Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg

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  Bremer Landesbank
Kreditanstalt Oldenburg
-Girozentrale-
Logo der Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrale
Bremer Landesbank am Domshof in Bremen
Staat Deutschland
Sitz Bremen
Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts
Bankleitzahl 290 500 00[1]
BIC BRLA DE22 XXX[1]
Gründung 1883
Website www.bremerlandesbank.de
Geschäftsdaten 2014[2]
Bilanzsumme 31,244 Mrd. Euro
Einlagen 8,899 Mrd. Euro
Kundenkredite 22,346 Mrd. Euro
Mitarbeiter 1.099
Leitung
Vorstand Stephan-Andreas Kaulvers, Vors.
Heinrich Engelken,
Guido Brune,
Björn Nullmeyer
Aufsichtsrat Karoline Linnert, Vorsitzende

Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg - Girozentrale - in Bremen und Oldenburg (Oldenburg) nimmt gleichzeitig die Aufgaben einer Landesbank, einer Girozentrale und einer Geschäftsbank wahr.

Eigentümer der Bremer Landesbank sind die Norddeutsche Landesbank (NORD/LB) mit einem Anteil von 54,83 % am Stammkapital, die Freie Hansestadt Bremen mit einem Anteil von 41,20 % und der Sparkassenverband Niedersachsen mit einem Anteil von 3,97 %.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammhaus der Bremer Landesbank 1896

Die Wurzeln der Bremer Landesbank liegen in der 1883 gegründeten Bodencredit-Anstalt des Herzogtums Oldenburg. Im Jahre 1906 erhielt die Bank die Bezeichnung Staatliche Kreditanstalt des Herzogtums Oldenburg, 1922 dann verkürzt Staatliche Kreditanstalt Oldenburg. 1938 wurde das Institut mit der seit 1928 bestehenden Hansa-Bank – der Staatsbank Bremens – zur Staatlichen Kreditanstalt Oldenburg-Bremen verschmolzen, gleichzeitig wurde die Bremer Landesbank – Girozentrale gegründet. Seitdem bestehen die Niederlassungen in Oldenburg und Bremen. Nach der Währungsreform 1948 widmete sich die Staatliche Kreditanstalt Oldenburg der Finanzierung des Wohnungsbaus, während das kurzfristige Kreditgeschäft weiterhin bei der Bremer Landesbank geführt wurde. In ihrer heutigen Form besteht die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrale – seit 1983. Zu diesem Zeitpunkt schlossen die Bundesländer Bremen und Niedersachsen einen Staatsvertrag, der die Fusion der direkten Vorgängerinstitute „Bremer Landesbank – Girozentrale“ und „Staatliche Kreditanstalt Oldenburg-Bremen“ begründete. Die Trennung der lang- und kurzfristigen Kreditgeschäfte auf zwei Institute erschien nicht mehr zeitgemäß.

Krise im Juni 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Juni 2016 wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass die Bremer Landesbank in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Durch hohe Wertberichtigungen, die infolge der verschärften europäischen Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank vorgenommen werden mussten, entstanden der Bank Verluste in Höhe von geschätzt 400 Millionen Euro. Die Verluste resultieren vor allem aus Krediten im Schifffahrts- und Reedereigeschäft.[4] Die Eigenkapitalreserven der Bank wurden zu diesem Zeitpunkt unterschiedlich mit 1,3 Milliarden Euro[5] bzw. 1,9 Milliarden[6] beziffert. Seitdem verhandelten die drei Anteilseigner der Bank (55 % NORD/LB in Hannover, 41 % Land Bremen, 4 % Sparkassenverband Niedersachsen) um die weitere Zukunft des Instituts, insbesondere, woher eine „Finanzspritze“ zum Ausgleich der Verluste kommen soll.[7] Die Ratingagentur Moody’s senkte in Reaktion auf die Zahlen ihre Bewertung von langfristigen Geldanlagen bei der Bremer Landesbank um zwei Stufen auf die Note Baa3 ab.[8]

Es wurde verschiedentlich, so beispielsweise von der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, Kritik geübt, dass die Finanzsenatorin von Bremen, Karoline Linnert (Grüne), ihrer Aufsichtsfunktion nicht gerecht geworden sei.[5] Politiker der niedersächsischen FDP lehnten eine finanzielle „Bankenrettung“ durch die NORD/LB ab, die sich zu großen Teilen im Eigentum des Landes Niedersachsen befindet. Es dürfe keine „Rettung um jeden Preis geben und schon gar nicht zu Lasten der Steuerzahler“. Es müsse auch nach der Verantwortung des Aufsichtsrates und nach möglichen Fehleinschätzungen gefragt werden.[9] Die Finanzsenatorin Linnert sprach sich andererseits in scharfen Worten gegen die vollständige Übernahme der BLB durch die NORD/LB aus.[10]

Nach einer Krisensitzung mit allen Beteiligten am 10. Juni 2016 wurde am 11. Juni 2016 bekannt, dass zwei Varianten zur Lösung der Krise zur Diskussion stehen. Demnach wird die Mehrheitseignerin NORD/LB die BLB komplett übernehmen und dem Land Bremen seinen Anteil von 41 % abkaufen – wobei der Kaufpreis noch verhandelt werden muss – oder das Land Bremen wird seinen BLB-Anteil gegen einen fünf- bis siebenprozentigen Anteil an der NORD/LB eintauschen. Beide Varianten beinhalten keine direkte Belastung der öffentlichen Hand, jedoch wird das Land Bremen in jedem Fall seine Sperrminorität und seinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank verlieren. Die Bremer Landesbank wäre damit keine „Bank des Landes Bremen“ mehr.[7]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammhaus der Bremer Niederlassung befindet sich an der nordöstlichen Seite des Kirchhofs „Unser Lieben Frauen“ in der ehemaligen Deutschen Nationalbank von 1896.[11] Das dreigeschossige Stammhaus aus der Epoche des Historismus entstand nach Plänen von Wilhelm Martens (Berlin). Es stand seit 1973 unter Bremer Denkmalschutz (siehe hier). Es wurde 2013 bis auf die denkmalgeschützten Außenfassaden abgerissen.

Der Neubau 1972 wurde als fünfgeschossiges Gebäude mit einem Staffelgeschoss am Domshof Nr. 26/28 nach Plänen von Gerhard Müller-Menckens errichtet. Bei dem Bauwerk mit seiner rotbraunen Steinfassade dominierte die am Domshof unübliche horizontale Gestaltung. 2013 wurde dieses Gebäude abgerissen.

Ein Neubau seit 2013 entsteht als fünfgeschossiges Gebäude mit zwei weiteren Staffelgeschossen und einem Innenhof nach Plänen des Londoner Architekturbüros Caruso St. John Architects. Die denkmalgeschützte Fassade des dreigeschossigen Altbaus am Unseren-Lieben-Frauen-Kirchhof/Ecke Katharinenstraße mit seinem runden Ecktürmchen blieb erhalten. Die Fertigstellung ist für 2016 geplant.[12]

Unternehmensstrategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bremer Landesbank versteht sich als Universalbank. Sie tritt als regionale Geschäftsbank mit überregionalem Spezialgeschäft bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Funktion als Landesbank und Sparkassenzentralbank auf.

Nordwestdeutschland ist der Kern des Geschäftsgebietes. Die Vertriebsaktivitäten konzentrieren sich auf die vier Geschäftsfelder Firmenkunden, Privatkunden, Spezialfinanzierungen und Financial Markets. Außerdem besteht ein Beteiligungsportfolio, dessen Schwerpunkt regionale wie überregionale Spezialinstitute der Finanzwirtschaft, insbesondere des Sparkassen-Finanzverbundes, bilden.

Geschäftsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsgebiet der Bremer Landesbank erstreckt sich über Nordwestdeutschland. Es umfasst die Freie Hansestadt Bremen, die Landkreise Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Cuxhaven, Diepholz, Friesland, Leer, Oldenburg, Osterholz, Rotenburg (Wümme), Vechta, Verden, Wesermarsch, Wittmund sowie die kreisfreien Städte Delmenhorst, Emden, Oldenburg und Wilhelmshaven. In ihrem Spezialfinanzierungsgeschäft ist die Bank auch überregional tätig. Sie greift dabei auf eine Reihe von Auslandsstandorten zurück.

Auslandsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am internationalen Handelsplatz London ist die Bremer Landesbank über ein Kontaktbüro vertreten. Außerdem unterhält sie Repräsentanzen und Auslandsbüros – zum Teil über Beteiligungen mit der NORD/LB – u. a. an folgenden Standorten: Estland, Finnland, Litauen, Singapur, Volksrepublik China.

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bank hat erstmals im Jahr 2005 mit dem NordWest Award einen regionalen Förderpreis ausgelobt. Menschen, Unternehmen oder Organisationen, die einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung und Identifikation der Nordwest-Region leisten, können sich für diesen Preis bewerben. Darüber hinaus tritt die Bremer Landesbank als Förderer von Kunst und Kultur in der Region auf.

Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Dezember 2012 hat das Bundesverfassungsgericht in einem Verfahren der konkreten Normenkontrolle entschieden, dass eine gesetzliche Vorschrift des Landes Niedersachsen, die die Bremer Landesbank bei der Zwangsvollstreckung privilegierte, gegen den Gleichheitssatz des Artikels 3 Grundgesetz verstieß.[13] Die Entscheidungsformel wurde im Bundesgesetzblatt (BGBl.) I vom 6. Februar 2013, Seite 162 veröffentlicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensgruppe

Konzern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2014 der Bremer Landesbank nach IFRS (PDF; 2,8 MB)
  3. Eigentümer und rechtlicher Rahmen
  4. Bank hat Verluste womöglich zu spät gemeldet. Wirtschaftswoche, 10. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  5. a b Bremer Landesbank: "Kontrollfunktion versagt". Süddeutsche Zeitung, 6. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  6. Bilanz- und GuV-Eckdaten (Konzern). Bremer Landesbank, abgerufen am 11. Juni 2016.
  7. a b Ergebnisse der Aufsichtsratsitzung: Verkauf der Bremer Landesbank an NORD/LB. Radio Bremen, 11. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  8. Moody's senkt Rating der Bremer Landesbank. Radio Bremen, 8. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  9. Krise Bremer Landesbank: "Keine Rettung um jeden Preis...!" Radio Bremen, 9. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  10. Bremer Finanzsenatorin im Interview: Karoline Linnert spricht von Erpressung. Radio Bremen, 9. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2016.
  11. Denkmaldatenbank des LfD
  12. https://www.bremerlandesbank.de/ueber-uns/neues-vom-bau
  13. Pressemitteilung des BVerfG vom 17. Januar 2013

Koordinaten: 53° 4′ 35″ N, 8° 48′ 31″ O