Prosecco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem italienischen Schaumwein namens Prosecco. Für Prosecco als Dorf in der Gemeinde Triest siehe dort.
Rebhänge im Herkunftsgebiet des Prosecco
Prosecco
Erste Verse mit dem Wort Prosecco. Aus dem Buch "Il Roccolo Ditirambo" 1754

Prosecco (Mehrzahl: die Proseccos[1]) ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung für italienische Schaumweine („Spumante“), Perlweine („Frizzante“) und Stillweine aus den Provinzen Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Die Schaum- und Perlweine haben DOC-Appellation. In den Subzonen des Anbaugebiets (Conegliano, Valdobbiadene und Asolo) besitzen die Weine die höhere DOCG-Appellation.

Prosecco war bis Ende 2009 die Bezeichnung einer weißen Rebsorte, die jetzt Glera genannt werden muss und nur im Nordosten Italiens in einer kleinen Region der Provinz Treviso in der Region Venetien wächst. Seit dem 1. Januar 2010 ist Prosecco laut Dekret des italienischen Landwirtschaftsministers eine Herkunftsbezeichnung. Bestätigt wurde diese Regelung durch die EG-Verordnung Nr. 1166/2009 vom 30. November 2009.[2] Die neuen strengen Auflagen definieren das Anbaugebiet, Herstellungs- und Abfüllort sowie die Gebinde: So darf die Lese der Glera-Trauben ausschließlich in den Provinzen Belluno, Gorizia, Padova, Pordenone, Treviso, Triest, Udine, Venetien und Vicenza stattfinden. Ebenso müssen in dieser Region die Vinifikation (Verarbeitung der Trauben zu Perlwein) als auch die Abfüllung des Prosecco stattfinden. Damit wurde das Qualitätsniveau deutlich angehoben. Damals wurden bei vielen Prosecco-Produkten der Prosecco via Tankwagen aus Italien nach Deutschland gefahren, um dort in Massenproduktion in Flaschen gefüllt zu werden. Darunter hatte in der Regel die Qualität zu leiden. Mit dem neuen Prosecco-Gesetz änderte sich dies. Neben der regionalen Herkunft wurden durch das Gesetz von 2009 auch die Glasfarben definiert. So darf ab sofort Prosecco ausschließlich in Weiß- und Grünglasflaschen abgefüllt werden. Die Abfüllung von Prosecco in Dosen ist seit 2009 untersagt. Vom neuen Prosecco-Gesetz profitieren in erster Linie die Anbieter von Premium-Produkten im gehobenen Preisbereich.

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

Der Begriff „Prosecco“, wie wir ihn kennen, wird zum ersten Mal in Il Roccolo Ditirambo erwähnt. Das Gedicht wurde 1754 von Valeriano Canati unter dem Pseudonym Aurelian Acanti geschrieben: „… und jetzt will mir den Mund benetzen mit diesem apfelaromatischen Prosecco …“[3]. Ihren Namen hat die Herkunftsbezeichnung von einem gleichnamigen, zur Gemeinde Triest gehörenden Dorf Prosseck (oder Prossegg, Prosegg)[4] (weit außerhalb des heutigen Anbaugebiets). Mit dem italienischen Adjektiv secco (trocken) hat der Name nichts zu tun. Bereits im Altertum war der Prosecco als vinum Pucinum hochgeschätzt.

Unterscheidung[Bearbeiten]

Prosecco gibt es als Schaumwein, Perlwein oder Weißwein (Stillwein).

Schaumwein[Bearbeiten]

Der Schaumwein Prosecco Spumante darf nur als Sekt bezeichnet werden, wenn die Kohlensäure entweder durch eine Flaschengärung oder durch Tankgärung (Metodo Martinotti) hervorgerufen wurde. Im Unterschied zu französischem Champagner oder deutschen Winzersekten wird der Schaumwein Prosecco oft nicht in der aufwändigeren Flaschengärung, sondern in Tankgärung hergestellt. Ein Prosecco Spumante unterliegt in deutschem Hoheitsgebiet der Schaumweinsteuer von zurzeit 1,02 € je 0,75-Liter-Flasche zuzüglich der Mehrwertsteuer auf die Schaumweinsteuer. Daher findet man hochwertigen Prosecco in der Regel nicht unter 5 € je 0,75-Liter-Flasche.

Perlwein[Bearbeiten]

Prosecco frizzante ist ein Perlwein mit geringem Kohlensäuregehalt, bei dessen Herstellung oftmals einfach nur einem Stillwein durch Anwendung von Druck und Kühlung Kohlensäure hinzugesetzt (Imprägnierverfahren) wird. Eine Erzeugung im Wege einer Tankgärung ist natürlich auch möglich. Solch ein einfacher Frizzante gibt die Kohlensäure nach dem Öffnen der Flasche sehr schnell an die Umgebung ab, er schmeckt dann „schal“. Ein Spumante hingegen hat durch den wesentlich höheren Kohlensäuregehalt im Idealfall eine feine Perlage, die sich noch lange im Glas abbildet.

Stillwein[Bearbeiten]

Neben Schaum- und Perlweinen werden auch stille Weißweine (Prosecco spento, Prosecco tranquillo – ohne Kohlensäure) aus der Rebsorte gekeltert, die allerdings selten über die Landesgrenze hinauskommen.

Herkunftsbezeichnung[Bearbeiten]

Seit etwa Anfang April 2010 gibt es folgende gesetzliche Regelung:

  • „Prosecco DOC“ (Denominazione di origine controllata) kennzeichnet die Produktion aus einem größeren Territorium, das sich auf neun Provinzen in den zwei Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien verteilt.[5]
  • Zwei Proseccos dürfen die Bezeichnung „DOCG“ (Denominazione di Origine Controllata e Garantita für "kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung") tragen. Beide kommen aus den Voralpen der Provinz Treviso (Region Venetien):
  1. Der Conegliano Valdobbiadene DOCG kommt aus den zwei Anbaugebieten Valdobbiadene und Conegliano. Das Flüsschen Soligo markiert die Grenze zwischen den beiden Gebieten.[6]
  2. Der Colli Asolani DOCG stammt aus der Gegend um die Stadt Asolo.[7]
    Hauptartikel: Colli Asolani-Prosecco
  • „Prosecco IGT“ (Indicazione Geografica Tipica) war eine Bezeichnung, die es heute nicht mehr gibt bzw. geben kann, da das Wort „Prosecco“ auf oben genannte Anbaugebiete beschränkt ist. Früher waren damit Weine, Perlweine und Schaumweine benannt, die aus der damals noch „Prosecco-Traube“ genannten Rebsorte (heute Glera) bestanden, jedoch nicht aus den gesetzlich festgelegten Anbaugebieten kamen. [8]

Erzeugung[Bearbeiten]

Prosecco ist ein sehr großes Herkunftsgebiet. Es verfügt über insgesamt 17.490 ha Rebflächen, von denen 2.141.394 hl (2014) DOC-Wein erzeugt wurden. Aus den Subzonen Asolo stammen 16.831 hl und aus Conegliano Valdobbiadene 589.107 hl DOCG-Wein. Prosecco wird überwiegend aus der Rebsorte Glera hergestellt (85–100 %). Maximal 15 % von autochthonen Rebsorten (Bianchetta, Perera, Verdiso, Glera lunga) oder internationalen Sorten, wie Chardonnay, Pinot bianco, Pinot grigio und Pinot nero dürfen zugesetzt werden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Prosecco[Bearbeiten]

(ohne weitere Zusatzbezeichnung ist der Stillwein gemeint)

  • Farbe: strohgelb[5]
  • Geruch: fein, charakteristisch, typisch für die Rebsorte
  • Geschmack: von trocken bis lieblich, frisch und charakteristisch
  • Alkoholgehalt’’: mindestens 10,5 % Vol.
  • Säuregehalt: min 4,5 g/l
  • Trockenextrakt: min. 15 g/l

Prosecco Spumante[Bearbeiten]

  • Perlage: anhaltend[5]
  • Farbe: mehr oder weniger intensiv strohgelb, leuchtend
  • Geruch: fein, charakteristisch, typisch für die Rebsorte
  • Geschmack: von „brut“ (sehr trocken) bis „demi-sec“ (halb-trocken), frisch und charakteristisch
  • Alkoholgehalt’’: mindestens 11,0 % Vol.
  • Säuregehalt: min 4,5 g/l
  • Trockenextrakt: min. 14 g/l

Prosecco Frizzante[Bearbeiten]

  • Perlage: mit offensichtlicher Entwicklung von Bläschen[5]
  • Farbe: mehr oder weniger intensiv strohgelb, leuchtend
  • Geruch: von trocken bis lieblich, frisch und charakteristisch
  • Geschmack: von „brut“ (sehr trocken) bis „demi-sec“ (halb-trocken), frisch und charakteristisch
  • Alkoholgehalt’’: mindestens 10,5 % Vol.
  • Säuregehalt: min 4,5 g/l
  • Trockenextrakt: min. 14 g/l

Sorten[Bearbeiten]

Nur in den nahe Valdobbiadene gelegenen Gemeinden Fol und Saccol wird der „Cartizze“, eine seltene Art des Prosecco gekeltert. Dieser stellt eine besonders hohe Qualitätsstufe des Prosecco dar. Dieser ist aufgrund seiner geringen Produktionsmenge außerhalb Italiens selten erhältlich.

Prosecco als Schaumwein gibt es in halbtrockenen und trockenen Versionen. Früher entstanden die halbtrockenen Weine auf natürliche Weise: Die Gärung hörte im Winter auf, bevor der gesamte Zucker in Alkohol umgesetzt worden war, wodurch eine Restsüße und Kohlensäure übrigblieben. Heutzutage werden die meisten Prosecco-Schaumweine völlig trocken vergoren auf den Markt gebracht. Eine halbtrockene Version ist dabei nicht das Ergebnis winterlicher Kälte, sondern moderner Kellertechnik, die eine temperaturkontrollierte Gärung ermöglicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Duden online
  2. EG Verordnung Nr. 1166/2009 vom 30. November 2009 zur Änderung und Berichtigung der Verordnung (EG) Nr. 606/2009 der Kommission mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 479/2008 des Rates hinsichtlich der Weinbauerzeugniskategorien, der önologischen Verfahren und der diesbezüglichen Einschränkungen
  3. Das Consorzio di Tutela – Prosecco: Prosecco. Eine zweitausend Jahre lange Geschichte, aufgerufen am 23. März 2014
  4. siehe Artikel „Castello di Moncolano“ auf Italienisch oder „Grad Mokolan“ auf Slowenisch
  5. a b c d DOC Prosecco – Produktionsvorschriften und Beschreibung
  6. DOCG Valdobbiadene Prosecco – Produktionsvorschriften und Beschreibung
  7. DOCG Prosecco Asolo – Produktionsvorschriften und Beschreibung
  8. Andere Weine, Perlweine und Schaumweine, die aus der Glera-Traube gewonnen werden, sind zum Beispiel Serprina, Serprino, Grappolo, Spargolo, Ghera oder Sciprina.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prosecco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien