Volkmarsen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Volkmarsen
Volkmarsen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Volkmarsen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 25′ N, 9° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Waldeck-Frankenberg
Höhe: 259 m ü. NHN
Fläche: 67,47 km²
Einwohner: 6743 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34471
Vorwahl: 05693
Kfz-Kennzeichen: KB, FKB, WA
Gemeindeschlüssel: 06 6 35 020
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Steinweg 29
34471 Volkmarsen
Webpräsenz: www.volkmarsen.de
Bürgermeister: Hartmut Linnekugel (parteilos)
Lage der Stadt Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg
Hatzfeld (Eder) Battenberg (Eder) Bromskirchen Allendorf (Eder) Burgwald (Gemeinde) Rosenthal (Hessen) Gemünden (Wohra) Haina (Kloster) Frankenberg (Eder) Frankenau Bad Wildungen Lichtenfels (Hessen) Korbach Willingen (Upland) Diemelsee (Gemeinde) Diemelstadt Vöhl Volkmarsen Bad Arolsen Twistetal Waldeck (Stadt) Edertal Nordrhein-Westfalen Landkreis Kassel Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Marburg-BiedenkopfKarte
Über dieses Bild
Volkmarsen von der Kugelsburg aus fotografiert

Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Hessen (Deutschland). Die Kernstadt hat 4490 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsen und Kugelsburg

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsen liegt in Nordhessen rund 28 km (Luftlinie) westnordwestlich von Kassel am Nordrand des Waldecker Tafellands und an dessen Abflachung zum Diemeltal hin. Der Naturpark Habichtswald befindet sich östlich der Stadt.

Durchflossen bzw. tangiert wird Volkmarsen vom Diemel-Zufluss Twiste im Westen, in die südwestlich der Kernstadt die Watter und nördlich die Wande und die östlich verlaufende Erpe münden. Neun Bäche durchziehen die Gemarkung, ehe ihr Wasser über die Twiste in die Diemel geführt wird. Ein von der Twiste abgeleiteter Kanal als zusätzlicher Schutz vor den Stadtmauern ist noch heute im Westbereich der Altstadt als „Mühlengraben“ zu sehen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsen grenzt im Norden an die Stadt Warburg (Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen), im Osten an die Gemeinde Breuna und die Stadt Wolfhagen (beide Landkreis Kassel), im Süden und Westen an die Stadt Bad Arolsen, sowie im Nordwesten an die Stadt Diemelstadt (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt gehören neben der namengebenden Kernstadt Volkmarsen die Stadtteile Ehringen, Herbsen, Hörle, Külte und Lütersheim mit dem Naturdenkmal Hollenkammer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt mit Burgruine um 1800

Volkmarsen wurde im Jahre 1155 erstmals urkundlich in einer Corveyer Zehntliste erwähnt. In einem Schutzbrief von Papst Gregor IX. wurde Volkmarsen 1233 erstmals als Stadt bezeichnet. 1304 verpfändete das Kloster Corvey eine Hälfte der Stadt und der Kugelsburg an den Erzbischof von Köln; die zweite Hälfte erwarb sein Nachfolger im Jahr 1440. Seit 1507 gehörten die Stadt und die Burg zum Herzogtum Westfalen, nachdem das Kloster Corvey auf seine Rechte auf Rückerwerb verzichtet hatte. 1802 okkupierte Hessen-Darmstadt das Herzogtum Westfalen. Dabei kam es fast zum bewaffneten Konflikt, als sich Truppen von Hessen-Darmstadt und von Hessen-Kassel um den Besitz der Stadt stritten. Gleichzeitig erhob Erbprinz Wilhelm von Nassau-Oranien als neu eingesetzter Fürst von Nassau-Oranien-Fulda Ansprüche auf die Stadt. Zunächst konnte sich Hessen-Darmstadt durchsetzen, bis 1806 besagter Erbprinz die Stadt erhielt, die aber schon ein Jahr später zum napoleonischen Königreich Westphalen kam und zum Sitz des sogenannten Cantons Volckmarsen wurde. Nach dem Wiener Kongress 1814 erhielt Preußen die Stadt, trat sie aber 1817 an Kurhessen ab. 1866 wurde der Ort dann wieder preußisch, als Kurhessen von Preußen annektiert wurde. Seit 1945 gehört die Stadt zum Land Hessen.

Rathaus

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kam Volkmarsen am 1. August 1972 aus dem damaligen Landkreis Wolfhagen zum Landkreis Waldeck und gehört seit dem 1. Januar 1974 zum Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ehringen, die ebenfalls dem Landkreis Wolfhagen angehörte, eingegliedert. Am 1. August 1972 kamen Herbsen, Hörle, Külte und Lütersheim (alle im Landkreis Waldeck) hinzu.[2]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Zugehörigkeit der Stadt zum Herzogtum Westfalen während und nach der Reformation blieb die katholische Konfession in der Kernstadt Volkmarsen vorherrschend. Die katholische Kirchengemeinde Volkmarsen ist seit 1821 dem Bistum Fulda zugeordnet.

Eine von Hobbyarchäologen entdeckte Schachtmikwe in einem Fachwerkgebäude im Steinweg belegt bereits für das ausgehende Mittelalter eine jüdische Gemeinde in Volkmarsen. Das Ritualbad konnte dendrochronologisch in das frühe 16. Jahrhundert datiert werden. Architektonische Elemente ordnen die Mikwe jedoch einem mittelalterlichen Bautyp zu.[3] Die Volkmarsener Mikwe weist Parallelen zur Friedberger Mikwe auf.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[4] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[5][6]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
      
Von 31 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,0 12 41,9 13 40,1 13 39,0 12
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,7 8 31,7 10 28,4 9 34,4 11
FWG Freie Wählergemeinschaft Volkmarsen 15,1 5 14,2 4 17,2 5 15,0 5
Unabhängige Unabhängige 6,4 2 7,3 2
FDP Freie Demokratische Partei 4,1 1 4,9 2 7,1 2 6,2 2
AfD Alternative für Deutschland 9,8 3
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,2 2 5,3 1
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 54,7 54,7 57,6 64,3

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Marien
Scheidwarte südlich von Volkmarsen im NSG Scheid

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Haus Dr. Bock, Kasseler Str. 6, befinden sich das Volkmarser Heimatmuseum und die Ausstellung, die Geschichtswerkstatt und das Dokumentations- und Informationszentrum des Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen e.V.“ über jüdisches Leben in Volkmarsen und Umgebung.[7]

Geopark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Volkmarser Stadtgebiet gibt es drei Stationen des Geoparks Grenzwelten: 1) Kugelsburg, 2) Sauerbrunnen, 3) Bergbaustollen des Ralekesberges.[8]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Kirche, St. Marien (Marienkirche) in der Kernstadt (gebaut um 1260)
  • Wittmarkapelle St. Marien und Martin (Wüstung Wittmar), renoviert 2000–2003
  • Kugelsburg, gebaut um 1200, zerstört im Siebenjährigen Krieg
  • Burgstall Fürstenstein auch Vorstenstene oder örtlich Burgruine Ödelbeck genannt, nördlich des Stadtteils Lütersheim
  • Scheidwarte, Wartturm im Ortsdreieck Volkmarsen−Ehringen−Lütersheim
  • Judenwarte, Wartturm zwischen der Kernstadt und dem Stadtteil Herbsen

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alter Gerichtsplatz, westlich des Stadtteils Ehringen
  • Jüdisches Ritualbad (Mikwe) aus dem 16.–18. Jahrhundert, 2013 in einem Privathaus im Steinweg[9]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hollenkammer, kleine Sandstein-Felshöhle nahe dem Stadtteil Lütersheim
  • Huckershöhlen, zwischen Volkmarsen und Lütersheim
  • Volkmarser Sauerbrunnen, Mineralwasserquelle mit staatlicher Anerkennung als Heilquelle.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Volkmarsen
Kurhessenbahn im Bahnhof Volkmarsen

Der Bahnhof Volkmarsen liegt an der Bahnstrecke Warburg–Sarnau und der Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar. Es verkehrt stündlich ein Regional-Express zum Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe und nach Korbach Süd und Buslinien regelmäßig nach Korbach, Warburg und Breuna. Zudem verkehrt alle 60 Minuten ein Anruf-Sammel-Taxi (AST) von allen Volkmarser Bushaltestellen in fast alle Orte im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Volkmarsen liegt im Verbundgebiet des NVV. Volkmarsen liegt an der A 44 (Abschnitt DortmundKassel).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Lebrecht Kailuweit: Chronik der Stadt Volkmarsen. Geschichts- und Heimatverein Volkmarsen e. V., Volkmarsen, Band 1, 1993; Bd. 2, 1996.
  • Michael Gosmann: Eine unbekannte Stadtansicht Volkmarsens mit der Kugelsburg von 1803. In: SüdWestfalen Archiv. Landesgeschichte im ehemals kurkölnischen Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Arnsberg, Arnsberg 2001, S. 167–171.
  • Manfred Schöne: Das Herzogtum Westfalen unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1802–1816. Olpe 1966.
  • Wolf Vervoort: 750 Jahre Stadt Volkmarsen – Chronik einer Kleinstadt. Herausgeber: Festausschuß zur 750-Jahrfeier der Stadt Volkmarsen, Druckerei Hans Sauerland, Volkmarsen 1983.
  • Wolf Vervoort: Führer durch die Altstadt Volkmarsen und ihre Gemarkung. Heimat- und Geschichtsverein Volkmarsen, Volkmarsen 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 409, 411.
  3. Artikel in der Jüdischen Allgemeine vom 4. Juli 2014
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  7. Webseite des Arbeitskreises Rückblende - Gegen das Vergessen e.V
  8. Webseite des „Nationalen GeoParks GrenzWelten! - Geostationen“
  9. Einzigartiges jüdisches Ritualbad in Volkmarsen entdeckt. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Abgerufen am 13. Dezember 2013.
  10. „Verein für Computergenealogie e.V.“ zu Sanitätsrat Dr. med. Franz Josef SCHERF

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkmarsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Volkmarsen – Reiseführer
 Wikisource: Volkmarsen – Quellen und Volltexte