BMW-Werk Leipzig

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BMW Werk Leipzig
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Rechtsform Produktionswerk
Gründung August 2001
Sitz Leipzig, Deutschland
Leitung Hans-Peter Kemser ist seit 1. Dezember 2015 Leiter des BMW Group Werkes Leipzig.
Mitarbeiter zirka 5.200 Beschäftigte auf dem Werksgelände
Website www.bmw-werk-leipzig.de

Das BMW Werk Leipzig ist ein Automobilwerk der Firma BMW, welches am 13. Mai 2005 in Leipzig eröffnet wurde. In dem neuen Werk wird seit März 2005 in Serie produziert. Die Produktionskapazität des Werkes beträgt etwa 800-850 Fahrzeuge täglich.

Werksstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BMW Werk Leipzig – Luftaufnahme
BMW Werk Leipzig – Zentralgebäude außen
BMW Werk Leipzig – Zentralgebäude innen
BMW Werk Leipzig – Karosseriebau
BMW Werk Leipzig – Lackiererei
BMW Werk Leipzig – Montage
BMW Werk Leipzig – Zentralgebäude

Die Werkstruktur zeichnet sich dadurch aus, dass die drei Haupt-Produktionshallen (Karosseriebau, Lackiererei und Montage) sich kreisförmig um ein zentrales Verwaltungs-, Kommunikations- und Dienstleistungsgebäude (Zentralgebäude) herum gruppieren. Hierdurch sind die Produktionsbereiche auf kurzen Wegen miteinander vernetzt. Eine weitere Besonderheit ist die patentierte und in der Branche bisher einzigartige Fingerstruktur (auch Kammstruktur) der Montagehalle. Diese ermöglicht es, die Logistikwege sehr kurz zu halten und bei Bedarf durch Verlängerung einzelner Finger weitere Produktionsschritte flexibel einzufügen, ohne dabei die laufende Produktion unterbrechen zu müssen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der laufenden Produkt- und Marktoffensive des Unternehmens ist die Zahl der produzierten Fahrzeuge bei BMW in den letzten Jahren kontinuierlich auf derzeit über 1,3 Millionen Pkw pro Jahr gestiegen. Um die benötigten zusätzlichen Produktionskapazitäten aufbauen zu können, wurde ab Mitte 2000 in Europa ein Standort für ein neues Werk gesucht. Nach einem umfassenden Auswahlprozess erhielt Leipzig am 18. Juli 2001 den Zuschlag. Für Leipzig sprachen neben den preiswerten Arbeitskräften und der ebenen Geländeflächen für ein neues Werk, vor allem die in der Region Chemnitz-Zwickau beheimatete gute industrielle Zulieferindustrie für den Automobilbau und die dort verfügbaren qualifizierten und motivierten Mitarbeiter. Zuletzt waren außer Leipzig noch Augsburg, Schwerin, Arras (Nordfrankreich) und Kolín (Tschechien) im Rennen, auch Leipzigs Nachbarstadt Halle hatte sich beworben.

Bauphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2001 begann inoffiziell die über drei Jahre dauernde Bauphase. Das 208 Hektar große Grundstück musste zuerst geebnet werden, dazu wurden fast vier Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt. Zeitgleich begann der Anschluss an die vorhandene Infrastruktur Leipzigs, etwa mit dem Ausbau des Autobahnanschlusses Leipzig-Messegelände. Der erste Spatenstich am 7. Mai 2002 markierte den offiziellen Baubeginn und gleichzeitig den Beginn des Hochbaus. Nachdem am 29. April 2003 die Produktionshallen fast vollständig errichtet waren, wurde der Grundstein des Zentralgebäudes gelegt, und schon im Herbst 2003 konnte mit dem Einbau der Produktionsanlagen begonnen werden. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten insgesamt mehr als 4.000 Menschen auf dieser seinerzeit größten Industriebaustelle Europas.

Im Frühjahr 2004 begann die Begrünung des Geländes und weiterer Ausgleichsflächen im Stadtgebiet Leipzig. Über 2.200 heimische Bäume wurden eingesetzt, mehr als 4.000 Kubikmeter Hecken gepflanzt, fast ein Quadratkilometer Magerrasen mit Wildkräutern ausgesät und ein Feuchtbiotop mit 5.000 Quadratmetern Schilfgürtel angelegt. Insgesamt wurde von Biologen errechnet, dass nach Fertigstellung des Geländes der ökologische Wert des Werkes mit 105 Prozent über dem der sich vorher dort befindenden Wiesen und Äcker lag.

Am 8. Juli 2004 wurde das erste komplett montierte Fahrzeug im Werk Leipzig hergestellt, es begann damit der Erprobungsbetrieb, bis am 1. März 2005 das erste Kundenfahrzeug planmäßig vom Band rollte. Bereits am 16. Juni 2006 wurde das 100.000ste Fahrzeug hergestellt, am 3. Juli 2007 bereits das 250.000ste.

Die Gesamtinvestition betrug etwa 1,2 Milliarden Euro. Dieser Betrag enthält neben den Kosten für das Grundstück sämtliche Bauumfänge, Anlagen und technischen Einrichtungen sowie die produktbezogenen Investitionen (zum Beispiel spezielle Roboter oder Werkzeuge) bis zum Beginn der Serienproduktion im Jahr 2005.

Zentralgebäude von Zaha Hadid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zentralgebäude ist das kommunikative Zentrum des Werkes. Hier laufen die wesentlichen Kommunikationsbeziehungen zusammen. Auffällig ist, dass die Karosserien über den Arbeitsplätzen zwischen den Fertigungsbereichen transportiert werden, um den Mitarbeitern und Angestellten das Produkt jederzeit vor Augen zu führen. Das Zentralgebäude wurde von der Londoner Architektin Zaha Hadid entworfen. Sie hatte sich in einem Realisierungswettbewerb, an dem 24 Büros aus aller Welt teilgenommen hatten, durchgesetzt.[1]

Das Zentralgebäude wurde unter anderem mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig 2005 und mit dem renommierten Deutschen Architekturpreis 2005 ausgezeichnet. Dieser Preis wird alle zwei Jahre von der E.ON Ruhrgas AG unter der Schirmherrschaft der Bundesarchitektenkammer vergeben.

Presswerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. September 2009 wurden ein Presswerk und ein Produktionszentrum zur Fertigung von Türen sowie Front- und Heckklappen eingeweiht.

Hergestellte Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005–2009: BMW 3er Limousine (BMW E90)
  • 2007–2012: BMW 1er Dreitürer (BMW E81)
  • 2007–2013: BMW 1er Coupé (BMW E82)
  • 2008–2013: BMW 1er Cabrio (BMW E88)
  • 2009–2015: BMW X1 (BMW E84)
  • 2011–2012: BMW 1er M Coupé (BMW E82M)
  • 2012–heute: BMW 1er Fünftürer (BMW F20)
  • 2013–heute: BMW 2er Coupé (BMW F22)
  • 2013–heute: BMW i3 (BMW I01)
  • 2013–heute: BMW i8 (BMW I12)
  • 2014-heute: BMW 2er Active Tourer (BMW F45)
  • 2014-heute: BMW 2er Cabrio (BMW F23)
  • 2015-heute: BMW M2 (BMW F87)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der vier Windkraftanlagen des Werks

Im Mai 2013 wurden vier Windkraftanlagen des Typs Nordex N100 in Betrieb genommen, die den produzierten Strom direkt in das Stromnetz des Werkes einspeisen. Jede der Anlagen hat eine Nennleistung von 2,5 MW, eine Nabenhöhe von 140 Metern und einen Rotordurchmesser von 100 Metern, ist also insgesamt 190 Meter hoch. Betreiber ist die wpd AG, der kalkulierte Jahresstromertrag liegt bei 28 GWh.[2][3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BMW Group: Sustainable Value Report 2005/2006
  • Bau Beratung Architektur, Februar 2006, S. 22f
  • art, Juli 2005, S. 26ff

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BMW-Werk Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: BMW – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: BMW – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: BMW – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Realisierungswettbewerb für das Zentralgebäude BMW Werk Leipzig, abgerufen Oktober 2015
  2. Werkserweiterung bei BMW Leipzig: Windenergieanlage für Elektroautos gebaut. In: Leipziger Volkszeitung, 17. Oktober 2012. Abgerufen am 17. Oktober 2012.
  3. wpd AG: Windpark für BMW Werk Leipzig in Betrieb genommen. http://www.nordic-market.de. Abgerufen am 8. Juni 2013.

Koordinaten: 51° 24′ 33″ N, 12° 26′ 40″ O