Burg Trendelburg

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Burg Trendelburg
Burg Trendelburg, Südansicht

Burg Trendelburg, Südansicht

Entstehungszeit: 1303
Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Grafen
Bauweise: Quader, Bruchstein, Fachwerk
Ort: Trendelburg
Geographische Lage 51° 34′ 26,5″ N, 9° 25′ 24″ O51.5740277777789.4233333333333172Koordinaten: 51° 34′ 26,5″ N, 9° 25′ 24″ O
Höhe: 172 m ü. NHN
Burg Trendelburg (Hessen)
Burg Trendelburg
Bergfried der Trendelburg im 19. Jahrhundert
Burg Trendelburg, Nordansicht
Gästehaus auf der Bastion, so genannter Rapunzelturm. Er diente 1958 als Filmkulisse

Die Burg Trendelburg ist eine gut erhaltene Burganlage im nordhessischen Landkreis Kassel oberhalb der Stadt Trendelburg.

Lage[Bearbeiten]

Die Spornburg liegt auf 172 m ü. NN am westlichen Rand des Reinhardswaldes in Nordhessen auf einem nach drei Seiten hin steil zur Diemel abfallenden Bergrücken aus Sandstein. Richtung Westen fällt das Gelände nur leicht ab. Hier befindet sich der mittelalterliche Ortskern der Stadt Trendelburg mit gotischer Stadtkirche und historischem Rathaus, das in ortstypischer Fachwerkbauweise erbaut ist. Teile der Stadtmauer sind erhalten oder rekonstruiert.

Burganlage[Bearbeiten]

Die Burganlage der Trendelburg ist eine Einheit aus Festung, die an höchster Stelle des Berges gelegen ist und einer befestigten Ansiedlung. Der Grundriss der Burg Trendelburg ist trapezförmig. Sie war von einem heute verfüllten Burggraben sowie einem Wall umgeben. Der Brunnen ist nicht mehr lokalisierbar. Der Überlieferung nach befand sich ein Born im Halsgraben. Durch einen aus dem Fels geschlagenen Halsgraben ist die Burg zu den Häusern der Ortschaft abgetrennt. Über einen Holzsteg mit Zugbrücke bestand eine Verbindung. So gelangte man durch ein niedriges Tor in den Burghof. Der mächtige, 38 Meter hohe Bergfried ist in die Westmauer integriert. Er besitzt einen Fluchteingang vom Burghof her und ein Verlies. Vier Pechnasen dienten der Verteidigung. Drei originale Schießscharten sind in der Westmauer erhalten. Die restaurierte und mit Zinnen versehene Mauer ist begehbar. Gegenüber liegt das Haupttor, früher über eine Zugbrücke erreichbar. Die heutige Einfahrt ist von zwei Ecktürmen flankiert. Eine Turmspitze ist zerstört. Der andere Turm ist mit einem Fachwerkaufsatz ausgebaut. Hier wohnte früher der Torwächter und das Stadtgefängnis befand sich im Turm. Zwei weitere Türme verstärken die Eckpunkte der Burgmauer. In einem ist ein Abtritt, die Burgtoilette, von außen zu sehen. Die Dächer des Hauptgebäudes, Festes Haus genannt, sowie der drei Ecktürme sind noch mit Sandsteinplatten gedeckt. Drei Stockwerke sind ausgebaut. Im Treppenturm, er ist noch sichtbar, war eine Wendeltreppe. Eine Erweiterung des als Amts- und Gerichtshaus dienenden Gebäudes fand nach dem Dreißigjährigen Krieg statt, indem Landgraf Karl (Hessen-Kassel) auf der Schlosskapelle weitere Etagen aufstocken ließ. Dabei wurde die Eichentreppe eingebaut, die die alte Wendeltreppe ersetzte.

Geschichte[Bearbeiten]

Das ursprünglich sächsische Gebiet wurde von Karl dem Großen erobert. Seitdem gehörte es zum Bistum Paderborn und bis 1021 zur Grafschaft Warburg. Eine Urkunde im Staatsarchiv Münster aus den Liber Vitae des Klosters Corvey erwähnt Trendelburg, „drendelborch“ im 13. Jahrhundert. Die Grafen von Schöneberg beherrschten bis 1306 das Gebiet von Hofgeismar bis Deisel. Konrad III. von Schöneberg, 1249–1311, erbaute die Burg Trendelburg auf einem Sandsteinfelsen an exponierter Stelle. Hier kreuzten wichtige Handelswege die Furt über die Diemel. Konrad verpflichtete sich aus Sühne 1303 zu Militärdiensten dem Mainzer Erzbischof gegenüber. Kurz daraufhin verlor er im Kampf seine Stammburg an das Bistum Paderborn. Im 1306 geschlossenen Frieden wurde Trendelburg gemeinsamer Amts- und Gerichtsort des Bistums Paderborn und des hessischen Landgrafen Heinrich I. Die Witwe Maria von Schöneberg verkaufte 1429 Lehen und Erbgüter an den hessischen Landgrafen. Nach langem Krieg mit Paderborn gelangte Trendelburg 1465 endgültig in hessischen Besitz unter Landgraf Ludwig II. und erhielt 1472 von ihm die Stadtrechte verliehen.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erstürmte wiederholt die Armee Tillys das protestantische Trendelburg und brannte den Ort nieder. Die Pest wütete unter den Einwohnern. Nach Ende des Krieges erweiterte Landgraf Carl das Hauptgebäude und baute die Burg zum befestigten Jagdschloss aus.

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) besetzten französische Truppen zunächst kampflos unter Oberst Pereuse die Burg. Ein erbitterter Kampf gegen die Armee Herzog Ferdinands, bei dem die Burg mit Mörsern und Geschützen in Brand geschossen wurde, führte zur Niederlage der 300 Verteidiger.

Die wichtigen Ämter wie Rentamt und Gericht wurden im 19. Jh. verlegt. So verlor die Burg ihre bisherige Bedeutung. Sie diente dem preußischen Forstamt als Sitz.

1901 kaufte die Familie Adalbert von Stockhausen, deren Vorfahren in Wülmersen und im Rittergut zu Abgunst seit Jahrhunderten mit den Geschicken Trendelburgs verbunden sind, die Burg und richteten sie als Wohnburg ein.

1949 begann der Umbau zum Burghotel. Es wurde ein Restaurantbereich zwischen Westmauer und Haupthaus angebaut und Hotelzimmer vom ersten Stock bis ins Dachgeschoss eingerichtet. Ein Eckturm mit Fachwerkaufsatz am Haupttor wurde zum Hochzeitsturm ausgebaut.

Märchen und Sagen[Bearbeiten]

Mit dem Märchen Rapunzel der Brüder Grimm ist Trendelburg Mitglied der Deutschen Märchenstraße. In der Märchen- und Sagentradition Trendelburgs sind fünf verschiedene Trendula-Sagen bekannt: „Entstehung des Wolkenborsts“, „Kruko oder der Zauberer vom Krukenberg“, „Trendula lässt Berge entstehen“, „Tod in der Mordkammer“ und „Eine Weissagung“. Weitere Sagen bereichern das Spektrum wie: „Der Nachtrabe“, „Erbsen und Speck“, „Der Diemelnix“, „Der Wäschebrunnen“, „Riesen auf der Trendelburg und Sababurg“ und „Stockhausen–der wilde Jäger im Reinhardswalde“.

Heute[Bearbeiten]

Die Burg Trendelburg beherbergt ein Hotel mit Restaurant sowie eine Außenstelle des Standesamtes der Stadt Trendelburg. Seit 1996 gehört die Burg zu den Privathotels Dr. Rolf Lohbeck. Es erfolgten vorrangig Instandsetzungsarbeiten der Burgmauer und Renovierungen im Hauptgebäude. Der Burghof ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2012 ist der Bergfried restauriert. Er kann wieder bestiegen werden und wird als Rapunzelturm genutzt. Im Turm sind das Verließ und eine Folterkammer eingerichtet. Der Turm hat ein Schutzdach bekommen, wie es auf historischen Darstellungen zu sehen ist.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der so genannte Rapunzelturm mit seinem Fachwerkaufsatz diente in dem 1958 entstandenen Heinz Erhardt-Film Vater, Mutter und neun Kinder als Kulisse.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten, 3. Aufl., Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 20f. ISBN 3-86134-228-6
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern, Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 342f. ISBN 3-89214-017-0
  • Eberhard Michael Iba: Die Deutsche Märchenstraße. Eine sagenhafte Reise vom Main zum Meer, CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 2011. ISBN 978-3-8271-9136-6
  • Eberhard Michael Iba: Sagen und Geschichten aus Nordhessen, 7. Auflage, Verlag CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 1998. ISBN 978-3-8271-9134-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Trendelburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]