Chaldäisch-katholische Kirche

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Die chaldäisch-katholische Kirche (syrisch-aramäisch: ܥܕܬܐ ܟܠܕܝܬܐ ܩܬܘܠܝܩܝܬܐ; īṯa kaldetha qāthuliqetha) ist eine mit Rom unierte Ostkirche mit ostsyrischem Ritus. Sie bildet den katholischen Zweig der „Kirche des Ostens“, das heißt des altkirchlichen Katholikats von Seleukia-Ktesiphon.

Chaldäisch-katholische Kirche

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Tradition wurde die chaldäische Kirche im Jahr 52 durch den Apostel Thomas gegründet. Nach dem Konzil von Ephesos (3. Ökumenisches Konzil) von 431 trennte sich die chaldäische Kirche von der orthodoxen Kirche und ist seit dem 17. Jahrhundert Teil der römisch-katholischen Kirche, gleichwohl mit eigener Kirchenhierarchie.[1]

Im 15. Jahrhundert wurde das Katholikat innerhalb der ostsyrischen „Kirche des Ostens“ für erblich erklärt. Dies führte 1553 zu einer Kirchenspaltung, wobei sich der gewählte (Gegen-) Katholikos-Patriarch der nichterblichen Fraktion, Sulaqa Mar Shimon, der römisch-katholischen Kirche annäherte und eine chaldäisch-katholische Kirche mit eigener Patriarchenlinie begründete. Sitz des Katholikos der älteren Linie war zu dieser Zeit Alqosch in der Ebene von Mosul, Wohnsitz des Patriarchen der jüngeren zunächst Diyarbakir, dann, über Zwischenstationen, Qudschanis in den Bergen von Hakkâri. Dieses „Patriarchat der Berge“ verlor um 1662 die Gemeinschaft mit Rom, wurde autokephal und ebenfalls erblich.

Ein drittes ostsyrisches Patriarchat entstand in den 1680er Jahren, als Bischof Joseph I. von Diyarbakir die Gemeinschaft mit Rom aufnahm und den Titel eines Patriarchen erhielt. Es bestand bis zum 19. Jahrhundert.

Die ältere Linie des „Patriarchats der Ebene“ starb 1803 aus bzw. wurde mit Johannes Hormizd katholisch. Die verbleibende nicht-katholische Minderheit akzeptierte daraufhin die Hierarchie des Patriarchats von Qudschanis. Nach Auflösung des katholischen Patriarchats von Diyarbakir 1830 erhielt Johannes Hormizd, der seit längerem zum Katholizismus konvertierte Neffe und amtierende Nachfolger des letzten nicht-katholischen Patriarchen von Alqosch, auch offiziell den Titel eines „Patriarchen von Babylon“ der chaldäisch-katholischen Kirche zuerkannt. Seine beiden ersten Nachfolger, Nikolaus Zaya und Joseph VI. Audo, gerieten zwar in Konflikte mit Rom über die Patriarchenrechte, unterwarfen sich jedoch letztlich.

Beide konkurrierenden Kirchenorganisationen, die autokephale („assyrische“) und die katholische („chaldäische“), waren um 1900 personell etwa gleich stark, wobei sich ihre Jurisdiktionsgebiete selten überschnitten. Der nicht-katholische Zweig, die heutige Assyrische Kirche des Ostens, wurde in der Folgezeit durch den Völkermord an den Aramäern im Ersten Weltkrieg, die Flucht und Auswanderung ihrer Angehörigen in die Diaspora und die erzwungene Umsiedlung ihres Katholikos-Patriarchen in die USA geschwächt.

Im Unterschied zur lateinischen Kirche feiern die Mitglieder der chaldäisch-katholische Kirche die Liturgie in syrisch-aramäischer Sprache. Da jedoch ein Großteil der Gläubigen Arabisch spricht, wird die arabische Umgangssprache der Bevölkerung zunehmend bei Lesen von Gebeten, Bibelstellen und einigen liturgischen Formeln benutzt und die Heilige Messe oft zweisprachig gestaltet. Der Religionsunterricht findet, abgesehen von den Bergdörfern im Norden des Irak, wo noch heute Aramäisch gesprochen wird, in Arabisch statt. Bereits Verheiratete können zum Priester geweiht werden, unverheiratete Priester nach der Weihe allerdings nicht mehr heiraten.

Heute gibt es für Mitglieder der chaldäisch-katholische Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens unter gewissen Bedingungen die Möglichkeit der Teilnahme an der Eucharistie in der jeweils anderen Kirche.

Gegenwart[Bearbeiten]

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Assyrische St.-Marien-Kirche in Campbell, Kalifornien

Der chaldäisch-katholischen Kirche gehören etwa 3,5 Millionen Gläubige an (Stand 2010).[1] Von den rund 200 Priestern wirken etwa die Hälfte im Irak, zwanzig betreuen die rund 160.000 katholischen Chaldäer in den USA. Etwa 18.000 leben heute in Frankreich.

Die chaldäisch-katholische Kirche ist in Frankreich, Georgien, Indien, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Libanon, palästinensischen Autonomiegebieten, Syrien, Türkei und den USA vertreten. Sie steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst in Rom. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch von Babylon der Chaldäer, seit 1950 mit Sitz in Bagdad.

Wegen der unsicheren Lage im Irak verlassen viele chaldäisch-katholische Christen das Land. Tausende flüchten ins Nachbarland Syrien, um von dort aus in sichere Drittländer auszuwandern. Aktuell halten sich in der Hauptstadt Damaskus rund 25.000 chaldäisch-katholische Christen auf, dabei gibt es sonst nur 14.000 Personen in Syrien, die sich zu dieser Konfession bekennen. Man schätzt, dass seit dem Beginn des Krieges im März 2003 die Hälfte der irakischen Christen das Land verlassen haben.[2] Die Zahl der Christen in Bagdad ist von etwa 400.000 auf knapp 100.000 gesunken. Von 30.000 Chaldoassyrern in Basra sind nur noch etwa 1000 in der Stadt geblieben. In Mosul, früher etwa 80.000 Christen, sollen sich nur noch ein paar Hundert von ihnen aufhalten.[3] Der von Unbekannten entführte Erzbischof von Mosul, Paulos Faraj Rahho, wurde am 13. März 2008 in der Nähe von Mosul tot aufgefunden.[4] Inzwischen hat sich die Sicherheitslage in der irakischen Hauptstadt soweit verbessert, dass die Lehre im chaldäisch-katholischen Patriarchalseminar St. Peter und im Babel College wieder aufgenommen werden konnte.[5]

Siehe auch: Liste der Patriarchen der Chaldäisch-katholischen Kirche und Christen im Irak

Literatur[Bearbeiten]

  •  Joseph Tfinkdji: L’église chaldéenne catholique. Autrefois et aujourd’hui. In: Annuaire Pontifical Catholique. 1914, S. 449–525.
  •  Anthony O'Mahony: The Chaldaean Catholic Church: The Politics of Church-State Relations in Modern Iraq. In: Heythrop Journal. 45 2004, S. 435–450 (PDF).
  •  Albert Lampart: Ein Märtyrer der Union mit Rom. Joseph I. (1681-1696) Patriarch der Chaldäer. Einsiedeln 1966.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b „Indien: neue Bischöfe der chaldäischen Kirche“, Radio Vatikan, 19. Januar 2010
  2. Radio Vatikan: Irak: Ringen um Religionsfreiheit vom 1. Januar 2007
  3. Gesellschaft für bedrohte Völker: Deutschland muss Iraks Christen aufnehmen 22. Dezember 2006
  4. BBC:13. März 2008
  5. Radio Vatikan: Irak: Seminar und Universität wieder eröffnet vom 15. Januar 2007