Ben & Jerry’s

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Ben & Jerry’s Homemade Holdings, Inc.

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Rechtsform Corporation
Gründung 1978
Sitz South Burlington, Vermont, USA
Leitung Matthew McCarthy (CEO), Michael Graning (CFO),

Bennett (Ben) Cohen (Mitbegründer), Jerry Greenfield (Mitbegründer)

Website www.benjerry.com

Ben & Jerry's Homemade Holdings Inc., bekannt unter dem Handelsnamen Ben & Jerry’s, ist ein US-amerikanischer Speiseeishersteller, dessen Produkte seit 2002 auch in Deutschland erhältlich sind. Nach dem Verkauf im Jahr 2000 gehört das Unternehmen zum britisch-niederländischen Unilever-Konzern.[1] Der Hauptbetrieb befindet sich in Waterbury im US-Bundesstaat Vermont. Das europäische Sortiment wird in Hellendoorn in den Niederlanden hergestellt.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firmengründer Ben Cohen (rechts) und Jerry Greenfield

1977 nahmen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield an einem Korrespondenzkurs zur Herstellung von Speiseeis der Pennsylvania State University teil. 1978 gründeten sie in Burlington, Vermont die Firma Ben & Jerry’s mit einem Eigenkapital von 8000 US-Dollar und einem Kleinkredit von 4000 US-Dollar.[2] Der erste Laden wurde in einer umgebauten Tankstelle in Burlington eröffnet.

1980 wurde die Produktion in eine alte Mühle verlagert, dort wurde das Speiseeis erstmals in ½-Liter-Gefäße, sogenannten Pints, zum Verkauf abgepackt. 1981 wurde der erste Franchise-Betrieb eröffnet. Zwischen 1982 und 1989 stieg der Umsatz von unter einer Million US-Dollar auf über 58 Millionen. Um Kapital für den Bau einer Eiscremefabrik in Waterbury zu generieren, brachten sie ihr Unternehmen 1984 an die Börse. Cohens Idee war es, die Anteile nur an Einwohner in Vermont zu verkaufen, um so Lokalpatriotismus für ihre Eiscrememarke zu schaffen. Auf diese Weise unterlag der Börsengang auch nicht den hohen Kosten und Anforderungen der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission.

Im selben Jahr und 1987 versuchte der Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb von Ben & Jerry’s zu beschränken, worauf Cohen und Greenfield zwei Gerichtsprozesse gegen die Häagen-Dazs-Mutterfirma Pillsbury Company anstrengten und beide Prozesse gewannen. 1988 erhielten die beiden den Preis „U.S. Small Business Persons of the Year“ (Kleinunternehmer des Jahres in den USA), der durch den US-Präsidenten Ronald Reagan verliehen wurde. 1994 übertrafen sie den Umsatz von Häagen-Dazs. Seit August 2000 gehört Ben & Jerry’s zum Unilever-Konzern, der das Unternehmen für rund 326 Millionen US-Dollar kaufte.

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisbecher der Sorte Cherry Garcia mit typischem Holzspatel
Der Flavor Graveyard in Waterbury, Vermont

In Deutschland sind die Produkte vornehmlich in abgepackter Form in Supermärkten, Tankstellen und Fast-Food-Restaurants erhältlich. Die Becher sind in Europa mit 500 ml Inhalt und als sogenannte Shorties mit 100 ml Inhalt erhältlich. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Geschäfte, zumeist in Großkinos, in denen die Produkte auch offen angeboten werden. Diese Franchise-Geschäfte werden als „Scoop Shop“ bezeichnet und sind in den USA weit verbreitet.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 53 Geschmacksrichtungen von Speiseeis in den USA und 17 Sorten (Stand: Juni 2015) in Deutschland bzw. Europa, wobei ständig neue Sorten entstehen und alte eingestellt werden.[3] Die beliebtesten Sorten in Deutschland sind Cookie Dough, Chocolate Fudge Brownie und Half Baked[4], als es noch regulär im Handel erhältlich war, zählte zudem Cherry Garcia (benannt zu Ehren des Grateful-Dead-Gitarristen Jerry Garcia) zu den Favoriten in Deutschland. Mittlerweile ist die Kirsch-Sorte nur noch in den "Scoop Shops", also Ben-&-Jerry's-Eisdielen, erhältlich. In Großbritannien wiederum sind Phish Food und in den Niederlanden Chunky Monkey die gängigsten Sorten.[5] Neben Eiscreme gibt es in den Ladenlokalen auch Frozen Yogurt und Milchshakes. Das Eissortiment wird seit 2005 um Fairtrade-Produkte erweitert. Seit 2016 bietet das Unternehmen auch vier vegane Sorten an.[6]

Flavor Graveyard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für alle Geschmacksrichtungen, die vom Markt genommen wurden oder nicht in die Produktion gelangten, gibt es im Werk in Waterbury einen Flavor Graveyard (etwa: Friedhof der Geschmacksrichtungen). Es handelt sich um eine Nachahmung eines realen Friedhofes mit Grabsteinen für jede „beerdigte“ Sorte. Mittlerweile wurde auch im englischen Clapham Common, einem Stadtteil von London, ein solcher „Friedhof“ eingerichtet.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Scoop Shop von Ben & Jerry's

Cohen und Greenfield führten bereits 1985 für ihre Angestellten als erstes Unternehmen der USA den Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub sowie Ausbildungsbeihilfen ein, die sie auch auf deren nicht verheiratete und gleichgeschlechtliche Partner ausdehnten.[7] Ben & Jerry's engagiert sich außerdem in vielfältiger Weise in verschiedenen sozialen Bereichen und Projekten. Beispiele hierfür sind das „Ben & Jerry’s Climate Change College“ – ein vom Unternehmen finanziertes internationales Klimaschutzprogramm, das junge Menschen aus verschiedenen Ländern zu Klimabotschaftern ausbildet. Die Idee geht auf den niederländischen Polarexperten Marc Cornelissen zurück. Internationaler Partner des Projektes ist der WWF.[8]

Das Caring-Dairy-Programm, das sich für eine nachhaltige Milchwirtschaft einsetzt, ist ebenfalls eines der Firmenprojekte,[9] ebenso wie „Cool your jets“:[10] Seit 2005 sind alle Mitarbeiter verpflichtet, bei der Buchung eines Fluges auch ein „Klima-Ticket“ zu kaufen, wodurch die Teilnahme an einem Klimaschutzprojekt erzwungen wird, um den Kohlendioxidausstoß, der durch die Flugreise verursacht wird, zu neutralisieren. Im Frühjahr 2007 hat das Unternehmen bekanntgegeben, in Europa zu 100 % klimaneutral zu produzieren.[11]

Ben & Jerry's kooperierte mit der Amadeu Antonio Stiftung[12] bis zu deren Aufkündigung auf Grund des Israel-Boykotts[13] und setzt sich in Zusammenarbeit mit dem International Rescue Committee[14] für Geflüchtete ein[15] sowie für Viva con Agua, eine NGO für den weltweiten Zugang zu Trinkwasser.[16]

Im August 2020 hatte die Social-Media-Abteilung von Ben & Jerry’s im Zuge der Anlandung hunderter Migranten aus nicht-EU Ländern an der englischen Kanalküste in einer Reihe von Tweets die britische Innenministerin Priti Patel aufgefordert, mehr Flüchtlinge auf legalem Weg ins Land zu holen und mehr Empathie für Personen angemahnt, die vor Krieg, Klimawandel und Folter fliehen würden.[17] Weiter belehrte der Konzern über sein britisches Twitterkonto die Innenministerin über die Auslegung der Flüchtlingskonvention von 1951.[18] In einer Antwort des Innenministeriums hieß es, man nehme die Sorgen der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs ernst, auch wenn das bedeute, die Social-Media-Leute einer Marke „überteuerten Junk-Foods“ vor den Kopf zu stoßen.[17]

Free Cone Day[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Feier des Geburtstags ihres ersten Eisshops haben Cohen und Greenfield 1979 den Free Cone Day (etwa: Tag der kostenlosen Eiswaffel) eingeführt. Seitdem wird der Tag jährlich weltweit in allen Ben & Jerry’s Shops zelebriert, und es gibt an einem Dienstag im April Gratiseis. Gleichzeitig sammelt Ben & Jerry’s Spenden für eine lokale soziale Einrichtung.[19]

Israel-Boykott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2021 teilte das Unternehmen mit, den Eisverkauf in israelisch besetzten Gebieten im Westjordanland und Ostjerusalem mit Auslaufen der Lizenz Ende 2022 einzustellen; der Verkauf sei nicht mit den Werten des Unternehmens vereinbar. Der israelische Lizenznehmer äußerte, er dürfe laut israelischem Recht den Verkauf in den besetzten Gebieten nicht einstellen. Damit wird die Präsenz in Israel grundsätzlich verhindert, was zu rechtlichen Konsequenzen für Unilever führt.[20][21] Die israelische Regierung kündigte ein rechtliches Vorgehen gegen den Plan von Ben & Jerry’s an.[22][23] Die Designerin Susannah Levin, die 21 Jahre lang die skurrilen Grafiken auf den Eiscreme-Verpackungen gezeichnet hatte, kündigte wegen des Boykotts die Zusammenarbeit auf.[24] Die Gründer und ehemaligen Firmenleiter Bennett Cohen und Jerry Greenfield nahmen in einem Kommentar in der New York Times Stellung und unterstützen den Entschluss, wobei sie als „stolze Juden“ explizit darauf hinwiesen, dass ein Verkaufsstopp „außerhalb der demokratischen Grenzen“ Israels kein Boycott von Israel sei, auch nicht antisemitisch und keine Unterstützung von BDS.[25]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kritik durch das amerikanische Center for Science in the Public Interest hat das Unternehmen im September 2010 angekündigt, den Slogan All natural Ben & Jerry's in Zukunft nicht mehr zu verwenden. Die Verbraucherschutzorganisation hatte diesen als irreführend dargestellt, da in 48 von 53 Eissorten künstliche Zusatzstoffe gefunden wurden.[26] 2017 wurden in einigen Speiseeisproben Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gefunden, die unter dem geltenden Grenzwert lagen.[27] 2018 beschuldigten Aktivisten von Migrant Justice im Guardian Ben & Jerry's, Produkte von Milchfarmen zu beziehen, die illegale Arbeiter zu miserablen Arbeitsbedingungen wie 14 Stunden täglicher Arbeit an sieben Tagen in der Woche beschäftigten. Ben & Jerry’s musste sich öffentlich entschuldigen und gelobte Besserung.[28]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brad Edmondson: Ice Cream Social: The Struggle for the Soul of Ben & Jerry's, Berrett-Koehler Publishers, 2014, ISBN 9781609948153

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ben & Jerry's macht Politik mit neuen Eissorten“ - Welt vom 29. Juni 2012
  2. Kateri M. Drexler: Icons of Business, Bd. 1, Greenwood Publishing Group, 2007, S. 79, ISBN 9780313338632
  3. Übersicht aller Eissorten von Ben & Jerry’s
  4. Die Top 10 der beliebtesten Sorten 2019. Abgerufen am 22. Mai 2020.
  5. Angabe (Memento vom 28. Februar 2012 im Internet Archive) zu der beliebtesten Eissorte in Deutschland
  6. https://www.benjerry.de/sorten/non-dairy
  7. Kateri M. Drexler: Icons of Business: Ben Cohen and Jerry Greenfield Greenwood Publishing Group, 2007, S. 82
  8. https://wwf.panda.org/?20152/Ben-Jerrys-and-WWF-launch-climate-change-college
  9. https://www.presseportal.ch/de/pm/100012383/100531555
  10. https://www.benjerry.de/files/live/sites/de/files/presse/Unternehmen/BJ_Social_Mission_Booklet.pdf
  11. Klimaneutrale Eiscreme-Produktion (Memento des Originals vom 21. Februar 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/benjerry.de
  12. http://www.benjerry.de/blog/one-sweet-world
  13. Ynet: German anti-racism foundation cuts ties with Ben & Jerry's over Israel boycott. In: ynetnews. 29. Juli 2021, abgerufen am 29. Juli 2021.
  14. https://www.rescue-uk.org/press-release/irc-ben-jerrys-are-together-refugees
  15. https://www.benjerry.de/aktuelle-initiativen/together-for-refugees
  16. https://www.benjerry.de/unsere-mission/viva-con-agua-water-heroes
  17. a b "a brand of overpriced junk food" in "Priti Patel: Home Secretary takes on Ben and Jerry's over migrant boats" bbc.com vom 12. August 2020
  18. "‘Overpriced junk food’: Ben and Jerry’s and Priti Patel in strange war of words over treatment of migrants" independent.co.uk vom 12. August 2020
  19. https://edition.cnn.com/2019/04/09/us/ben-jerrys-free-cone-day/index.html
  20. Stephan-Andreas Casdorff: Eiscreme-Krise in Nahost: Israel-Boykott von Ben & Jerry‘s führt zu wütenden Reaktionen. In: tagesspiegel.de. 20. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  21. Eugene Kontorovich: Opinion – Ben & Jerry’s Israel Boycott Could Cost Unilever. In: WSJ. 21. Juli 2021, abgerufen am 26. Juli 2021 (englisch).
  22. Israel PM warns Unilever of 'severe consequences' from Ben & Jerry's decision. In: reuters.com. 20. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  23. ap: Israel empört über Ben & Jerry's: Stopp von Eisverkauf in Siedlungen. In: handelsblatt.com. 20. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  24. Redaktion: Ben & Jerry’s erleidet ersten großen Verlust nach Boykott jüdischer Siedler. In: Israel Heute. 26. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021.
  25. Bennet Cohen und Jerry Greenfield: We’re Ben and Jerry. Men of Ice Cream, Men of Principle. In: New York Times. 28. Juli 2021, abgerufen am 29. Juli 2021 (englisch): „In its statement, the company drew a contrast between the democratic territory of Israel and the territories Israel occupies. The decision to halt sales outside Israel’s democratic borders is not a boycott of Israel. The Ben & Jerry’s statement did not endorse the Boycott, Divestment and Sanctions movement.“
  26. Ben & Jerry's muss auf Werbetrick verzichten“ - Spiegel vom 28. Sept. 2010
  27. „Ben and Jerry’s“ : Glyphosat in Speiseeis gefunden - FAZ vom 10. Oktober 2017
  28. Benjamin Ansari: Ben & Jerry's cancelt Geschäfte in Israel: Wie sozial ist die Firma wirklich? In: Der Spiegel. 20. Juli 2021, abgerufen am 30. Juli 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ben & Jerry's – Sammlung von Bildern