Burgruine Rodersen

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Burgruine Rodersen
Burgruine Rodersen, Seitenansicht

Burgruine Rodersen, Seitenansicht

Alternativname(n): Roderikessen
Entstehungszeit: 1180
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Mauerreste, Graben
Ständische Stellung: Adlige
Ort: Wolfhagen
Geographische Lage 51° 22′ 5″ N, 9° 10′ 11″ OKoordinaten: 51° 22′ 5″ N, 9° 10′ 11″ O
Höhe: 220 m ü. NHN
Burgruine Rodersen (Hessen)
Burgruine Rodersen

Die Burgruine Rodersen, früher Roderikessen genannt, ist die Ruine einer Höhenburg nördlich der Stadt Wolfhagen im Landkreis Kassel, Hessen (Deutschland).

Von der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg sind noch Mauer- und Fundamentreste und der Burggraben zu erkennen. Ihre Ruine ist frei zugänglich.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burgruine Rodersen befindet sich im Naturpark Habichtswald nicht ganz auf halber Luftlinie zwischen Wolfhagen und Volkmarsen. Sie liegt zwischen der 4,6 km südlich gelegenen Kernstadt von Wolfhagen, dem 2,7 km nordnordöstlich befindlichen Wolfhager Stadtteil Niederelsungen, auf deren Gemarkung die Ruine liegt, und dem knapp 2 km nordnordwestlich gelegenen Volkmarser Stadtteil Ehringen. Gänzlich auf Wolfhager Gebiet befindet sie sich auf zirka 220 m ü. NN direkt östlich der Erpe, durch deren Tal der Abschnitt Volkmarsen–Wolfhagen der Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar verläuft, und rund 700 m östlich der Landesstraße L 3075, die Wolfhagen und Ehringen verbindet.

Etwa 600 m westsüdwestlich der Burgruine Rodersen, die zu Fuß von einem knapp 1,5 km südsüdöstlich von Ehringen an der L 3075 gelegenen Parkplatz zu erreichen ist, befindet sich die Stadtwüstung Landsberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Stadtwüstung Landsberg

Die Burg „Roderikessen“ wurde etwa um 1180/1200 unter der Lehnsherrschaft des Erzbischofs von Mainz erbaut, wohl um die mainzischen Ansprüche im Grenzbereich mit dem damaligen Thüringen der Ludowinger zu sichern. Um 1231 wurde sie, zusammen mit dem damaligen Landsberg, von Truppen des Landgrafen Konrad von Thüringen während dessen Fehde mit Mainz zerstört.

Um 1240 kam die Burg „Roderikessen“, vermutlich als Afterlehen, an die Familie von Gudenberg, Ministeriale des Mainzer Erzbischofs, die sich nun nach der Burg nannte.

Im Thüringisch-Hessischen Erbfolgekrieg wurde sie um 1261 durch den Landgrafen Heinrich I. von Hessen endgültig zerstört und blieb danach Ruine. Steine der Burg sollen in dem 1262 errichteten Kirchturm von Niederelsungen eingebaut worden sein.

In den Jahren 1960 bis 1972 wurde die Ruine der nun „Rodersen“ genannten Burg ausgegraben.

2015 stießen Arbeiter beim Graben einer Flutmulde unterhalb der Burg an der Erpe auf eine Schicht mit gebranntem Hauslehm. Bezirksarchäologe Sippel untersuchte die Stelle und fand dort mittelalterliche Scherben. Beim anschließenden Scannen der Umgebung aus der Luft wurden Wallanlagen einer Stadtbefestigung aus dem 12. oder 13. Jahrhundert sichtbar. Die Geschichte der Wüstung steht wohl in engem Zusammenhang mit der Burg. Sie wurde gleichfalls Rodersen genannt.[1]

Burganlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Burganlage der einstigen Burg „Roderikessen“ sind noch das Fundament des quadratischen Wohnturm-Bergfrieds von 8 mal 8 m Größe zum Hang hin gelegen, Teile der Außenmauer, Reste von Nebengebäuden und Kellern sowie der Halsgraben vorhanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 34.[2]
  • Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer, Abs. VIII: Rodersen, Vlg. J.J.Bohne, Kassel 1839, Band 4, S. 285–290
  • Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (ZVHessG):
  1. Rudolf Haarberg, „Die Ausgrabungen auf der Burg Rodersen. Ziel und Organisation der Grabung.“ In: ZVHessG 84, 1974, S. 123
  2. Gerhard Wittenberg, „Die Burg Rodersen und ihre Besitzer.“ In: ZVHessG 84, 1974, S. 124–141
  3. Wilhelm Pickel, „Die Ausgrabungen auf der Burg Rodersen. Die topographisch-geologischen Gegebenheiten.“ In: ZVHessG 84, 1974, S. 142–144
  4. Werner Most, „Die Ausgrabungen auf der Burg Rodersen. Der bauliche Befund.“ In: ZVHessG 84, 1974, S. 145–154
  5. Karl Heinz Schier, „Die Ausgrabungen auf der Burg Rodersen. Eisenfunde.“ in: ZVHessG 84, 1974, S. 155–159
  • Gerhard Wittenberg: „Das waldeckische Dorf Ehringen im 12. und 13. Jahrhundert; zugleich die Geschichte des Erpetals mit Landsberg und Rodersen.“ In: Mein Waldeck (1984), H. 17, 25. August 1984; Nr. 18 vom 7. September 1984.
  • Hans-Georg Stephan: „Die Stadtwüstung Landsberg bei Wolfhagen im Kreis Waldeck-Frankenberg.“ In: Hessische Akademie der Forschung und Planung im Ländlichen Raum, Kassel, Jahresgabe, Band 9, 2001 (2000), S. 54–67,
  • August Bitter: „Die Stadtwüstung Landsberg bei Wolfhagen.“ In: Hessischer Gebirgsbote, Band 96 (1995), 2, S. 62–63.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sensation: Über 800 Jahre alte Stadt bei Wolfhagen entdeckt. 24. Dezember 2016, abgerufen am 29. März 2016.
  2. Die Burg wird hier aber falsch Ehringen (Volkmarsen) im benachbarten Kreis Waldeck-Frankenberg zugeordnet.