Barletta
| Barletta | ||
|---|---|---|
| Staat | Italien | |
| Region | Apulien | |
| Provinz | Barletta-Andria-Trani (BT) | |
| Koordinaten | 41° 19′ N, 16° 17′ O | |
| Höhe | -5 m s.l.m. | |
| Fläche | 146 km² | |
| Einwohner | 92.010 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Postleitzahl | 76121 | |
| Vorwahl | 0883 | |
| ISTAT-Nummer | 110002 | |
| Bezeichnung der Bewohner | Barlettani | |
| Schutzpatron | San Ruggiero di Canne, S.S. Madonna dello Sterpeto | |
| Website | Comune di Barletta | |
Die Kathedrale Santa Maria Maggiore in Barletta | ||



Barletta ist eine Hafenstadt der italienischen Provinz Barletta-Andria-Trani in Apulien.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Barletta liegt in der Region Apulien (Puglia) in Südostitalien, direkt an der Adriaküste. Die Stadt befindet sich im Norden der Halbinsel Salento und ist Teil der fruchtbaren Murgia-Ebene und dem Nationalpark Alta Murgia. Zusammen mit Andria und Trani bildet sie die Hauptstadt der 2008 neu gegründeten Provinz Barletta-Andria-Trani (BT). Die Nachbargemeinden sind Andria, Canosa di Puglia, Margherita di Savoia, San Ferdinando di Puglia, Trani und Trinitapoli.
Barletta hat 92.010 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024).
In Barletta herrscht ein typisch mediterranes Klima. Die Temperatur bewegt sich im Laufe des Jahres ungefähr zwischen 5 °C und 31 °C.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor der Besiedelung durch Griechen und Römer unterhielten bereits die Phönizier an diesem Platz einen Handelsstützpunkt, den sie Baal-El nannten. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt unter dem Namen Bardulos bzw. Barulum neu gegründet. Nach der Eroberung durch die Langobarden wurde die Gegend schließlich von den Normannen übernommen, die hier eine Festung errichteten. Barletta war ein strategisch wichtiger Ort, um Kreuzzüge, später aber auch Pilgerfahrten ins Heilige Land zu organisieren, Handelskontakte zu pflegen und das Ordensleben in der Region zu verwalten. Der Deutsche Orden, die Templer und die Johanniter unterhielten hier Niederlassungen. Als die Muslime das umstrittene Land zurückerobert hatten, lebte der Erzbischof von Nazareth ab 1327 dauerhaft in Barletta im Exil.
Der Deutsche Orden hatte eine bedeutende und zentrale Präsenz in Barletta. Die Stadt diente als Haupthaus (Kommende) für die gesamte Deutschordensballei Apulien und war ein wichtiger Stützpunkt für die Aktivitäten des Ordens im Mittelmeerraum. Bereits im Jahr 1197 bestätigte Kaiser Heinrich VI. dem Deutschen Orden das von ihm in Barletta gegründete Hospital, das dem heiligen Thomas geweiht war. Unter Hochmeister Hermann von Salza erhielt der Orden von den Päpsten Innozenz III. und Honorius III. sowie von Kaiser Friedrich II. und den Anjou zahlreiche Privilegien und Schenkungen in Apulien, was die Position Barlettas als Hauptniederlassung stärkte und eine Blütezeit bescherte. Von Barletta aus wurden weitere Ordensniederlassungen in Apulien verwaltet, darunter Standorte in San Leonardo di Siponto, Brindisi und Bari.
Im Jahre 1503 fand hier eine italienisch-französische Auseinandersetzung statt, die als Disfida di Barletta bekanntgeworden ist. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Schauplatz der ersten Aktion der Resistenza, des italienischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.
Seit 2008 ist Barletta eine der drei Hauptstädte der neu gegründeten Provinz Barletta-Andria-Trani.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Barletta gibt es historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten sowie Strände. Sehenswert sind der Dom aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, ein Kastell der Staufer aus dem 13. und 16. Jahrhundert und der sogenannte Koloss von Barletta, eine Bronzestatue eines römischen Kaisers aus dem 5. Jahrhundert. Im Südwesten der Stadt liegt das Schlachtfeld von Cannae.
- Die Kathedrale Santa Maria Maggiore ist auf den Fundamenten eines ehemaligen Neptun-Tempels errichtet worden. Der Bau zeigt eine Mischung von romanischen und gotischen Bauformen. In einem unteren Geschoss befinden sich die so genannten Grotticella-Gräber aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.,[2] über denen im 6. Jahrhundert eine frühchristliche Basilika erbaut wurde. Im 12. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine romanische Basilika errichtet, die 1267 geweiht wurde. Der Bau wurde im 14. Jahrhundert im Stil der Gotik verändert, das Schiff erhielt ein gotisches Rippengewölbe.
- Das Stauferkastell (Castello Svevo di Barletta) wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts von den Normannen errichtet. Während der Kreuzzüge diente es als Stützpunkt für Kreuzritter und ihren Anhang, die sich hier auf dem Weg ins Heilige Land sammelten.
- Unter der Regierung Friedrichs II. wurde das Kastell in der Zeit von 1225 bis 1228 weiter ausgebaut. Als die Anjou in Apulien die Herrschaft übernahmen, ließen sie die Festung weiter ausbauen. Unter Karl V. wurde die Festung ein weiteres Mal ausgebaut, um vier massive Bastionen erweitert und erhielt ihre heutige Gestalt.
- Während des Ersten Weltkriegs diente das Kastell als Kaserne und Waffenarsenal.
- Die Kirche San Giacomo, erbaut im 11. Jahrhundert, wurde auf den Resten eines Isis-Tempels aus römischer Zeit errichtet, der als erstes Isis-Heiligtum auf römischem Boden gilt. Mitte des 18. Jahrhunderts fiel die Kirche einem Erdbeben zum Opfer und wurde nach ihrem Wiederaufbau 1751 neu geweiht.
- Die Basilika Santo Sepolcro (Basilika des Heiligen Grabes) weist auf die Verbindung der Hafenstadt in das Heilige Land hin. Zusammen mit einem Pilgerhospiz bildete sie einen Durchgangsort. Das Gebäude wurde Ende des 12. Jahrhunderts in gotisch-burgundischen Formen errichtet. Der Grundriss der dreischiffigen Basilika besteht aus sieben Jochen, die vom Narthex bis zum Querschiff reichen und von Bögen und Spitzbogengewölben aus dem späten 14. Jahrhundert überspannt werden. Die Kapelle über dem Narthex beherbergt den Schatz, der nach dem Rückzug der Kreuzfahrer hierher gelangte.
- Die Kirche Santa Maria degli Angeli im ehemaligen griechischen Stadtviertel aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
- Koloss von Barletta (Eraclio): Eine imposante antike Bronzestatue, die in der Nähe der Basilika des Heiligen Grabes steht.
- Canne della Battaglia: In der Nähe von Barletta liegt das historische Schlachtfeld, auf dem Hannibal die Römer besiegte. Die Ausgrabungsstätte umfasst ein archäologisches Museum.
Museen, Kultur, Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Museen
- Pinacoteca De Nittis im Palazzo della Marra. Gezeigt werden in einer Dauerausstellung Werke des impressionistischen Malers Giuseppe de Nittis
- Museo civico e Pinacoteca di Barletta im Kastell. Gezeigt werden die Sammlung Immesi, Gabbiani, Ricci. Im Kastell wird die berühmte zeitgenössische Büste aufbewahrt, die Friedrich II. darstellen soll.
- Museum der Kathedrale, eine Sammlung von sakraler Kunst und liturgischen Gegenständen, sowie 2000 Pergamentcodices und -handschriften, einige davon aus dem 9. Jahrhundert
- Antiquarium in Canne della Battaglia. Präsentiert werden Fundstücke aus den Ausgrabungen des Schlachtfelds von Cannae und zwar prähistorische Fundstücke, griechische sowie mittelalterliche. Das Museum hat eine reiche Sammlung von Vasen mit geometrischem Dekor aus dem 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr., Grabbeigaben eines antiken Gräberfeldes bei Cannae.
- Kirchenschatz der Basilica Santo Sepolcro, mit liturgischen Gegenständen aus Gold, von denen einige aus dem vorderen Orient stammen.
- Kultur
- Theater Curci (Curci Theater): Dieses historische Theater ist ein wichtiger Ort für Theateraufführungen und andere kulturelle Veranstaltungen in der Stadt.
- Teatro Fantàsia: Eine Kulturvereinigung, die Theaterlabore, Produktionen und andere kulturelle Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbietet.
- Städtische Bibliothek Sabino Loffredo: Die Bibliothek im Castello Svevo bietet Lesematerial und dient als Zentrum für Bildung und Kultur.
- Palio della Disfida: Historische Nachstellung der „Disfida di Barletta“ (Herausforderung von Barletta) von 1503
- Bildung
- Polo universitario di Barletta (Polo Universitario Territoriale) ist ein regionaler Universitätscampus und interdisziplinäres Forschungszentrum, das auch als dezentraler Standort der Università degli Studi di Foggia fungiert.
- Università telematica degli studi (Italy University Line IUL), private Fernuniversität mit Hauptsitz in Florenz
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wirtschaft in Barletta ist historisch von der Landwirtschaft, dem Handel (insbesondere durch den Hafen) und dem verarbeitenden Gewerbe (Mühlen, Konservenfabriken) geprägt. In jüngerer Zeit gewinnen auch der Tourismus und die Dienstleistungsbranche an Bedeutung. Wirtschaftlich bekannt ist die Meersalzgewinnung und die Salinen von Margherita di Savoia, die Papier-, Chemie- und Zementindustrie.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Barletta ist gut an das italienische Verkehrsnetz angebunden, sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene.
- Autobahn: Barletta liegt in der Nähe der Autostrada A14 (Autostrada Adriatica), die die Adriaküste Italiens von Bologna bis Tarent verbindet. Die Ausfahrt Canosa di Puglia ist die nächste größere Anbindung, von dort aus führt die SS93 (Strada statale 93 Appulo Lucana) direkt nach Barletta.
- Nationalstraßen: Verschiedene Staatsstraßen (Strada statale) verbinden Barletta mit den umliegenden Städten und Regionen Apuliens.
- Bahnhof Barletta Centrale: Der Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt an der nationalen Eisenbahnlinie (Trenitalia), die entlang der Adriaküste verläuft. Es gibt regelmäßige Verbindungen in größere Städte wie Bari, Foggia, Pescara, Bologna und Mailand, einschließlich Intercity-Zügen.
- Regionalverkehr: Barletta ist auch durch lokale Eisenbahnlinien wie die Ferrotramviaria mit Bari (Bahnstrecke Bari–Barletta) und anderen apulischen Orten verbunden, was eine effiziente regionale Mobilität ermöglicht.
- Flughafen Bari (BRI): Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der Flughafen Bari (Aeroporto di Bari-Karol Wojtyła), etwa 55 Kilometer südöstlich von Barletta und guter Anbindung mit dem Auto (Mietwagen/Taxi) oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
- Flughafen Foggia (FNI): Ein kleinerer Flughafen in nördlicher Richtung, der jedoch weniger internationale Verbindungen anbietet als Bari.
- Hafen: Der Hafen von Barletta ist hauptsächlich ein Handelshafen, spielt aber auch eine Rolle im lokalen und regionalen Seeverkehr. Es bestehen keine regelmäßigen Passagier-Fährverbindungen nach Kroatien oder Griechenland. Die nächstgrößeren Fährhafen sind der Hafen von Bari und Brindisi.
Städtepartnerschaften
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Barlettas Partnerstadt ist seit 2010 die Stadt Herceg Novi in Montenegro.[3]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Barletta ist der Geburtsort oder Wirkungsort mehrerer bedeutender Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen wie Kunst, Sport und Politik:
- Roger von Cannae (1060–1121), ein Heiliger und Bischof von Cannae, der als Schutzpatron von Barletta verehrt wird.
- Hermann von Salza (um 1162–1239), vierter Hochmeister des Deutschen Ordens, bestattet in der Kapelle des Ordenshauses zu Barletta
- Ettore Fieramosca (1476–1515), Anführer der 13 italienischen Ritter, die 1503 beim berühmten Duell ("Disfida di Barletta") gegen französische Ritter kämpften und siegten. Dieses Ereignis ist ein zentraler Bestandteil der Stadtgeschichte und Identität.
- Mariano Santo (1488–1556/96), Chirurg
- Francesco Saverio del Carretto (1777–1861), Politiker
- Carlo Cafiero (1846–1892), Anarchist und Revolutionär, der als Unterstützer von Michail Bakunin bekannt war.
- Giuseppe De Nittis (1846–1884), impressionistischer Maler, heute: Pinacoteca Giuseppe De Nittis
- Nicola Monterisi (1867–1944), römisch-katholischer Geistlicher, Erzbischof von Salerno
- Nino Frank (1904–1988), Filmkritiker
- Carlo Maria Giulini (1914–2005), Orchesterdirektor und Dirigent
- Francesco Kardinal Monterisi (* 1934), römisch-katholischer Kurienkardinal
- Michele Seccia (* 1951), römisch-katholischer Geistlicher, Erzbischof von Lecce
- Pietro Mennea (1952–2013), Sprinter, Olympiasieger (Goldmedaille über 200 m bei den Olympischen Spielen 1980) und ehemaliger Weltrekordhalter
- Susanna Capurso (* 1958), Schauspielerin
- Michele Di Pace (* 1960), Sprinter
- Sebastiano Paciolla (1962–2021), Ordenspriester und Theologe
- Anthony Albanese (* 1963), der 31. Premierminister von Australien, dessen Vater aus Barletta stammte.
- Francesco Lotoro (* 1964), Komponist und Archivar, der sich der Sammlung und Archivierung von Musik widmet, die während des Holocausts komponiert wurde.
- Veronica Inglese (* 1990), Langstreckenläuferin
- Eleonora Alvisi (* 2003), Tennisspielerin
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vincenzo Tuputi: Barletta nel '500. (PDF) Abgerufen am 3. April 2017 (italienisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Webseite der Stadt (italienisch)
- Website über Barletta (italienisch)
- La chiesa dei greci (italienisch)
- La Chiesa Greca di Santa Maria degli Angeli (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2024. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2024).
- ↑ Preesistenze daunio-romane. Mseocattedralebarletta, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 15. August 2016; abgerufen am 15. März 2017 (italienisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Comune di Barletta – La Cittá ( des vom 23. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 14. Juni 2017
