Bahnstrecke Passau–Hauzenberg

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Passau-Voglau–Hauzenberg
Strecke der Bahnstrecke Passau–Hauzenberg
Streckennummer (DB):5843
Kursbuchstrecke (DB):881 (1944: 426v; 1956: 417n)
Streckenlänge:23,9 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 25 
Höchstgeschwindigkeit:60 km/h
Strecke – geradeaus
von Wels
   
1,2 Passau-Voglau
   
nach Passau
   
2,6 Passau-Innstadt
   
3,3 Passau-Rosenau
   
5,2 Kräutelsteinbrücke über die Donau (300 m)
   
Bundesstraße 388
   
Anst ZF Passau
   
6,4 Grubweg
   
7,7 Löwmühle
   
8,7 Kellberg
   
13,4 Erlau (b Passau) 297 m
   
Erlau
   
nach Wegscheid
   
Erlau
   
Erlau
   
Erlau
   
16,6 Schloßbergtunnel (34 m)
   
Erlau
   
17,5 Schaibing
   
19,2 Kaindlmühle 360 m
   
21,4 Oberdiendorf 398 m
   
23,5 Knödlsöd
   
25,1 Hauzenberg 483 m

Die Bahnstrecke Passau–Erlau–Hauzenberg ist eine Nebenbahn in Bayern. Sie zweigt im Stadtgebiet von Passau aus der Bahnstrecke Wels–Passau ab, überquert die Donau und führt ab Erlau im Erlautal nach Hauzenberg. Die 2007 stillgelegte und seit 2020 teilweise reaktivierte Strecke gehört zum Netz der Bayerischen Regionaleisenbahn (BRE). Eine gesamte Wiederinbetriebnahme für den Personen- und Güterverkehr ist vorgesehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Pläne für eine Anbindung von Hauzenberg und Wegscheid im Jahr 1895 sahen vor, die Bahnstrecke Passau–Freyung bis Fischhaus zu nutzen und von dort über Büchlberg und Hauzenberg nach Wegscheid führen. Aufgrund des großen Umwegs und 130 verlorener Höhenmeter entschied man sich gegen diese Trasse. Hinzu kamen die hohen Kosten und das geringe erwartete Verkehrsaufkommen zwischen Wegscheid und Hauzenberg. Dies führte zu Neuplanungen entlang der Donau und durch das Erlautal in Richtung Hauzenberg, bzw. ab dem Ort Erlau weiter in Richtung Wegscheid.

Die Genehmigung zum Bau für diese Strecke wurde am 30. Juni 1900 erteilt. Dieser wurde drei Jahre später 1903 begonnen und am 15. November 1904 mit der Eröffnung der Strecke nach Hauzenberg abgeschlossen. Bereits über ein halbes Jahr vorher am 18. April 1904 gab es die erste Zugfahrt von Passau nach Erlau.

Die Zweigstrecke Erlau–Obernzell wurde am 15. Mai 1909 eröffnet, die Weiterführung bis zum damaligen Kreishauptort Wegscheid folgte am 1. Dezember 1912.[1]

Der reguläre Schienenpersonennahverkehr auf dieser Strecke wurde Ende September 1970 eingestellt. Zwischen Erlau und Hauzenberg wurde der Güterverkehr zum 1. Juni 1997 eingestellt. Zum 31. Januar 2001 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.

Die Spitzkehre in der Voglau

Nachdem der Gesamtverkehr auf der Strecke 2001 eingestellt worden war, wurde die Strecke ein Jahr später vom Augusthochwasser 2002 überflutet und unpassierbar. Im Passauer Ortsteil Innstadt war der Streckenabschnitt noch kurz vor dem Hochwasser wegen eines Kanalisationsneubaus komplett erneuert worden. Trotz geringen Sanierungsbedarfs wurde eine Reaktivierung durch die DB Netz AG nicht in Angriff genommen.

Am 1. März 2007 wurde die Strecke von Passau über Erlau nach Obernzell vom Eisenbahn-Bundesamt stillgelegt.[2]

Die Bayerische Regionaleisenbahn (BRE), eine Tochter der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE), pachtete daraufhin am 24. November 2007 die Strecke Passau–Hauzenberg und das Teilstück Erlau–Obernzell, um sie vor einer Demontage zu schützen, da es Pläne gab, die Strecke in einen Rad- und Wanderweg umzuwandeln. Die BRE wollte dagegen die Strecke für den Güterverkehr, insbesondere für den Granit- und Graphit-Transport, nutzen.

Fast zwei Jahre später erfolgte im September 2009 in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Lokalbahn Passau–Hauzenberg der Freischnitt der Strecke Passau–Hauzenberg.[3] Um größeren Handlungsspielraum zu erhalten verhandelt die BRE mit der DB Netz AG über einen Kauf der Strecke. Gemeinsam mit dem Förderverein will man im Personenverkehr ein ähnliches Konzept wie bei der Reaktivierung der Ilztalbahn GmbH starten. Dieses sieht die Kombination aus touristischen Bahnverkehr und Fahrradverkehr, insbesondere entlang des Donauradwegs, vor.[4]

Die angestrebte Wiederaufnahme des Güterverkehrs im Jahr 2011 konnte aufgrund fehlender Gutachten zur Kräutelsteinbrücke nicht durchgeführt werden. Diese Untersuchungen wurden dann im Frühjahr 2012 durchgeführt und ergaben, dass sich die Brücke in einem guten Zustand befindet.[5] Die BRE schätzte Ende 2012 den Sanierungsbedarf der Strecke Passau–Hauzenberg auf eine halbe Million Euro. Als neuer Termin für den Beginn des Zugbetriebs auf der Strecke Passau über Erlau nach Obernzell wurde der Mai 2013 genannt. Die Planung sahen von Mai bis Oktober samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils drei Personenzugpaare vor. 2014 sollte dann auch die restliche Strecke von Erlau nach Hauzenberg in Betrieb gehen.[6] Ebenso soll darum geworben werden, dass über diese Strecke wieder Güterverkehr und regelmäßiger Schienenpersonennahverkehr abgewickelt wird.[5] Jedoch verstrich auch dieser angekündigte Termin ohne Betriebsaufnahme. Man hoffte jedoch weiterhin auf eine Betriebsaufnahme 2013 und rechnete mit anfänglich 12.000 Fahrgästen pro Jahr. Diese Zahl könnte in den Folgejahren auf bis zu 50.000 steigen.[7]

Im Januar 2013 bemühte sich die BRE, die Finanzierung des Sanierungsbedarf für beiden Strecken von 898.000 Euro zu sichern. Hiervon sollte nach ihrer Vorstellung die Stadt Passau 275.000 Euro, die BRE zusammen mit dem Förderverein 299.000 Euro und die weiteren Anliegergemeinden 323.700 Euro aufbringen. Für letzteren Betrag wurde sowohl der Landkreis Passau als auch die einzelnen Kommunen angefragt.[8] Die Gesellschaft hat laut eigenen Aussagen bis Anfang 2013 bereits 250.000 Euro in die Reaktivierung der Strecke gesteckt.[5] Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Passau lehnte Ende Januar 2013 diesen Förderantrag, unter Hinweis auf die Verhältnismäßigkeit zur Ilztalbahn, ab und verwies ihn an die Fraktionen zurück.[9] Der Kreisausschuss des Landkreises Passau lehnte kurz darauf ebenso eine finanzielle Unterstützung ab.[10] Eine endgültige Entscheidung wurde durch den Kreisausschuss am 24. Juni 2013 gefällt. Dieser sagte eine Beteiligung von 15.000 Euro zu, sofern es zu einer Reaktivierung komme.[7] Die Stadt Hauzenberg sprach sich für eine Beteiligung an der Reaktivierung aus. Die BRE beantragte für die 7,4 Kilometer auf dem Stadtgebiet eine Fördersumme von 72.500 Euro. Diese könnten auch durch Leistungen des Stadtbauhofes erbracht werden.[5] In ihren Haushalt 2013 stellte die Stadt hierfür insgesamt 20.000 Euro für die Unterstützung der Granitbahn ein.[11]

Das Hochwasser im Mai/Juni 2013 überspülte die Strecke entlang des Inns mit Schlamm.[7]

Am 29. Dezember 2014 wurde die Strecke an die BRE verkauft.[12]

Mit der Reaktivierung des Abschnitts Passau Hauptbahnhof – Passau-Rosenau am 14. August 2020, fuhr erstmals wieder ein Personenzug auf der Strecke. Hierfür wurde nahe dem ehemaligen Bahnhof Passau-Rosenau ein neuer Bahnsteig errichtet.[13][14] Der weitere Streckenverlauf ab Passau-Haibach (westlich der Kräutelsteinbrücke) bis Hauzenberg ist noch stillgelegt.[15]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kräutlsteinbrücke

Die Strecke zweigt in Passau-Voglau aus der Bahnstrecke Wels–Passau ab. Am Ufer des Inns verläuft die Bahnstrecke zunächst am Rande des Passauer Stadtteils Innstadt.

Ab dem Bahnhof Rosenau entfernt sich die Strecke vom Inn um kurz vor der Staatsgrenze zu Österreich bei Achleiten in einem Bogen auf die Kräutelsteinbrücke zu führen. Diese wurde von 1900 bis 1903 von der Firma Hellinger und MAN über die Donau gebaut. Am linken Donauufer passiert die Strecke das Werk der ZF Passau in Lindau.

Nach dem ehemaligen Haltepunkt Löwmühle und Erlau biegt die Strecke in nördlicher Richtung von der Strecke nach Wegscheid ab. Der Bahnhof Erlau wurde trotz seiner Funktion als Trennungsbahnhof der Strecken nach Hauzenberg und Wegscheid dabei nur mit einem Bahnsteiggleis ausgestattet. Dies behinderte später den Betrieb und erschwerte Umsteigebeziehungen.

Durch den 34 m langen Schloßbergtunnel erreicht die Strecke den Haltepunkt Schaibing. Dieser lag jedoch etwa 5 km vom Ort Schaibing selbst entfernt. Er diente hauptsächlich als Umschlagplatz von Gütern für die umliegenden Orte und als Verladebahnhof für das Graphitbergwerk Kropfmühl. Dieses war über eine Schmalspurbahn an den Haltepunkt angebunden. Die Strecke folgt dem Erlautal bis Kaindlmühle und von dort dem Staffelbach folgend nach Oberdiendorf. Auch hier lag der im Tal gelegene Haltepunkt vom, auf einer Anhöhe gelegenen, Ort selbst entfernt. Durch eine Seilbahn wurden hier Güter zum Bahnhof transportiert. Von dort führt die Strecke über Knödlsöd zum Endbahnhof Hauzenberg.

Hauzenberg liegt 177,7 Meter über dem Hauptbahnhof Passau. Da die Strecke zunächst bis Erlau flussabwärts verläuft, sind ab dem dortigen Bahnhof fast 250 Höhenmeter zu bewältigen. Dadurch musste die Strecke mit Steigungen von Erlau bis Kaindlmühle mit 1:50 und weiter bis Hauzenberg mit 1:40 trassiert werden. Daneben weisen die Rampen zur Kräutelsteinbrücke eine starke Steigung auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Bufe: Wege nach Passau. In: Eisenbahn Geschichte 93 (2019), S. 12–27.
  • Englberger, Bernhard; Gehring, Ulrike; Heineck, Heidi: Granitbahn Hauzenberg – Passau. 60 Ideen rund um die Reaktivierung einer Regionalbahn. Hrsg.: Klühspies, Johannes. 1. Auflage. Technische Hochschule Deggendorf, Deggendorf 2014, S. 87 (lokalbahn-hauzenberg.de [PDF; abgerufen am 3. Januar 2015]).
  • Verein für Touristik e.V. Hauzenberg (Hrsg.): Das Hauzenberger Bockerl. Die Localbahn von Passau nach Hauzenberg. Regionale Verkehrsgeschichte, EK-Verlag, Freiburg 2002, ISBN 3-88255-452-5
  • Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und in der Oberpfalz. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Weiden 1985. ISBN 3-924350-01-9
  • Michael Alexander Populorum: 150 Jahre Passauer Bahn 1861–2011. Wels Hbf.-Neumarkt-Kallham-Schärding-Staatsgrenze-Passau Hbf. Ein kleiner Beitrag zum „vergessenen Jubiläum“ im September 2011. Mit einem Exkurs „Die Zweigbahnen der Passauer Bahn“. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 3, 3. Auflage 2018 als E-Book, ISBN 978-3-903132-08-5; Mercurius Verlag Grödig/Salzburg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Passau–Hauzenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nebenbahn Historie. (Nicht mehr online verfügbar.) Passauer Eisenbahnfreunde, archiviert vom Original am 11. Februar 2013; abgerufen am 21. Juni 2017.
  2. Liste der stillgelegten Strecken in Bayern (seit 1. Januar 1994). (Excel; 16 kB) In: eba.bund.de. Eisenbahn-Bundesamt, abgerufen am 4. Juni 2018.
  3. Passauer Neue Presse – Passau Stadt vom 23. September 2009
  4. Passauer Neue Presse: „Förderverein: Die Granitbahn wird kommen“, 16. Dezember 2011
  5. a b c d Passauer Neue Presse Lokalteil Landkreis Passau: „Stadt sendet positives Signal für Granitbahn“, 7. Februar 2013
  6. Passauer Neue Presse: „Der Fahrplan steht: Ab 2013 sollen wieder Züge rollen“, 28. November 2012
  7. a b c Passauer Neue Presse Lokalteil Landkreis Passau: „Holpriger Weg für die Granitbahn“, 29. Juni 2013
  8. Passauer Neue Presse Lokalteil Landkreis Passau: „Thyrnau soll Granitbahn auf die Gleise bringen“, 24. Januar 2013
  9. Passauer Neue Presse Lokalteil Stadt Passau: „Stadt will Granitbahn vorerst nicht fördern“, 31. Januar 2013
  10. Passauer Neue Presse Lokalteil Landkreis Passau: „Antrag auf dem Abstellgleis“, 5. Februar 2013
  11. Passauer Neue Presse Lokalteil Untergriesbach: „Wir stehen als Hauzenberg gut da“, 8. Mai 2013
  12. Frank Limmer: Ein großer Schritt hin zur Reaktivierung. In: Passauer Neue Presse. 30. Dezember 2014, abgerufen am 1. Januar 2015.
  13. Johannes Munzinger: Eröffnungsfahrt: Die Passauer Granitbahn fährt wieder. Abgerufen am 15. August 2020.
  14. Nach 20 Jahren: Granitbahn Passau fährt wieder. 14. August 2020, abgerufen am 14. August 2020.
  15. Eisenbahninfrastruktur Deutsche Regionaleisenbahn Gruppe. (PDF) Deutsche Regionaleisenbahn, 20. April 2020, abgerufen am 15. August 2020.