Blumberg (Ahrensfelde)

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Blumberg
Gemeinde Ahrensfelde
Wappen von Blumberg
Koordinaten: 52° 36′ 10″ N, 13° 37′ 4″ O
Höhe: 76 (57–87) m
Fläche: 26,05 km²
Einwohner: 2391 (15. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Eingemeindet nach: Ahrensfelde-Blumberg
Postleitzahl: 16356
Vorwahl: 033394

Blumberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Ahrensfelde, direkt östlich von Berlin gelegen. Es liegt an der Bundesstraße 158 und am Berliner Ring. Der Ort hat etwa 2500 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuriosum: Linke Straßenseite – Blumberg/Elisenau, rechte Straßenseite – Bernau/Birkholzaue

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Blumberg besteht aus folgenden Ortsteilen:

  • Blumberg (Dorf)
  • Gut Blumberg
  • Elisenau
  • Schlossparksiedlung

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blumberg im Hochstift Brandenburg

Blumberg war seit etwa 1237 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst als Tafelgut Teil des Hochstifts Brandenburg, des Fürstentums der Bischöfe des Bistums Brandenburg.[1] Es sollte im Verlauf der weiteren Besiedlung städtische Funktionen übernehmen. Darauf verweist die Bezeichnung Oppidum in alten Urkunden, daraus wird bald oppidulo, eine Verkleinerungsform von oppidum. Der Ortsname taucht 1253 zum ersten Mal in einer der Urkunden zur Stadt Frankfurt (Oder) auf. In dieser Urkunde wird ein Theodericus von Blumenberch genannt, der Bevollmächtigter der Brandenburger war und wohl mit der Besiedlung des Blumberger Tafelguts beauftragt war.

Blumberg blieb bis ins 16. Jahrhundert im Besitz der Bischöfe von Brandenburg. Noch vor der Einführung der Reformation in Brandenburg und der damit drohenden Säkularisation ihres Besitzes in Blumberg, veräußerten sie ihn. Blumberg kam in den Besitz des Kurfürsten, der ihn jedoch sehr bald an Hans von Krummensee weiterverkaufte. Blumberg wird nur noch „stediken“, später „flegken“ oder „Rittergut“ genannt. Seine weitere Entwicklung als Stadt war damit abgebrochen bzw. verhindert.

Hans von Krummensee verkaufte 1602 den Ort allerdings schon wieder an den kurfürstlich-brandenburgischen Kanzler Hans von Löben, der dort ein Jahr später ein Schloss erbaute. Hans von Löben war mit Margaretha von Winterfeld verheiratet. Die Tochter Anna (Elisabeth) heiratete 1628 den kurbrandenburgischer Oberstleutnant, ersten Kammerjunker, Johanniter-Ordensritter und Komtur von Lagow, Conrad von Burgsdorf.[2] Der Ort litt sehr unter dem Dreißigjährigen Krieg; bis 1644 wird Blumberg noch in allen Lehnbriefen ein „Städtlein“ genannt, danach nur noch als „Lehn- und Rittergut“. Für Blumberg meldet der Landreiter im Jahr 1652 nur noch 17 Bauern mit 9 Knechten und 2 Söhnen, 12 Kossäten und den Pfarrer. Ab 1654 verwaltete die Witwe des Kanzlers und von 1667 bis 1681 ihre Tochter Anna Elisabeth von Burgsdorff den Ort. Ihre Bilder sind in der Kirche zu sehen. 1681 vererbte Anna Elisabeth unter Umgehung ihrer Tochter Margarethe Catharina, die sich von ihrem zweiten Ehemann scheiden ließ und einen französischen Baron heiratete, den Ort an ihren Enkel, den bekannten Diplomaten und Dichter Friedrich Freiherr von Canitz. Teile des Ortes und das Schloss wurden am 21. März 1695 Opfer eines Großbrandes, die Kirche blieb unbeschädigt, nicht jedoch das daneben stehende Pfarrhaus.[3]

Freiherr von Canitz starb im August 1699, sein einziger Sohn nur sechs Wochen später. Erbe wurde der Stiefbruder seiner ersten Gemahlin, Philipp Ludwig Freiherr von Canstein. Dieser fiel 1708 im Spanischen Erbfolgekrieg und seine Witwe und Erbin, Ehrengard Maria geb. von der Schulenburg, ließ in der Dorfkirche ihm zu Ehren ein kunstvolles Epitaph anbringen.[4] Ehrengard Maria heiratete bald darauf in dritter Ehe Busso von Hagen und Frau General-Feldt-Marschall-Lieutenantin von Hagen war für vierzig Jahre Besitzerin von Blumberg, Eiche und Hellersdorf. Sie erwies sich als große Wohltäterin und begründete in Blumberg das Prediger-Witwenhaus und eine Kirchenbibliothek. In ihrer Zeit bekam die Blumberger Kirche eine Orgel und 1724 wurde an der Südseite ein Anbau mit Patronatsloge angefügt. 1748 starb sie im Alter von 83 Jahren, sehenswert ist ihr lebensgroßes Porträt, das 1730 von Emanuel Dubuisson in Öl auf Kupfer gemalt wurde.[5][6]

Da Ehrengard Maria von Hagen keine Nachkommen hinterließ, wurden die Besitzungen unter den Söhnen ihres Bruders aufgeteilt. Friedrich Wilhelm von der Schulenburg erhielt Blumberg, Carl von der Schulenburg Eiche und Hellersdorf. Im Siebenjährigen Krieg wurde Blumberg 1760, wie viele Dörfer der Umgebung, von russischen Truppen geplündert. „Die Bewohner wurden drangsaliert und wertvolle Kirchengegenstände gestohlen.“ Alexander Friedrich Georg von der Schulenburg folgte 1764 dem Vater als einziger Sohn, er ließ Straßenbäume pflanzen und Schonungen anlegen. 1767 starben 13 Menschen, vorwiegend Kinder, an den Pocken. 1769 verfügte Freiherr von der Schulenburg, „dass niemand seiner Untertanen befugt sei auf der Heerstraße nach Berlin oder Seefeld zu fahren. Des Weiteren, wer sich an den angepflanzten Bäumen vergreife bzw. deren Stützpfähle stehle, der solle mit einer Geldstrafe oder achtstündigem Einsperren in den Spanischen Mantel oder dem Tragen der Schandgeige bestraft werden.“ Der einzige Sohn, Alexander Christian Carl Albrecht, seit 1790 im Besitz von Blumberg, verkaufte 1805 seine sämtlichen Güter an den Präsidenten und Ritterschaftsdirektor Carl Friedrich von Goldbeck, der auch Eiche und Mehrow in seinen Besitz brachte. Das Grabmal seines Vaters Heinrich Julius von Goldbeck und seiner Mutter ist in der Dorfkirche als Sehenswürdigkeit erhalten geblieben.[7]

Chausseehaus Blumberg, erbaut um 1801 aus Feldsteinen
Denkmal für Otto von Arnim
Schloss Blumberg um 1860, Sammlung Duncker

Kurz zuvor, im Jahr 1801, wurde der erste Abschnitt (bis Werneuchen) der Berlin-Stettiner Chaussee eröffnet. Es wurden Chausseegebühren erhoben (Vorgänger der Maut) und dafür das noch erhaltene Blumberger Chausseehaus errichtet, es ist eines der wenigen Beispiele von Chausseehäusern der ersten Generation (1794–1806). „1812 erhielten 17 Blumberger Bauern den Hof bzw. Land gegen eine Geldentschädigung bzw. ein jährliches Dienstgeld zu vollem Eigentum, sie können setdem frei und wirtschaftlich selbständig handeln.“ 1813 wurde Otto von Arnim-Suckow als erster deutscher Kriegsfreiwilliger durch einen Posten der französischen Truppen am Ortseingang von Blumberg erschossen. Das 1913 eingeweihte Denkmal im Schlosspark erinnert daran. 1823 ließ von Goldbeck das Vorwerk Elisenau einrichten, das nach seiner Tochter Elise benannt wurde. 1836 erwarb Graf Friedrich Ludwig von Arnim (Boitzenburger Linie) für 146.000 Taler den Ort. Er ließ das Vorgängerschloss nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels oder eher Friedrich August Stülers umbauen, ebenso ließ er den aus dem 17. Jahrhundert stammenden barocken Park nach Plänen Peter Joseph Lennés umgestalten. Das Schloss wurde zuletzt um 1910 im englischen Landhausstil umgebaut.

1878 erhielt Blumberg ein Postamt mit direkter Telefonverbindung nach Bernau und Werneuchen. 1895 begann der Bau der Bahnlinie von Lichtenberg nach Wriezen unter dem Namen Wriezener Bahn; die Strecke war bereits 1898 fertiggestellt. Bis zum Bahnanschluss verkehrte von Blumberg ein Pferde-Omnibus zum Königstor (Berlin) der morgens die Hin- und abends eine Rückfahrt ermöglichte. 1901 wurde die Freiwillige Feuerwehr Blumberg gegründet. 1904 wurde der Revierförster Hugo Strempel von einem Wilderer aus Berlin erschossen. Ein Stein im Rehhahn erinnert an ihn.[8] Im Jahr 1910 stiegen Einbrecher in die Blumberger Kirche ein und raubten u. a. im Grabgewölbe die Särge der Familie von Arnim aus. Die Räuber wurden zu fünf Jahren Zuchthaus bzw. vier Jahren Gefängnis verurteilt. 1913 wurde der Umbau des Schlosses abgeschlossen, dem der markante Turm zum Opfer fiel. 1927 wurde im Blumberger Schloss und Park unter der Regie von Richard Eichberg der Film „Die Leibeigenen“ gedreht mit Heinrich George.[9] 1931 starb Adolf Graf von Arnim, der letzte Blumberger Rittergutsbesitzer. Das Gut wurde kurz darauf an die Gemeinnützige Siedlungs- und Treuhandgesellschaft verkauft und im Folgejahr in der Matrikel der Rittergüter des Kreises Niederbarnim gelöscht.

Im Jahr 1935 kam das Schloss und sein Parkgelände in den Besitz der Nationalsozialisten. Es diente bis 1944 dem NSV-Reichsseminar, wurde dann von der Wehrmacht genutzt, was schließlich nach dem Einzug der Roten Armee am 20./21. April 1945 sein Ende bedeutete. Es wurde zerstört und die Ruinen später abgerissen.

Im Sommer des Jahres 1958 wütete ein Wirbelsturm in Blumberg, der Hochspannungsmasten knickte, Dächer von Feldscheunen bis zu 100 Meter weit schleuderte und viele der alten Eichen am Hauptweg des Schlossparks beschädigte und umwarf.

Im Juni 1961 beschloss der Senat der Humboldt-Universität nach langen Diskussionen deren Verlagerung in eine zu gründende Universitätsstadt in Blumberg, da das Platzangebot in der Innenstadt vor allem aufgrund umfangreicher Kriegsschäden nicht mehr ausreichend war. Bis 1966 sollten Teile der Naturwissenschaften und die Landwirtschaftliche Fakultät in die neue Satellitenstadt umziehen, zwischen 1966 und 1980 der Rest der Naturwissenschaften sowie die Medizin und erst ab 1996 die Geisteswissenschaften folgen. Letztere hatten sich besonders vehement gegen die Umzugspläne gewehrt. Damit sollte in Berlin die Idee einer Campus-Universität verwirklicht werden. Nach dem Mauerbau im August 1961 wurde das Blumberg-Projekt fallen gelassen, da wiederum die sichtbare Besetzung der Berliner Mitte durch repräsentative Institutionen politische Priorität hatte. 1963 schließlich wurde das Projekt aufgrund der offensichtlichen Finanzierungsprobleme in eine ungewisse Zukunft verschoben und wenig später gänzlich zu den Akten gelegt.[10]

Am 26. Oktober 2003 wurde Blumberg in die neue Gemeinde Ahrensfelde-Blumberg eingegliedert,[11] die am 1. Oktober 2004 in Ahrensfelde umbenannt wurde.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Blumberg (Barnim).png

Beschreibung: Das Wappen ist mit einem silbernen Faden in Grün und Rot geteilt. Oben wachsen vier goldene Blumen aus dem zum Berg gewölbten Schildfuß. Im Schildfuß liegen zwei gekreuzte silberne Schlüssel mit einer Vierpassreite, deren Bärte mit Kreuzeinschnitt nach rechts zeigen.

Symbolik: Die vier Blumen versinnbildlichen den Namen des Ortes und stehen stellvertretend für die Ortsteile Dorf, Gut, Elisenau und Schlossparksiedlung. Die beiden Schlüssel, als Petrusschlüssel Zeichen des Bistums Brandenburg, verweisen auf die Geschichte Blumbergs als Bistumsbesitz.

Blumberg führt das von dem Erfurter Heraldiker Frank Diemar gestaltet Wappen erst seit 2006. Es ist im „Stufensaal“ des Ortes zu sehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche aus dem 13. Jahrhundert
Kleine Brücke im Lenné-Park

Theodor Fontane setzte der Gemeinde in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg (Band 4) ein Denkmal, in denen er vor allem die Geschichte des Ortes und deren Familien niederschrieb und dabei auch eine detaillierte Beschreibung der Ortskirche lieferte.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche Blumberg ist eine aus Feldsteinen errichtete Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert.

Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der östlich des Ortszentrums gelegene und nur noch in Teilen erhaltene Schlosspark wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen[13] Peter Joseph Lennés angelegt. 1912/13 erfolgte die Umgestaltung im englischen Landhausstil. Das Zentrum des Schlossparks bildet der ehemalige Schloss-See mit einer Insel, die bis in die 1960er Jahre über eine Holzbrücke erreichbar war. Der See war bis ca. 1965 noch als Badesee nutzbar. Während der DDR-Zeit wurde er nicht mehr gepflegt und verlandete. In der Südwestecke war das so genannte Steinbassin mit dem Abfluss in den Schleuse-Graben. Am Rand des Parks steht die Rieseneiche mit einem Brusthöhenumfang von 7,50 m.[14] 2014/15 wurde der Park im Rahmen eines Interreg IV A-Projektes teilweise wieder hergestellt.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Bötticher (1842–1901), Architekt, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Archäologe

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blumberg (Barnim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Abb und Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil. In: Germania sacra, Berlin und Leipzig 1929, Walter de Gruyter, S. 71.
  2. George Adalbert von Mülverstedt, Hrsg.: Sammlung von Ehestiftungen und Leibgedingsbriefen ritterschaftlicher Geschlechter der Provinzen Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen. 360 S., Magdeburg 1863 Online bei Google Books (S. 45)
  3. Chronik der Gemeinde Ahrensfelde und ihrer Ortsteile (PDF; 1,8 MB), abgerufen 3. Oktober 2013
  4. Epitaph des Philipp Ludwig Freiherr von Canstein, abgerufen 3. Oktober 2013.
  5. Wilhelm Wolff-Wensickendorf: Das „Städtlein“ Blumberg, 1935, abgerufen 3. Oktober 2013
  6. barnim.de: Blumberg- Damenportrait der E.M. von Hagen (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive), abgerufen 3. Oktober 2013.
  7. Epitaph der Familie von Goldbeck, abgerufen 3. Oktober 2013
  8. mehrow.de: Stein zur Erinnerung an Revierförster Hugo Strempel, abgerufen 3. Oktober 2013
  9. filmportal.de: „Die Leibeigenen“, abgerufen 3. Oktober 2013
  10. Konrad H. Jarausch, Matthias Middell, Annette Vogt: Geschichte der Universität Unter den Linden, Band 3: Sozialistisches Experiment und Erneuerung in der Demokratie – die Humboldt-Universität zu Berlin 1945–2010. Akademie Verlag, Berlin 2012
  11. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  12. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  13. [1]Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum: Plansammlung
  14. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017