Bartning-Notkirche

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Johanniskirche in Rostock kurz nach der Fertigstellung 1952
Lutherkirche in Mainz
St.-Petri-Kirche in Hannover-Döhren
Die Auferstehungskirche in Pforzheim
Martin-Luther-Kirche Würzburg

Die Bartning-Notkirchen sind ein Kirchbauprogramm der Evangelischen Kirche in Deutschland, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von dem Architekten Otto Bartning entwickelt wurde, um den Mangel an gottesdienstlichen Räumen, der durch die Zerstörung vieler Kirchen und den Zuzug von Flüchtlingen entstanden war, mit schnellen und einfachen Mitteln zu beseitigen.

Warum Notkirchen?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Im November 1947 aber, als ich gerade in Berlin war, ereilte mich telefonische Nachricht: Der „Weltrat der Kirchen in Genf“, „Lutheran World Federation“, „Evangelical and Reformed Church“, „Presbyterian Church“ und „Schweizer Hilfswerk“ haben 40 Notkirchen, 40 mal 10 000 $ gestiftet.

Grosse Erfüllung! … Diejenigen, die mir die Nachricht meldeten, erwarteten wohl, ich würde laut aufjubeln. Und ich dachte eigentlich selbst, ich müßte es tun. Aber ich verstummte, ging auf die Straße und wanderte stundenlang durch die Trümmerfelder, wie ein Besessener, wie ein Verurteilter. … Wird es 40, ach nein: wird es 10, oder auch nur 5 solcher Not-Gemeinden geben? Wenn nicht, so will und muß ich den wunderbaren Auftrag in die Hände der großmütigen Stifter zurücklegen. … Und so fing ich an, von Bauort zu Bauort zu fahren, die Bauplätze, das Material und die Mittel zu prüfen – und die Bereitschaft der Gemeinden. Auch den Zustand der Ruinen, denn oft lassen die Elemente der Notkirche sich merkwürdig einfügen. … Darum bauen wir Notkirchen.“

Otto Bartning: Warum Notkirchen? [1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bartning, der auf seine Erfahrungen unter anderem beim Bau der Stahlkirche auf der Pressa-Ausstellung in Köln (1928) zurückgreifen konnte, entwickelte einen Modellraum in Leichtbauweise aus vorgefertigten Einzelteilen. Das benötigte Holz wurde meist von Gemeinden in Skandinavien oder den USA gestiftet. Sogar Trümmersteine konnten zum Bau verwendet werden. Das Grundmodell ließ sich leicht für lokale Bedürfnisse variieren.

Die Planung sah drei Typen von Kirchbauten vor:

  • Typ A
  • Typ B
    • mit polygonalem Altarraum
    • mit angemauertem Altarraum
    • ohne gesonderten Altarraum
  • Typ C

Geplant waren ursprünglich 48 Kirchbauten, 3 des Typs A und 45 des Typs B, von denen 43, 2 Notkirchen des Typs A (Bethanienkirche in Frankfurt am Main und Schweizer Kirche in Emden) und 41 des Typs B, realisiert wurden. Zwei Kirchen des Typs B wurden später an einen anderen Ort umgesetzt.[2] Zwei Typ-B-Kirchen (Aachen und Düsseldorf) wurden abgebrochen, von der Notkirche in Hannover-List sind nur die Binder in einer anderen Kirche wiederverwendet.

Das Konzept war so erfolgreich, dass die meisten der danach gebauten 43 Kirchen bis heute in Gebrauch sind.

In einem eigenständigen Folgeprogramm der Notkirchen wurde später eine Serie von Gemeindezentren und Diasporakapellen errichtet.[3] Die Gemeindezentren wurden auch als Notkirchen Typ D bezeichnet.

Notkirchen der Typen A und B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notkirchen sollen Weltkulturerbe werden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau, das EU-Projekt „Otto Bartning in Europa“, das Otto Bartning-Archiv an der Technischen Universität Darmstadt, das Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst der EKD und örtliche Initiativen fordern, die Notkirchen zum UNESCO-Weltkulturerbe zu ernennen.[11]

„Die zwischen 1947 und 1953 errichteten sogenannten Notkirchen des Architekten und einstigen Bauhaus-Direktors Otto Bartning "sind herausragende Bauzeugnisse der Architekturgeschichte und bildeten als Gesamtheit ein einzigartiges sakrales und kulturhistorisches Flächendenkmal."“

Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft: Evangelische Zeitung, 30. September 2012, S. 39 N

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Bartning: Die 48 Notkirchen. (Entwurf u. Leitung: Hilfswerk der Ev. Kirchen in Deutschland, Bauabteilung Neckarsteinach), Schneider Heidelberg 1949
  • Chris Gerbing: Die Auferstehungskirche in Pforzheim (1945–1948). Otto Bartnings Kirchenbau im Spannungsfeld zwischen Moderne und Traditionalismus. Schnell & Steiner, Regensburg 2001, ISBN 3-7954-1428-8
  • Christoph Schneider: Das Notkirchenprogramm von Otto Bartning. (Edition Wissenschaft, Bd. 7, Reihe Kunstgeschichte), Tectum Verlag, Marburg 1997, ISBN 3-8288-0089-0
  • Svenja Schrickel: Die Notkirchen von Otto Bartning – eine serielle Kirchenbauproduktion der Nachkriegszeit. Überlieferte Zeichen eines Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Esslingen am Neckar 34 (2005), H. 4, S. 201–213, ISSN 0342-0027
  • Julia Ricker: Spiritualität in Serie. Otto Bartning und seine Kirchen. In: Monumente Ausgabe 2/2016, ISSN 0941-7125, Bonn 2016, S. 66–73, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Notkirchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Bartning: Warum Notkirchen? Abgerufen am 23. März 2015.
  2. Bartnings Sakral- und Sepulkralwerk bauzeitlich-systematisch mit Gesamtverzeichnis der Notkirchen, abgerufen am 2. Oktober 2012
  3. Die Kirchenbauten Batnings auf der Seite der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V. (OBAK)
  4. http://www.evggo.de/vorstellung/kirchen/andreaskirche/
  5. Weser-Kurier 4. April 2015, S. 23; auch zur Weltkulturerbe-Initiative
  6. http://www.alsterbund.de/St-Martinus-neu/st-martinus-gemeinde/gemeindegeschichte/
  7. Karin Berkemann: „Baukunst von morgen!“ Hamburgs Kirchen der Nachkriegszeit. Hrsg.: Denkmalschutzamt Hamburg. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-937904-60-3, S. 47.
  8. http://www.kirche-koeln-muelheim.de/index.php?id=16
  9. http://www.leonhard-schweinau.de/node/111
  10. http://www.ev-ki-stu.de/gemeinden/stuttgart-mitte/ludwig-hofacker/
  11. In einem Atemzug mit der „Akropolis“ genannt – „Notkirchen“ sollen Weltkulturerbe werden – Arbeitskreis in Dalum unterstützt die Initiative, in: Evangelische Zeitung, Zwischen Weser & Ems, 30. September 2012, S. 39 N