Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Radio Vatikan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Radio Vatikan
Radio Vatican Logo.svg
Allgemeine Informationen
Empfang Kurzwelle
Ultrakurzwelle
DAB
(Köln/Wien/Rom/Bozen)
Satellitenradio
Internetradio
Sendegebiet weltweit
Eigentümer Heiliger Stuhl
Geschäftsführer Giacomo Ghisani (seit 1. März 2016, ad interim)[1]
Programmchef Andrzej Majewski SJ
Sendestart 12. Februar 1931
Rechtsform staatlich
Claim Die Stimme des Papstes und der Weltkirche
Homepage radiovaticana.va
de.radiovaticana.va
Liste der Hörfunksender

Radio Vatikan (italienisch Radio Vaticana, RV) ist der Auslandsrundfunk des Heiligen Stuhles, der die Aufgabe hat, über die Tätigkeiten des Vatikans,[2] der römisch-katholischen Kirche und allgemein über andere Kirchen zu berichten sowie die katholische Lehre weiterzutragen.[3] Die Eigenständigkeit des Senders endete mit dem Beginn des Jahres 2017, als Radio Vatikan in das Kommunikationssekretariat des Heiligen Stuhls eingegliedert wurde.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss der Lateranverträge wurde mit den Vorbereitungen zur Errichtung eines eigenen kirchlichen Radioprogramms begonnen. Gegründet wurde Radio Vatikan 1931 unter Papst Pius XI. Die Leitung des Senders wurde dem Jesuitenorden übertragen. Das Hauptsendezentrum wurde am vatikanischen Hügel eingerichtet. Am 12. Februar 1931 wurde um 16:30 Uhr mit der von Papst Pius XI. gesprochenen Botschaft „Qui arcano Dei consilio“ (lat.: „Welcher, durch Gottes unergründlichen Ratschluss ...“) die erste Sendung ausgestrahlt; bis 1939 waren weitere Sendungen in einem Teststadium.[5] Seit 1957 gibt es auch eine Sendeanlage mit leistungsfähigen Rundfunksendern für Kurz- und Mittelwelle auf exterritorialem Gebiet bei Santa Maria di Galeria, nördlich von Rom.

Der 1965 offiziell eingerichtete englische Dienst für Asien wurde zum Ende der winterlichen Sendeperiode am 24. März 2017 zum letzten Mal terrestrisch ausgestrahlt.[6]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendemast und Verwaltungsgebäude im Vatikan (2005)

Die Sendungen wurden lange Zeit hauptsächlich über Mittel- und Kurzwellensender in die ganze Welt ausgestrahlt, wobei die Sendungsinhalte nach folgenden Kriterien gewichtet werden:

Radio Vatikan besteht aus rund 40 Sprachredaktionen und sendet in 45 Sprachen,[4] unter anderem auch auf Deutsch. Die Sprachabteilungen haben etwa 20 Minuten Sendezeit pro Tag zur Verfügung, die Sendungen werden dann teilweise mehrmals am Tag ausgestrahlt.

Derzeit sendet Radio Vatikan in folgenden Sprachen: Albanisch (seit 1951), Amharisch (1948), Arabisch (1949), Armenisch (1966), Bulgarisch (1949), Chinesisch (1950), Dänisch (1953), Deutsch (1937), Englisch (1937), Esperanto (1976), Estnisch (1948), Finnisch (1975), Französisch (1931), Hindi (1965), Italienisch (1931), Japanisch (1959), Swahili, Kroatisch (1947), Latein (1931), Lettisch (1948), Litauisch (1940), Malayalam (1965), Polnisch (1938), Portugiesisch (1940), Rumänisch (1947), Russisch (1948), Schwedisch (1953), Slowakisch (1947), Slowenisch (1947), Somalo (1992), Spanisch (1934), Tagalog, Tamil (1965), Tigri, Tschechisch (1947), Ukrainisch (1939), Ungarisch (1939), Urdu (1993), Vietnamesisch (1980), Weißrussisch (1950).[7]

Gelegentlich werden auch Sendungen in folgenden Sprache gesendet: Ewondo, Kinyarwanda, Lingála, Tshiluba, Kikongo, Kirundi, Malgasch.

Außerdem werden tägliche Nachrichtenmagazine auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch produziert sowie Gottesdienste und Gebetssendungen (überwiegend in lateinischer Sprache) ausgestrahlt.

Deutschsprachiger Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der deutschsprachigen Redaktion

Der deutschsprachige Dienst[8] sendet traditionell auf mehreren Kurzwellenfrequenzen abends um 20.20 Uhr ein Magazin, das am nächsten Tag um 0.10 Uhr und um 6.20 Uhr wiederholt wird. Um 16 Uhr wird das 15-minütige Nachrichtenmagazin „Treffpunkt Weltkirche“ ausgestrahlt.

Bis November 2010 wurde das deutschsprachige Programm außerdem über die Mittelwellenfrequenz 1530 kHz verbreitet.

Heute wird nur noch die terrestrische UKW-Frequenz 93,3 MHz in Rom eingesetzt. Daneben werden mehrere Satelliten sowie der Livestream für das lineare Hörfunkprogramm genutzt. Die Sendungen stehen auch als Podcasts sowie als Audio-on-Demand zur Verfügung. Der Betrieb auf Kurzwelle endete zum 1. Juli 2012. Vor allem setzt man seitdem auf die Wiederausstrahlung des Dienstes durch verschiedene Partnerstationen in Deutschland, Österreich, der Deutschschweiz und Südtirol.[9]

Einmal in der Woche bietet die Redaktion auf ihrer Homepage lateinische Nachrichten an.

Die Redaktion wird seit 2009 von Pater Bernd Hagenkord geleitet. Sein Vorgänger von 1982 bis 2009 war Pater Eberhard von Gemmingen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 2016 wurde Radio Vatikan von einem Generaldirektor geleitet, der gegenüber dem Staatssekretariat des Vatikans weisungsgebunden war. Dem Generaldirektor untergeordnet waren der Programm-, der technische sowie der Verwaltungsdirektor. Da Radio Vatikan bei seiner Gründung dem Jesuitenorden unterstellt wurde, sind die wichtigsten Direktorenposten – mit Ausnahme des Verwaltungsdirektors – mit Geistlichen dieses Ordens besetzt. Indes trägt der Basilianerorden überwiegend die Verantwortung für die Programmgestaltung von Radio Vatikan.

Der Generaldirektor wurde traditionell vom Papst, der Programm- und der technische Direktor vom Kardinalstaatssekretär ernannt (jeweils auf Vorschlag des Jesuitenordens).

Mit Ablauf des 31. Dezember 2016 verlor der Sender seine organisatorische Eigenständigkeit und wurde in das 2015 gegründeten Kommunikationssekretariat des Vatikans eingegliedert.[4] Die Umstrukturierung war kontrovers diskutiert worden.[10]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sendungen von Radio Vatikan sind unentgeltlich zu empfangen und werden ohne Werbeunterbrechungen verbreitet. Die jährlichen Ausgaben von 20 bis 30 Millionen Euro werden über das Budget des Heiligen Stuhles bestritten.[4]

Empfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendemast in den Vatikanischen Gärten

Radio Vatikan nutzte bis 2012 für die Verbreitung seiner Programme die Mittelwellenfrequenz 1611 kHz, zeitweise mit dem neuen digitalen Standard DRM, der eine erhebliche Verbesserung der Klangqualität gegenüber der sonst in diesem Rundfunkband üblichen Amplitudenmodulation (AM) bewirkte. Radio Vatikan gehörte zu den Pionieren dieser Technik.

Seit 2011 können die Multimedia-Inhalte von Radio Vatikan vor allem über eine Mediathek, den Vatican Player, genutzt werden, der über die Website des Dienstes aufzurufen ist. Für die mobile Nutzung gibt es Apps. Weiterhin werden YouTube-Kanäle betrieben, auch für Live-Übertragungen im Fernsehen.

Für die Stadt Rom und den näheren Umkreis werden mehrere UKW-Sender betrieben. Der Betrieb der ebenfalls nur lokal zu hörenden Mittelwellensender auf 585 und 1260 kHz wurde Ende November 2016 eingestellt.[11]

Am 12. Juni 2012 gab der Vatikan bekannt, dass die Sendungen von Radio Vatikan auf Mittel- und Kurzwelle für Europa und Amerika aus dem Sendezentrum Santa Maria di Galeria zum 1. Juli 2012 eingestellt werden. Die Sendeantennen wurden in der Folge abgerissen.[11] Europa und Amerika werden seitdem über das Internet, über DAB und DAB+, über Satellit und über Partnerstationen versorgt, die die Sendungen von Radio Vatikan übernehmen und wieder ausstrahlen. Der Dienst auf Kurzwelle für die ärmeren Teile der Welt, die nur auf diesem Wege erreicht werden können, bleibe bestehen.[12]

Die Sendeantennen in den Vatikanischen Gärten für den Kurzwellensender wurden im Februar 2017 abgerissen. Der Sendebetrieb in dem sogenannten „Marconi-Palast“ hatte bereits zum 30. November 2016 geendet.[11]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2005 gibt Radio Vatikan gemeinsam mit dem Leipziger St. Benno-Verlag die Buchreihe „Edition Radio Vatikan“ heraus. Erstmals wurde ein Buch dieser Reihe auf dem XX. Weltjugendtag in Köln präsentiert.[13][14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vatican Radio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Comunicato della Segreteria per la Comunicazione. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 22. Februar 2016, abgerufen am 22. Februar 2016 (italienisch).
  2. Der Heilige Stuhl: Presseamt des Heiligen Stuhls
  3. Wer wir sind. In: Radio Vatikan. Abgerufen am 21. Januar 2017.
  4. a b c d Vatican Radio Ends 85 Years of Independent Operations. In: National Catholic Register. (ncregister.com [abgerufen am 21. Januar 2017]).
  5. Radio Vatikan wird 75 | Markt und Medien | Deutschlandfunk. Website Radio Deutschlandfunk. Abgerufen am 12. Februar 2012.
  6. Kai Ludwig: Radio Vatikan beendet terrestrisches Englisch für Asien. In: Radio Eins Radio News. 25. März 2017, abgerufen am 29. März 2017 (deutsch).
  7. Jahreszahlen nach Félix Juan Cabasés: Cronoistoria documentata e contestualizzata della Radio Vaticana (1931–2011), Appendice Nº 1
  8. Radio Vatikan: Deutschsprachiger Dienst
  9. Radio Vatikan: Empfang, Stand 22. August 2013
  10. Kai Ludwig: Radio Vatikan nicht mehr eigenständig. In: Radio Eins Radio News. 2. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017.
  11. a b c Kai Ludwig: AM-Antennen in den Vatikanischen Gärten abgerissen. In: RBB Radio Eins Radio News. 2. September 2017, abgerufen am 11. Februar 2017 (deutsch).
  12. Vatican Radio: New Communications Strategies. In: news.va. 12. Juni 2012. Abgerufen am 12. Juni 2012 (Ansprache von P. Federico Lombardi).
  13. Vgl. Buchreihe von Radio Vatikan geht online Artikel von Radio Vatikan vom 10. Februar 2006, abgerufen am 4. Juli 2012
  14. Vgl. Buchvorstellung Buchempfehlungen auf der Homepage von Radio Vatikan, abgerufen am 4. Juli 2012. (Memento vom 15. Februar 2013 im Internet Archive)
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 06:08 min (1,6 MB) Text der gesprochenen Version (30. Oktober 2004)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia

Koordinaten: 41° 54′ 14″ N, 12° 27′ 1″ O