Bahnstrecke Sarajevo–Ploče

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Sarajevo–Ploče[1]
Streckennummer:11 (ŽFBH) / M304 (HŽ)
Kursbuchstrecke:keine (ŽFBH) / 74 (HŽ)
Streckenlänge:194,6 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Stromsystem:25 kV, 50 Hz ~
Maximale Neigung: 25 
Höchstgeschwindigkeit:70 (ŽFBH) / 100 (HŽ) km/h
0,0 Sarajevo 538,5 m. i. J.
BSicon .svgBSicon STR.svgBSicon KDSTa.svg
0,0 Sarajevo Teretna (Güterbahnhof) 531,7 m. i. J.
BSicon .svgBSicon ABZg+l.svgBSicon STRr.svg
2,6
4,4
Alipašin Most 512,4 m. i. J.
von und nach Šamac
7,3 Miljacka rasp (Abzw Miljacka) 498,5 m. i. J.
Miljacka
8,8 Ilidža
Željeznica
Bosna
12,5 Blažuj 504,4 m. i. J.
15,7 Binježevo
19,2 Hadžići 558,8 m. i. J.
23,0 Zovik
26,2 Pazarić 645,2 m. i. J.
29,8 Tarčin
34,8 Raštelica 722,5 m. i. J.
41,4 Bradina 753,1 m. i. J.
46,0 Plješevac
49,1 Grad 607,5 m. i. J.
(35 m)
(304 m)
(ca. 750 m)
(290 m)
(ca. 330 m)
(56 m)
(44 m)
(148 m)
57,9 Ovčari 440 m. i. J.
(100 m)
(ca. 360 m)
(710 m)
(443 m)
(108 m)
(60 m)
(216 m)
(32 m)
(28 m)
(ca. 170 m)
(ca. 270 m)
(55 m)
(107 m)
(315,71 m)
(198 m)
(181 m)
(126 m)
66,6 Konjic 283 m. i. J.
Neretva
M 17
72,9 Čelebić 282,3 m. i. J.
(1573 m)
(1572 m)
(1275 m)
(ca. 100 m)
79,3 Ostrožac 275 m. i. J.
(ca. 240 m)
(31 m)
(ca. 90 m)
(127,5 m)
(ca. 100 m)
Crnaja-Tunnel (1975 m)
(ca. 240 m)
(ca. 70 m)
Križ-Tunnel (1249 m)
85,7 Jablanica grad
Gazela-Brücke (Neretva)
M 17
88,0 Jablanica n/N 201,7 m. i. J.
(ca. 50 m)
(ca. 110 m)
(ca. 40 m)
(ca. 30 m)
(ca. 300 m)
(70,1 m)
(ca. 120 m)
(40 m)
(ca. 60 m)
(29,0 m)
Grabovica-Brücke (Diva Grabovica)
(ca. 100 m)
(64,0 m)
96,3 Grabovica 160,1 m. i. J.
(ca. 600 m)
100,3 Čepi
102,7 Drežnica
(35,3 m)
Stara Drežnica (Drežanka)
(ca. 80 m)
(146,0 m)
107,0 Drežnica 128 m. i. J.
Jedrenje-Tunnel (3239 m)
(ca. 170 m)
(ca. 200 m)
(ca. 300 m)
116,8 Raška gora 121,2 m. i. J.
(ca. 130 m)
120,1 Vojno
Anschlüsse
125,8 Raštani 75,2 m. i. J.
Anschlüsse
Neretva
Zubringer zur M 17
Anschluss
128,8 Mostar 71,5 m. i. J.
Stolac-Tunnel (1821 m)
133,5 Mostar teretna 50 m. i. J.
M 6.1
M 17
Neretva
Anschluss
139,3 Bačevići 36,6 m. i. J.
141,3 Buna
(ca. 150 m)
143,0 Maloševići
Zubringer zur M 17
148,4 Žitomislići 24,4 m. i. J.
153,5 Kručevići
155,6 Šurmanci 17,2 m. i. J.
Anschluss
163,1 Čapljina m. i. J.
164,9 Struge
Trebižat
167,6 Gabela (ehem. Bf.)
ehem. Schmalspurbahn nach Zelenika
170,390
170,421
Staatsgrenze Bosnien und Herzegowina / Kroatien
Industriegleise
171,298 Metković 5,1 m. i. J.
Norino
176,103 Kula Norinska
177,486 Krvavac
179,862 Opuzen m. i. J.
183,265 Komin
185,927 Banja
188,568 Rogotin 4,3 m. i. J.
191,693 Stablina
zum Hafen Ploče
193,152 Ploče 1,8 m. i. J.

Die Bahnstrecke Sarajevo–Ploče ist eine Bahnstrecke in Bosnien und Herzegowina und Kroatien. Die eingleisige Strecke ist durchgehend elektrifiziert und Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridors 5c von Ploče über Sarajevo und Osijek nach Budapest.

Die Strecke ist 194,6 km lang und verfügt über 27 Bahnhöfe (Stand 1975), 71 Brücken mit einer Gesamtlänge von 3,7 km und 106 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 36,6 km. Davon entfallen allein 46 Tunnel und 21 Brücken auf den Abschnitt zwischen Bradina und Konjic. Längster Tunnel der Strecke ist der Ivan-Scheiteltunnel mit 3,23 km Länge.[2] Die höchste Streckenneigung von 25 Promille[3] weist der Abschnitt Bradina–Konjic[4] auf.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt im bosnisch-herzegowinischen Abschnitt 70 km/h für Reise- sowie 50 km/h für Güterzüge.[5] Auf der kroatischen Teilstrecke sind 100 km/h zulässig.[1] Die Gesamtstrecke ist der Streckenklasse D4 zugeordnet.[1][6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baukosten der einzelnen Abschnitte der Strecke Sarajevo–Ploče.

Vorläuferin der regelspurigen Bahnstrecke Sarajevo–Ploče ist die 1891 in Betrieb genommene, in Bosnischer Spurweite ausgeführte Narentabahn.[7] Da diese den Verkehrsbedürfnissen des sozialistischen Jugoslawien nicht mehr genügte, wurde sie ab 1963[3] durch die Jugoslawischen Staatsbahnen sukzessive auf Regelspur umgebaut und dabei größtenteils neu trassiert.[4] Durch den Bau der Neretvakraftwerke wurde die Trasse der vorherigen Schmalspurbahn später an mehreren Stellen überflutet. Vom 5. bis zum 25. November 1966 war die Bahnstrecke Sarajevo–Ploče gesperrt, in diesem Zeitraum wurden die Kreuzungs- und Überschneidungsstellen zwischen neuer und alter Bahn beseitigt.[3] Mit Festveranstaltungen in Sarajevo, Mostar und Ploče sowie zwei Sonderzügen wurde die regelspurige Strecke am 26. und 27. November 1966 feierlich eröffnet. Die Baumaßnahmen waren damals noch nicht vollständig abgeschlossen, u. a. hinsichtlich Bahnsteigen, Sicherungstechnik und dem geplanten Güterbahnhof Mostar.[4] Der heutige Infrastrukturbetreiber ŽFBH gibt die Inbetriebnahme der Strecke mit dem 1. Oktober 1968 an.[7] Die Streckenelektrifizierung mit 25 kV Wechselspannung bei 50 Hz wurde 1969 fertiggestellt.[7][8]

Entwicklung des Güter- und Personenverkehrsaufkommens 1968–1988 im Bahnhof Ploče (schwarz) und im Hafen Ploče (rot)

Nach Fertigstellung der normalspurigen Eisenbahnstrecke Sarajevo–Ploče hat sich das jährliche Güterverkehrsaufkommen von 1968 bis 1988 im Hafenbahnhof Ploče von 956 000 auf 4 325 000 t mehr als vervierfacht. Der Personenverkehr im Bahnhof Ploče ging im selben Zeitraum jedoch von 436 000 Reisenden im Jahr 1968 auf 167 000 Reisende im Jahr 1988 zurück.[9] Im Güterverkehr dominierten damals Schüttgüter, in erster Linie Kohle aus der Sowjetunion für Industriestandorte wie Zenica in der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina sowie Getreide aus den USA für die Lebensmittelindustrie in Metković. Weiterhin wurden vom Hafen Ploče über diese Bahnstrecke Flüssigprodukte für Energopetrol in Sarajevo sowie in einem geringeren Umfang auch Soja als Transitgut nach Ungarn befördert. In der Gegenrichtung wurden vor allem metallurgische Produkte und Holz für den Export zum Hafen Ploče transportiert. Die Einfuhr von Gütern über den Hafen Ploče und deren Weiterbeförderung auf der Schiene lag seit Inbetriebnahme der normalspurigen Bahnstrecke stets deutlich über dem Export und dem Transitverkehr. In den Jahren zuvor, als die Häfen in Ploče und Metković nur über die schmalspurige Strecke an das Eisenbahnnetz angebunden waren, überstiegen hingegen die Ausfuhren die Importe erheblich – wenn auch insgesamt auf einem deutlich niedrigeren Niveau.[9]

Mit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 ging die kroatische Teilstrecke auf die neu gegründete Eisenbahngesellschaft Hrvatske željeznice (HŽ) über, der in Bosnien und Herzegowina gelegene Teil später auf die Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH). Während des Bosnienkriegs wurden erhebliche Teile der Strecke beschädigt, nach Kriegsende aber sukzessive wieder aufgebaut.[7]

Verkehrsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenprofil, Höchstgeschwindig­keit und Steigung.

Im Sommerfahrplan des Kriegsjahres 1994 waren im Kursbuch der HŽ sieben grenzüberschreitende Zugpaare zwischen Čapljina und Metković verzeichnet, von denen fünf von und nach Ploče verlängert waren. Dem Kursbuch zufolge wurden damals auch noch die Stationen Struge und Gabela zwischen den beiden Grenzbahnhöfen bedient.[10]

Im Jahresfahrplan 2013 verkehrte im Personenverkehr täglich nur ein Schnellzugpaar über die gesamte Strecke Sarajevo–Ploče.[11] Dieses Angebot wurde ergänzt von einem weiteren Schnellzugpaar zwischen Sarajevo und Čapljina sowie mehreren Zugpaaren des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Sarajevo und Konjic sowie zwischen Metković und Ploče.[12]

Mit dem Fahrplanwechsel 2013/2014 wurde der grenzüberschreitende Personenverkehr eingestellt. Seither verkehren die zwei täglichen Schnellzugpaare nur noch innerhalb Bosnien und Herzegowinas zwischen Sarajevo, Mostar und Čapljina. Sie benötigen für die ca. 160 km lange Strecke rund 3¼ Stunden. Weiterhin verkehren drei innerbosnische Zugpaare zwischen Sarajevo und Konjic, die alle Unterwegshalte bedienen und für diese Teilstrecke knapp 1¾ Stunden benötigen.[13]

Seit dem 24. April 2014 ist der Personenverkehr auf der kroatischen Teilstrecke zwischen Ploče und Metković eingestellt.[14] Seit dem 8. Juni 2017 fährt nach langem Unterbruch wieder ein durchgehender Talgo-Zug zwischen Sarajevo und Čapljina. In der Sommersaison verkehrt ein zweites Zugpaar. Die Züge halten nur in Konjic und Mostar.[15]

Vom 1. Juli bis 11. September 2022 verkehrt freitags, samstags und sonntags wieder ein Zugpaar auf der gesamten Strecke von Sarajevo bis nach Ploče.[16]

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. August 2018 fuhr im Bahnhof Jablanica ein nach Sarajevo fahrender Güterzug in einen leeren Gegenzug, der auf einem Ausweichgleis die Kreuzung abwartete. Zwei Lokomotivführer kamen ums Leben, einer wurde schwer verletzt und der vierte konnte unmittelbar vor der Kollision abspringen.[17]

Sicherungstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke ist schon aufgrund ihres Baues in den 1960er Jahren durchgehend mit Gleisbildstellwerken und selbsttätigem Streckenblock mit einer dichten Blockteilung ausgerüstet. Als Folge des Bosnienkrieges ist der automatische Streckenblock jedoch auf bosnischem Gebiet praktisch durchgehend außer Betrieb, auf vielen Bahnhöfen sind nur die Einfahrsignale und die jeweils davorliegenden Selbstblocksignale als Einfahrvorsignale behelfsmäßig in Betrieb. Eine Ausnahme bilden die geografisch besonders schwierigen Abschnitte um Konjic mit dem Abstieg ins Neretvatal. Auf dem kroatischen Abschnitt zwischen Metković und Ploče wurde die Sicherungstechnik wieder weitgehend instand gesetzt.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Sarajevo–Ploče – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c HŽ Infrastruktura d.o.o.: Izvješće o mreži 2014. (PDF) In: hzinfra.hr. 5. Dezember 2012, archiviert vom Original am 21. Oktober 2013; abgerufen am 25. April 2018 (kroatisch, nur über Download).
  2. Fritz Stöckl: Eisenbahnen in Südosteuropa. Bohmann Verlag, Wien 1975, ISBN 3-7002-0431-X, S. 236.
  3. a b c Ploče-Bahn. Elmar Oberegger, 2006, abgerufen am 5. August 2014.
  4. a b c Fritz Stöckl: Eisenbahnen in Südosteuropa. Bohmann Verlag, Wien 1975, ISBN 3-7002-0431-X, S. 231ff.
  5. Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine: Infrastruktur – Erlaubte Geschwindigkeit. (Nicht mehr online verfügbar.) Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine, archiviert vom Original am 16. Januar 2016; abgerufen am 6. August 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zfbh.ba
  6. Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine: Infrastruktur – Eisenbahnkategorisierung. (Nicht mehr online verfügbar.) Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine, archiviert vom Original am 8. August 2014; abgerufen am 6. August 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zfbh.ba
  7. a b c d Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine: Aus der Geschichte der Eisenbahn. (Nicht mehr online verfügbar.) Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine, archiviert vom Original am 2. Februar 2014; abgerufen am 5. August 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zfbh.ba
  8. Fritz Stöckl: Eisenbahnen in Südosteuropa. Bohmann Verlag, Wien 1975, ISBN 3-7002-0431-X, S. 46.
  9. a b Zoran Curić: Prometnogeografsko značenje luke Ploče. (PDF; 3,1 MB) Verkehrsgeografische Bedeutung des Hafens Ploče. In: Hrvatski geografski glasnik. September 1993, S. 191–202, abgerufen am 5. August 2014 (kroatisch).
  10. Hrvatske Željeznice p.o.: Vozni red 29.V.1994. − 24.IX.1994. Zagreb 1994.
  11. Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine: Personenverkehr – Internationaler Verkehr. (Nicht mehr online verfügbar.) Željeznica Federacije Bosne i Hercegovine, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 20. Juli 2013.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zfbh.ba
  12. HŽ Putnički prijevoz d.o.o.: Vozni red 9.XII.2012. − 14.XII.2013. Zagreb 2012.
  13. Red vožnje za 2013/2014 godinu u PDF formatu (Fahrplan für das Jahr 2013/2014). (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Željeznica Federacije Bosne i Hercegovine, archiviert vom Original am 8. August 2014; abgerufen am 4. August 2014 (bosnisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zfbh.ba
  14. Kahlschlag in Kroatien. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 8–9/2014, Minirex, ISSN 1421-2811, S. 414.
  15. Talgo-Züge fahren auf der Strecke Sarajevo – Čapljina. In Eisenbahn-Revue International, Nr. 8–9/2017, S. 410.
  16. Sarajevo - Ploče - Sarajevo. Abgerufen am 30. Juni 2022.
  17. Toma Bačić: Güterzug-Kollision in Bosnien. In: Eisenbahn-Revue International, Nr. 10/2018, S. 533.