Patrick Bahners

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Patrick Bahners (2011)

Patrick Bahners (* 10. Februar 1967 in Paderborn) ist ein deutscher Journalist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patrick Bahners wurde 1967 als ältester von drei Söhnen des Ministerialbeamten Burkhard Bahners und dessen Frau Brigitte, geb. Löer, geboren und wuchs in Köln und Bonn auf.

Patrick Bahners besuchte das Beethoven-Gymnasium Bonn und studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Bonn und der University of Oxford (Worcester College). Im Jahre 1989 trat er in die Feuilletonredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein (Redaktionskürzel „pba.“). Von 1993 bis 1997 berichtete er als fester Mitarbeiter des Feuilletons mit Sitz in Bonn, 1997 wurde er Stellvertreter des Feuilletonchefs und verantwortlich für Neue Sachbücher. Im gleichen Jahr zeichnete ihn der Deutschen Anglistenverbandes mit seinem Journalistenpreis aus. Ab 2001 bis Ende 2011 war er Chef des Feuilletons der FAZ. Von 2012 bis 2015 ging er als Kulturkorrespondent der Zeitung nach New York. Von Juli 2015 bis Dezember 2017 schrieb Bahners für die FAZ als Kulturkorrespondent aus München, seit 1. Januar 2018 berichtet er – als Nachfolger von Andreas Rossmann – aus Köln über die Kultur in Nordrhein-Westfalen. Seit Dezember 2016 ist er zudem zuständig für das das Ressort Geisteswissenschaften der Zeitung.[1]

Bahners hatte Lehraufträge am Historischen Seminar der Universität Bonn und am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Frankfurt am Main inne. 2003/2004 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. 2012 hatte er die Dahrendorf-Gastprofessur an der Universität Konstanz inne.[2] Bahners ist darüber hinaus, wie er in einem Selbstporträt schreibt, „Ehrenpräsidente der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“.

Die Panikmacher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 publizierte Bahners beim Verlag C. H. Beck das Buch Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam. Eine Streitschrift, das auf Überlegungen basiert, die sich in seinen FAZ-Artikeln der letzten Jahre spiegelten. Er behandelt dort islamfeindliche Tendenzen in Deutschland wie in ganz Europa. Einige Aspekte hatte er bereits zuvor in Reden vor der Katholischen Akademie zu Berlin und in der Humboldt-Universität sowie in einem Aufsatz in den Blättern für deutsche und internationale Politik öffentlich vertreten.[3]

Die Textsorte der Streitschrift wird betont durch die Motti der einzelnen Kapitel, die Schriften Gotthold Ephraim Lessings, unter anderem dessen klassischer Streitschrift Anti-Goeze entnommen sind. Das Buch verzichtet auf einen wissenschaftlichen Fußnotenapparat, die Zitate sind in einem enggedruckten elfseitigen Belegteil nachgewiesen.

Bahners setzt sich in sieben Kapiteln mit einer Islamkritik auseinander, die er als bedenklich für das politische Klima in Deutschland ansieht. Zunächst stehen die Kontroversen um die Aussagen des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zum Islam in Deutschland sowie um Thilo Sarrazins Abberufung aus dem Bundesbankvorstand im Zentrum. Das zweite Kapitel behandelt kritisch einige von Bahners als typisch betrachtete Vertreter der These, der Islam sei auf die Welteroberung fixiert, auf deutscher Seite insbesondere Hans-Jürgen Irmer, Udo Ulfkotte und Hans-Peter Raddatz, und stellt die These auf, dass es mittlerweile eine internationale Vernetzung der Islamkritik gebe. Darauf folgt eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts und den öffentlichen und staatlichen Reaktionen darauf (Kapitel 3). Werk und Biografie von Necla Kelek bilden das Thema des vierten Kapitels. Das fünfte Kapitel enthält eine eingehende Geschichte des Einbürgerungstests in Baden-Württemberg, den Bahners als „Muslim-Test“ bezeichnet.

In seiner Streitschrift wendet sich Bahners gegen Islamkritiker wie zum Beispiel Ayaan Hirsi Ali, Henryk M. Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Alice Schwarzer. Darüber hinaus kritisiert er einzelne Aussagen von weiteren Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt, Joachim Gauck, Wolfgang Huber und Klaus von Dohnanyi. Dabei glaubt Bahners amerikanische Einflüsse auf die von ihm beschriebene Islamkritik zu erkennen. Er konstatiert: „Es gibt eine islamkritische Internationale.“

Ein großer Teil des Buches behandelt die Neutralität des Staates sowie die Legitimierung von Rechtsnormen. So kritisiert Bahners das mit der Neutralität des Staates begründete Kopftuchverbot für Lehrerinnen in diversen Landesgesetzen, insbesondere bezüglich der Klagen der Lehrerin Fereshta Ludin: „Es geht aus dem Grundgesetz nicht hervor, ob eine Frau sich in der Öffentlichkeit verschleiern soll oder nicht. Der neutrale Staat, als dessen Repräsentantin Fereshta Ludin angeblich nicht geeignet war, ist gerade in solchen Fragen neutral.“ Die Neutralität eines gläubigen Lehrers ist laut Bahners gegeben, wenn er „seine Frömmigkeit nicht ungefragt Thema werden lässt“.

Die Neutralität des Staates endet für Bahners aber nicht mit der Ermöglichung individueller Religionsfreiheit: „Wenn der Rechtsstaat die Scharia als Prinzip religiöser Legitimierung von Rechtsnormen nicht wohlwollend betrachten oder auch nur neutral beobachten kann, dann darf dieser Staat auch kein Kirchenrecht gelten lassen (...).“ Dagegen ist laut Bahners der „Sonderbegriff“ der negativen Religionsfreiheit „im Zeitalter der Freiwilligkeit aller religiösen Betätigung ... eigentlich erledigt“.

Bahners wirft Islamkritikern vor, sie steigerten die Attraktivität ihrer Argumente mit einer „radikale(n) Vereinfachung der Weltverhältnisse“. Zum Beleg zitiert er Henryk M. Broder, gemäß dem „eine direkte Linie von der Al Qaida im Irak und der Intifada in Palästina zu den Jugendlichen mit ‚Migrationshintergrund‘ in Neukölln und Moabit“ führe.[4] Zwar werde das von Bahners Islamkritikern unterstellte Bild, gemäß dem die „Schulschwänzer in Neukölln Kampfgenossen der Selbstmordattentäter von Bagdad“ seien, scheinbar durch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) über Gewalterfahrungen Jugendlicher gestützt. Diesem Eindruck, wie er insbesondere in Vorabveröffentlichungen in der Presse wiedergegeben worden sei, widerspricht Bahners allerdings nachdrücklich unter Bezug auf die Ergebnisse der Studie.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patrick Bahners (rechts) mit Ralph Bollmann auf der Frankfurter Buchmesse 2011.

Ilija Trojanow stimmte Bahners in der FAZ mit den Worten zu, er habe „einen demagogischen Zirkus analysiert“. Thomas Steinfeld, selbst von Bahners im Buch zitiert, sprach in der Süddeutschen Zeitung gar von einem „Meisterwerk der Aufklärung“. Christian Schlüter wertete Bahners’ Buch in der Frankfurter Rundschau als eine „Analyse des islamophoben Wutbürgertums“.[5]

Die von Bahners kritisierten Autoren Sarrazin[6] und Broder[7] äußerten sich negativ über sein Buch; Broder warf Bahners unter anderem eine „verschwörungstheoretische Beweiskette“ vor.

Andere Publizisten und Schriftsteller äußerten sich kritisch. Die Publizistin Bettina Röhl bezeichnete Bahners als „furchtbare[n] Journalist[en]“.[8] Monika Maron kritisierte, dass Patrick Bahners „ein Pamphlet über die deutschen Islam-Kritiker geschrieben“ habe, „das die westlichen Werte gering schätzt, die Freiheit der Frauen verachtet und zugleich zeigt, wie wenig der Stubenpublizist über die Wirklichkeit weiß“.[9] Matthias Matussek bezeichnete Bahners als „falschen Aufklärer“: „Ja, ist es nicht geradezu makaber, wie Bahners aus dem gepolsterten Sessel eines Feuilletonisten heraus einer Frau wie Hirsi Ali mit ihrer Leidensgeschichte die leidenschaftliche Absage an jene Religion vorzuwerfen, die sie verkrüppelt hat? Hat man so von oben herab eigentlich auch katholische Missbrauchsopfer behandelt?“[10] Klaus von Dohnanyi meinte: „An keiner Stelle beschäftigt sich Bahners mit der Dynamik des politischen Islam. Dem Buch fehlt jede historische Dimension … je weiter man in Bahners ‚Panikmacher‘ vorankommt, desto ärgerlicher wird es, dass er den ernsthaften Teil der Islamkritik entweder völlig ausblendet oder unvollständig – und teilweise sogar verfälschend – zitiert … Man kann Bahners den Vorwurf nicht ersparen, dass er an einer ernsthaften Debatte offenbar gar nicht interessiert ist.“[11]

2011 wurde Patrick Bahners für Die Panikmacher für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik nominiert.[12]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Mantel der Geschichte. Helmut Kohl oder die Unersetzlichkeit. Siedler, Berlin 1998, ISBN 3-88680-658-8.
  • als Herausgeber mit Gerd Roellecke: 1848 – Die Erfahrung der Freiheit (= Motive, Texte, Materialien. MTM. Bd. 83). Müller, Heidelberg 1998, ISBN 3-8114-3599-X.
  • als Herausgeber mit Gerd Roellecke: Preußische Stile. Ein Staat als Kunststück. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-94290-4.
  • Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam. Eine Streitschrift. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61645-7[13] und als Taschenbuch, mit aktuellem Nachwort des Autors: (= dtv. 34721). Ungekürzte Ausgabe. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2012, ISBN 978-3-423-34721-1.
  • Entenhausen. Die ganze Wahrheit. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-44802-7.
  • Helmut Kohl. Der Charakter der Macht. H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70886-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Patrick Bahners – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrick Bahners. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung: Redaktion. Abgerufen im 13. Juli 2018.
  2. https://exzellenzcluster.uni-konstanz.de/344.html?&L=0&cHash=3f0a0a69ea1fa81beb9d38fec8a84b9c&tx_ttnews%5Bday%5D=31&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1608&tx_ttnews%5Byear%5D=2012
  3. Patrick Bahners: Fanatismus der Aufklärung - Zur Kritik der Islamkritik, Blätter für deutsche und internationale Politik, September 2010.
  4. Patrick Bahners: Die Panikmacher. S. 262. Bei Broder findet sich das Zitat in: Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken. wjs, Berlin 2006, ISBN 3-937989-20-X, S. 84.
  5. Christian Schlüter: Wider die Sarrazin-Methode.
  6. Thilo Sarrazin: Erdogans Ghostwriter. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 19. Februar 2011, S. 31.
  7. Henryk M. Border: Vor dem Islam Angst zu haben ist eine Tugend. In: Welt-Online, vom 21. Februar 2011.
  8. Bettina Röhl: Ist „Die Panikmacher“ ein furchtbares Buch? In: Hamburger Abendblatt, vom 10. März 2011.
  9. Monika Maron: Der Leisetreter. In: Welt.online, vom 26. Februar 2011.
  10. Matthias Matussek: Dschihad im Feuilleton. In: spiegel.online, vom 19. Februar 2011.
  11. Klaus von Dohnanyi: Die Panik vor der Panik. In: Der Tagesspiegel, vom 14. März 2011.
  12. Leipziger Buchpreis 2011: Shortlist. Die Panikmacher. In: Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2011.
  13. Die Plumpheiten der Islamkritik. Buchrezension in Andruck vom 28. März 2011 im Deutschlandfunk.