grundlegende Philosophie von solchen Treffen ist von dem Wunsch nach fairer Repräsentation aller Betroffenen bei der Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsfindung getragen.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Bürgerforen wird die Pinnwandmoderation angewandt. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Planungs- und Visualisierungstechniken mit gruppendynamischen und gesprächstechnischen Elementen. In einem durch einen Moderator gesteuerten Prozess werden in der Gruppe Problemlösungen erarbeitet und mit Hilfe farbiger Kärtchen an Pinnwänden visualisiert. Die Visualisierung ist ein entscheidendes Merkmal des Verfahrens und kann zur Sammlung von Beiträgen, zur Strukturierung, zur Gewichtung alternativer Lösungen und zur Präsentation der Ergebnisse herangezogen werden.

Das Verfahren bietet auch dem gesprächsungeübten Teilnehmern Gelegenheit, sich zu beteiligen; es lässt differenzierte Standpunkte klar zum Ausdruck kommen und stellt im Gegensatz zu üblichen Diskussionen sicher, dass auch wichtige Nebengedanken nicht verloren gehen.

Die Metaplan-Methode setzt einfache Hilfsmittel ein (großes Packpapier auf Stecktafel, farbige Kärtchen, Filzschreiber, Klebepunkte, ...). Mit diesem Handwerkszeug werden die Äußerungen für alle sichtbar gemacht und geordnet. So lässt sich jeder Gedanke festhalten und verhindert zeitraubende Wiederholungen und macht Zusammenhänge erkennbar.

Nach dem soziotechnischen Prinzip werden Themen über eine Internetplattform (Forum) diskutiert und die Ergebnisse durch Moderatoren zusammengefasst. Mit einer anschließenden Abstimmung wird die Zustimmung von den Teilnehmern eingeholt. Eine Technik, die überregionales Arbeiten zulässt und die Kosten niedrig hält.

Über das Internet wurde ein Bürgerprogramm zur sozialen Marktwirtschaft erstellt, das durch eine repräsentative Meinungsumfrage mit einer Zustimmung von über 80 % gestützt wurde.[2]

Stadtteilarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beteiligung großer Bürgergruppen und ganzer Stadtteile erfordert besondere Methoden der Organisationsentwicklung und der Großgruppenmoderation. Damit können Gruppen mit bis zu über 1000 Teilnehmern zu aktiver kreativer und kooperativer Zusammenarbeit geführt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Liudger Dienel, Antoine Vergne, Kerstin Franzl, Raban D. Fuhrmann, Hans J. Lietzmann (Hrsg.): Die Qualität von Bürgerbeteiligungsverfahren – Evaluation und Sicherung von Standards am Beispiel von Planungszellen und Bürgergutachten, München 2014, ISBN 978-3-86581-247-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrizia Nanz, Miriam Fritsche: Handbuch Bürgerbeteiligung: Verfahren und Akteure, Chancen und Grenzen, bpb (Bd. 1200), 2012 (PDF 1,37 MB) → zur Bestellung der gedruckten Ausgabe auf bpb.de
  2. Bürgerforum, das länderübergreifend in der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hat: Bürgerforum soziale Marktwirtschaft (Memento des Originals vom 18. Juli 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buergerforum-soziale-marktwirtschaft.de