Butterfahrt

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Ein typisches Butterschiff: die Baltic Star (ex Helgoland (Schiff, 1963)) der Förde Reederei Seetouristik (1987)

Als Butterfahrt wurde im Zeitraum von etwa 1953 bis 1999 umgangssprachlich eine Einkaufsfahrt auf einem Ausflugsschiff bezeichnet, die über die auf See gelegene Zollgrenze von Deutschland hinausführte.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kurzzeitige Aufenthalt im Ausland ermöglichte es, zahlreiche Artikel billiger einzukaufen und abgabenfrei nach Deutschland einzuführen. Dazu gehörte vor allem die in Dänemark damals weit preiswertere Butter, von der diese Unternehmungen den Namen erhielten. Zudem wurden Tabak, Spirituosen und Parfüm gern gekauft.

Da die Fahrten selbst fast zum Nulltarif, also für einen symbolischen Preis angeboten wurden und in Flensburg teilweise durch großzügig verteilte Werbekarten kostenlos waren[1], wurde die Fahrt gern als Ausflug mit zusätzlichem Nutzen unternommen. Auf der Ostsee waren Butterfahrten bis zum Ende der 1990er Jahre aus fast allen Häfen üblich. Später wurden Butterfahrten per Bus in die Niederlande und nach Polen organisiert.

Eine Besonderheit gab es im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Tschechien im Bereich der Oberelbe: Weil nach der Elbeflut 2002 der Grenzübergang Schmilka-Hřensko im Zuge der Bundesstraße 172 für viele Monate gesperrt war, fuhr für mehrere Monate ab Bad Schandau täglich ein Binnenfahrgastschiff grenzüberschreitend in das tschechische Staatsgebiet. Dort legte das Schiff nur sehr kurz an und verkaufte die für eine Butterfahrt typischen steuerfreien Waren. (Tschechien gehörte erst ab Mai 2004 zur Europäischen Union.)

Von der einstigen sogenannten „weißen Flotte“ aus Butterschiffen im Flensburger Hafen verblieb bis heute nur noch die Jürgensby.

Vorschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Juli 1981 erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Abgabenfreiheit auf den sogenannten „Butterschiffen“, die auf Nordsee und Ostsee verkehren, mit dem EG-Recht für unvereinbar.

Auf politischen Druck seitens der deutschen Wirtschaft wurden erschwerende Bestimmungen erlassen, so etwa, dass vor der Freigabe des zollfreien Einkaufs das Schiff im (Zoll-)Ausland anlegen musste. Dies führte zu der kuriosen Situation, dass ein deutsches „Butterschiff“ den nächstgelegenen dänischen oder polnischen Hafen ansteuerte und dort ein Tau auswarf, welches um den Poller am Kai geschlungen und nach wenigen Sekunden wieder gelöst wurde, womit das Schiff formal angelegt hatte und zurückfahren konnte.

Seit dem 1. Juli 1999 sind derartige Fahrten in der EU nicht mehr zulässig.[2]

Satirisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Band Torfrock nimmt in ihrem Song Die Butterfahrt die Fahrten auf dem Schwoofdampfer auf die Schippe: Auf der Butterfahrt nach Dänemark brettern wir uns die Augen dicht. Bruder, Oma, Sohn und Mutter: Alle saufen auf'm Kutter.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. beispielsweise: MoinMoin vom November 1978, Dezember, Januar 1979 und Februar 1979 usw.; Die Moin Moin ist ein kostenlos verteiltes Anzeigenblatt.
  2. Richtlinie 92/12/EWG des Rates vom 25. Februar 1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]