Bund Katholischer Unternehmer

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Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) ist ein überparteilicher, in der katholischen Kirche verankerter Interessenverband von engagierten christlichen Inhaber-Unternehmern, Selbständigen und leitenden Angestellten. Juristisch ist der BKU ein eingetragener Verein mit Sitz in Köln und als gemeinnützig anerkannt. Dem BKU gehören rund 1.300 Unternehmer, Selbständige, Freiberufler und leitende Angestellte in 34 Diözesangruppen an. Seit 2001 wird der Verband von der Bundestagsabgeordneten Marie-Luise Dött geführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BKU wurde am 29. März 1949 im Adam-Steigerwald-Haus in Bad Honnef gegründet. Ziel war es beim Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und der Errichtung einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung im Nachkriegsdeutschland einen Beitrag aus christlicher Verantwortung zu leisten. Vor allem stand die Katholische Soziallehre im Fokus des Engagements. Einer der wesentlichen Initiatoren war Joseph Kardinal Frings. Dem Gründungsvorstand gehörten Franz Greiss (Vorstand), Peter H. Werhahn, Werner Habig, Theophil Herder-Dorneich, Werner Linnemann, August Küster, Wilhelm Naegel und Peter Zettelmeyer an.[1] Gründungsvorstand war Franz Greiss, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln; erster Geschäftsführer war der Wirtschaftswissenschaftler Wilfrid Schreiber, dessen Schreiber-Plan zur Grundlage des deutschen Rentensystems wurde. Erster Geistlicher Berater war der Theologe und Geistliche Joseph Höffner, der spätere Kardinal und Erzbischof von Köln.[2] Am 22. Juni 1949 wurde der BKU unter der Nummer 1915 beim Amtsgericht Köln als Verein ins Vereinsregister eingetragen.

Mit dem Grundsatz- und Aktionsprogramm 1971 wurde ein bekenntnis zu einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung, selbstverantwortlichem Unternehmertum und zu den Mitarbeitern als „selbstverantwortliche Persönlichkeiten“ abgegeben.[2]

1985 wurde die BKU-Tochter Ordo Socialis – Wissenschaftliche Vereinigung zur Förderung der Christlichen Gesellschaftslehre e.V. gegründet, mit dem Ziel die Texte zur Christlichen Soziallehre weltweit zu publizieren. Im Zeitalter der Globalisierung und Informationstechnologie arbeitet der BKU an der Weiterentwicklung der Katholischen Soziallehre und der Sozialen Marktwirtschaft mit.[2]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bund Katholischer Unternehmer e. V. ist ein freiwilliger Zusammenschluss von katholischen Unternehmern und unternehmerisch Tätigen mit circa 1.300 Mitgliedern (Stand 2016). Juristisch ist er seit 1949 ein eingetragener Verein mit Sitz in Köln. Der Verband wird vertreten durch einen Vorsitzenden und eine Geschäftsführung. Der Verein engagiert sich in 34 Diözesangruppen mit jeweiligem regionalen Vorstand und geistlichem Berater, angelehnt an die Struktur der Diözesen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland.

Grundlagen seiner Arbeit sind der christliche Glaube, die Soziallehre der Kirche und die Ordnungsidee der Sozialen Marktwirtschaft. Der BKU ist ein gemeinnütziger Verein mit ideeller Zielsetzung. Er ist kein Arbeitgeberverband und vertritt keine kommerziellen Interessen. Er ist Mitinitiator der Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft[3] und der AFOS-Stiftung, die Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit für Kleinunternehmer und den entstehenden Mittelstand in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützt.[4] Zudem werden vielfältige Engagements in der Mikrofinanzplattform Deutschland verfolgt.[5]

Seine Mitglieder sind Unternehmer, Selbständige wie auch leitende Angestellte in der Wirtschaft. Die Tätigkeit der Mitglieder des BKU erstreckt sich zum einen auf Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik und zum anderen auf das kompetente Mitwirken innerhalb der kirchlichen Organe. Der BKU hat sich zur Aufgabe gestellt

  • einerseits innerhalb der Wirtschaft als Christen auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre zu wirken, sei es in ihrem Unternehmen oder in den Organisationen der Wirtschaft und der Politik (BDA, BDI, IW, IHK, Parlamente),
  • andererseits innerhalb der katholischen Kirche auf unterschiedlichen Ebenen das Sachwissen und die Erfahrung der Unternehmer einzubringen (Zentralkomitee der deutschen Katholiken, katholische Verbände, Diözesanräte).

Der Verein ist Mitglied in der Internationalen Vereinigung christlicher Unternehmer (UNIAPAC) sowie assoziiertes Mitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Er ist zudem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) und so im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vertreten.[6]

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Greiß (1949–1965)
  • Albert Falke (1965–1969)
  • Eberhard Kloepfer (1969–1971)
  • Franz Greiß (1971–1973)
  • Rolf H. Kasteleiner (1973–1978)
  • Rüdiger Gattineau (1978–1979)
  • Cornelius-Georg Fetsch (1979–1993)
  • Mechthild Löhr (1993–1996)
  • Werner Then (1996–2001)
  • Marie-Luise Dött (seit 2001)

Arbeitskreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BKU hat zu den nachfolgenden Themengruppen ständige Arbeitsgruppen gebildet, in denen innovative Konzepte zu aktuellen Themen der Wirtschafts- und Sozialpolitik diskutiert werden:

  • Arbeitskreis "Soziale Ordnung" (Leitung: Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und Mitglied des BKU-Bundesvorstands)
  • Arbeitskreis "Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit" (Leitung: Winfried Pinger)
  • Arbeitskreis "Christliche Spiritualität" (Leitung: Michael Bommers und Lothar Roos)
  • Arbeitskreis "Kirchenfinanzen" (Leitung: Matthias Klein)
  • Arbeitskreis "Uniapac Europa " (Leitung: Stephan Werhahn)
  • Arbeitskreis "Ethik und Ordnung der Finanzmärkte" (im Aufbau)

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BKU: " Wolfgang Ockenfels: 10 Gebote für die Wirtschaft" 2006 ISBN 3-00-019903-9
  • BKU: "Unternehmer und die Armut in der Welt. Ein Gespräch mit dem Bund Katholischer Unternehmer", 1991, ISBN 3-927382-07-8
  • BKU: "Wege aus der Krise in den Neuen Bundesländern. Standpunkte, Vorschläge und Aktivitäten des Bundes Katholischer Unternehmer", 1991, ISBN 3-7902-5104-6
  • BKU: "Die geistigen Grundlagen des BKU", 1992, ISBN 3-7902-5101-1
  • Klaus-Dieter Schmidt: "Soziale Gerechtigkeit durch unternehmerische Initiative", Schöningh 1994, ISBN 3-506-70235-1

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus-Dieter Schmidt: Soziale Gerechtigkeit durch unternehmerische Initiative: der Bund Katholischer Unternehmer 1949-1990, Schöningh 1994, Seite 30
  2. a b c Die Geschichte des BKU, Webseite des BKU, abgerufen am 5. August 2016
  3. Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft auf jenaerallianz.de, abgerufen am 5. August 2016
  4. AFOS-Stiftung auf afos-stiftung.de, abgerufen am 5. August 2016
  5. Mikrofinanzplattform Deutschland auf mikrofinanzwiki.de, abgerufen am 5. August 2016
  6. Eintrag BKU, Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), abgerufen am 5. August 2016