Carsten Stahl

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Carsten Stahl (* 30. Oktober 1972 in Berlin[1]) ist ein deutscher TV-Serien-Schauspieler, Kampfsportler und Gewaltpräventions-Berater. Am bekanntesten ist er mittlerweile als bundesweit tätiger Anti-Mobbing-Trainer an Schulen.

Zudem kandidiert Stahl auf der Landesliste der Freien Wähler für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2021.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stahl wuchs in den 1970er Jahren in Berlin-Neukölln auf. Weil er als Kind unsportlich war, wurde er zum Mobbingopfer von Mitschülern. Den Erwachsenen traute er wirksame Gegenmaßnahmen nicht zu, erzählte ihnen also jahrelang nichts davon.[2] Erst als Jugendlicher wandte er sich dem Sport zu, erst Fußball und Tennis, später Kraftsport und verschaffte sich durch „Zurückschlagen“ Respekt. Als Anführer einer kriminellen Neuköllner Gang verdiente er nach der Schulzeit viele Jahre seinen Lebensunterhalt. Offiziell arbeitete er als Fitnesstrainer. Sportlich errang er in 20 Jahren Kampfsportpraxis den Schwarzen Gürtel (1. DAN) in All Style Karate sowie fortgeschrittenes Leistungslevel in Mixed Martial Arts und Krav Maga. Erst als er und seine damalige Freundin Kinder bekamen, kaufte er sich 2007 aus seinen „Halbweltverstrickungen“ heraus. Stahl arbeitete dann einige Jahre als Privatdetektiv und Personenschützer.[3]

Über eine kleine Rolle bei RTL II nahm er an einem Casting teil und erhielt die Hauptrolle in der Serie „Privatdetektive im Einsatz“. Den stark tätowierten, muskelbetonten Chef einer Detektei verkörperte er von 2011 bis 2014 in insgesamt 289 Serienfolgen.[4]

Stahl sprach nach eigenen Aussagen mit dem Schuldirektor seines sechsjährigen Sohnes, als dieser in der Schule verprügelt worden war. Dieser habe den Fall laut Stahl verharmlost und nichts ernsthaft unternehmen wollen.[5] 2014 gründete er daraufhin die Bürgerinitiative Stoppt Mobbing!, um Berliner Schulrektoren anzubieten, mit Schulklassen über Gewalt im Alltag, Drogen, Diskriminierung und kriminelles Verhalten zu sprechen. Nach ersten Erfolgen gründete Stahl mit anderen den Trägerverein „Camp Stahl“ e. V. und wurde bundesländerübergreifend tätig.

Über das Bundesprogramm Demokratie leben! finanziert der deutsche Staat für Schulen in mehreren Bundesländern die Einladung des Antimobbing-Trainers Stahl für sein jeweils mehrstündiges Gewaltpräventions-Programm mit Schülern und Lehrern.[6]

Mitte April 2018 begann die Reality-TV-Serie „Stahl: hart gegen Mobbing“ auf RTL 2 mit Stahl, in der er wöchentlich eine Schule besucht.[7]

Die Vielzahl der Anfragen bundesweit sind von „Camp Stahl“ allein mittlerweile gar nicht zu bewältigen. Daher gründeten sich vermehrt lokale Mobbing-Präventions-Stützpunkte.[8]

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey kündigte an, noch 2018 zusätzlich 20 Millionen Euro für Anti-Mobbing-Profis auszugeben. Das Projekt ist Teil des 2017[9] vom Koalitionsausschuss der damaligen Bundesregierung beschlossenen Nationalen Präventionsprogramms gegen islamistischen Extremismus. Zunächst war vorgesehen, etwa 170 Antimobbing-Profis dafür an jene Schulen zu schicken, die diese Unterstützung annehmen wollen.[10] Als diese Anti-Mobbing-Profis am 16. November 2018 offiziell starteten, im Rahmen des Bundesprogramms Respekt Coaches/Anti-Mobbing-Profis, waren es mehr als 200 Sozialarbeiter an bundesweit 175 Schulen.[11]

Stahl lebt mit seiner Familie in Berlin.

Kontroverse um die Methoden Carsten Stahls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Methoden von Stahl sind umstritten.[12] So äußerten Schulpsychologen der Stadt Düsseldorf die Bedenken, dass er die Betroffenen lediglich emotionalisiere, ihnen aber keine nachhaltigen Konzepte oder Strategien zum dauerhaften Umgang mit den Problemen anbiete. Wegen der fehlenden Nachhaltigkeit seines Konzepts sowie der zu vermutenden Belastungsrisiken für die Betroffenen werde das „Camp Stahl“ weder gefördert noch den Schulen in Düsseldorf empfohlen.[13] Der Neuköllner Jugendhilfe-Ausschuss entschied im März 2019, nicht mit Stahls Anti-Mobbing-Projekt zusammenzuarbeiten.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2021 wurde bekannt, dass Stahl für die Freien Wähler Berlin bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 26. September 2021 antreten wird. Auf der vom früheren FDP-Politiker Marcel Luthe geführten Liste wurde Stahl während eines Landesparteitages auf Platz 4 gewählt.[14]

Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carsten Stahl. Abgerufen am 30. September 2019.
  2. Mobbing an Schulen „Dann brennt bald die ganze Bude“, Spiegel Online 13. Juni 2018, abgerufen 10 September 2018
  3. Carsten Stahl Kurzbiografie, Buchszene, abgerufen 10 September 2018
  4. «Privatdetektive im Einsatz» siehe Fotomittelpunkt, Quotencheck 7. April 2016, abgerufen 10 September 2018
  5. „Mobbing zerstört die Seele“: Carsten Stahl ging durch die Hölle, dann änderte er sein Leben radikal, Neon vom 17. Mai 2018, abgerufen 10 September 2018
  6. „Stoppt Mobbing!“-Kampagne an Erfurter Schule, Thüringische Landeszeitung vom 7. September 2018, abgerufen 10 September 2018
  7. RTL II: 'Stahlharte' Verluste für neue Mobbing-Sendung, Quotenmeter vom 17. April 2018, abgerufen 10 September 2018
  8. Ein Zeichen gegen Mobbing und Gewalt in Oberhausen setzen, WAZ vom 10. Juli 2018, abgerufen 10 September 2018
  9. Nationales Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus (NPP): Diese Schwerpunkte fördert der Bund. In: bpb.de. Bundeszentrale für politische Bildung, 3. Juli 2018, abgerufen am 24. April 2019.
  10. Anti-Mobbing-Profis bereiten sich vor, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 9. Mai 2018, abgerufen 10 September 2018
  11. Gegen Mobbing an Schulen: Offizieller Startschuss für das Bundesprogramm „Respekt Coaches/Anti-Mobbing-Profis“. BMFSFJ, 16. November 2018, abgerufen am 24. April 2019.
  12. a b Julius Betschka, Nina Breher und Madlen Haarbach: Streit über Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl eskaliert. tagesspiegel.de, 10. November 2019, abgerufen am 19. November 2019.
  13. Julia Schaaf: Kampf gegen Mobbing: „Ich bin einer von euch!“ F.A.S., abgerufen am 11. November 2019.
  14. Werner van Berber: Ex-FDP-Politiker Marcel Luthe tritt für die Freien Wähler an. In: Der Tagesspiegel Online. 17. April 2021, abgerufen am 18. April 2021 (deutsch).
  15. www.wucky.de - Stoppt Mobbing. Abgerufen am 18. Februar 2021.