Thomas Rusche

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Thomas Rusche (* 24. September 1962 in Münster) ist ein deutscher Textilunternehmer, Wirtschaftsethiker und Kunstsammler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Rusche entstammt in vierter Generation einer Münsterländischen Familie von Textilhändlern. Nach seinem Abitur am jesuitischen Mauritius-Gymnasium Büren studierte er von 1982 bis 1990 Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie an der Université de Fribourg und an der Freien Universität Berlin. Praktische und unternehmerische Erfahrungen sammelte er währenddessen bei Peter Scott, Daks, Burberrys und Atkinson in England, Schottland und Nordirland sowie bei Bogner und Konen in München. 1984 wurde er Assistent der Geschäftsführung im väterlichen Textilunternehmen, der SØR Rusche GmbH. 1988 übernimmt er die Geschäftsführung und wird 1996 nach dem Tod seines Vaters alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens in Oelde, welches heute mit 60 Niederlassungen in ganz Deutschland Marktführer im Premiumsegment der Kleidungskultur ist. 1991 wurde er mit der wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit "Strategisches Sortimentsmanagement im Handel" bei Norbert Thom in Fribourg zum Dr. rer. pol. promoviert. 1992 absolvierte er an der FU Berlin zudem den Magister an der Philosophischen Fakultät (M.A. phil.). Rusche engagiert sich seitdem an verschiedenen Hochschulen und Universitäten, wie am Universitätsseminars der Wirtschaft Schloss Gracht (1989–1991), als Universitätslektor am Institut für Unternehmensführung der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (1993–1996) und als Lehrbeauftragter am Institut für Betriebsforschung der Universität Hannover (1997). 2002 wurde er an der FU Berlin mit der philosophischen Arbeit "Aspekte einer dialogbezogenen Unternehmensethik" zum Dr. phil. promoviert.

Thomas Rusche ist mit der Mailänder Ärztin Dr. Anna Flavia Arizzi-Rusche verheiratet und hat mit ihr vier Kinder. Er lebt in Oelde und Berlin.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Rusche ist Kurator und Förderer des Hans-Jonas-Zentrums an der Freien Universität Berlin. 1992 gründete er zusammen mit dem Philosophen Dietrich Böhler und dem Unternehmer Thomas Bausch sowie weiteren Philosophen, Unternehmern und Ökonomen das interdisziplinären Forschungsprojektes Ethik und Wirtschaft im Dialog am Hans Jonas-Zentrum der Freien Universität Berlin. Von 1992 bis 2002 war er zudem Leiter des Projektes und hat 2010 abermals die Leitung übernommen. Rusche unterrichtet an der Freien Universität Berlin Wirtschaftsethik und an der WHU – Otto Beisheim School of Management, Unternehmensethik.

Thomas Rusche ist bekennender Katholik. Er dient der Päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice (CAPP) im Vatikan als Beiratsmitglied und deutscher Koordinator. Des Weiteren ist er Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, des Kolpingwerks und des Bund Katholischer Unternehmer (BKU). Seit 2005 engagiert er sich als Vorsitzender des Hilfswerks Schwester Petra e.V. zugunsten der Ordensgemeinschaft der Dienerinnen der Armen von Petra Mönnigmann.[1]

Unter seinem Namen und dem Künstlernamen Oskar Lenius entwirft Thomas Rusche Luxus-Kollektionen der Herrenbekleidung und verfasst Publikationen über Kleidungskultur und initiiert den Blog Kleidungskultur-soer. Sein Bestseller "Das kleine SØR Brevier der Kleidungskultur" ist in zahlreichen Auflagen und Übersetzungen über 100.000 Mal erschienen. 2012 veröffentlichte er als Herausgeber "The Label Book Of Clothing Culture", erschienen im Daab Verlag. Darüber hinaus hat er Bücher zu Themen der Sozialethik und Unternehmensethik veröffentlicht.

Rusche ist der deutsche Repräsentant der Weltvereinigung des Internationalen Modegewerbes (IMG). Von 1987 bis 2001 war er mehrmals Präsident und Vizepräsident der IMG und Ausrichter der Weltkonferenzen in Hamburg, Wien, Düsseldorf und Berlin. Zudem ist er Kurator und Mitstifter des Westfälischen Friedenspreises in Münster. Beiratsmitglied der J. T. Ronnefeldt KG, Verwaltungsratsmitglied der Ludwig Görtz GmbH in Hamburg, Mitglied des Trägervereins Haus am Waldsee in Berlin und Patron des Rijksmuseum Amsterdam.

Mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur richtet Thomas Rusche die Berliner Salongespräche der Sophisten aus. Er veranstaltet die Internationalen SØR Meisterkonzerte auf Schloss Vornholz, sowie regelmäßige Kunstgänge durch die SØR Rusche Sammlung in Oelde und in Berlin.

SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Rusche fördert den Dialog der zeitgenössischen Kunst mit Alten Meistern. Die SØR Rusche Sammlung Oelde/ Berlin, deren Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreichen umfasst heute über 3.000 Werke mit den Schwerpunkten Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts und zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts. Zunächst in Begleitung seines Vaters, sammelt Thomas Rusche bereits seit seiner Kindheit; zunächst Druckgrafik und Zeichnungen, dann Alte Meister und Skulpturen; seit 2004 zeitgenössische Kunst aller Medien, mit dem Sammlungsschwerpunkt der Kabinettmalerei. Die Sammlung wird fortlaufend wissenschaftlich bearbeitet und in deutschen sowie internationalen Museen ausgestellt.[2][3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurde er für das Entlohnungssystem für seine Mitarbeiter zum Wissensmanager des Jahres 2005 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) ausgezeichnet.[4] 2017 erhielt er den Wilhelm-Weber-Preis, der für Verdienste um die Christliche Gesellschaftslehre bzw. Christliche Sozialwissenschaften im Andenken an den verstorbenen Priester, Theologen und Sozialethiker Wilhelm Weber vergeben wird.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Strategisches Sortimentsmanagement im Handel. Lit, Münster 1991, ISBN 3-88660-724-0.
  • Philosophische versus ökonomische Imperative einer Unternehmensethik. Lit, Münster 1992, ISBN 3-89473-371-3.
  • SØR-Brevier der Nobelmarken. Lit, Münster 1997, ISBN 3-8258-2704-6.
  • mit Eva Bakos: Man trägt „Tracht“: Ein Brevier für den Herrn. Lit, Münster 1998, ISBN 3-8258-3077-2.
  • Aspekte einer dialogbezogenen Unternehmensethik. Dialogbezogene Begründung - Christliche Motivation - verantwortungsvernünftige Praxis. 2. Auflage. Lit, Münster 2002, ISBN 3-89473-680-1.
  • mit Thomas Bausch, Dietrich Böhler: Wirtschaft und Ethik. Strategien contra Moral? Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-7464-8.
  • Der Wissensmanager. Weisheiten für Manager und andere Menschen. Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-8691-3.
  • Das Kleidergen. Holterdorf, Oelde 2006, ISBN 3-87357-007-6.
  • Kleines SØR-Brevier der Kleidungskultur: Der Ratgeber für den Herrn. 6. Auflage. Lit, Münster 2006, ISBN 3-89473-101-X.
  • Große Robe für den Herrn. Lit, Münster 2001, ISBN 3-8258-4504-4.
  • The Label Book of Clothing Culture. Daab, Köln 2012, ISBN 978-3-942597-25-8.
  • Diskursethik und Christliche Soziallehre. Die Verschattung der frohen Botschaft überwinden (Kirche und Gesellschaft, Grüne Reihe Nr. 413, hrsg. von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle), J. P. Bachem Medien, Köln 2014, ISBN 978-3-7616-2824-9.
  • Digitale Transformation unserer (Wirtschafts)-Gesellschaft (Kirche und Gesellschaft, Grüne Reihe Nr. 439, hrsg. von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle), J. P. Bachem Medien, Köln 2017, ISBN 978-3-7616-3142-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Raupp: Landschaften und Seestücke. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Lit, Münster 2001, ISBN 3-8258-2238-9.
  • Hans-Joachim Raupp: Stillleben und Tierstücke. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-2239-7.
  • Hans-Joachim Raupp: Historien und Allegorien. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Lit, Münster 2010, ISBN 978-3-8258-2240-8.
  • Hans-Joachim Raupp: Genre. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Lit, Münster 1996, ISBN 3-8258-2237-0.
  • Hans-Joachim Raupp: Portraits. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche Sammlung. Lit, Münster 1995, ISBN 3-8258-2204-4.
  • Marten-jan Bok, Jannet de Goede, Martine Gosselink: Home in the Golden Age. Masterpieces from the SØR Rusche Collection. Waanders BV, Zwolle 2008, ISBN 978-90-400-8505-5.
  • Olaf Salié: Rising-Young Artist To Keep An Eye On! Daab Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-942597-03-6.
  • Friedrich Conzen, Olaf Salié: Cooperate Collections. Daab Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-942597-22-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Thomas Rusche (PDF-Datei; 192 kB), Hilfswerk Schwester Petra, 2/2005.
  2. Interview mit Thomas Rusche: „Der finanzielle Wert ist unerheblich“ In: Süddeutsche Zeitung. 4. April 2007.
  3. Interview mit Thomas Rusche, 3. Juni 2010.
  4. Interview mit „Die Wissensmanager des Jahres 2005“ In: Impulse. 17. Mai 2005.
  5. Für Verdienste um christliche Gesellschaftslehre: SØR-Geschäftsführer Thomas Rusche mit Wilhelm-Weber-Preis 2017 ausgezeichnet In: FOCUS Online 28. April 2017, abgerufen am 2. Mai 2017.