Bernd Pfarr

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Bernd Pfarr (* 11. November 1958 in Frankfurt am Main; † 6. Juli 2004 in Köln) war ein deutscher Maler und Comiczeichner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernd Pfarr studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und zeichnete seit 1978 Cartoons und Illustrationen für verschiedene Zeitschriften und Verlage, so für das Zeit-Magazin. Bekannt wurde er besonders durch seine Cartoonfigur Sondermann, die während vieler Jahre regelmäßig in der Satirezeitschrift Titanic erschien, und durch seine Gemälde, die ihre humoristische Note typischerweise durch die Bildunterschriften erhielten (siehe auch Komische Kunst). Zahlreiche Sammlungen seiner Cartoons und Gemälde sowie eine kleine Anzahl Comics erschienen in Buchform. Zusammen mit Hans Zippert veröffentlichte er außerdem den Bildband Wenn Tiere verreisen (2003).

Bernd Pfarr widmete sich neben der Zeichnerei auch der großformatigen Malerei in Acryl. Hier entwickelte er einen einzigartigen Stil voller surrealer und komischer Elemente. Daneben war er Sammler von Spielzeugautos mit Schwerpunkt auf der Zeit von 1920 bis 1935. 2001 zeichnete er für einen Bildband verantwortlich, in dem er 221 Beispiele aus seiner eigenen und aus fremden Sammlungen vorstellte.

Er lebte mit seiner Frau Gabriele in Frankfurt am Main und in Südfrankreich und hatte einen Sohn. Im Alter von 45 Jahren starb er an Lymphdrüsenkrebs.

Nach Auffassung von Robert Gernhardt, selbst Autor komischer Zeichnungen und Texte, hat Bernd Pfarr, trotz 25 Jahren Überlebenskampf gegen sein Krebsleiden, „[...] den Gegenbeweis der These geliefert, ein schweres Leben müsse schwere Kunst mit sich ziehen“. Er habe „[...] Sachen in Cartoons gebracht, die dort nichts verloren haben. Das Licht, diese extreme Architektur, die Hintergründe. Die Bilder bleiben spannend“. Der Frankfurter Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff meint weiter, dass seine Cartoonfigur Sondermann auf „sehr eigene Art den Alltag aufgenommen und jenseits des Alltäglichen eine Interpretation per Zeichenschrift gegeben“ habe. Patrick Bahners schrieb anlässlich des Todes von Bernd Pfarr, dieser sei „[...] ein Meister der Balance, der Harmonie von Tönen und Stimmungen“ gewesen. „Eine solche Wiedererschaffung des Klassischen war wohl nur in der vermeintlich niederen Kunst der komischen Zeichnung und Malerei möglich“.[1]

Nach seinem Tod übergab Gabriele Roth-Pfarr dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg rund 180 Blechspielzeuge als Dauerleihgabe. Diese zeigte das Museum vom 5. Februar bis zum 30. April 2017 in der Sonderausstellung „Faszination Bewegtes Blech – Sammlerspielzeug des 20. Jahrhunderts“. Eine Reihe von Blechspielzeugen aus der Sammlung Bernd Pfarrs sowie fünf von ihm angefertigte Acrylgemälde sind in der Dauerausstellung im Oldenburger Schloss zu sehen.

Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihm und seiner bekanntesten Figur Sondermann zu Ehren wurde 2004 der Kunstpreis "Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst" ins Leben gerufen, der Comics und Werke der Komischen Kunst auszeichnet. Von 2004 bis 2012 wurde der Preis von der Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit der „Frankfurter Rundschau“ und dem Fachportal „Comicforum“ vergeben. Seit 2012 wird der Preis durch den gemeinnützigen Verein Sondermann e.V. vergeben, dem auch die Erben Bernd Pfarrs angehören. Der Preis ist mit insgesamt 7000 Euro dotiert.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I. Einzelwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Pfarr – Erwachsenencomics aus deutschen Landen (Band 2), 1984 (Volksverlag)
  • Dulle – schwer genervt, 1985 (Semmel Verlag)
  • Ich liebe Dich, 1985 (Semmel Verlag)
  • Nächte wie Samt, 1987 (Semmel Verlag)
  • Sondermann schlägt zu, 1991 (Eichborn)
  • Dulle, 1992 (Edition Kunst des Comics)
  • Hundeleben, 1992 (Eichborn)
  • Alle lieben Sondermann, 1993 (Eichborn)
  • Komische Bilder, 1996 (Steidl)
  • Der doppelte Sondermann, 1997 (rororo)
  • Gefährlicher Alltag, 1998 (Edition Moderne)
  • Eines Tages war Zeus das Blitzeschleudern leid, 1998 (zweitausendeins)
  • Alex der Rabe, 1999 (Edition Moderne)
  • Engel & anderes Geflügel 7 – Ein Adventskalender zum Aufschnippeln, 2000 (rororo)
  • Rollendes Blech, Spielzeugautos und -motorräder von 1920-1935, 2001 (hier und jetzt)
  • Helden von Heute, 2001 (Edition Moderne)
  • Fahrvergnügen, 2002 (Kein & Aber)
  • Sondermann im Glück, 2002 (zweitausendeins)
  • Die Herren der Schöpfung, 2006 (edition büchergilde)
  • Sondermann, November 2007 (Steidl), hrsg. von Gabriele Roth-Pfarr
  • Komische Welten, September 2008 (Edel Edition), hrsg. von Gabriele Roth-Pfarr

II. Illustrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das fremde Haus (Michael Gutmann), 1987 (Semmel’s Handliche Schriften)
  • Jobsuche – Informationen, Tips und Strategien (Peter Köster), 1987 (Beltz)
  • Der weise Professor von Katastroff und sein Kater Attila (John Saxby), 1997 (Hanser)
  • Sonst noch was (Elke Heidenreich), 1999 (Hanser)
  • „Das geht alles von Ihrer Zeit ab!“ (Piet Klocke), 2000 (Knaur)
  • Also... Die letzten Kolumnen aus „Brigitte“ (Elke Heidenreich), 2001 (rororo)
  • Mittelpünktchens Reise um die Welt (Zoë Jenny), 2001 (Hanser)
  • Häuptling eigener Herd – Heft 11 (Hrsg. von Vincent Klink und Wiglaf Droste), 2002 (edition Vincent Klink)
  • Federseel (Ralf Schlatter), 2002 (Kein & Aber)
  • Wenn Tiere verreisen (Hans Zippert), 2003 (Kein & Aber)
  • Die geheimen Tagebücher (Samuel Pepys), 2004 (Eichborn)
  • „Dat kann donnich gesund sein“ – Else Stratmann über Sport, ... (Elke Heidenreich), 2004 (rororo)
  • „Darf’s ein bißchen mehr sein?“ – Else Stratmann wiegt ab (Elke Heidenreich), 2005 (rororo)
  • „Mit oder ohne Knochen?“ – Das Letzte von Else Stratmann (Elke Heidenreich), 2005 (rororo)

III. Ausstellungskataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 70 x die volle Wahrheit – Ein Querschnitt durch die bundesdeutsche Karikatur der Gegenwart (Carikatura 1987, Kassel), 1987 (Zinnober)
  • Kleine Nachtmusik (Stadtmuseum Ludwigshafen u.a.), 1999 (Kein & Aber)
  • Komische Kunst (Wilhelm-Busch-Museum Hannover), 2003 (Kein & Aber)
  • Komische Welten (Caricatura Museum für Komische Kunst, Frankfurt a.M.), 2008 (edel)

IV. Beiträge in Sammelwerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neue Pullover Comics (zusammen mit: Brösel, Reiche, Fritsche, Drühl, Gutmann), 1984 (Semmel Verlag)
  • Ko-Li-Bri Lesebuch – Band 1 (zusammen mit Kähler, Saalfeld u.a.), 1985 (Semmel Verlach)
  • Beziehungskisten, 1985 (Elefanten-Press)
  • Ko-Li-Bri Lesebuch – Band 2 (zusammen mit Kähler, Saalfeld u.a.), 1986 (Semmel Verlach)
  • Ko-Li-Bri Lesebuch – Band 1 (zusammen mit Kähler, Saalfeld u.a.), 1986 (Semmel Verlach)
  • Eifersüchtig?, 1987 (Elefanten Press)
  • PorNO? Si!Si! – Cartoons, 1988 (Elefanten Press)
  • „Es gibt noch mehr wie Tennis auf dieser Welt“ – Comics und Cartoons aus Kowalski 1987-1990, 1991 (Semmel Verlach)
  • Der Rabe 36, 1993 (Haffmans)
  • Alice im Comicland (Hrsg. von Irene Mahrer-Stich), 1993 (edition moderne)
  • Genschman war Engholms Lutscher bei Thomas Gottschalk – Die besten Titanic-Satiren aus sieben Jahren, 1987-1994 (Hrsg. von Zippert, Hans), 1995 (Elefanten-Press)
  • Unglücksfälle und andere Verbrechen (zusammen mit Mattoti, Loustal, Kamagurka), 1996 (Edition Moderne)
  • Der Rabe 48 – Der Geld-und-Gold-Rabe, 1997 (Haffmans)

V. Arbeiten in Zeitschriften und Zeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stern
  • Titanic (Satiremagazin), u.a.: Cover (11/85, 3/90, 8/93), Ko-Li-Bri (3/81-3/87), Sondermann (9/87-8/04)
  • Reformhauskurier (Alex der Rabe, bis 2003)
  • Kowalski
  • Der Tagesanzeiger (Zürich), Magazin (Samstagsbeilage)
  • Die Zeit (einzelne Illustrationen, zuletzt in Ausgabe 48/2004)
  • Die Zeit – ZEIT-Magazin (Illustrationen, 1994–1999)
  • De Volkskrant Magazine (Magazin zur Zeitung de Volkskrant in den Niederlanden)

VI. Comics[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pardon, Heft 7/78
  • Rad ab!, Band 1+2 (Rad ab! Verlag)
  • Hinz & Kunz Komix, Hefte: 3,4,5,6,7,9,10,11 - 1979 ff (Volksverlag)
  • U-Comix, Sonderband 24 (Anthologie: Deutsche Zeichner), 1979 (Volksverlag)
  • Zomix – Deutsches Komiks Heft, Heft 8, 1980 (Ewald Lang)
  • Zebra, Nr. 14 (Oktober 1997)

VII. Buchumschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erofeev, Venedikt: Moskau Petuski, (CDs im Schuber) 2004 kein & aber Records
  • Jerofejew, Wenedikt: Die Reise nach Petuschki, (CDs im Schuber) 1998 kein & aber Records
  • Literarische Streifzüge durch Schlemmertempel und Tavernen (Schiefer, Manfred/Simon, Karin, Hrsg.), 1995 (ars vivendi)
  • Kästner, Erich: Werke in neun Bänden, 1998 (Hanser) und ab 2002, in Einzelbänden (Hanser)
  • Jerofejew, Wenedikt: Die Reise nach Petuschki, 1998 (Piper)
  • Droste, Wiglaf: Zen-Buddhismus und Zellulitis, 1999 (Kunstmann)
  • Kesten, Hermann: Gesamtausgabe, 1999 (Steidel)
  • Droste, Wiglaf: Bombardiert Belgien & Brot und Gürtelrosen, 2002 (Reclam Leipzig)
  • Perutz, Leo: Der Marques de Bolibar, 2004 (Paul Zsolnay Verlag)
  • Perutz, Leo: Der schwedische Reiter, 2002 (Paul Zsolnay Verlag)
  • Perutz, Leo: Nachts unter der steinernen Brücke, 2002 (Paul Zsolnay Verlag)
  • Heidenreich, Elke: Geschnitten oder am Stück, rororo 2004
  • Heidenreich, Elke: Datt kann donnich gesund sein, rororo 2004
  • Heidenreich, Elke: Darf’s ein bißchen mehr sein?, rororo 2004
  • Heidenreich, Elke: Also..., rororo 2004
  • Heidenreich, Elke: Kein schöner Land, rororo 2004
  • Simon, Axel: Tatütata für Peter Sputnik, Rowohlt Berlin 2009

VIII. Sonstiges

  • Kalender: Komische Zeiten im Jahr 2002, 2003, 2004, 2005, (alle Kein & Aber)
  • Werbung: Renault Kangoo

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999 Stadtmuseum Ludwigshafen: Kleine Nachtmusik, ab 10. Juni 1999
  • 2001 Oldenburger Kunstverein: Dreitracht Frankfurt, ab 4. November 2001
  • 2004 Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 2004
  • 2005 Caricatura, Museum für Komische Kunst im Historischen Museum Frankfurt, 9. Juli bis 28. August 2005
  • 2005 Karikatur & Cartoon Museum Basel, Ausstellung: Sondermann kommt, vom 15. Oktober 2005 bis 12. März 2006
  • 2005 Schwarz, Brot, Gold, Kunstverein Oldenburg
  • 2006 Fumetto, Luzern
  • 2006 Caricatura, Kassel, vom 9. September bis zum 5. November 2006
  • 2008 Caricatura Museum für Komische Kunst, Frankfurt a.M., Eröffnungsausstellung 3. Oktober 2008
  • 2009 Olaf-Gulbransson-Museum Tegernsee, "Komische Welten"
  • 2017 Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg: Faszination Bewegtes Blech - Sammlerspielzeug des 20. Jahrhunderts, 5. Februar bis 30. April 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 2004, Nr. 155 / Seite 31

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]