Barcola

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Barcola
Barcola (TS) Il Lungomare 005.jpg
Promenade mit Blick auf Schloss Miramare
Staat: Italien
Region: Friaul-Julisch Venetien
Provinz: Triest (TS)
Gemeinde: Triest
Koordinaten: 45° 41′ N, 13° 45′ O45.67944444444413.7544444444443Koordinaten: 45° 40′ 46″ N, 13° 45′ 16″ O
Höhe: m s.l.m.
Demonym: Barcolani
Patron: Bartolomäus
Telefonvorwahl: 040 CAP: 34136

Barcola (auf Slowenisch "Barkovlje") ist ein Vorort der norditalienischen Stadt Triest, der sich entlang der Küste des Golfs von Triest erstreckt und eine slowenischsprachige Minderheit beheimatet. Barcola wird wegen der hohen Lebens- und Wohnqualität und dem freien Meerzugang sehr geschätzt.

Die lange und zum Teil schattige 5 km lange Uferpromenade von Barcola dient als Erholungsgebiet und Stadtbadestrand von Triest und ist durch Buslinien und Schiffs-Linienverkehr mit dem Stadtzentrum aber auch teilweise mit Grado verbunden.

Lage und Verwaltung[Bearbeiten]

Blick von der Vedetta d'Italia auf einen der Häfen von Barcola

Barcola liegt zwischen dem Vorort Miramare und dem Triestiner Stadtteil Roiano. Zusammen mit Grignano, Miramare, Gretta, Roiano, Scorcola, Cologna und einem Teil von Guardiella bildet Barcola den Verwaltungsbezirk 3 der Gemeinde Triest (Circoscrizione III).

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits zur Zeit des Römischen Imperiums befand sich auf dem Gebiet von Barcola ein Fischerdorf namens Vallicula (kleines Tal). Überreste von reich geschmückten römischen Villen samt Wellnesseinrichtungen, Pier und weitläufigen Gärten lassen vermuten, dass Barcola bereits bei den Römern auch wegen seinem günstigen Mikroklima, da direkt am Meer liegend und vor der Bora geschützt, schon ein beliebter Erholungs- bzw. Nobelort war.

Die Fischerei und der Anbau von Wein und Oliven dominierte die Gegend jedoch bis ins 19. Jahrhundert. 1826 hatte Barcola 418 Einwohner und die Triestiner begannen zunehmend ihre Sommerresidenzen in der Ansiedlung zu bauen. Am Ende des 19. Jahrhunderts nahm Barcola zunehmend die Züge eines Erholungsgebietes an. 1886 entstand das Strandbad Excelsior, dem die Gründungen von Rudervereinen und anderen Strandanstalten folgten, die zum Teil noch immer bestehen. Auf Initiative von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich wurde eine Uferstraße gebaut, die seine Residenz Schloss Miramare direkt mit der Stadt Triest verbindet. 1884 eröffnete Lionello Stock in Barcola die Schnapsbrennerei Camis and Stock, die zum heutigen Spirituosenhersteller Stock wurde. Nach der letzten k.u.k. Volkszählung im Jahr 1911 hatte Barcola 73,7 % slowenischsprachige und 16,2 % italienischsprachige Bevölkerung.[1]

In den 1950er Jahren wurde das Gebiet der Pineta aufgeschüttet und bis 1969 war Barcola durch die Straßenbahnlinie 6 mit dem Zentrum verbunden. Neben vielen Villen reicher Triestiner sticht besonders das Gebäude in der Viale Miramare 229 mit ihren markanten Zwiebeltürmchen ins Auge. Diese Villa, die "Casa Jakic", stammt aus dem Jahr 1896, gehörte anfänglich einem russ. orthodoxen Priester, welcher angeblich ein Spion des Zaren war und wurde später auch als Spielhalle und Bordell verwendet.

1928 wurde die Strada Costiera, welche von Barcola nach Sistiana führt eröffnet. Dieser Teil der Verbindungsstraße von Triest nach Venedig zählt nach einem Ranking der WTO (Welttourismusorganisation) wegen seinen Panoramablicken zu den schönsten Küstenstraßen der Welt.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Fensterrosette der Kirche San Bartolomeo stammte aus dem 13./14. Jhd. bzw. von der Kirche San Pietro auf dem Triestiner Hauptplatz Piazza Grande, die im Jahr 1870 abgerissen wurde, und ist wahrscheinlich ein Überrest einer älteren Kultstätte.

Im Ortszentrum befindet sich die Kirche San Bartolomeo, welche urkundliche Erwähnung bereits im Jahr 1338 und 1462 findet. Der heutige Kirchenbau wurde 1787 errichtet, in den Jahren 1838 bzw. 1892 erweitert und zwischen 1930 und 1935 modernisiert und ist weiter dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Die ersten Pfarrbücher sind aus 1786. In der Kirche befindet sich ein Hochaltar aus der 2. Hälfte des 17. Jhd. von Giovanni Comino aus Treviso. Der Hochaltar kam erst 1806 von der Laienbruderschaft von San Marco aus Venedig nach Triest für San Giusto und befand sich stückweise ab 1840 in der kleinen Kirche San Michele al Carnale neben der Kathedrale und erst ab 1951 in der Kirche San Bartolomeo in Barcola. Die venezianische Herkunft zeigt sich an einem Detail des wunderschönen Flachreliefs der Altarverkleidung: Zwischen zwei geflügelten Putten, die das Bildnis der Madonna tragen, erscheint ein Blick auf den Markusplatz.[3] In der Kirche gibt es eine Statue des Hl. Matthäus des venezianischen Bildhauer Enrico Merengo.

Über Barcola befindet sich der Siegesleuchtturm, welcher von 1923 bis 1927 auf der ehem. k.u.k. Befestigungsanlage Kressich als Unterbau errichtet wurde. Diese Befestigungsanlage hat verschiedene, vor Artillerieangriffen geschützte unterirdische Räume und Stollen bis nach Barcola.[4]

Der Strand, die Promenade und der Pinienwald von Barcola, alles klassische Erholungsorte der Triestiner, sind besonders im Sommer stark frequentiert. Hier badete schon Claudio Magris als Kind mit seiner Mutter.[5] Bekannt sind besonders die beliebten halbkreisförmigen Baueinheiten am Ufer bestehend aus Aussichtsplattform, Sanitäreinrichtungen und Umkleidekabinen, welche umgangssprachlich bzw. im Volksmund als "Topolini" bezeichnet werden. Es gibt vielfältige Gastronomie und ausgedehnte Parkplätze.

Im kleinen Jachthafen von Barcola steht die Bronzeskulptur "Mula di Trieste" von Nino Spagnoli, welche die Triestiner Jugend, die umgangssprachlich als mula bezeichnet wird, symbolisieren soll.[6]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jedes Jahr Anfang Oktober findet in Triest die Segelregatta Barcolana statt, deren Route sich unter anderem entlang der Küstenpromenade von Barcola erstreckt.

Der Europa-Marathonlauf, auch Bavisela genannt, was im Triestiner Dialekt "Windhauch" heißt, ist ein internationaler Wettlauf der im Mai veranstaltet wird. Neben dem Hauptrennen bzw. Halbmarathon findet auch ein Volkslauf mit sehr breiter farbenfrohen und fröhlichen Teilnahme quer durch Barcola vom Schloß Miramare bis zur Piazza Unita d`Italia statt.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

  • Giorgio Strehler (1921–1997), italienischer Regisseur
  • Milan Pertot, slowenischer Komponist

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barcola – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spezialortsrepititorium der österr. Bundesländer, VII. Österreichisch-Illyrisches Küstenland, Wien (1918), Verlag der K.u.K .Hof- und Staatsdruckerei
  2. Kofler/Bettschart, Triest (2015), S. 104
  3. Heinz Tomek, Triest (2012), S. 107
  4. Triest und sein Umland (2011), Hg. Alberto Dragone - Touring Edition, S. 97f
  5. Das Meer von Triest, ein Ort des Eros - Claudio Magris in: Mare, Februar 1999, Nr. 12
  6. Kofler/Bettschart, Triest (2015), S. 97